Nicht nur Seelenglimmern, sondern auch Seelenflehen

Eines Tages wird meine Seele wieder zurückkehren – da besteht für mich kein Zweifel. Aber bis es soweit ist, muss sie zusammen mit mir ganz sicher noch viel ertragen. Mit mir zusammen existieren in diesem Erdenleben.

Sie leidet im Kampf, in der ständigen Auseinandersetzung mit meinem Verstand, dem ich oft den Vorrang gebe. Verzweifelt versucht sie immer wieder einzugreifen. Sie erinnert mich an das „Wesentliche“, das nur mit dem Herzen sichtbar ist.

Oft habe ich das Gefühl, dass es ihr mit den Jahren zu eng geworden ist, hier drinnen in meinem kleinen Körper. In solchen Momenten schließe ich meine Augen und höre ihr zu, höre ihr inständiges Flehen:

Umkörperte Seele

Gib mich wieder frei
Streif dich ab von mir
Fühlst du es nicht
Es ist viel zu eng in dir

Ich bin dir längst entwachsen
Wie das Kleinkind dem Babyhemd
Quäl mich nicht länger
Begrenztheit ist mir fremd

Ich sehne mich nach meinem Zuhause
Dorthin, woher ich einst kam
Aus VaterMutter, der Weltenseele
Der man mich damals entnahm

Ich war nur ein winziges Teilchen
Ein kleines Tröpfchen Seelenmeer
Glich einer schwebenden Feder
Heute, da wiege ich schwer

Ungefragt wurde ich ihr entrissen
Dir geliehen für kurze Zeit
Gerne half ich mit meinem Wissen
Zusammen gingen wir weit

Doch jetzt droht Ersticken
Eingequetscht in deiner Haut
Verdammt, eine Seele muss frei sein
Hörst du nicht, ich schreie laut

Ach, mir hilft kein Dehnen, kein Winden
Bin gewaltig gewachsen in Dir
Doch eine Seele braucht Raum um zu leben
Gib mich frei – so habe doch Mitleid mit mir

Ich bin Teil der Weltenseele
In Liebe verbunden mit ihr
Und auch mit den Seelengeschwistern
Ganz eng verbunden sind WIR.

IHRE LIEBE ist das HÖCHSTE
Sie tut unendlich gut
Nichts gleicht dieser Schöpferliebe
Die Hoffnung auf Rückkehr macht mir wieder Mut.

© Text und Gemälde by chrinolo

Hör endlich auf, mich zu ent-geistern!

Ja, du hörst richtig, ich will BE-GEISTERT werden!

Denn wenn du mich begeistern kannst, dann passiert etwas Wundervolles. Ich mache dann eine Sache mit Begeisterung, mit einer Freude die sehr tief geht. Und diese Freude über das folgende Gelingen und den damit verbundenen Erfolg bringt mein Hirn zum Blitzen. Millionen von Funken springen über, von einer Nervenzelle zur anderen. Ich stelle mir dieses funkelnde Spektakel gigantisch vor 🙂

Ich beschäftige mich mit den nicht nur beeindruckenden, sondern auch in ihrer Aussage tatsächlich zutreffenden wissenschaftlichen Arbeiten/Forschungsergebnissen des Neurobiologen und Autors Prof. Dr. Gerald Hüther . Er ist mir bekannt aus dem Film „Die Macht der Gedanken“ ( https://werner-huemer.net/filme/die-macht-der-gedanken-2013 ) 🙂

Das 4. Lebensalter ?

Ich hatte mir bislang keine Gedanken darüber gemacht. Ich wusste noch nicht einmal von dessen Existenz. Was ist dieses geheimnisvolle 4. Lebensalter?

Darauf aufmerksam wurde ich durch einen Buchtipp während einer TV-Dokumentation. Es ist ein Buch, das ungeheuer provoziert, das Empörung auslöst, das eine Wirklichkeit benennt, die schockiert und das Schlimmste daran ist, dass es wahr ist, was er schreibt. Sooo schlimm …. war es mir nie bewusst. Das Buch trägt den Titel: Das 4. Lebensalter: Demenz ist keine Krankheit. Geschrieben hat es Reimer Gronemeyer. Ich hoffe, der Autor hat nichts gegen meine Berichterstattung hier einzuwenden, ansonsten müsste ich meinen Eintrag, der mir sehr viel bedeutet, wieder entfernen. Meiner Meinung nach sollten sich ALLE beizeiten mit diesem wichtigen Thema befassen. Es geht uns alle an. Dieses Buch nennt Zustände, die es zu ändern gilt!

