Tja, wem der Glaube fehlt …

 

Eine echte Begegnung kann in einem einzigen Augenblick geschehen.
Anaïs Nin

 

Text und Gemälde © chrinolo (ausgenommen:Zitate)

Nun war die schöne, grüne Meerjungfrau schon vierzehneinhalb Jahre alt und hatte immer noch nicht ihren Meerprinzen gefunden. In ihrer Verzweiflung klagte sie ihr Leid Gott Neptun, ihrem Vater. Dieser jedoch lächelte und meinte: „Mein Kind, das hat doch noch Zeit. Glaube mir, der Augenblick wird rechtzeitig kommen!“

Die Meerjungfrau sank wieder zurück auf den Meeresgrund und war sehr traurig. Plötzlich hörte sie eine Stimme: „Hallo, schöne Meerjungfrau, küss mich! Ich bin dein Prinz.“ Der kleine Fisch, der vor ihr verharrte, blickte ihr tief in die Augen und lächelte. „Spinnst du? Mein Prinz ist ein Frosch und du bist nur ein kleiner Fisch!“, schimpfte die Meerjungfrau erbost. „Ja, der Frosch – das bin ich auch. Dein Vater hat mich in einen Fisch verwandelt, damit ich mit dir im Meer leben kann. Weisst du, er will nicht länger mitansehen, wie traurig du bist.“, erwiderte der kleine Fisch.

Die schöne, grüne Meerjungfrau aber sah ihn nur verächtlich an und meinte: „Mein Vater würde so etwas niemals tun, das wäre ihm viel zu zeitaufwendig. Der hat andere Dinge im Kopf, die ihm wichtiger sind.“ Sie blickte wieder zu Boden und würdigte den kleinen Fisch keines Blickes mehr.

„Nun gut,“ sagte der kleine Fisch, „ich habe mich auch gewundert, als dein Vater mit solch einem Unsinn an mich herantrat. Aber dann habe ich mich an eine Weisheit meines guten Freundes Hermann Hesse erinnert. Der sagte zu mir:
Ich glaube, dass trotz des offensichtlichen Unsinns das Leben dennoch einen Sinn hat. Ich ergebe mich darein, diesen letzten Sinn mit dem Verstand nicht erfassen zu können, bin aber bereit, ihm zu dienen.
…  da es aber offensichtlich sinnlos ist, mit dir darüber zu diskutieren, habe ich keine Lust, dir noch länger zu dienen. Und den Frosch, in den ich mich wieder zurück verwandeln lasse, kannst du auch vergessen. “

Die grüne Meerjungfrau sah auf und entgegnete: „Ich weiss schon lange, dass die Sache mit dem Frosch küssen ein Unsinn ist … ich will weder einen Frosch noch einen Fisch! Und jetzt schreibe ich an http://www.date50plus.de. Die können mir einen grünen Meerprinzen reservieren, falls der richtige Augenblick bis dahin nicht eingetroffen ist. Auf die ist Verlass – dieses Jahr waren sie TESTSIEGER!“

In diesem Augenblick beendete der kleine Fisch resolut diese unsinnige Begegnung und schwamm erleichtert davon. 😉

 

Dann schloss sie träumend wieder ihre Krone …

 

Vor ewigen Zeiten lebte einmal eine sehr schöne Frau, deren Geliebter viel zu früh starb. Da sie so liebte und sie sich ewige Treue versprochen hatten, konnte die Frau ihn nicht verlassen. Sie watete im Mondlicht ins Wasser eines tiefen unergründlichen Sees, bis das Wasser über ihr zusammenschlug. Und während sie starb, gebar sie viele Kinder. Diese treiben noch immer in unsagbarer Schönheit im See – bis heute! Man nennt sie „Seerosen“.

