Meine blühende Schönheit am Teichufer

Die gelbe Sumpf-Schwertlilie (Iris pseudoacorus). Leicht wie ein Schmetterling scheint die grazile Blüte auf dem Stiel zu schweben. So, als wolle sie gerade auffliegen.

Ihr schöner gelber Blütenkelch (der Dom!) lässt tiefste Geheimnisse erahnen. In seiner tiefsinnig-rührenden und gefühlvollen Wahrheitssuche erzählt zum Beispiel der grosse Schriftsteller und leidenschaftliche Gärtner Hermann Hesse in seinem Märchen „Iris“ darüber.

In der Mythologie der alten Griechen war Iris die Götterbotin. Beschwingt schwebte sie über die Farbbahnen des Regenbogens vom Himmel zur Erde und überbrachte den Menschen die Botschaften und Wünsche der Götter.

Iris – ein Kind des Lichts …  Inspiration und Thema vieler Dichter, Schriftsteller und Maler.

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Schwertlilien

Das sind die Blumen, die wie Kirchen sind.
Ein Blick in sie hinein zwingt uns zu schweigen.
Wie Weihrauch fromm berauschend strömt ihr Duft,
Wenn wir uns zu der schönen Blüte neigen.
Sie sind wie Schmetterlinge dünn und zart.
Und wissen ihr Geheimnis doch zu hüten.
Es hellen goldne Kerzen sanft den Pfad
Ins Allerheiligste der Wunderblüten.

Stoecklin, Francesca (1894-1931)

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Heute war es dann soweit …

 

…  ich drückte zum ersten Mal in diesem Jahr den kleinen Knopf mit dem Aufdruck „A/C„.  War ich froh, dass ich mich gleich daran erinnern konnte, wo ich ihn finde – alles ging ja so schnell. Plötzlich war im Elsass der Sommer da und nistete sich erbarmungslos in meinem Auto ein – das war kaum auszuhalten. Er hatte sich so breit gemacht, sich in jede Ritze gesetzt, dass es mir den Atem nahm. Wie gut war es da, dass ich noch vom letzten Jahr her wusste, was unverzüglich zu tun ist und … welches Knöpfchen gedrückt werden muss 🙂 und dann war nur noch Folgendes abzuhandeln:

  • Die ersten Meter mit geöffneten Fenstern und ausgeschalteter Klimaanlage zu fahren, denn im geparkten und geschlossenen Auto hatte sich ein Hitzestau gebildet! Die Temperatur im Auto war beträchtlich höher als draußen. Darum habe ich die heiße Luft erst einmal herausgelassen – so hatte es die Klimaanlage anschliessend nicht so schwer.
  • Nach einer Weile schloss ich alle Fenster und stellte die Klimaanlage auf die niedrigste Temperatur.
  • Dann habe ich das Gebläse auf volle Leistung geschaltet und dafür gesorgt, dass die Lufteinlässe direkt in den Innenraum gerichtet und offen sind. Achtung: Nicht direkt auf das Gesicht stellen, sonst hat man schnell eine Bindehautentzündung.
  • Der Regler musste nun auf Umluft geschaltet werden. So saugt die Anlage nicht warme Luft von außen an.
  • Als im Wagen dann eine angenehme Temperatur herrschte, stellte ich die Umluft-Funktion wieder aus, damit die Anlage Frischluft ansaugen kann.

Puuuh, das war ganz schön anstrengend, dies alles in kürzester Zeit auf die Reihe zu kriegen – aber wenn die Luft dermassen andickt, dann handelt man schneller als sonst 😉

Letztes Jahr habe ich mir das auch alles aufgeschrieben, damit es sich besser einprägt. Wie ihr seht, hat dieses Wissen bis jetzt vorgehalten und ich konnte es sofort abrufen … jetzt schreibe ich es vorsorglich für nächstes Jahr. Ich nehme an, dann wird es irgendwann auch wieder plötzlich Sommer 🙂

Trotzdem, dass der Sommer nun so Knall auf Fall kam, hat mir im ersten Moment doch die Sprache verschlagen. Also nutzte ich diesen aussergewöhnlichen Sprachlos-Zustand, um zu den Fischen ans Seeufer zu gehen. Diese reden eh‘ nicht und erwarten es auch nicht von mir. Nicht, dass sie nicht mit mir reden wollten, nein, bei ihnen weiss ich genau, dass sie es nicht können! Darum müssen wir uns eben wortlos verstehen (wenn man will, geht fast alles!). Das ist etwas ganz anderes, wie die Sache mit den Leuten, die nicht mit mir reden wollen – manchmal aus den merkwürdigsten Gründen. Also denen nehme ich das schon sehr übel … wenn ich so darüber nachdenke. Solche Menschen tun mir weiß Gott nicht gut.

Aber die Stille bei den Fischen, dieses konzentrierte und intensive im Hier und Jetzt verweilen, das schenkt mir wieder die Kraft und Energie, welche mir vorher von so grobschlächtigen Rüpeln, welche ein kommunikatives Miteinander verweigern, entzogen wurde … ja, entzogen … herausgesaugt!

„Grobschlächtig“ – was für ein Wort! Ich habe es kürzlich bei Fernando Pessoa gelesen und ich finde, es passt sehr gut hierher – in meine detaillierte Ausführungen. Es ist sogar geradezu wie dafür geschaffen, um das „mich-Verstehen“ zu ermöglichen. „Grobschlächtig“ – Pessao war ein Genie, was passende Worte anbelangt!

