Tessin / Montagnola 2012

 

Auf Hermann Hesses Wegen

Je mehr ich von ihm las und je mehr ich über ihn erfuhr, dest mehr wuchs der Wunsch in mir, ihm noch näher zu sein. Wo kann man das besser, als in seiner Wahlheimat Montagnola, einem Dorf in der Gemeinde Collina d’Oro,  wo er seine schönste Zeit verbrachte! Sein Haus zu besuchen und auf seinen Wegen entlang zu spazieren, so wie er es fast täglich getan hat. Durch enge Gässchen und verwunschene Kastanienwälder. Auf „seiner roten Bank“ zu ruhen mit Blick auf den traumhaften Luganer See …

Dies war mithin eine der schönsten meiner Reisen. Grosse Gefühle blieben bis heute zurück.

„Als Gnade vom Himmel kam dazu ein Sommer, wie ich nur wenige erlebt habe, von einer Kraft und Glut, einer Lockung und Strahlung, die mich mitnahm und durchdrang wie schwerer Wein. Die glühenden Tage wanderte ich durch die Dörfer und Kastanienwälder, saß auf dem Klappstühlchen und versuchte, mit Wasserfarben etwas von dem flutenden Zauber aufzubewahren; . . . die warmen Nächte versuchte ich, mit Worten das Lied dieses ungeheuren Sommers zu singen.“,

schrieb Hermann Hesse. Und genau so empfand ich es auch – es war fast ein rauschähnlicher Zustand an diesem schönen Ort.

Sein Weg führte mich vom Casa Camuzzi in Montagnola aus

bis zu seinem Grab auf dem Friedhof Sant’Abbondio in Gentilino – fast 10 km!

Und hier nehme ich in Gedanken immer wieder Platz auf seiner roten Bank und träume mich zurück:

 

Ausruhen konnte ich danach im Literaturcafè – ein besonderes Erlebnis unter „Gleichgesinnten“! Wundervolle und interessante Gespräche zwischen „Hesse-Freunden“ verschönten mir die Zeit. Ich erinnere mich an köstlichen Holunderbeer-Sirup in frischem Quellwasser, das nach dem langen Spaziergang einfach gut tat.  Freund Hesse bevorzugte natürlich den Wein und meinte:

Recht hatte er, worauf wartete ich noch  🙂

Auf mehr natürlich – ich wollte noch mehr wissen über diesen grossen Dichter, Schriftsteller und Maler.

Im Casa Camuzzi, wo ein Museum eingerichtet wurde, kamen dann auch tief bewegende Gefühle auf, als ich an seinem Schreibtisch stand und seine Schreibmaschine sah. Dort ist seine wundervolle Literatur entstanden. Viele Zeugnisse dort machen verständlich, wie er dort lebte – zusammen mit seinen Freunden. Mich in diesem schlossähnlichen Gebäude bewegen zu können, wie einst er, brachte mir seine Seele nahe: