Nachtrag – das Thema ist noch nicht vom Tisch ;-)

 

Inmitten eines prächtigen Blumenmeeres schlief eine wunderschöne Krötenprinzessin schon seit 100 Jahren in ihrem metallisch glänzenden Schloss, bis ein heftiger Regenschauer, der an die Metallwände prasselte, sie weckte. Eine naturliebende Gärtnerin hatte gerade die Blumen gegossen. Die Tropfen fielen schwer aus der Gießkanne und erschütterten dröhnend das ganze Metallschloss.

Verstört blickte die aufgeschreckte Krötenprinzessin plötzlich in ein unbekanntes Gesicht und traute ihren Augen kaum.

Endlich, er war da: ihr Prinz!

Aber was hatte der vor? In Seiner Hand lag kein Schwert, wie das sonst bei Prinzen üblich ist. Nein, ein schwarzer kleiner Kasten war auf sie gerichtet und eine Glaslinse blitze ihr entgegen. So etwas hatte sie noch nie gesehen und fühlte sich plötzlich wie in einen Science Fiction-Film versetzt. Zutiefst erstarrt saß sie da und ihr Blick wurde immer finsterer, während sich der untrügliche Gedanke in ihr Bewusstsein einschlich, was dieser Bursche da vor hatte: Dieser falsche Prinz wollte sie keinesfalls küssen, sondern nur ein Foto schießen – und das nur, um es einer Anderen zu zeigen!  😲

Empört zog sie sich in ihr metallisch glänzendes Schloss zurück und vergrub sich in den dunklen Kellergewölben, um die nächsten 100 Jahre zu verschlafen.

Zufrieden mit sich und dem tollen Foto machte sich der Science Fiction-Prinz sogleich auf den Weg zu seinem Computer, lud das Foto hoch und verschickte es unverzüglich per Mail an eine tierliebe Bekannte, die als Erste von seiner neuesten Eroberung erfahren sollte.

© Wolfgang Weber (danke für das inspirierende Foto 😍 )

Letztendlich können wir daraus schließen, wie sich die Zeiten ändern und auch die Prinzen, die nicht mehr küssen wollen, sondern lediglich fotografieren.   😉

So ein Kamel!

 

Querulant oder Querdenker? Eines haben sie meistens gemeinsam: sie sind äußerst unbequem für die Gesellschaft. Sie hemmen unseren gewohnten Lebensfluss … kommen uns in die Quere, weil sie eben anders sind. Wer kennt nicht den Spruch, der zu diesen Gelegenheiten oft folgt: „So ein Kamel!“

„So ein Kamel!“, tobte der Kameltreiber und riss seine Arme hoch, als wollte er vom Allmächtigen schon wieder einmal Hilfe erbitten. Als sich jedoch nichts tat und sich der Himmel wie gewöhnlich nicht öffnete, sprang der aufgebrachte Mann von einem Bein auf das andere, dass der Wüstensand um ihn herum nur so staubte.
„Dieses Kamel hält mir mit seinem Querstand die ganze Karawane auf, wo wir ohnehin schon viel zu langsam sind. Wie soll ich da bis zum Morgen auf dem Basar sein? Heee, du Querulant, reihe dich sofort wieder in Laufrichtung ein, wie sich das für ein Kamel gehört!“
Das Kamel jedoch richtete sich augenblicklich noch querer aus, damit der Querwinkel exakt 90 Grad ergab. Dann blickte es den Kameltreiber tiefsinnig und äußerst welterfahren an: “Nicht Querulant, mein Lieber. Queeeeerdenker! Ich bin ein Querdenker! Ich suche und finde neue Wege, die schneller und bequemer zum Ziel führen.“
„Was bist du? Ein Querdenker? Ich habe in gutem Glauben ein Kamel gekauft, das schnurstracks in der Reihe läuft! Schau dir deine Brüder an und lerne von ihnen!“

„Meine Brüder sind sehr erschöpft und durstig. Sie sind so erschöpft, dass sie nicht einmal mehr den Kopf drehen können. Aber wie glücklich können sie sich schätzen, dass sie einen Querdenker in der Familie haben. Einen, der über den Tellerrand … ähm, über den Dünensand hinausschaut. Einen, der sich in der Wüste auskennt und der weiß, dass ein frisch getränktes Kamel bedeutend schneller läuft. Nur darum habe ich „quer“ gedacht und mich auch quer gestellt. Würdest du das auch tun, dann könntest du sehen, dass da drüben eine kleine Oase mit frischen Wasser ist. Wasser ist Leben und nicht nur das. Wir Kamele leben mit Wasser schneller … und laufen auch schneller!“

Der Kameltreiber erhob sofort, nachdem er das gehört hatte, seine Augen gen Himmel und sprach: „O Allmächtiger, wie danke ich dir, dass du mir diesen Querulanten … sorry, ich meinte natürlich Querdenker … mit auf den Weg gegeben hast. So ein kluges Kamel … ein querdenkendes!“

Den anderen Kamelen rief er dann hastig zu: „Aaaaachtung! Alles quergestanden! Wir marschieren zur Quelle. Und das nächste Mal denkt ihr gefälligst quer mit!“

Da blickte der querulante Querdenker sehr zufrieden drein, schüttelte kurz seinen wuschigen Höcker und trabte gemütlich mit seinen Brüdern auf die Oase zu.

