Hier konnte in Einsamkeit Zweisamkeit erblühen …

 

Manchmal kommt man vom Weg ab, z.b. bei einem Spaziergang zu einem Buchladen. Diesen findet man dann aber an einer ganz anderen Stelle, in einer fremden Gasse, in die man sich verirrt hat. Und manchmal führt dieses „vom Weg abkommen“ geradewegs in ein Abenteuer, welches das Leben verändert – plötzlich wird es ganz anders, poetischer, romantischer, einfach schöner.

Ich mag Bücher über alte, verwunschene Buchläden und geheimnisvolle Buchhändlerinnen  … ich lese Zwitschernde Fische von Andreas Séché :

(Textauszug aus Zwitscherne Fische, Seite 33-36)

„Zwitschernde Fische“, was für ein seltsamer Titel. Mir fällt gerade ein Bild ein, das ich letztes Jahr im Oktober zu einer kleinen Geschichte gemalt habe …  ich schrieb dazu:

Eine echte Begegnung kann in einem einzigen Augenblick geschehen.
Anaïs Nin

Ja, in Träumen und in Büchern kann viel passieren. Ich bin sehr gespannt, wie es nun im Buch weitergeht   🙂

.

 

Das Milchscheinmädchen

 

Sanft, poetisch und ästhetisch beschreibt er die Liebe. Und einfach bezaubernd bringt er die Natur zum Ausdruck.

(Textauszug aus „Leuchtturmmusik“ von Andreas Séché, Seite 182/183)

Milchscheinmädchen … ich stellte es mir vor, wie es im Mondschein da lag.  Wie das ungewöhnliche Licht seinen Zauber auf sie legte. Ich begann ihren nackten, schimmernden Körper zu malen:

Hüte dich vor Menschen, die …

 

Was für eine Botschaft! Überhaupt ist dieses Buch voller Botschaften. Ich habe das Gefühl, wieder eine kleine Schatzkiste in Händen zu halten, prall gefüllt mit Wahrheiten, mit Lebensweisheiten, die mich anfunkelnd wie Juwelen, die mich anleuchten und nachdenken lassen … vielleicht sogar ein wenig erleuchten!

Es sind wertvolle Antworten auf Lebensfragen, die sich uns im Laufe unseres Lebens stellen, in Bezug auf unsere Liebe(n) und all die damit verbundenen Enttäuschungen und Schmerzen. Und auch auf den Tod! Einige dieser „Weisheiten“ sind mir bekannt und scheinen zu zutreffen. Viele Philosophen haben sich bereits damit eingehend beschäftigt und uns ihr Vermächtnis hinterlassen. Warum wohl?

Scheinbar schieben wir Erkenntnisse, vor allem unangenehme, immer gerne schnell zur Seite und müssen von Zeit zu Zeit wieder daran erinnert werden, weise Worte noch besser zu beachten. Sie geraten allzu oft in Vergessenheit und verschwinden für lange Zeit in einer „Schatzkiste“. Zunächst bewundern wir sie höchst erfreut, aber dann schließen wir den Deckel. Das, obwohl wir genau wissen, wie kostbar sie sind. Doch aus Sorge, diesen kostbaren Fund wieder zu verlieren, verbergen wir ihn sicher in irgendeiner dunklen Ecke unserer Seele. Und danach gehen wir erneut auf Schatzsuche. Wenn wir Glück haben, fällt uns auf unserem dem Weg abermals eine kleine Schatzkiste voller Kostbarkeiten vor die Füße. Dann sollten wir aber auch hinschauen und nicht einfach achtlos darüberstolpern.

Ein Schatzkästlein – dies könnte zum Beispiel ein Buch sein, in dem viele solcher kostbaren „Juwelen“ zwischen den Zeilen versteckt sind, eingefasst in eine wunderschöne, sanfte und überaus poetische Sprache, zusammengesetzt aus einer Kette bezaubernder Wortperlen.

Beeindruckende Bilder, äußerst kreative Wortmalereien, öffnen uns plötzlich die Augen und regen unsere Fantasie an. Geheimnisvolle Metaphern, die unserer Innerstes anrühren, erklären die Botschaft und bewirken, dass wir unseren Blick für nicht nur für die Ganzheit, sondern auch für das kleinste Detail, öffnen. Dies geschieht, weil diese Sprache so voller Kraft und geheimnisvoller Poesie ist, dass wir uns ihr nicht entziehen können. Wir halten inne und versuchen, uns zu erinnern … das hast du doch schon einmal gehört – es scheint ja doch wahr zu sein!

