Dann schloss sie träumend wieder ihre Krone …

 

Vor ewigen Zeiten lebte einmal eine sehr schöne Frau, deren Geliebter viel zu früh starb. Da sie so liebte und sie sich ewige Treue versprochen hatten, konnte die Frau ihn nicht verlassen. Sie watete im Mondlicht ins Wasser eines tiefen unergründlichen Sees, bis das Wasser über ihr zusammenschlug. Und während sie starb, gebar sie viele Kinder. Diese treiben noch immer in unsagbarer Schönheit im See – bis heute! Man nennt sie „Seerosen“.

Dies habe ich mal irgendwo gelesen, Quelle unbekannt. Aber als ich nun auf meine Seerose im Teich blickte, dachte ich wieder an diese schöne Sage …

In schwarzer Tiefe sicher verwurzelt
Drängt sie aus dem dunklem Wasser empor
Längst verstorbene Seelen
Blicken lichtdurstig aus ihrer Mitte hervor
Aus ihrem blühenden Mund
Erklingen sonnenduftige Lieder
Kosmisch, nur ganz leise hingehaucht
– keiner kennt den Grund –
erklingen sie immer wieder
Die Knospe strebt aufwärts
Schwebt zitternd, erregt und bleich
Durch das tiefe nächtliche Wasserreich
Reckt sich dann keck, öffnet kühn ihr Hüllenkleid
… und zeigt mir ihre reinste, weisse Blütenherrlichkeit.

© chrinolo

Morgen wird sie wieder in meinen Armen liegen …

 

Mein Enkeltöchterchen

Den offenen Blick in die Ferne
Mit wachen neugierigen Augen
Ich glaube, sie mag ihn wohl gerne

Sie will sich ständig orientieren
Und ist auch bereit
Schon so manches zu riskieren

Sie denkt – saugt erwartungsvoll an der Unterlippe
Genau so, wie es die grossen Denker tun
Während ich jede Beobachtung in den PC eintippe

So ein süsses kleines Wesen
Was sie sieht, das nimmt sie auf
Sicher wird sie später auch viel lesen!

Ihre Gedanken, gepaart mit den meinen
Erschaffen gerade eine fantastische Welt
Vor lauter Glück könnt‘ ich jetzt weinen

– Hoffnungsvoll ruht mein Blick auf ihr. –

 

Nacht am Meer

Leise rauschten die sanften Wellen
Über den warmen Meeressand
Züngelten langsam heran und umspülten mich zärtlich
Während die glutrote Sonne am Himmel stand.

Diese letzte Nacht am Meer
Ich erinnere mich gut und gerne
Ist schon viel zu lange her – doch mein Traum blieb
von rotversinkender Glut, da waren auch unzählige Sterne.

Funkelnd und weit strahlte der Sonne Lichtermeer
Überwältigend, wie es sich über das tiefgründige Meer ergoss
Ich erinnere mich, wie behutsam der Horizont den Morgen gebar
Fühle noch heute die Geborgenheit, die durch all meine Sinne floss.

Von Sehnsucht getrieben pack ich nun im Traum meinen Koffer
Stopfe ihn voll bis zum Rand
Unzählige Nächte möchte ich am Meer erleben, doch es bleibt ein Traum
Zwischen mir und dem Meer – liegt unüberwindliches weites Land.

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Beflügelte Eule

Leicht und lautlos durchstreift sie die Nacht
Langsam, mit ausgebreiteten Flügeln
Routiniert lässt sie sich dabei fallen
Und landet schliesslich wieder sacht.

Sorgsam pflegt sie ihre Schwingen
Vor jedem neuen Flug
Nach dem Tag die Nacht geniessen
Wiederkehrenden Auftrieb wird sie bringen.

Ein neuer Start – der Nachtwind ist lind
Sie liebt den Weitblick ins All und auf die Erde
Streift weise und wissend über dich hinweg
Wie dankbar sie ist, dass ihr Flügel gewachsen sind.

© chrinolo

Das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern

 

Gedanken an meine beiden Söhne und Enkelkinder (bald sind es vier 🙂 ) –  es sind liebevolle Gedanken, die mich durch den Tag begleiten. Eine tiefe Zufriedenheit erfüllt mich dabei. Allen geht es gut und sie kommen mit ihrem Leben zurecht. Dies ist ein sehr positives und beruhigendes Gefühl, bei dem mich auch grosse Dankbarkeit erfüllt, dass es die Schöpfung mit mir in dieser Hinsicht gut gemeint hat. Gut so, wie es ist … meine Kinder 🙂  . Doch:

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.
Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.
Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit,
und Er spannt euch mit Seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.
Laßt euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;
Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.

Khalil Gibran, arabischer Dichter, 1883-1931

Wie recht er doch hat, dieser grosse Poet. Seine Worte haben mich durch viele Jahre hindurch begleitet, während meine Kinder erwachsen wurden und ihren Weg gesucht haben.

Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.  (Goethe)

 

Tränendes Herz

 

Tränendes Herz zwischen Grün und Blau
Weint immerzu, es weiss aus Erfahrung genau
Beharrlich muss es im Schatten stehen
Vermutlich will niemand die Tränen sehen

Wie traurig, denkt es sehnsuchtsvoll
Jetzt lachende Sonnenblume sein, das fände es toll
Öffnet erneut sein hoffnungsvolles Herz
Doch schon ist er da, der alte Schmerz

Es fühlte die Träne, die aus dem Herzensinnern rann
Weinte sie weissglitzernd, wie ein Tränendes Herz dies nur kann
Die Tränen fliessen, wie auf eine Perlenkette gereiht
Verschönern der Schattenumgebung grün-blaues Kleid

Das ist wohl der Sinn – Schicksal der Tränenden Herzen
Man findet sie herzig, doch keinen kümmern ihre Schmerzen.

© Chrinolo

 

Abgewandt

 

Abgewandt von Lebenswirren, von unguten Lauten
Sitzt eine Malerin auf grauglitzerndem Stein
Atemberaubende Schönheit in wohliger Stille
Wirkt hier heilkräftig ein auf ihr hektisches Sein.

Achtsam betrachtend ruht ihr Blick
Auf natürlichen Farben und Formen
Wild und ausbreitend gestaltet die Natur
berücksichtigt keinen gesellschaftlichen Normen.

Weitverzweigte Wurzeln dringen tief in die Erde
Blätter streben selbstbewusst in die Lüfte

Farbintensive Blüten schweben schwerelos dazwischen
Strahlen die Malerin an, nebeln sie ein in betörenden Düfte.

 

 

Tief atmet sie Zuversicht ein, danach allen Kummer aus
Skizziert sorglos die Natur – ihren gnädigsten Tröster
Fühlt unverfängliche Freude
Wird jetzt zunehmend gelöster.

© chrinolo