Selbstbildnis

 

Manchmal sind die Tage grau und kalt…der Regen tropft auf die Straßen
und die Welt scheint still zu stehen…
dann aber sieht man sein Spiegelbild in den Pfützen
und findet sich selbst.

© Damaris Wieser, deutsche Lyrikerin und Dichterin

Ein schönes Zitat, finde ich! Und es stimmt, ich habe mein Spiegelbild nicht nur gesehen, sondern auch fotografiert …  und dann habe ich es gemalt    🙂

Der erste Kommentar, den ich dazu hörte, war: „Toll, die sieht ja aus wie du! Und gleich Glühbirnen dazu, die dich anleuchten!“
Ich stellte die Sache natürlich sofort richtig und erwiderte: „Das sind Tränen, keine Glühbirnen!“
Sieht man doch, oder?    

Augen-Blicke …

 

Augen, sagt mir, sagt, was sagt ihr?
Denn ihr sagt was gar zu Schönes,
Gar des lieblichsten Getönes;
Und in gleichem Sinne fragt ihr.

Doch ich glaub euch zu erfassen:
Hinter dieser Augen Klarheit
Ruht ein Herz in Lieb und Wahrheit
Jetzt sich selber überlassen,

Dem es wohl behagen müßte,
Unter so viel stumpfen, blinden
Endlich einen Blick zu finden,
Der es auch zu schätzen wüßte.

Und indem ich diese Chiffern
Mich versenke zu studieren,
Laßt euch ebenfalls verführen,
Meine Blicke zu entziffern!

Johann Wolfgang von Goethe

 

Ein bezauberndes Goethe-Gedicht. Es fiel mir ein, während ich ihre Blicke suchte. Und ja, es behagte mir „Unter so viel stumpfen, blinden endlich Blicke zu finden, die es auch zu schätzen wußten“ .   🙂

 

 

Augen …  ich finde sie einfach faszinierend. Man kann so viel in ihnen sehen. Ernst Ferstl sagte:

Die interessantesten und meistversprechenden Rundungen, die ein Mensch haben kann, sind seine Augen.

© Ernst Ferstl

Ich habe das Gefühl, das gleiche gilt für Tiere!  🙂

Dieses Buch …

 

… in meinen Händen wird mich nun in eine andere Welt eintauchen lassen. Zu Menschen und ihren Geheimnissen, die ich noch nicht kenne.
Das Land, in dem diese Menschen leben, ist mir bekannt und ich liebe es: Frankreich. Viele Male habe ich es besucht und einige Erinnerungen werden sich beim Lesen dieses Buches sicherlich wieder auftun.
Der Titel ist: „Die Melodie meines Lebens“ von Antoine Laurain.

Schon die ersten Worte im Buch haben mich gefesselt, innehalten lassen:

„Jeder von uns trägt Geheimnisse
in sich, dunkle, tiefgründige
Gefühle wie die Spuren einer
früheren Existenz oder der Beginn
eines zukünftigen Lebens, ein
Seelenstaub aus Asche oder
Samen, der etwas erinnert oder
erahnt“

Henri de Régnier
Les Cahiers (1927)

Seelenstaub aus Asche oder Samen … Henri de Régnier, ihn kenne ich (noch) nicht. Warum hat der Autor gerade dieses Zitat als Einleitung für sein Buch gewählt?
Henri de Régnier – ich denke, ich sollte zuerst mal etwas mehr über diesen französischen Schriftsteller wissen, bevor ich mit dem Lesen dieses Buches beginne ….

Also mir scheint, dieses Buch wird mir mehr bescheren als nur puren Lesegenuß. Darum dauert es bei mir auch oft etwas länger, bis ich dann endlich mit dem eigentlichen Lesen beginne. Ich bin dann mal für  ´ne Weile weg!

 

Mein Tiger beißt nicht! 😏

 

 

Gott schuf die Katze,
damit der Mensch einen Tiger zum Streicheln hat.

