Bei Ortheil denke ich an Schumann

 

Er schreibt Bücher, die mich beim Lesen immer „aufhorchen“ lassen. Bei seinem Buch „Die Erfindung des Lebens“, eines der berührendsten und schönsten Bücher, die ich von ihm gelesen habe,  hörte ich Bachs Italienisches Konzert und Schumanns C-Dur-Fantasie.

Die Musik führte ihn zur Sprache. Und daraus entstanden seine wundervollen Romane, die ich kennen- und lieben gelernt habe.

Nun lese ich „Musikmomente“, Ulrike Sokul hatte es kürzlich vorgestellt:

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/02/13/musikmomente/

und schon beim Lesen ihrer Buchbeschreibung ahnte ich, was dieses Buch mit mir tun würde: schon nach den ersten Seiten bin ich wieder in sein „Die Erfindung des Lebens“ versunken. In die Geschichte des kleinen Jungen, dessen Mutter „erstummt“ war und ihn auch stumm machte. Bis …

(Textauszug aus „Die Erfindung des Lebens“ Seite 69 und 75 von Hanns-Josef Ortheil)

Ich denke, während ich nun „Musikmomente“ weiterlese, werde ich oft das Buch zur Seite legen müssen, weil sich Szenen, Emotionen und Musik aus seinen anderen Romanen in mir auftun. Jedesmal wird die passende Musik dazu in mir erklingen.

Was beschäftigt dich denn jetzt schon wieder? ….

 

Zu mir sagte einer (sinngemäß): „Bevor du deine Gedanken über die Nichtexistenz der jenseitigen Welt zu Ende gedacht haben wirst, stehst du schon am Ende des Korridors diesem funkelnden Licht gegenüber.“ Das sagte er ernsthaft. „Und dann?“, fragte ich. „Das wirst du selbst herausfinden, wenn du dich dafür interessierst und damit beschäftigst. Wenn du genügend selbstbewusst bist und dich nicht daran störst, dass dich andere deswegen für „spinnert“ halten. Die Leute in Deutschland neigen dazu. In vielen anderen Ländern erwirbt man dieses Wissen nicht im dunklen Kämmerlein, damit es ja niemand mitbekommt. Mittlerweile beschäftigen sich auch immer mehr Forscher und Mediziner ernsthaft damit. Warum? Vielleicht weil wir uns alle nach diesem erweiterten Bewusstsein jenseits unseres Körpers sehnen? Es ist doch nichts Falsches daran, wissen zu wollen, was „danach“ mit uns geschieht – nach dem körperlichen Tod. Lies darüber und entscheide selbst, was du glauben willst.
Nur, um entscheiden zu können, musst du auch die Gegenseite kennen. Die „Gegenseite“, das sind die, welche schon ein bisschen mehr darüber wissen und berichten, darunter auch einige aussagekräftige wissenschaftliche Studien. Lies … hör sie dir an.“

Das werde ich tun, genauer gesagt, das muss ich jetzt tun. Mein Gefühl sagt mir das, denn ich weiß viel zu wenig darüber.

Ich kaufte mir zunächst das Buch „Das Tor zum Himmel“ von Bernard Jakoby. Er gilt im deutschsprachigen Raum als der Experte für Sterben und Trauerarbeit und als Nachfolger von Elisabeth Kübler-Ross, der Begründerin der Sterbeforschung. Ich denke, von diesen Leuten kann ich etwas lernen.

Ich las:

(Textauszug aus „Das Tor zum Himmel“ von Bernard Jakoby)

Seine Thesen sind umstritten, aber waren das zunächst nicht auch die von anderen großen Wissenschaftlern und Forschern?

Überall geht ein früheres Ahnen dem späteren Wissen voraus.