„Du wirst doch jetzt nicht kapitulieren?“
„Nein. Natürlich nicht.“
Leon sah mich scharf an. Dann nahm er entschlossen einen weiteren Schluck Bier, wie um sich für seine Worte zu stärken.

„Manche Menschen richten ihre Interessen danach aus, wie bequem sie zu erreichen sind. Wenn es Schwierigkeiten gibt, wechselt ihre Aufmerksamkeit so schnell die Richtung wie das Drehfeuer eines Leuchtturms. Hüte dich vor Menschen mit kreisenden Interessen. Und vor allem – “ Er stockte.
„Ja?“
„Hüte dich davor, selbst so einer zu sein.“

Ich erinnere mich, dass Leon bei diesem Ratschlag den Blick senkte und seine Stimme einen merkwürdigen Unterton annahm. Für eine Weile starrte er ins Leere, als sei die Schenke um ihn herum mit all ihren Geräuschen und Menschen verschwunden.
Heute wünschte ich, die Beschäftigung mit meinen eigenen Gefühlen hätte an diesem Abend ein wenig Raum für das Geheimnis gelassen, das Leon in seinem Innern trug.

„Hör zu“, setzte er schließlich noch einmal an und blickte mir wieder in die Augen. „Manche Feuer entflammen schnell, aber dann lassen wir sie nicht lange genug brennen, um ein Schiff in den Hafen zu leiten. Das ist alles, was ich dir damit sagen will.“
(Textauszug aus „Leuchtturmmusik“/ Andreas Séché )

Ja, was für eine Botschaft!

Und es ist noch lange nicht alles, was dieser hinreißende, mitreißende und vor allem sprachlich sehr schöne Roman für uns bereithält. Ich habe mich von der ersten bis zur letzten Zeile in diesem Strudel aus auf- und abwallenden Emotionen und auch von den zu Tränen rührenden Gefühlen mitziehen lassen.

Andreas Séché ´s poetischer Schreibstil begeistert mich immer wieder und seine Naturbeschreibungen, über die ich noch berichten werde, sind von einer Schönheit, die ihresgleichen sucht. Einfach beeindruckend!

Wieder geht ein Jahr zu Ende

 

 

Leise geht das Jahr zu Ende
Mancher Gedanke wiegt jetzt schwer
Wieder schliesst sich ein Kapitel im Buch des Lebens
Wie viele Seiten sind wohl noch leer?

Ein Berg von Vergangenheit steht stumm hinter mir
Der Schleier des Vergessens legt sich sanft darüber
Ich blicke mich suchend um
Was davon rette ich schnell ins neue Jahr hinüber?

Ist etwas darunter, das ich schon bald vermissen würde
Wichtig für meine zukünftige Lebensweiche
Was kann ich noch davon brauchen
Damit ich sicher mein Ziel erreiche?

Ich werde nochmals alles in Gedanken durchwandern
Überlegen, was darf ich mir für’s neue Jahr erhoffen
Lohnt es sich noch, an Altem festzuhalten
Oder ist es schon gut bedacht und abgeschlossen?

Auf keinen Fall darf ich die Erfahrungen vergessen
Muss nicht zu hoch gesteckte Ziele wählen
Ob Altes weiterführen oder besser auf Neues zählen
Keinesfalls soll der Weg wieder beim Gehen quälen.

Bei jedem Mal, wenn ich irre und dann das Ziel verfehle
Stellen sich weitere Zweifel ein
Wiederholungen bringen zwar Übung
Doch darf das nicht Sinn meiner Bemühungen sein.

Ich werde darum nochmals alles neu überdenken
Ein paar Tage sind es noch bis zum Neuen Jahr
Und dann darauf hoffen, dass ich meine Ziele erreiche
Vielleicht hilft mir ja einer – das wäre wunderbar.