Nun aber zurück zu meinen stummen Gesprächspartnern. Sie haben es verstanden, mir auch ohne grosse Worte Freude zu bescheren. Ich stand still da (das mögen sie!) und habe sie beobachtet – nur dies und nicht anderes habe ich getan.

Den grössten Fehler, den viele Menschen ja machen ist der, dass sie nur sehen – und nicht beobachten! Was allerdings nun wiederum hinter diesen Worten steckt, ist eine andere Geschichte. Derzeit beobachte ich Fische – immer noch! 🙂

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Der intensivste Ausdruck menschlichen Gefühls

 

… so empfand er die Oper. Wie er sie kennen lernte, hat mich beim Lesen sehr berührt – es war ein liebevolles Opfer des Vaters an seinen Sohn. Was für ein Geschenk!
Beim Lesen fragte ich mich, ob dies heutzutage einen Sohn (auch den eines einfachen Arbeiters) noch in diesem Masse beeindrucken würde …  :

„Seit seiner Kindheit war Monsieur Jean von der Oper fasziniert. Einmal hatte ihn sein Vater mitgenommen nach Neapel. Es war das erste Mal gewesen, dass er Pucchini gehört hatte: Il Trittico, drei kurze Opern, Einakter, darunter Gianni Schicchi. Der kleine Giacomo war von der besonderen Atmosphäre, den leuchtenden Gesichtern, den prächtigen Kleidern der Besucherinnen auf den besseren Plätzen, den Herren in Fracks, all dem Goldlack, den samtbezogenen Sitzen und dem glitzernd schimmernden Licht so beeindruckt gewesen, dass er von der Musik kaum etwas bemerkt hatte. Alles das freilich hatte er nur von einem der Stehplätze über den Rängen, ganz oben unter der Decke erhaschen können, denn natürlich waren für einen  einfachen Arbeiter wie seinen Vater Karten einer besseren Kategorie vollkommen unerschwinglich gewesen. Selbst auf den billigen Plätzen (aber das hatte Monsieur Jean erst in sehr viel späteren Jahren erkannt) hatte sich sein Vater zweifellos unwohl gefühlt. Und auch die paar Lire, die er bezahlt hatte, um seinem Sohn einmal das überwältigende Erlebnis eines Opernabends zu bescheren, waren ein Opfer gewesen – ein Opfer an die Kunst im Allgemeinen und die Oper im Besonderen. Giacomo Piccoli senior liebte die Oper genau so sehr wie jeder Italiener. Wie tief sie auch bei ihm wirkte, spürte der Sohn, als er mit seinem Vater auf der Heimfahrt im Zug eng beieinander sass und dieser die ganze Strecke seinen Kopf an die Brust gedrückt hielt und, ihm zärtlich über die Haare streichend, die Melodie des O mio babbino caro ins Ohr summte. Wenige Monate später war sein Vater, ein Mann in kleinen Verhältnissen, jedoch mit einem grossen Herzen und Sinn für die schönen Dinge des Lebens, gestorben.
Seit jenem Abend aber war die Oper auch die grosse Liebe des Monsieur Jean.
Sie war ihm nicht nur Unterhaltung oder kulturelle Erbauung. Sie war ihm der intensivste Ausdruck menschlichen Gefühls. War ein Universum im Schatzkästchen. Die Oper versteht den Menschen besser als er sich selbst …“

(Textauszug aus Monsieur Jean und sein Gespür für Glück/Thomas Montasser)

 

O mein lieber Papa, 
höre, dass ich ihn wahrhaft liebe!
Ich geh zur Porta Rossa und kaufe dort ein Ringlein!
Jawohl, da will ich hingehen!
Doch wenn Ihr mir`s verweigert,
geh ich zum Ponte Vecchio, dort springe ich in den Arno!
Das Herz soll mir zerbrechen! O Himmel, wär ich doch tot!
Vater, erbarm Dich mein!

Auch ein kleines Erlebnis ist Glück ….

 

… schrieb ich damals, als ich einer Eidechse begegnete. Sie begleitete mich ein Stückchen im Scherrer Park in Morcote im Tessin.

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Auch damals zitierte ich Hermann Hesse 🙂 . Ich schrieb:

„Auch für Freunde der Natur ist es ja schon ein kleines Erlebnis und Glück, wenn sie je und je einen Fuchs oder Kuckuck zu Gesicht bekommen und beobachten können.
Es ist dann, wie wenn für Augenblicke entweder die Kreatur ihre Angst vor dem mörderischen Menschen verloren hätte, oder wie wenn der Mensch selbst wieder in die Unschuld eines vormenschlichen Lebens einbezogen wäre.“

(Hesse/aus dem Märchen „Vogel“, 1931)

Sie hat mich damals für eine kleine Weile durch den „Zaubergarten“ in Morcote begleitet, über den ich damals berichtet hatte.

https://youtu.be/sJcgJe-dPqU

Es war ein kleines glückliches Erlebnis …  ich erinnere mich sehr gerne daran!

Danach schlenderte ich, eine schöne Melodie summend, vergnügt weiter. Ich befand mich in einer magischen grünen Welt voller Naturwunder ….

Die wunderschöne Melodie aus dem Tessin, welche ich damals summte, hatte ich kurz zuvor gehört. Sie klang noch den ganzen Tag in mir weiter.

Sach mal ’nen Satz mit Eidechse.

 

Hmmm …

„Mancher wird niemals Mensch, bleibt Frosch, bleibt Eidechse, bleibt Ameise. Mancher ist oben Mensch und unten Fisch.
Aber jeder ist ein Wurf der Natur nach dem Menschen hin.“

(Hermann Hesse/Demian)

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Was anderes fällt mir dazu im Moment nicht ein