Ismene, die betörende Exotin

Ich stehe vor ihrer gerade voll entfalteten Schönheit, atme ihren betörenden, süsslich – angenehmen Duft

… und denke an „ihre“ Worte:

„Ich weiß, dein Gang ist sinnlos, doch die Lieben liebst du recht.“

Ismene, die Schwester von Antigone in Sophokles Drama „Antigone“, ist hilflos, schwach und der gesetzlichen Obrigkeit hörig, während Antigone den Gesetzen der Götter folgt – den Gesetzen der Liebe!
Im Drama geht es um den Konflikt zwischen Familie und Staat, um Sitte und Moral und um die Stellung der Frau (die nichts zu sagen hat und verpflichtet ist, sich dem Mann zu unterwerfen). Nach wie vor ein aktuelles Thema 😉

Ich blicke auf die Schönheit von „Ismene“, auf „meine“ Ismene, die so viele Gedanken in mir auslöst … an die grausamen Taten eines Tyrannen (sogenannte „Lebenspartner“, wie es sie auch heute noch gibt), der sein Unrecht erst zu spät einsieht und an die mutige, selbstbewusste Antigone, für die die Liebe das Allerhöchste ist. So wertvoll, um dafür zu sterben.

In der Blumensprache bedeutet „Ismene“:
Erfolg verbotener Liebe. (am Ende ist es die Liebe, die siegt)

Man nennt die Ismene auch „Peruanische Narzisse“ und für die weisse Narzisse steht die Bedeutung:

„Bewunderung – Meine Liebe zu dir ist aussichtslos.
Meine Unvergängliche Sehnsucht nach dir.“

Ist sie nicht wunderschön? 🙂

Then I closed my eyes

 

Das habe ich getan – beim zweiten Durchlauf! Nachdem ich zutiefst berührt dem Musiker mit der Trompete im Rollstuhl zugesehen habe, wie er mit seinem Zigarettchen im Mund die Musik genoss – natürlich nur bis zu seinem Einsatz, denn dann musste er sich von seinem Glimmstengelchen trennen. Seine Trompetenklänge sind „BOAHHHH“.

Und dann ist David Gilmour zu sehen, wie er soooo liebevoll zu seinem Musikerfreund mit der Trompete rüber sieht … und ihn mit diesem sanftmütigen, herzlichen Blick anlächelt – also, bei solch einer Beobachtung läuft mir fast das Herz über. Und danach dann der Saxophonist, einfach hinreissend. Unbeschreiblich schön … ja, und erst dann schloss ich meine Augen und liess diese atemberaubenden Klänge nochmals ganz tief in mich einströmen.

Dieser glückliche David Gilmour mit seinen Freunden … solche Freunde bis ins hohe Alter zu haben ist mehr als wundervoll – allein schon diesen Gedanken finde ich berauschend und glücksauslösend.  Solch eine Freundschaft ist ein grosses Geschenk!

( https://youtu.be/7OAo6L45og8 )

 

Weil Steinböcke keine Ablehnung ertragen … ;-)

 

… habe ich heute keinen Wolf, sondern einen Steinbock gemalt … und einen Widder gleich dazu! Genau wie gewünscht 🙂
Beim Malen habe ich natürlich auch nachgedacht, damit das Bild einen Sinn bekommt – meine Bilder erzählen schliesslich alle eine Geschichte. Also:

Es war einmal ein allerliebster kleiner Widder. Mit seinem sonnigen Gemüt hüpfte er unermüdlich träumend durch die Welt und erfreute sich an allem Schönen, das er sah (wenn etwas nicht ganz seinen Vorstellungen entsprach, dann dachte er es sich einfach schön 🙂 ).
Fast alle, die ihm begegneten, freuten sich mit ihm und diesen schenkte er auch stets sein herzerfrischendes Lächeln. Fast alle … denn eines Tages begegnete er einem seltsamen Wesen.

 

Erstaunt blickte der kleine Widder zu ihm auf, denn dieses Wesen war viel grösser und seine Hörner, die es auf ihn gerichtet hatte, waren mächtig!

