Das, was wirklich wichtig ist, bist DU !

Er spricht über Beziehungen, die wir zu anderen unterhalten und meint, dass wir sie in zwei Arten unterteilen können. Die alltäglichen gewöhnlichen Begegnungen, er nennt sie „Kreuzungen“, und die wichtigen tiefen Beziehungen, die intimen.

„Da gibt es die Alltagsbeziehungen ohne allzu grosses Engagement oder Bedeutung, die ich eher als „Kreuzungen“ als „Begegnungen“ nennen möchte: Der Weg eines Mannes und der einer Frau laufen immer weiter aufeinander zu, bis sie sich fast berühren; sie gehen eine Beziehung ein, aber bereits im Moment der Vereinigung beginnen sie, sich allmählich voneinander zu entfernen, bis sie sich aus den Augen verlieren. Sie haben sich gekreuzt ohne sich wirklich zu treffen.

Und da gibt es andere, intensivere und dauerhaftere Verbindungen. Zwei Wege, die sich einander annähern und eine Weile lang ein gewisses Stück parallel verlaufen. Diese Begegnungen, die, wenn sie gelingen, nicht nur tief, sondern auch innig sind, würde ich gern intime Verbindungen nennen. Ich sage immer, das Leben ist eine nichtkommerzielle, nüchterne Transaktion, in der man gibt und nimmt. Intimität hängt eng zusammen mit dem, was ich gebe, und dem, was ich empfange. Was manchmal schwer zu begreifen ist.

Die Welt ist voller Menschen, die nichts geben können und ständig etwas einfordern, aber auch voll von denen, die immer alles geben, ohne selbst je etwas nehmen zu können, weil sie glauben, mit ihrem Opfer zum Erhalt der Beziehung beizutragen. (Wenn sie wüssten, wie schrecklich es ist, jemand zur Seite zu haben, der es sich nie erlaubt zu nehmen, wären sie sicherlich erstaunt.)
Es ist eine Sache, nichts für das, was man gibt, zu verlangen, aber es ist eine andere, etwas nicht annehmen zu wollen, was man geschenkt bekommt, oder es zurückweisen, weil man meint, es nicht verdient zu haben. Tief im Innern kommen beim anderen Botschaften an wie „Was du gibst, reicht mir nicht“ oder „Du hast ja gar keine Ahnung“, Was von dir kommt ist wertlos“ oder „Deine Meinung interessiert mich nicht“.
Man muss wissen, welchen Schaden man anrichtet, wenn man sich systematisch weigert, etwas anzunehmen, das jemand anders einem von Herzen geben will.
Ein offener, nicht abreissender und grosszügiger Austausch bei wechselseitiger Hingabe ist der beste, wenn nicht der einzige Zugang zur Intimität.
Ich glaube nicht, dass jede Begegnung zur intimen Beziehung werden muss, aber ich bin der Auffassung, dass nur sie wirkliche Bedeutung hat auf dem Weg zu unserer persönlichen Selbstverwirklichung…
Wenn ich ehrlich bin, dann kommen nur diejenigen, denen ich wirklich nahe komme, in Betracht, in die Liste der Menschen aufgenommen zu werden, die meine Antwort sind auf die Frage:
„Wen wünsche ich mir als Begleiter, zumindest in diesem Moment meines Lebens?“ [….]

Ich spreche nicht von Intimität als Synonym für Privatsphäre oder Sexualität, ich rede nicht vom Bett oder vom Partner, sondern von allen wichtigen, tiefgründigen Begegnungen. Ich rede von Beziehungen unter Freunden, Männern und Frauen, die in ihrer Innigkeit über den gegenwärtigen gemeinsamen Moment hinausreichen können.

Intime Beziehungen sind darauf aus, nicht an der Oberfläche zu verweilen, und dieses Streben nach Tiefe verleiht ihnen Stabilität, zu halten und die Zeit zu überdauern.
Eine intime Beziehung ist eine affektive Verbindung, die über das Gewöhnliche hinausgeht, denn sie beginnt in der stillen Übereinkunft, keine Angst vor dem Sich-Öffnen haben zu müssen, und mit der Zusicherung, sich ganz und gar als derjenige zeigen zu können, der man ist.
Das Wort Zusicherung kommt von „Sicherheit“ und gibt der Beziehung eine andere Tragweite. In einer zugesicherten Beziehung kann man sich auf das Gesagte verlassen, und man weiss von vornherein, dass man auf den anderen zählen kann.“ …
(Textauszug aus: „Drei Fragen: Wer bin ich? Wohin gehe ich? Und mit wem?“ von Jorge Bucay)

Dass man auf den anderen zählen kann … dass man sich beim anderen sicher fühlen kann. Was für eine schöne Vorstellung und was für ein schönes Gefühl, wenn es dann so ist.

Darüber hat er auch ein Buch geschrieben, das ich noch nicht gelesen habe. Ich habe mir es jedoch vorgenommen, denn ich lese gerne in seinen Büchern. Das Buch:

„Zähl auf mich“: Roman von Jorge Bucay