© chrinolo

Ein Herz für Liebe 62

 

Es gibt mindestens so viele Lieben, wie es Menschen gibt. Und jede Liebe hat auch ihre Geschichte, die oft noch lange in der Vergangenheit weiterlebt und von der sich die Menschen von Zeit zu Zeit erzählen.
Vielleicht wissen es noch nicht alle, aber so wie die Menschen Namen tragen – viele Namen sind hierbei vielfach vergeben – so tragen die Lieben Nummern. Doch jede Nummer existiert nur einmal, weil jede Liebe einzigartig ist. Kürzlich lauschte ich der Geschichte von Liebe 62, wie übel ihr mitgespielt worden war und wie sie sich doch wieder aufraffte, weiterzuleben. Denn es ist, wie wir wissen, der Liebe vorbestimmt, ewig zu leben. Dies schafft sie immer wieder mit Hilfe ihrer Freunde. Was sie dabei erlebt hat, davon erzählt diese Geschichte:

An einem wunderschönen sonnigen Frühlingstag, gerade als sich Liebe 62 von den ihr kürzlich zugefügten Verletzungen erholt hatte, trat ihre Freundin Zuversicht an sie heran und flüsterte leise:
“Du solltest dich nun wieder auf den Weg machen, denn viele Menschen erwarten dich schon ungeduldig.“
Obwohl es Liebe 62 nicht besonders gut ging und ihr Vertrauen immer noch sehr erschüttert war, wusste sie, dass sie ihrer Bestimmung folgen musste. Doch um ihre Aufgabe erfüllen zu können, brauchte sie zuerst wieder ein neues Zuhause. Eine Liebe wohnt in eines Menschen Herz. Manchmal sogar für immer.

Jedoch oft genug werden die Lieben schon nach kurzer Zeit so sehr verhöhnt und verletzt, dass sie schließlich viel zu schwach werden, um weiterhin ihre Aufgabe erfüllen zu können. Sie werden dann „sinnlos“ genannt und kurzerhand hinausgeworfen. So geschah es auch dieses mal wieder und Liebe 62 stand plötzlich ohne Zuhause da.

Da es in solch einer schwierigen Situation nicht einfach ist, ein neues geeignetes Heim zu finden, halfen ihr natürlich ihre Freundinnen und Freunde, die bereits von dem Unglück gehört hatten.

Ihre Freundin Zuversicht begleitete sie also zum Haus ihres Freundes Mut. Dieser redete Liebe 62 sehr lange und verständnisvoll zu und meinte abschließend, sie sollte unbedingt noch bei Freundin Kraft vorbeischauen, denn diese würde ihr sicher auch gerne behilflich sein. Natürlich brauchte Liebe 62 gerade jetzt viel Kraft und war dankbar, dass ihr Freund Mut daran gedacht hatte. Wie gut es doch ist, in solch verzweifelten Momenten zuverlässige Freunde zu haben.

Durch ihre Freundin Kraft gestärkt machte sich nun Liebe 62 auf den Weg und suchte einen Ort auf, an dem fast immer viele Menschen anzutreffen sind. Ganz besonders an sonnigen Frühlingstagen. Schon bald stand sie auf dem Marktplatz eines kleinen Städtchens. Mitten auf dem Platz entdeckte sie einen schönen, plätschernden Brunnen.
Zuversichtlich setzte sie sich sogleich auf den blumengeschmückten Brunnenrand, atmete tief den Duft der bunten Blüten ein und beobachtete das pulsierende Treiben. An weißen Tischen saßen einige Menschen, deren belanglose Wortfetzen und lautes Gelächter an ihr Ohr drangen. Sie schienen wohl alle ihr Herz bereits vergeben zu haben. Lange schaute Liebe 62 diese Menschen an, aber da war keine Spur von erwartungsvoller Sehnsucht zu entdecken, die gewöhnlich in den Augen liebesuchender Menschen zu lesen ist.

Eine ganze Zeitlang saß Liebe 62 so da und blickte neugierig um sich, als plötzlich jemand an ihrem Arm zupfte. Es war ihr Freund Zufall, der rein zufällig auf dem Weg war, um auch seiner Bestimmung zu folgen. Verschmitzt deutete er mit einem Kopfnicken in Richtung Parkplatz. Dort stieg gerade eine Frau aus einem kleinen Auto.
„Bei der könntest du ein wunderschönes Zuhause finden“, sagte er zu Liebe 62, „ich kenne sie. Du musst dich aber beeilen, denn gerade begegnete ich deiner Schwester, der Liebe 66, die auch auf der Suche nach einem Zuhause ist. Ich glaube, sie hat schon eines ins Visier genommen. Schau, dort kommt ein Liebesuchender gerade die Straße herunterspaziert.“ Lachend gab er ihr noch einen kleinen Schubs, damit sie endlich vom Brunnenrand rutschte und war wieder verschwunden. Zufälle kommen bekanntlich nur sehr selten und wenn schon, dann nur für ein ganz kurzes Treffen.