Alexander von Humboldt

Hier konnte in Einsamkeit Zweisamkeit erblühen …

 

Manchmal kommt man vom Weg ab, z.b. bei einem Spaziergang zu einem Buchladen. Diesen findet man dann aber an einer ganz anderen Stelle, in einer fremden Gasse, in die man sich verirrt hat. Und manchmal führt dieses „vom Weg abkommen“ geradewegs in ein Abenteuer, welches das Leben verändert – plötzlich wird es ganz anders, poetischer, romantischer, einfach schöner.

Ich mag Bücher über alte, verwunschene Buchläden und geheimnisvolle Buchhändlerinnen  … ich lese Zwitschernde Fische von Andreas Séché :

(Textauszug aus Zwitscherne Fische, Seite 33-36)

„Zwitschernde Fische“, was für ein seltsamer Titel. Mir fällt gerade ein Bild ein, das ich letztes Jahr im Oktober zu einer kleinen Geschichte gemalt habe …  ich schrieb dazu:

Eine echte Begegnung kann in einem einzigen Augenblick geschehen.
Anaïs Nin

Ja, in Träumen und in Büchern kann viel passieren. Ich bin sehr gespannt, wie es nun im Buch weitergeht   🙂

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Es kreist und kreist in meinen Gedanken …

 

Selbst wenn ich nun dafür gesteinigt werde, ich muss es tun. Das bin ich den Händen schuldig.

Es kreist und kreist in meinen Gedanken und es wird das so lange tun, bis ich die Sache abgeschlossen habe. Ich habe wirklich nicht damit gerechnet, dass ich in „Leuchtturmmusik“ auch diesen Händen begegnen würde, aber es ist passiert. Und genau jetzt muss ich „Zwitschernde Fische“ zur Seite legen und mich nochmals den Handnegativen stellen. Erinnert ihr euch, wie viele Gedanken ich mir darüber gemacht hatte?   Unglaublich fand ich sie, wie auch Emmy, als sie diese sah  …

Hier:  https://seelenglimmern.com/2017/10/29/ich-habs-geahnt-das-kann-ja-gar-nicht-funktionieren-%F0%9F%98%A1/  und zuvor hier:

https://seelenglimmern.com/2017/10/29/eiszeitlicher-blowjob-%F0%9F%98%8A/

Stellt euch vor, nun fand ich in „Leuchtturmmusik“ die Lösung! Auf Seite 128/129 – lieber Herr Séché, bitte verzeihen Sie mir den zusätzlichen, kitzekleinen Textauszug. Er erklärt alles! Dieses Buch liebe ich ja, weil ich dort so einiges nochmals nacherleben kann … Vertrautes   🙂

Was für ein Buch! Jetzt brauche ich nur noch zwei Sprühflaschen für ocker und weinrot, dann kommen meine Hände dran.


(Bild aufgenommen im Naturkundemuseum Karlsruhe)

Und dann lese ich in „Zwitschernde Fische“ weiter. Darauf bin ich schon gespannt  🙂

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Und wie steht es mit deinem „Erträumen“ ?

 

Nun las ich über Mitträumer, überdas Unscheinbare und all die kleinen Wunder. Das ist absolut nicht verwerflich. Es wird sogar zum Gleichtun empfohlen. Und das TUN ist es, was zählt!

… Mitträumer – ja, manchem traut man es nicht zu, einer zu sein. Obwohl es etwas Wunderschönes ist, einen Mitträumer an der Seite zu haben, um gemeinsam beglückende Spinnereien auszuleben … und um gemeinsam zu visionieren.

Wir sollten vielleic ht wirklich unsere Wahrnehmung noch mehr schärfen, für alle Dinge, die uns begegnen. Warum nicht bei einem Spaziergang am Strand:

(…..  Textauszüge aus „Leuchtturmmusik“ von Andreas Séché S.189 und 194)

Ich denke, ich verstehe diese Botschaft. Er meint das Unscheinbare, die kleinen Wunder, die vor unseren Füssen liegen. Einfach die Augen öffnen!