Victor Hugo

Ich habe jetzt beides:
Max, meine Katze für den Nahverkehr und einen Tiger zum Streicheln    

Das Gemälde fühlt sich gut an und wenn Max ein Tiger wäre,

dann würde er sicherlich so aussehen    

 

 

Die Geschichte über die Glückseligkeit eines kleinen Bratapfels

 

Es war einmal ein kleiner Bratapfel, der duftend und sich seiner ganzen Schönheit bewusst, inmitten einer zauberhaften Winterlandschaft stand, die seinen Teller zierte.

Noch ganz trunken vor Glück, erinnerte er sich an seine Schöpfung, an die zwei liebevollen Hände, die ihm nicht nur äussere, sondern auch innere einzigartige Schönheit gaben. „Wie aussen, so innen und wie innen, so auch aussen“, dachte er zufrieden mit sich selbst. Beglückt schaute er zuerst prüfend an sich herunter und erhob dann seinen Blick nach oben – direkt in ein Paar glänzende, erwartungsvolle Augen hinein.

Diese strahlenden Augen betrachteten ihn gefällig von allen Seiten und er konnte den leichten Lufthauch fühlen, den eine Nase verursachte, die seinen köstlichen Duft einsog. Appetitlich und selbstbewusst dehnte und reckte sich der kleine Bratapfel, damit der faszinierte Betrachter den Anblick seiner Lieblichkeit ausgiebig bewundern und auskosten konnte. Diese Zeit, diese Augenblicke, waren wohl die schönsten in seinem ganzen Leben.

Doch plötzlich bemerkte er, dass er nicht alleine war. Ein riesiger Apfel-Blechkuchen hatte sich herablassend an seine Seite gesellt. Erschrocken blickte der kleine Bratapfel auf den Riesen, der ihm da furchterregend zu Leibe rückte. Der kleine Bratapfel wurde nun aber nicht etwa von Furcht, sondern eher von … ja, von Bedauern und Mitleid erfüllt. Er erinnerte sich nämlich sofort daran, was den erbarmungswürdigen grossen „Bruder“ erwartete. Und mit einer gewissen Trauer nahm der kleine Bratapfel wahr, dass bereits ein enormes Stück in der rechten unteren Ecke des Apfel-Blechkuchens fehlte. Einfach schrecklich war das – er hatte bereits seine Vollkommenheit verloren! Und noch schlimmer, auch der Rest würde nun, ziemlich schnell und kaum vom Verzehrer beachtet, verschwinden – Stück für Stück würde dieser arme Riese brutal einen Rachen hinabstürzen, direkt in einen gierigen Magen hinein!

Nein, mit solch grausigen, wenn auch absolut wirklichkeitsnahen Gedanken, wollte sich der kleine Bratapfel nicht länger beschäftigen. Sein Schicksal sah glücklicherweise etwas anderes für ihn vor …

Der kleine Bratapfel wandte sich klugerweise wieder den Augen zu, die ihn immer noch voller Hingebung und Lust betrachteten. Dies fühlte sich für den kleinen Bratapfel an, wie ein sanftes, abtastendes Streicheln seiner Haut, zart und schmelzend, wie sein Inneres, welches diese Augen jetzt voller Wertschätzung suchten.
Ein wohliger Schauer erfasste den kleinen Bratapfel und er flüsterte leise:

„Koste mich! Nimm mich liebend in dir auf, ich will gerne ein Teil von dir sein und in dir weiterleben.“

Die Augen lächelten ihn wohlwollend an und der kleine Bratapfel dachte glückselig:

„Wahre Schönheit ist, wenn jemandes Lächeln dich fesselt und gefangen nimmt und dessen Blick in dir etwas freisetzt, was urplötzlich ein wohliges Gefühl in dir aufkommen lässt. Dieser Zustand wird unweigerlich deine Seele berühren und deine Gedanken werden nur noch um dieses Lächeln kreisen!“
(Verfasser leider unbekannt, aber sehr schön!)

Nun sagt selbst, was kann einem kleinen Bratapfel an einem wunderschönen Wintertag Besseres passieren … 😉