Der Zyklon / Hermann Hesse

… oder „da braute sich fast etwas zusammen“!

Wie freute ich mich auf die Frühstückspause und mein neues Buchgeschenk, das mich gleich anfangs des Jahres erreichte – extra sorgfältig in einer „Schutzhülle“ verpackt, damit ihm der Postbote ja keinen Kratzer zufügen kann.

Punkt 9 Uhr lehnte ich mich entspannt in meinem Bürostuhl zurück und begann zu lesen.

„Der Zyklon“, diese Hesse-Erzählung kenne ich noch nicht. Ach, er kann ja so wundervoll erzählen. Wie kein anderer schildert Hermann Hesse nicht nur, sondern hat die Fähigkeit, uns in seiner Seelenlandschaft versinken zu lassen.

Ganz versunken las ich also:

„Es ist mir erinnerlich, dass jenen ganzen Spätsommer hindurch unser enges Tal in einer unerhörten Schwüle lag und dass zuweilen tagelang ein Gewitter nach dem anderen folgte. Es war eine heisse Unruhe in der Natur, von welcher ich freilich nur dumpf und unbewusst berührt wurde und deren ich mich doch noch in Kleinigkeiten entsinne. Abends zum Beispiel, wenn ich zum Angeln ging, fand ich von der wetterschwülen Luft die Fische seltsam aufgeregt, sie drängten unordentlich durcheinander, schlugen häufig aus dem lauen Wasser empor und gingen blindlings an die Angel. …“

Ich halte inne und denke mit einem Lächeln: „Ach ja, ich erinnere mich auch. Genau da unter dieser Brücke in Calw, wo du geangelt hast, da sitze ich manchmal und male. Und es ist genau so, wie du schreibst … an diesem Tag schlug ein Fisch aus dem Wasser. Da muss ich doch gleich nochmals einen Blick auf mein Gemälde werfen…“

Ich erinnere mich gut an diesen schwülen Tag, an dem ich unter „deiner“ Brücke sass. Die Trauerweiden spiegelten sich im Wasser und der angebundene Kahn schaukelte sanft in den Wellen. Ich mag diesen Platz sehr…..

Nun musste ich allerdings mein Buch wieder zur Seite legen, denn die Frühstückpause war um – viel zu kurz wie immer! Wie gerne würde ich jetzt viel lieber weiterlesen …

Zu meinem Büro öffnete sich dann auch schon die Tür und meine Kollegin kam herein. Ihr Blick fiel gleich auf mein Buch. Gewöhnlich fragt sie immer, was ich da lese, aber heute meinte sie:

„Sag‘ bloss, du verwendest die Frühstücksbeutel auch mehrmals?“
Mit grossen Augen starrte sie auf mein noch aufgeschlagenes Buch:

Ich sagte nur: „Das ist kein Frühstücksbeutel, sonderm mein Lesezeichen! Darin war das Buch verpackt. Zusammelgefaltet kann ich ihn ja wohl auf diese Art weiter nutzen, oder?“

Natürlich besitze ich auch gewöhnliche Lesezeichen, wie sie jeder andere benutzt, aber Hermann Hesse liebte das Besondere – wie ich!  😉