So, das war´s. Den Rest des Buches möchte ich nicht vorwegnehmen, sondern empfehle von Herzen, es einfach selbst zu lesen.
Was mir u.a. an diesem Buch sehr gefällt, habe ich ja bereits in meinen anderen Einträgen beschrieben – wer es verpasst hat, hier:

https://seelenglimmern.com/2018/02/02/das-milchscheinmaedchen/

https://seelenglimmern.com/2018/01/31/huete-dich-vor-menschen-die/

https://seelenglimmern.com/2018/01/30/wohl-einer-der-schoensten-zustaende-verliebtheit/

Abschließend aber möchte ich noch ein kleines, sehr schönes und mir bekanntes Video von Andreas Séché einstellen (ich lese das PM-Magazin seit vielen Jahren  🙂  ).

Es zeigt mir seine Naturverbundenheit und bringt zum Ausdruck, was er in seinen Büchern schreibt. Und er zeigt sich selbst. So sehe ich es jedenfalls:

Ich habe es genossen, während meines Schreibens alle die wundervollen Buchseiten nochmals aufzuschlagen und nachzulesen … 🙂

Sein Zufluchtsort: die „Sonnenstube der Schweiz“

 

Heute Morgen auf arte.tv – ich wurde wieder in ein Land entführt, das ich erlebt habe: dort scheint die Sonne inniger und die Berge sind röter …  ja, so war es!

In Gedanken nahm ich wieder Platz auf seiner roten Bank und träume mich zurück.

„Als Gnade vom Himmel kam dazu ein Sommer, wie ich nur wenige erlebt habe, von einer Kraft und Glut, einer Lockung und Strahlung, die mich mitnahm und durchdrang wie schwerer Wein. Die glühenden Tage wanderte ich durch die Dörfer und Kastanienwälder, saß auf dem Klappstühlchen und versuchte, mit Wasserfarben etwas von dem flutenden Zauber aufzubewahren; . . . die warmen Nächte versuchte ich, mit Worten das Lied dieses ungeheuren Sommers zu singen.“,

schrieb Hermann Hesse. Und genau so empfand ich es auch – es war fast ein rauschähnlicher Zustand an diesem schönen Ort.

Und nun folgte ich dieser schönen arte-Dokumentation und erinnerte mich. An Hermann Hesse und sein Montagnola, sein Tessin, an seine Gedanken, die er uns in seinen eindrucksvollen Tagebuch-Eintragungen hinterlassen hat. An ein Fleckchen Erde, wo auch ich mich sehr wohlgefühlt habe: die „Sonnenstube der Schweiz“! Oh ja, ich verstehe seine Liebe zum Tessin …

Hier der Film – ich finde ihn sehr sehenswert:

https://www.arte.tv/de/videos/078727-019-A/stadt-land-kunst/

Hüte dich vor Menschen, die …

 

Was für eine Botschaft! Überhaupt ist dieses Buch voller Botschaften. Ich habe das Gefühl, wieder eine kleine Schatzkiste in Händen zu halten, prall gefüllt mit Wahrheiten, mit Lebensweisheiten, die mich anfunkelnd wie Juwelen, die mich anleuchten und nachdenken lassen … vielleicht sogar ein wenig erleuchten!

Es sind wertvolle Antworten auf Lebensfragen, die sich uns im Laufe unseres Lebens stellen, in Bezug auf unsere Liebe(n) und all die damit verbundenen Enttäuschungen und Schmerzen. Und auch auf den Tod! Einige dieser „Weisheiten“ sind mir bekannt und scheinen zu zutreffen. Viele Philosophen haben sich bereits damit eingehend beschäftigt und uns ihr Vermächtnis hinterlassen. Warum wohl?

