Frida Kahlo – über Verschollene, Zerstörte und kaum gezeigte Bilder

 

Was ich in meinem Beitrag zur Frida Kahlo-Ausstellung „Spitzen und Tränen“ vom 01.02.2019  nicht erwähnt hatte, ist mein großes Interesse an ihren verschollenen oder kaum gezeigten Werken, von denen einige Wenige in der Ausstellung gezeigt werden:

Mir fiel dazu ein Buch ein, über das ich gelesen hatte und das nun endlich und notwendigerweise in meinem Besitz ist:

„Wenn wir nun glauben, die Künstlerin und ihr Arbeiten umfassend zu kennen, wird uns diese neue Publikation überraschen: Es gibt einen Teil von Kahlos Kunst, der wenig bis gar nicht gesehen, ausgestellt und abgedruckt wurde.

Die Kahlo-Kennerin Helga Prignitz-Poda hat diese „ungesehenen“ Arbeiten zusammengetragen. Dazu zählen Bilder, die verschollen oder zerstört sind – aber auch solche, die sich in unzugänglichen Privatsammlungen befinden und nicht mehr für Ausstellungen ausgeliehen werden.“  ( https://www.amazon.de/gp/product/3791383639/ref=ppx_yo_dt_b_asin_title_o01__o00_s00?ie=UTF8&psc=1 )

Dieses Buch – ein großer, sehr schöner Band – werde ich nun mit großer Freude und Spannung in mein Wissen über diese wundervolle Künstlerin aufnehmen … ich weiß noch viel zu wenig!

Und stört mich mal ein Zipperlein, dann denke ich an ihren Schmerz …

 

… verursacht durch Krankheit, schweren Unfall und seine Folgen.

1910 wurde Frida Kahlo geboren
1918 Kinderlähmung, Atrophie des rechten Beins mit leichter Verkürzung sowie nach rechts geneigtem Fuß
1925 Schwerer Straßenbusunfall, Wunde durch ein Stahlrohr –  eingedrungen durch die linke Hüfte und ausgetreten durch die Vagina, Riss der linken Schamlippe, Fraktur des 3. und 4. Lendenwirbels, drei Beckenfrakturen, 11 Frakturen des rechten Fußes, Luxation des rechten Ellenbogengelenks, der Bruch der Wirbelsäule wird erst während der Behandlung in der Klinik bemerkt. Folgend akute Bauchfell- und Blasenentzündung. Frida liegt 9 Monate im Gipskorsett! Sie leidet unsäglich an Schmerzen in der Wirbelsäule und im rechten Bein.

Unvorstellbar, wie diese kleine, zierliche Frau dies überlebt hat. Aber dem nicht genug, denn

1929 heiratet sie Diego Rivera und wird kurz darauf schwanger.

Das ist ein Foto im Garten vom blauen Haus. Frida ist schwanger. Sie malt während dieser Zeit ihr berühmtes Gemälde „Frida und der Kaiserschnitt“. Der Kaiserschnitt war geplant und das Gemälde zeigt, wie sie sich diesen vorstellte. Wegen ihres Unfalls war es ihr nicht möglich, ein Kind normal zu gebären und der Kaiserschnitt war die einzige Möglichkeit. Frida wünschte sich sehnlichst ein Kind, einen kleinen Dieguito …

Aufgrund ihres zu engen Beckens wird wieder ein Abort vorgenommen … ihr Mann wollte ohnehin kein Kind! Das Gemälde ist sehr interessant, da die Umrisse der Figuren von ihrem Mann gemalt wurden – er versuchte ihr beim Malen zu helfen. Auch die Farben sind nicht ihre, sondern die Diegos. Nachdem er die Umrisse gemalt hatte fühlte sie, dass dies nicht ihre Malerei war und sie vollendete das Werk nicht.