Natürlich hatte der kleine Widder keine Furcht vor diesem Wesen, das sich „Steinbock“ nannte, aber ganz geheuer war es ihm doch nicht.
„Guten Tag, wie geht es dir?“, fragte der kleine Widder freundlich … und bekam keine passende Antwort. Stattdessen sagte der Steinbock: „Wenn du nicht so oberflächlich durch die Welt irren würdest, könntest du das selbst erkennen und müsstest nicht so dumm fragen!“

Der kleine Widder war sehr irritiert, wandte sich ab und schaute verträumt einen alten Baum an, der seine knorrigen Äste weit ausgebreitet hatte, um möglichst viele Sonnenstrahlen berühren zu können. Der kleine Widder war von diesem Anblick ganz gerührt und lächelte glücklich, weil der alte Baum diese Berührungen sichtlich genoss.
Der grosse Steinbock, der immer noch – Überlegenheit demonstrierend – auf ihn herabschaute, eröffnete sogleich provokativ eine heikle Diskussion. „Das alte Gewächs nimmt den anderen Pflanzen die ganze Sonne weg. Noch dieses Jahr wird der alte Schmarotzer gefällt! Früchte trägt er ohnehin nicht mehr, wem soll er also noch nützen? Hast du darüber schon mal nachgedacht, du unverbesserliche Träumerin? Du solltest nicht so übertrieben emotional sein, sondern die Sache realistisch und sachlich betrachten! Aber dazu braucht man ja VERNUNFT… und Vernunft ist wohl das Letzte, was man einem Widder nachsagen kann!“
Ach, dieser arme Miesmacher, dachte der kleine Widder und spielte mit einem Schmetterling, der gerade um seine Nase schwebte. Bezaubert von diesem schönen Geschöpf hauchte er ihm ein liebenswürdiges „Du bist wunderschön!“ zu.
„Du glaubst doch nicht etwa, dass der dich versteht, mit seinem Minihirn! So etwas Lächerliches habe ich selten erlebt. Ich hoffe, du bist jetzt nicht beleidigt, aber etwas Kritik sollte jeder ertragen können und gute Ratschläge annehmen, die aus reiner Grossmut erfolgen. Man meint es ja nur gut! Sag‘ mal, in welcher Welt lebst du eigentlich?“
„Offensichtlich in einer anderen als du! In meiner Welt ist alles liebenswürdig!“, erwiderte der kleine Widder. Gespräche dieser Art waren ihm zuwider.

Er blinzelte in die Sonne und atmete tief ein. „Das Leben ist schön!“, lachte er und machte ein paar Freudenhüpfer. Der nörgelnde Steinbock schüttelte verächtlich den Kopf und trabte unzufrieden davon. Der kleine Widder hörte ihn noch sagen: „Unmöglich! Mit Widdern soll einer zurechtkommen … mit solch einer unrealistischen und unvernünftigen Spezies … Liebenswürdigkeit? Pah, wer braucht denn Liebenswürdigkeit?! Fleiss und Pflichtbewusstsein, das bringt Erfolg! Merke dir: mit deiner Träumerei wirst du es jedenfalls nicht weit bringen ….“

Doch, der der kleine Widder hüpfte vergnügt über die Blumenwiese und hielt nach weiteren Schönheiten Ausschau, während sich der Steinbock mürrisch die kahle, steile Felswand hinaufkämpfte.
Von dort oben hatte er alles im Blick. Auch das saftige Gras, das unten wuchs, während dort oben sein Magen vor Hunger grollte.

Bald darauf begegnete der kleine Widder einem anderen Steinbock … der schien irgendwie aus seiner Art zu fallen, denn dieser war unerwartet liebenswürdig. Der kleine Widder war zunächst zwar sehr überrascht, hielt es dann jedoch für vernünftig, diesem Steinbock ohne Vorurteile zu begegnen. Erwartungsvoll sah er den Steinbock an und dachte, dass ja – realistisch betrachtet – wohl kein Steinbock wie der andere ist – jeder ist schliesslich einzigartig! Es gibt solche und Solche! … 🙂

„Lediglich dem Menschen ist ein anderes Los bestimmt“ – erste Eindrücke vom Buch …

 

Tschingis Aitmatow – er ist kein Autor für amüsante Stunden, aber sein Schreibstil, seine Worte … sie sind so berührend wie diejenigen der ganz grossen Schriftsteller. Er schildert die endlosen Weiten der Savanne, deren Pflanzen- und Tierwelt, so ergreifend bildhaft, dass dies eine unglaubliche Faszination in mir auslöst.
Und dann das Leben der Wölfe, das „Verhältnis“ der Wölfin Akbara zu ihrem Wolf und ihren Welpen …. einfach bewunderungswürdig!
Vielleicht sagt ein kleiner Textauszug, was ich meine – Worte, so tiefsinnig und gedankenanregend. So aufregend, dass ich mich kaum von der Lektüre lösen kann. Dieses: „Und wie geht’s nun weiter?“ hat mich total vereinnahmt.