Liebe 62 wusste natürlich, das der Zufall nicht zufällig bei ihr wahr, sondern um sie daran zu erinnern, wie wichtig es nun war, die Chance unverzüglich am Schopf zu packen. Schnell huschte sie also über den Platz zu dem kleinen Auto.

Nun ging alles blitzschnell. Typisch für die Liebe, denn meistens ist es ja ihre Art, wie ein Blitz einzuschlagen. Liebe 62 blickte forschend in das Gesicht der Frau, deren Haar rotgold in der Sonne glänzte. Ein zaghaftes Lächeln umspielte deren Lippen und ihre blauen Augen beobachteten verträumt die plaudernden Menschen am Brunnen.

Ja, was Liebe 62 in diesen Augen alles sah, gefiel ihr. Doch offenbar nicht nur ihr, denn plötzlich stand ein Mann, der gerade noch die Straße heruntergeschlendert war, schon vor der Frau. Und dicht über ihm schwebte ihre Schwester Liebe 66.

Die Augen des Mannes leuchteten, blitzten auf und strahlten mit der Sonne um die Wette. Sie hatten die gleiche Farbe wie die Augen der Frau. Und auch er hatte dieses zaghafte Lächeln auf den Lippen. Ihre Blicke berührten sich einige Sekunden lang. Es war nur ein kurzer Moment und doch lange genug für ein geheimnisvolles Ereignis: dem Zauber der Liebe auf den ersten Blick.

Als sie das sahen, blickten sich auch Liebe 62 und Liebe 66 lächelnd an, denn es geschah etwas Wunderbares, das schönste Wunder überhaupt. Von purer Freude überwältigt und sichtlich erregt riefen sich die Beiden gleichzeitig zu:

„Hier sind wir richtig – diese Herzen nehmen wir!“

Text und Gemälde © chrinolo

 

Der Zauber einer Winternacht

 

Tief verschneit, inmitten schneebedeckter Berge, liegt mein Winterdorf, in dem ich lebe.

Still blickt heute die Nacht durch mein Fenster, dehnt sich einnehmend in der klirrenden Kälte aus. Glitzernde Eiskristalle ummanteln schützend die nun fast leblosen Baumäste. Vereinzelt rieseln leichte Flocken funkelnd zu Boden, wenn ein leichter Windhauch die Zweige durchstreift. Absolutes Stillschweigen liegt über dem schlafenden Dorf.

In meinem Zimmer erhellt warmes Kerzenlicht den Raum. Durch eine spielerisch züngelnde Flamme hindurch nehme ich die Magie dieser märchenhaften Winternacht wahr.

„Macht eure Augen auf! Wollt ihr denn nicht auch all diese Schönheit sehen?“, rufen meine Gedanken hinaus in die sich ankündigende, dämmernde Morgenstunde. Doch meine Gedanken verklingen lautlos. Sie lösen sich restlos auf, wie der aufschwebende Rauch von den Hausdächern, der den warmen Stuben entflieht.

Ich rücke noch näher ans Fenster, staune über die filigranen, wunderhübschen Eisblumen, die an den Scheiben blühen. Ihre Blütenblätter greifen irisierend ineinander, finden wohl Gefallen an Berührung. „Wie alles Leben streben sie vielleicht auch nach Verbundenheit“, huscht es schwärmerisch und den Augenblick verzaubernd durch meine Gedanken.

Verträumt berausche ich mich an dieser unergründlichen, mystischen Winternacht, verharre im strahlenden Schein der mich umgebenden glänzenden Schneehänge. Meine Augen folgen mit gebanntem Blick den Rauchelfen, die von den Hausdächern aus zum sternenübersäten, nachtschwarzen Himmel emporstreben.
Wunschlos glücklich koste ich diese heimeligen Momente aus, bis sich die Nebelschleier während der Morgendämmerung von den Schneegipfeln der Berge lösen.

Eine wohltuende Seelenruhe erfüllt mich nun auf dem Weg in den Alltag – mein Winterdorf erwacht.

Die Eisdecke auf der Strasse knirscht mit durchdringenden Seufzern, während ein Räumfahrzeug den Neuschnee zur Seite schiebt. Ein Nachbar befreit sein Fahrzeug von der Schneedecke und schüttelt missmutig den Kopf, während ich immer noch meiner märchenhaften Winternacht nachträume ….