„So ein Kamel!“, dachte es bei sich und blickte zum Kameltreiber hinüber, „Und jeden Tag kannst du einem begegnen. Die sterben nie aus … “

Gemälde und Text © chrinolo

Die Geschichte über die Glückseligkeit eines kleinen Bratapfels

 

Es war einmal ein kleiner Bratapfel, der duftend und sich seiner ganzen Schönheit bewusst, inmitten einer zauberhaften Winterlandschaft stand, die seinen Teller zierte.

Noch ganz trunken vor Glück, erinnerte er sich an seine Schöpfung, an die zwei liebevollen Hände, die ihm nicht nur äussere, sondern auch innere einzigartige Schönheit gaben. „Wie aussen, so innen und wie innen, so auch aussen“, dachte er zufrieden mit sich selbst. Beglückt schaute er zuerst prüfend an sich herunter und erhob dann seinen Blick nach oben – direkt in ein Paar glänzende, erwartungsvolle Augen hinein.

Diese strahlenden Augen betrachteten ihn gefällig von allen Seiten und er konnte den leichten Lufthauch fühlen, den eine Nase verursachte, die seinen köstlichen Duft einsog. Appetitlich und selbstbewusst dehnte und reckte sich der kleine Bratapfel, damit der faszinierte Betrachter den Anblick seiner Lieblichkeit ausgiebig bewundern und auskosten konnte. Diese Zeit, diese Augenblicke, waren wohl die schönsten in seinem ganzen Leben.

Doch plötzlich bemerkte er, dass er nicht alleine war. Ein riesiger Apfel-Blechkuchen hatte sich herablassend an seine Seite gesellt. Erschrocken blickte der kleine Bratapfel auf den Riesen, der ihm da furchterregend zu Leibe rückte. Der kleine Bratapfel wurde nun aber nicht etwa von Furcht, sondern eher von … ja, von Bedauern und Mitleid erfüllt. Er erinnerte sich nämlich sofort daran, was den erbarmungswürdigen grossen „Bruder“ erwartete. Und mit einer gewissen Trauer nahm der kleine Bratapfel wahr, dass bereits ein enormes Stück in der rechten unteren Ecke des Apfel-Blechkuchens fehlte. Einfach schrecklich war das – er hatte bereits seine Vollkommenheit verloren! Und noch schlimmer, auch der Rest würde nun, ziemlich schnell und kaum vom Verzehrer beachtet, verschwinden – Stück für Stück würde dieser arme Riese brutal einen Rachen hinabstürzen, direkt in einen gierigen Magen hinein!

Nein, mit solch grausigen, wenn auch absolut wirklichkeitsnahen Gedanken, wollte sich der kleine Bratapfel nicht länger beschäftigen. Sein Schicksal sah glücklicherweise etwas anderes für ihn vor …

Der kleine Bratapfel wandte sich klugerweise wieder den Augen zu, die ihn immer noch voller Hingebung und Lust betrachteten. Dies fühlte sich für den kleinen Bratapfel an, wie ein sanftes, abtastendes Streicheln seiner Haut, zart und schmelzend, wie sein Inneres, welches diese Augen jetzt voller Wertschätzung suchten.
Ein wohliger Schauer erfasste den kleinen Bratapfel und er flüsterte leise:

„Koste mich! Nimm mich liebend in dir auf, ich will gerne ein Teil von dir sein und in dir weiterleben.“

Die Augen lächelten ihn wohlwollend an und der kleine Bratapfel dachte glückselig:

„Wahre Schönheit ist, wenn jemandes Lächeln dich fesselt und gefangen nimmt und dessen Blick in dir etwas freisetzt, was urplötzlich ein wohliges Gefühl in dir aufkommen lässt. Dieser Zustand wird unweigerlich deine Seele berühren und deine Gedanken werden nur noch um dieses Lächeln kreisen!“
(Verfasser leider unbekannt, aber sehr schön!)

Nun sagt selbst, was kann einem kleinen Bratapfel an einem wunderschönen Wintertag Besseres passieren … 😉