1932 war sie dann ein drittes Mal schwanger, doch auch dieses Mal war es ihr nicht vergönnt, ein Kind zur Welt zu bringen. Sie erlitt eine Fehlgeburt. Im Krankenhaus malte sie daraufhin ihr Gemälde „Henry Ford Krankenhaus“ oder „Das fliegende Bett“.

Das Bett schwebt in einem abstrakten Raum und wird von sechs bedeutungsvollen Symbolen umgeben. Das wichtigste Symbol ist wohl ein perfekt geformter männlicher Fötus, ihr kleiner „Dieguito“, den sie sich so sehr gewünscht hatte.

Dann starb auch noch ihre Mutter und die Verluste waren einfach zuviel für sie. Diego schlug ihr „zur Ablenkung“ vor, doch ihr eigenes Leben zu malen – sie war gerade mal 25 Jahre alt – und sie begann mit ihrem Werk „Meine Geburt“ – so wie sie sich ihre Geburt vorstellte. Das Gemälde ist heute im Besitz von dem Popstar Madonna.

Sie malte auch hier keine glückliche Geburt, denn sie war der Madonna, die über dem Bett hängt, nicht dankbar für ihre Geburt. Und die Madonna weint, weil sie den Unfall und all die tragischen Folgen nicht verhindern konnte. Außerdem fühlte sich Frida von ihrer Mutter ungeliebt und „unnütz“ (doch das ist eine andere Geschichte).

Angesichts so vieler Leiden und dem damit verbundenen lebenslangen Schmerz frage ich mich wirklich: „Wie konnte sie das alles über so einen langen Zeitraum ertragen?“. So manch anderer würde es in dieser aussichtslosen Situation vorziehen, lieber zu sterben.

Nein, sie hat keine Träume gemalt, sondern ihre Realität. Sie hat sich die Welt auch nicht bunt und schön gemalt –  ihre starken Farben haben eine tiefe Symbolik  –  Rot ist nicht die Liebe!

Ihr Leben war ein ganz Besonderes, die Liebe war für sie etwas ganz Besonderes und ihre Sicht zu den Eigenschaften der verschiedenen Farben war auch eine Besondere – hier hatte ich darüber geschrieben:

https://seelenglimmern.com/2017/04/15/nichts-ist-schwarz-wirklich-nichts/

 

 

Spitzen und Tränen – die neue Frida Kahlo-Ausstellung

 

„Willkommen im Museum!“, begrüßte mich Herr Gehrke mit einem bezaubernden Lächeln.

„Nehmen Sie sich Zeit und machen Sie es sich bequem.“ Natürlich, hier gibt es Stühle, viel Frida-Literatur und Kaffee!

Das ist fast wie ein nach Hause kommen und so ist das jedes Mal  🙂

Und auch „Es“ grüßte freundlich …  😉

Sogleich griff ich nach dem Programmheft, das nicht nur durch diese Ausstellung, sondern gleich durch Frida´s ganzes Leben führt – nach nun sechs erfolgreichen Ausstellungen in Baden-Baden ist es ganz schön umfangreich geworden. Eine Fundgrube an Wissenswertem und an „Geheimnissen“ für den, der Frida Kahlo verehrt wie ich.

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„Wenn Sie meine Bilder sehen, die Ihnen die Geschichte meines Lebens, meiner Familie und Freunde erzählen, müssen Sie bedenken, dass ich den Pinsel habe, ich habe die Kontrolle, das zu malen, was ich will, und ich habe die Kontrolle, Ihnen die Realität so zu zeigen, so wie ich Ihnen diese gerne zeigen möchte.“ (Text im Programmheft)

Ich schaute mich um, verschaffte mir einen ersten Überblick (zum Vergrößern bitte anklicken):

Unvorstellbar, ich bekam hier eine Vorstellung von „Fridas Liebe zu Schönheit, Eleganz und wie sie ihre ausgearbeiteten Kleider, Spitzen und den Schmuck dazu benutzte ihren armen, schmerzhaften Körper zu bedecken“  …. wie in der Vorankündigung zu dieser Ausstellung beschrieben.

