Zwei Welten unter vielen …

 

Da prallten wirklich zwei Welten aufeinander – die des Max Frisch und die von Hermann Hesse. Ich las nochmal Adolf Muschgs „Glasperlenspiel und Lebenskunst: Fünf Reden über Hermann Hesse“ und fand wieder die Stelle aus der Rede, die mich so beeindruckt hat bzw. was er über Hermann Hesse schrieb und worin er sich so sehr von Max Frisch unterschied.:

„….  und die Differenz springt um so deutlicher ins Auge, wenn einem bestimmte strukturelle Verwandtschaften auffallen. Beides sind Teil-Auswanderer aus ihrem Kulturraum, in dem sie – wenn auch unterschiedlich beweglich – ihre persönlichen Orte suchen; und beide Male liegt das Epizentrum im Tessin.
Aber der eine – Hesse – verdichtet es zum persönlichen Schutzraum und symbolischen Lebensmittelpunkt, den er ohne Not nicht mehr verlässt. Montagnola war kein Basislager für Erfahrungen, die man nur als Reisender machen kann. Hesse hat seine exemplarische Reise – nach Hinterindien – gewissermassen ein- für allemal absolviert; und gerade sie hat ihm gezeigt, dass sie bestenfalls ein Vorgeschmack, ein dürftiges Gleichnis für andere Wege ist, die über Raum und Zeit hinaus  führen, Wege zum Erwachen, welche die Seele allein und eigensinnig gehen muss, um bei sich selbst und zugleich im Reich einer wahren Realität anzukommen, das man mit verwandten Brüdern und Schwestern aller Zeiten und Räume teilt. Das grösste Hindernis auf diesem Weg ist die eigene Spaltung in einen wilden und einen domestizierten Anteil der Person. Harry und den Steppenwolf zu versöhnen, Narziss und Goldmund zusammenzuführen, ist eine Lebensarbeit, die sich, ebenso in der dichterischen Produktion und in persönlicher Lebenskunst niederschlägt. Die Leidensgeschichte der Individuation enthält zugleich das Potential zur Überwindung des Subjektiven in einem – mit Goethe zu reden – oberen Leitenden; in seinem Bann steht auch das Kunstwerk. Und neben dieser persönlichen Heilsgeschichte ist – zugespitzt gesagt – die Weltgeschichte zweit- oder drittrangig.
Frischs Existenz folgt einem ganz anderen Entwurf ….“   (Textauszug)

… im Reich einer wahren Realität ankommen – diese Worte waren es, die mich beschäftigten. Was genau erahnte Hermann Hesse übe dieses wahre Reich? Wie stellte er sich das vor?

 

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