Scheinbar schieben wir Erkenntnisse, vor allem unangenehme, immer gerne schnell zur Seite und müssen von Zeit zu Zeit wieder daran erinnert werden, weise Worte noch besser zu beachten. Sie geraten allzu oft in Vergessenheit und verschwinden für lange Zeit in einer „Schatzkiste“. Zunächst bewundern wir sie höchst erfreut, aber dann schließen wir den Deckel. Das, obwohl wir genau wissen, wie kostbar sie sind. Doch aus Sorge, diesen kostbaren Fund wieder zu verlieren, verbergen wir ihn sicher in irgendeiner dunklen Ecke unserer Seele. Und danach gehen wir erneut auf Schatzsuche. Wenn wir Glück haben, fällt uns auf unserem dem Weg abermals eine kleine Schatzkiste voller Kostbarkeiten vor die Füße. Dann sollten wir aber auch hinschauen und nicht einfach achtlos darüberstolpern.

Ein Schatzkästlein – dies könnte zum Beispiel ein Buch sein, in dem viele solcher kostbaren „Juwelen“ zwischen den Zeilen versteckt sind, eingefasst in eine wunderschöne, sanfte und überaus poetische Sprache, zusammengesetzt aus einer Kette bezaubernder Wortperlen.

Beeindruckende Bilder, äußerst kreative Wortmalereien, öffnen uns plötzlich die Augen und regen unsere Fantasie an. Geheimnisvolle Metaphern, die unserer Innerstes anrühren, erklären die Botschaft und bewirken, dass wir unseren Blick für nicht nur für die Ganzheit, sondern auch für das kleinste Detail, öffnen. Dies geschieht, weil diese Sprache so voller Kraft und geheimnisvoller Poesie ist, dass wir uns ihr nicht entziehen können. Wir halten inne und versuchen, uns zu erinnern … das hast du doch schon einmal gehört – es scheint ja doch wahr zu sein!

„Du wirst doch jetzt nicht kapitulieren?“
„Nein. Natürlich nicht.“
Leon sah mich scharf an. Dann nahm er entschlossen einen weiteren Schluck Bier, wie um sich für seine Worte zu stärken.

„Manche Menschen richten ihre Interessen danach aus, wie bequem sie zu erreichen sind. Wenn es Schwierigkeiten gibt, wechselt ihre Aufmerksamkeit so schnell die Richtung wie das Drehfeuer eines Leuchtturms. Hüte dich vor Menschen mit kreisenden Interessen. Und vor allem – “ Er stockte.
„Ja?“
„Hüte dich davor, selbst so einer zu sein.“

Ich erinnere mich, dass Leon bei diesem Ratschlag den Blick senkte und seine Stimme einen merkwürdigen Unterton annahm. Für eine Weile starrte er ins Leere, als sei die Schenke um ihn herum mit all ihren Geräuschen und Menschen verschwunden.
Heute wünschte ich, die Beschäftigung mit meinen eigenen Gefühlen hätte an diesem Abend ein wenig Raum für das Geheimnis gelassen, das Leon in seinem Innern trug.

„Hör zu“, setzte er schließlich noch einmal an und blickte mir wieder in die Augen. „Manche Feuer entflammen schnell, aber dann lassen wir sie nicht lange genug brennen, um ein Schiff in den Hafen zu leiten. Das ist alles, was ich dir damit sagen will.“
(Textauszug aus „Leuchtturmmusik“/ Andreas Séché )

Ja, was für eine Botschaft!

Und es ist noch lange nicht alles, was dieser hinreißende, mitreißende und vor allem sprachlich sehr schöne Roman für uns bereithält. Ich habe mich von der ersten bis zur letzten Zeile in diesem Strudel aus auf- und abwallenden Emotionen und auch von den zu Tränen rührenden Gefühlen mitziehen lassen.

Andreas Séché ´s poetischer Schreibstil begeistert mich immer wieder und seine Naturbeschreibungen, über die ich noch berichten werde, sind von einer Schönheit, die ihresgleichen sucht. Einfach beeindruckend!