Dies habe ich mal irgendwo gelesen, Quelle unbekannt. Aber als ich nun auf meine Seerose im Teich blickte, dachte ich wieder an diese schöne Sage …

In schwarzer Tiefe sicher verwurzelt
Drängt sie aus dem dunklem Wasser empor
Längst verstorbene Seelen
Blicken lichtdurstig aus ihrer Mitte hervor
Aus ihrem blühenden Mund
Erklingen sonnenduftige Lieder
Kosmisch, nur ganz leise hingehaucht
– keiner kennt den Grund –
erklingen sie immer wieder
Die Knospe strebt aufwärts
Schwebt zitternd, erregt und bleich
Durch das tiefe nächtliche Wasserreich
Reckt sich dann keck, öffnet kühn ihr Hüllenkleid
… und zeigt mir ihre reinste, weisse Blütenherrlichkeit.

© chrinolo

Weil Steinböcke keine Ablehnung ertragen … ;-)

 

… habe ich heute keinen Wolf, sondern einen Steinbock gemalt … und einen Widder gleich dazu! Genau wie gewünscht 🙂
Beim Malen habe ich natürlich auch nachgedacht, damit das Bild einen Sinn bekommt – meine Bilder erzählen schliesslich alle eine Geschichte. Also:

Es war einmal ein allerliebster kleiner Widder. Mit seinem sonnigen Gemüt hüpfte er unermüdlich träumend durch die Welt und erfreute sich an allem Schönen, das er sah (wenn etwas nicht ganz seinen Vorstellungen entsprach, dann dachte er es sich einfach schön 🙂 ).
Fast alle, die ihm begegneten, freuten sich mit ihm und diesen schenkte er auch stets sein herzerfrischendes Lächeln. Fast alle … denn eines Tages begegnete er einem seltsamen Wesen.

 

Erstaunt blickte der kleine Widder zu ihm auf, denn dieses Wesen war viel grösser und seine Hörner, die es auf ihn gerichtet hatte, waren mächtig!

Natürlich hatte der kleine Widder keine Furcht vor diesem Wesen, das sich „Steinbock“ nannte, aber ganz geheuer war es ihm doch nicht.
„Guten Tag, wie geht es dir?“, fragte der kleine Widder freundlich … und bekam keine passende Antwort. Stattdessen sagte der Steinbock: „Wenn du nicht so oberflächlich durch die Welt irren würdest, könntest du das selbst erkennen und müsstest nicht so dumm fragen!“

Der kleine Widder war sehr irritiert, wandte sich ab und schaute verträumt einen alten Baum an, der seine knorrigen Äste weit ausgebreitet hatte, um möglichst viele Sonnenstrahlen berühren zu können. Der kleine Widder war von diesem Anblick ganz gerührt und lächelte glücklich, weil der alte Baum diese Berührungen sichtlich genoss.
Der grosse Steinbock, der immer noch – Überlegenheit demonstrierend – auf ihn herabschaute, eröffnete sogleich provokativ eine heikle Diskussion. „Das alte Gewächs nimmt den anderen Pflanzen die ganze Sonne weg. Noch dieses Jahr wird der alte Schmarotzer gefällt! Früchte trägt er ohnehin nicht mehr, wem soll er also noch nützen? Hast du darüber schon mal nachgedacht, du unverbesserliche Träumerin? Du solltest nicht so übertrieben emotional sein, sondern die Sache realistisch und sachlich betrachten! Aber dazu braucht man ja VERNUNFT… und Vernunft ist wohl das Letzte, was man einem Widder nachsagen kann!“
Ach, dieser arme Miesmacher, dachte der kleine Widder und spielte mit einem Schmetterling, der gerade um seine Nase schwebte. Bezaubert von diesem schönen Geschöpf hauchte er ihm ein liebenswürdiges „Du bist wunderschön!“ zu.
„Du glaubst doch nicht etwa, dass der dich versteht, mit seinem Minihirn! So etwas Lächerliches habe ich selten erlebt. Ich hoffe, du bist jetzt nicht beleidigt, aber etwas Kritik sollte jeder ertragen können und gute Ratschläge annehmen, die aus reiner Grossmut erfolgen. Man meint es ja nur gut! Sag‘ mal, in welcher Welt lebst du eigentlich?“
„Offensichtlich in einer anderen als du! In meiner Welt ist alles liebenswürdig!“, erwiderte der kleine Widder. Gespräche dieser Art waren ihm zuwider.