Dann fiel mein Blick auf einen sehr schönen Schrank. Im Programmheft las ich: „Jetzt sehen Sie den Schrank, den ich in meinem Schlafzimmer hatte und den ich für mein Puppenhaus benutzte.“ Sie sammelte Puppen, Puppenstuben-Möbel und viele niedliche Kleinigkeiten. Das tat sie, weil sie für immer ein Kind bleiben und nie erwachsen werden wollte. Das Puppenhaus zeigt eine doppelte Identität: auf der einen Seite die schweren, massiven Holzmöbel, die Kultur ihres Vaters, und auf der anderen Seite die bunte Kultur Mexikos – die Welt ihrer Mutter. Es ist faszinierend, diese Gegensätze im Schrank zu vergleichen und Rückschlüsse auf Fridas Leben zu ziehen.

Danach wandte ich mich ihren Gemälden zu. Ich sah Frida …  viele beeindruckende und ausdrucksstarke Fridas! :

Zu jeder Frida gibt es eine interessante Geschichte im Museum bzw. in dieser Ausstellung zu erfahren … das letzte Bild in meiner Galerie z.B. ist ein ganz ungewöhnliches Selbstportrait. Es trägt den Namen „Der Rahmen“ und hier hat sie mit verschiedenen Materialien gearbeitet. „Dieses Werk wurde zum ersten Gemälde eines mexikanischen Künstlers des 20. Jahrhunderts, das vom Louvre gekauft wurde und noch heute ist es mein einziges Gemälde, das in Europa in einem Museum zu sehen ist.“ (Text aus dem Programmheft).  Dieses Werk ist grandios und ich kann mich kaum von diesem Anblick trennen. Wunderschön – was für eine Arbeit!

Aber sie hat nicht nur sich selbst gemalt, sondern u.a. auch „IHN“ – ihren zweiten Unfall, der noch schlimmer war als der erste, der Busunfall. Sie hat ihn besser aussehend gemalt, als er es in Wirklichkeit war … sie liebte ihn! Mehr als alle Anderen, die sie später noch kennen und lieben lernte. Links auf dem Bild ist er, wie er wirklich war:

Ihre Wirklichkeit war schrecklich mit diesem Diego Rivera, der sie immer wieder verletzte und betrog. Trotzdem liebte sie ihn … und malte. Sie malte alle Stationen ihres schwierigen Lebens. Viele Gemälde sind im Museum zu bewundern, zu viele, um hier darüber zu berichten.

Es ist ohnehin mit einem persönlichen Davorstehen, Betrachten und Bewundern nicht zu vergleichen – unmöglich, dies zu beschreiben.  Jeder, der sich wirklich dafür interessiert, sollte nicht versäumen, dieses Museum und diese Ausstellung zu besuchen. Ich denke, nur so ist es möglich, Fridas außergewöhnliches und spannendes Leben im Zusammenhang zu begreifen.

Ihr letzter Eintrag vor ihrem Tod in ihrem Tagebuch war:

„Ich hoffe, das der Ausgang freudig ist und ich hoffe, nie wieder zurückzukehren.“

Ich persönlich werde immer wieder ins Museum zurückkehren, um in ihr Leben und in die Farben Mexikos einzutauchen. Um die Stärke, den enormen Lebenswillen und die außergewöhnliche Liebesfähigkeit dieser besonderen Frau nachvollziehen zu können. Es ist jedes Mal ein großartiges, berührendes Erlebnis, das inspiriert und zum Nachdenken anregt … über Menschen, Tragödien und die Liebe zum Leben.

Und hier noch das Wichtigste – das Museum:

http://www.kunstmuseum-gehrke-remund.org/besucher-info.html

oder hier:

https://www.facebook.com/KunstmuseumGehrkeRemund/