Nach innen geht der geheimnisvolle Weg

„Wir träumen von Reisen durch das Weltall: ist denn das Weltall nicht in uns?
Die Tiefen unseres Geistes kennen wir nicht. – Nach innen geht der geheimnisvolle Weg.
In uns, oder nirgends ist die Ewigkeit mit ihren Welten, die Vergangenheit und Zukunft.
Die Außenwelt ist die Schattenwelt, sie wirft ihren Schatten in das Lichtreich.
Jetzt scheint es uns freylich innerlich so dunkel, einsam, gastaltlos,
aber wie anders wird es uns dünken, wenn diese Verfinsterung vorbei,
und der Schattenkörper hinweggerückt ist.
Wir werden mehr genießen als je, denn unser Geist hat entbehrt.“

Novalis (1772 – 1801)

Kannst du noch aufbrechen?

Ja, ich kann es noch und werde es tun. Nicht weit von Afrika, der Wiege der Menschheit, werde ich die Beziehung zu mir selbst wieder festigen – allein! Ich freue mich sehr auf dieses „mit mir alleine sein“ – weit weg von allem, das sonst um mich ist.
Beim Alleinsein – am unendlich langen Meeresstrand – werde ich wieder zu mir kommen, dieses funkelnde Seelenglimmern erleben, das die Farben in meinem Leben zum Leuchten bringt. Es reicht mir nicht, dass mein Leben bunt ist, nein, die Farben müssen leuchten!
Nächste Woche nehme ich mir diese Auszeit vom Alltäglichen. Und ich werde an die Worte von Ulrich Schaffer denken – alles beginnt in mir:

„Deine Würde kommt von deiner Beziehung zu dir selbst.
Niemand kann dich entwürdigen, nur du selbst kannst es.
Und die Würde, die andere dir geben, kann nie die Würde ersetzen,
die du selbst dir gibst. Alles beginnt in dir.
Vielleicht ist nichts so spannend, wie die Gestaltung der leeren Momente,
der freien Plätze, der unverstellten Räume,
der unbewohnten Gegenden deines Lebens.
Fülle sie nicht mit dem, was andere dir anbieten,
nicht mit dem Überfluss der Welt, nicht mit den Spielzeugen, die dich ablenken,
nicht mit den Dingen, die dich arm machen, oder mit Gedanken,
die dich gefangen setzen, nicht mit dem bunten Abfall, der dich entwürdigt.

Gib der Kleinigkeit nicht nach. Nimm wahr, dass du auch aus Löchern bestehst,
die nicht gestopft werden müssen, die aber mit Bedeutung gefüllt werden können.
Weite ist deine Berufung. Kannst du dir vorstellen, jetzt, in deinem Alter,
noch neue Haltungen zu entwickeln, ungewohnte Einstellungen zu üben,
und nicht schon im Voraus zu wissen, wie es am besten ist?
Oder hast du dich so festgelegt und festlegen lassen,
dass jede Veränderung dir zu anstrengend ist?

Kannst du dich noch in Frage stellen, dich herausfordern etwas Neues zu wagen,
anstatt dich immer nur zu wiederholen? Lass dich von dir selbst überraschen!
In dir gibt es noch Reichtum an Unerschlossenem, Wirklichkeiten,
die erlebt werden wollen, Gedanken, die in Taten umgesetzt werden wollen.
Kannst du noch aufbrechen? Vielleicht ist nichts wichtiger
als deiner reifen Liebe eine einmalige Gestalt zu geben,
sie nicht mehr nach Mustern und Vorbildern zu gestalten,
deren innere Welten du nicht kennst. Immer mehr löst du dich aus dem,
wie andere es sehen, wie das übergroße „man“ alles sieht,
und immer mehr ist jetzt wichtig zu verstehen,
dass deine Art zu lieben ein Teil des ganzen Bildes ist.
Mach aus deinem Leben ein Seminar der Zuwendung,
eine Feier des Verstehens, ein Fest der Liebe.“

(co. Ulrich Schaffer)

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Kirschblüte …

Die Kirschblüte hat eine relativ kurze Zeitspanne, nur 10-14 Tage. Aber auch für mich hat sie eine ganz spezielle Bedeutung. Ich fühle das Aufblühen, den Beginn des neuen Lebens und ich erkenne in der Blüte mit ihrer grandiosen Schönheit den Liebreiz des Lebens.

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Ich freue mich an jedem Tag während der kurzen Kirschblüte und erfasse mit allen Sinnen diese üppige Pracht. Ich sitze direkt unter dem Baum und bestaune die betörende Schönheit der Blüten.
Und wenn ich dann so sitze, dann sitze ich … solange es nur geht.

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Wenn ich sitze, dann sitze ich …

… und tue so, als ob ich glücklich wäre. Es dauert gar nicht lange, dann bin ich es auch.

Ich lasse meine Seele frei, lasse sie träumen, lasse sie fliegen. Manchmal muss sie wieder richtig aufatmen und durchatmen können, Ballast abwerfen und sich aus allen alten, negativen Verbindungen erheben. Ich bleibe dann solange sitzen und erwarte ihre Rückkehr. Leichtigkeit bringt sie mir mit und bald darauf bin ich nicht mehr die Gleiche.

Meine Seele ist meine stille Freundin. Die kleinen Ratschläge, die sie mir hin und wieder leise zuflüstert, kommen bei mir an. Ich möchte sie nicht missen.

Blauer Himmel, Sonnenschein,
mit Gott und sich zufrieden sein,
Glücksgefühl durchströmt den Geist,
ein Atemhauch, der Stille heißt,
Herz und Sinne ruhen entspannt,
ein leichter Wind streicht übers Land,
mit Aug‘ und Ohr die Pracht erfassen,
und so die Seele baumeln lassen.

© Oskar Stock, deutscher Schriftsteller und Aphoristiker