Er blinzelte in die Sonne und atmete tief ein. „Das Leben ist schön!“, lachte er und machte ein paar Freudenhüpfer. Der nörgelnde Steinbock schüttelte verächtlich den Kopf und trabte unzufrieden davon. Der kleine Widder hörte ihn noch sagen: „Unmöglich! Mit Widdern soll einer zurechtkommen … mit solch einer unrealistischen und unvernünftigen Spezies … Liebenswürdigkeit? Pah, wer braucht denn Liebenswürdigkeit?! Fleiss und Pflichtbewusstsein, das bringt Erfolg! Merke dir: mit deiner Träumerei wirst du es jedenfalls nicht weit bringen ….“

Doch, der der kleine Widder hüpfte vergnügt über die Blumenwiese und hielt nach weiteren Schönheiten Ausschau, während sich der Steinbock mürrisch die kahle, steile Felswand hinaufkämpfte.
Von dort oben hatte er alles im Blick. Auch das saftige Gras, das unten wuchs, während dort oben sein Magen vor Hunger grollte.

Bald darauf begegnete der kleine Widder einem anderen Steinbock … der schien irgendwie aus seiner Art zu fallen, denn dieser war unerwartet liebenswürdig. Der kleine Widder war zunächst zwar sehr überrascht, hielt es dann jedoch für vernünftig, diesem Steinbock ohne Vorurteile zu begegnen. Erwartungsvoll sah er den Steinbock an und dachte, dass ja – realistisch betrachtet – wohl kein Steinbock wie der andere ist – jeder ist schliesslich einzigartig! Es gibt solche und Solche! … 🙂

Von Hexen, Mauerblümchen und geldgierigen Fröschen

 

Eigentlich war alles wie immer, als ich heute Morgen das Stadtgärtchen betrat. Ich ging gleich beim Froschprinz vorbei, um ihm einen „Guten Morgen“ zu wünschen, aber der war seltsam still und hatte kein Ohr für mich.

Also setzte ich mich auf den Brunnenrand und blickte ins Wasser. „Nanu“, dachte ich, „da unten liegen ja Münzen … ganz wie in Rom im Trevi-Brunnen! Da scheinen die Leute hier offensichtlich etwas zu verwechseln – wir sind hier im Schwarzwald! Und dieser geldgierige Froschprinz klärt die Leute natürlich nicht auf. Ganz im Gegenteil, das Geld kommt dem gerade recht! Der sass da und wartete – aber worauf? „.

Und dann plötzlich sah ich sie! „Also, das ist doch verrückt“, dachte ich weiter, „die verwechseln hier auch was – die sind ausserhalb ihrer Zeit am falschen Ort!“

Ausserdem ist dies kein magischer Feuer-Kreis, sondern nur eine runde Blumenrabatte!

Und jetzt verstand ich auch den Frosch: der blöde Kerl wartete, dass sich eine von denen in eine Prinzessin verwandelt, damit er Prinz werden kann. Unglaublich ! Der glaubt doch nicht wirklich, dass eine von denen wegen der paar Münzen im Brunnen eine Umwandlung auf sich nimmt? Und noch dazu für so einen hässlichen Frosch? Nein, was eine richtige Hexe ist, die bleibt auch eine! Ich hab sie gefragt und die eine sagte zu mir:“Ach, geh‘ mir doch mit diesem verblödeten Geldprotz nicht auf den Senkel!“, winkte ab und lief davon.

Da tat mir der Frosch schon ein bisschen leid und ich machte ihn auf das liebreizende Mauerblümchen aufmerksam, das ich unten am Fluss gesehen hatte.

„Was soll ich mit dem armen Ding?“, knurrte er unzufrieden und warf ihr überheblich eine Münze vor die Füsse.