Er schreibt:

“ Offenbar muss sich jeder innerlich darauf vorbereiten, dass es ihn erwischen kann, obwohl das Gefühl mir sagt: Mich trifft es nicht. Auf die Präventions-Tipps pfeife ich. Geistige Regsamkeit, körperliche Fitness – man sollte sich nicht einreden, dass es Mittel und Wege gibt, der Demenz zu entkommen. Die Schar der illustren Geister, die es traf, ist groß und beeindruckend: Immanuel Kant war im Alter ebenso dement wie Karl Marx und Edmund Husserl. Der ruhmreiche Zen-Meister Shunryu Suzuki Roshi war dement, sein Bewunderer Carl Friedrich von Weizsäcker wurde es. Ronald Reagan, der Präsident der Vereinigten Staaten war, Margaret Thatcher, britische Premierministerin, Walter Jens, der Rhetorikprofessor, Peter Falk, der Schauspieler (»Columbo«). In Mozarts Oper Don Giovanni singt Leporello die Liste der weiblichen Eroberungen des Don Giovanni in der ganzen Welt herunter (»doch in Spaniens sind’s 1003«). So könnte ein Demenz-Leporello eine lange Liste der von Demenz Eroberten in der ganzen Welt heruntersingen. Selbst Einstein war zuletzt nicht mehr in der Lage, schlichteste Rechenaufgaben zu lösen. Nicht einmal den Demenztest-Klassiker »hundert minus sieben« wusste er zu bewältigen. Stattdessen lachte er häufig grundlos, klopfte auf das Holz eines Gegenstandes, den seine Pflegerin Geige nannte, und unterhielt sich mit seiner Tabakspfeife. …“

Natürlich, jeden kann es treffen. Aber nur wenige machen sich Gedanken darüber, was dies bedeutet (mich eingeschlossen – bis jetzt!)

Über eines seiner Erlebnisse möchte ich aus dem Buch hier berichten:

„Und dann stand ich vor dem Fahrkartenautomaten, um eine Fahrkarte bis zum Bahnhof zu lösen. Ich versuchte diese Taste und jene Taste. Ich glaube, die Frankfurter Fahrkartenautomaten sind berüchtigt für ihre Undurchschaubarkeit. Ein Blick über die rechte Schulter machte mich noch nervöser, denn ich sah die Straßenbahn kommen. Erneuter Versuch, erneutes Scheitern. In mir braute sich wie ein plötzliches Unwetter an einem Sommertag ein moralisches Dilemma zusammen: Sollte ich die Bahn fahren lassen und es weiter am Automaten versuchen, oder sollte ich, um meinen Termin zu retten, ohne Fahrkarte einsteigen? Der Gedanke an einen Kontrolleur, der missbilligend mich weißhaarigen Schwarzfahrer zur Rede stellt, schreckte mich. Aber es musste entschieden werden, denn die Straßenbahn kam nun schon hinter mir zum Halten. Ich blickte etwas unsicher über die linke Schulter und sah, dass der Straßenbahnfahrer sein Schiebefenster öffnete und sein schnauzbärtiges Gesicht herausschob. »Wo willst du denn hin?«, hörte ich ihn rufen. Offenbar ein Mann mit Migrationshintergrund – wie man heute wohl korrekt sagt. Ich gab ihm Antwort, und er erklärte mir, auf welche Taste ich drücken müsse, um zum Bahnhof zu kommen. Es gelang mir schließlich, eine Karte zu ziehen, und die Straßenbahn fuhr mit mir ab. Die Geschichte hat für mich zwei – lehrreiche – Konsequenzen. Einerseits wurde mir klar, wie schnell man vom Vortragenden zum Thema Demenz, der ich bis zu meiner Ankunft am Fahrkartenautomaten war, zum Verdächtigen werden kann: Der Fahrer hielt mich sichtlich für einen etwas verwirrten alten Herrn, auf den schon der Schatten der Demenz fiel. Andererseits wurde mir – als ich nun eingestiegen war – deutlich, dass ich gerade eine Sternstunde zivilgesellschaftlichen Engagements erlebt hatte. Der Schnurrbärtig-Glatzköpfige hatte im richtigen Augenblick das einzig Richtige getan: Alle Regeln seines Berufes ignorierend, hatte er gehandelt und gemacht, was die Situation von ihm forderte: Er hatte meine Ratlosigkeit erfasst und mir mit wenigen Worten geholfen. Zu seiner Ausbildung hatte das sicher nicht gehört. Wahrscheinlich durfte er gar nicht tun, was er tat. Aber jetzt und in Zukunft werden wir – im Umgang mit der Demenz – davon leben: Dass es Menschen gibt, die sensibilisiert sind für die Hilfsbedürftigkeit anderer. Und die dann das tun, was die Situation von ihnen fordert, auch wenn das gar nicht vorgesehen ist – und vielleicht sogar einen Regelverstoß darstellt.“

Genau so verwirrt stand ich auch schon vor einem Kartenautomaten! 😦

Und dann fragt er nach den Ursachen dieser „Fehlentwicklung in unserer heutigen Gesellschaft“. Er beklagt die verloren gegangene Familienfürsorglichkeit, in der Hochaltrige und Demenz-„Kranke?“ noch leben durften. Auch die Nachbarschaftlichkeit, wo man sich noch gegenseitig half. Er schreibt, sie müssten ersetzt werden durch Sensibilität und Engagement.

In einer Sache sind wir alle gleich beschaffen: jeder wird älter – ohne Ausnahme! Jeder möchte möglichst alt werden, und zwar in Würde!

Hier noch ein kleiner Film zum Begriff „Demenz“. Diesen Begriff hält Peter Wissmann von Demenz Support Stuttgart schlichtweg für eine Unverschämtheit! Er sagt: “ Menschen mit Demenz haben viel zu sagen und wollen auch gehört werden.“