Die Szene: Die Wölfin Akbara liegt in der glühenden Sommerhitze träge mit ihrem Wolf auf einer Anhöhe. Ihre drei Welpen springen munter umher und erforschen ihre Umwelt. Eine grosse Herde Saigas (Antilopen) streift auf der Suche nach einer Wassertränke an ihnen vorbei:

„Im Blick Akbaras schimmerte ein Wissen durch – lass die Saigas jetzt nur davonziehen, es kommt der festgesetzte Tag, alles, was in der Savanne war, wird in der Savanne bleiben. Die Wolfsjungen hatten sich inzwischen darangemacht, den Vater zu belästigen, sie versuchten, den mürrischen Taschtschajnar aufzuscheuchen.
Akbara aber stellte sich plötzlich den Anfang des Winters vor, sah die grosse Halbwüste ganz in Weiss vor sich, jenen schönen Tag, da zur Morgendämmerung Neuschnee auf der Erde liegt, einen Tag oder einen halben Tag lang liegen bleibt, jene Stunde aber wird den Wölfen das Signal geben für die grosse Jagd. Und von dem Tag an wird die Jagd auf die Saigas die Hauptsache in ihrem Leben sein. Und dieser Tag wird anbrechen! Nebelschwaden in den Niederungen, frostiger Raureif auf dem traurigen weissen Tschij, auf den umgeknickten buschigen Tamarisken und diesige Sonne über der Savanne – die Wölfin stellte sich den Tag so deutlich vor, dass sie unwillkürlich erbebte, als wäre das alles bereits so, als hätte sie unverhofft die frostige Luft eingeatmet und würde bereits auf den federnden Pfotenpolstern geschlossen zu Blütensternbildern, dahintappen, auf verharschtem Schnee, und vollkommen deutlich konnte sie ihre stattlich ausgewachsenen Mutterspuren lesen und alle Spuren der Wolfsjungen. Bereits erwachsen wären sie dann, stünden fest auf den Beinen und zeigten schon ihre Neigungen, ihre Spuren würde sie selbst lesen und wiederum all das erkennen, gleich daneben den Abdruck der stärksten Pfoten – mächtige Blütenstände mit Krallen wie Schnäbeln, die aus Nestern herausragten, das wären die Pfoten Taschtschajnars, tiefer und kräftiger in den Schnee eingedrückt als all die anderen, weil er gesund ist und schwergewichtig an der Wamme, er ist die Kraft und das blitzschnelle Messer an den Kehlen der Antilopen, und jede eingeholte Saiga wird den weissen Schnee der Savanne schlagartig mit purpurrotem Blut tränken, wie ein Vogel – im Schwingen der heissen roten Flügel, um des einen Zweckes willen, damit anderes Blut lebe, verborgen in ihren grauen Fellen, denn ihr Blut lebte auf Kosten eines anderen Blutes; so war es vom Ursprung aller Anfänge vorgegeben, ein anderes Mittel gab es nicht, und da war niemand Richter, wie es auch weder Schuldlose noch Schuldige gab, Schuld hatte nur der, der das eine Blut schuf für das andere. (Lediglich dem Menschen ist ein anderes Los bestimmt, er beschafft sich sein Brot durch Arbeit, und durch Arbeit züchtet er sich Fleisch – er erschafft die Natur für sich selbst.)“
(Textauszug aus „Der Richtplatz“ von Tschingis Aitmatow)

Am Anfang des Romans schreibt er zunächst über die heile Welt der kasachischen Steppe und u.a. diese Worte: „ihnen (den Tieren) war noch weniger das Wissen eingegeben, dass alles, was in der menschlichen Gesellschaft gewöhnlich geworden ist, in sich die Quelle des Guten wie des Bösen … verbirgt. Und dass es ganz von den Menschen abhängt, wohin sie diese Kraft lenken.“ …  ein Kapitel, welches Emotionen anwachsen lässt!