Das Mauerblümchen wurde daraufhin sehr traurig und weinte so bitterlich, dass ihre Tränen aus der Mauer herausströmten.

„Kann hier vielleicht mal jemand das Wasser abstellen?“, schrie da auch schon einer, „ich laufe auch schon über!“

„Na, hier ist heute wohl alles etwas anders als sonst“!, seufzte ich ratlos und sah zum Baum hinüber.

Doch der rang ebenso ratlos seine Äste und zitterte vor Aufregung.

So etwas hatte ich hier noch nicht erlebt und sah mich nach einer Bank um – ich musste mich setzen!

„Ach, wenn ich jetzt doch ein bisschen Musik hätte“, dachte ich, „die würde mich wieder beruhigen und meine Welt zurechtrücken.“

Und ihr werdet es nicht glauben – die meisten meiner Wünsche gehen in Erfüllung! Eine kleine, allerliebste Amsel (natürlich ein Amselmännchen – für die Wunscherfüllung sind meistens Männer zuständig! 😉 ) kam vom anderen Flussufer angeflogen, setzte sich zu mir ins Gras und trällerte für mich ganz allein die wunderschönsten schönsten Melodien 🙂

 

„Na, hat es dir gefallen?“, fragte sie … ähm, natürlich er! … und blickte mich erwartungsvoll an.

„Aber ja, es war wunderschön!“, lächelte ich zurück. „Ich werde mir jetzt noch die herrlichen Blüten anschauen. Und anschliessend gönne ich mir nebenan noch ein leckeres Eis, dann ist schon heute fast wie fast Sonntag! 🙂

EUCH ALLEN WÜNSCHE ICH AUCH EIN SCHÖNES WOCHENENDE !   🙂

Vom Einhorn, das nicht anders sein wollte

Viele tausend Jahre hatte die kleine Prinzessin nun in ihrem Zauberland gelebt. Mit ihrem Einhorn durchstreifte sie die geheimnisvollen, ausgedehnten Wälder und ritt glückstrahlend und zufrieden über prächtig blühende Blumenwiesen.

Sie hörte den mächtigen alten Bäumen zu, wenn diese ihre weit verzweigten, mächtigen Äste der Sonne entgegen reckten und danach von anderen Welten berichteten, welche diese Sonne auch beschien und zum Leben erweckte.

Die Sonne hatte viele Freundinnen. Diese wiederum erzählten vom endlosen Universum mit seinen vielen Göttern und Göttinnen, die auch mit aussergewöhnlichen Tieren lebten.

Als das Einhorn dies hörte, horchte es auf und fragte, ob es dort auch Pferde gebe. «Aber ja», sagte die Sonne. «Meine Freundin, welche die Erde bescheint, berichtete mir von einem wunderschönen, weissen Schimmel. Allerdings hat dieser kein Horn wie du und würde dich sehr befremdlich finden.»

Das Einhorn wunderte sich und fragte weiter: »Ohne Horn kann es nicht zaubern und keine Wünsche erfüllen. Was macht denn der Schimmel den ganzen Tag?»

«Oh, er hat anderes zu tun. Aber wenn er gerade nichts zu tun hat, dann steht er da und blickt sehnsuchtsvoll in den Himmel. Im Universum soll es noch ein schwarzes Pferd geben. Davon hatte ihm unlängst eine andere Sonne berichtet. Genau nach diesem Pferd sehnte sich nun der Schimmel – zumal es auch kein Horn hatte und ihm somit ähnlich war.»

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Das Einhorn wurde traurig. Bestimmt würde das schwarze Pferd diesen ihm ähnlichen Schimmel bevorzugen und es selbst ginge wieder leer aus.

Als die Prinzessin ihr trauriges Einhorn ansah, wurde sie von solchem Mitleid erfüllt, dass sie beschloss, dem schwarzen Pferd einen Besuch abzustatten und es einzuladen. Sie würde ihm von ihrem besonderen Einhorn erzählen und alle seine Vorzüge nennen, welche es so besonders machen. Schliesslich konnte es zaubern!

Aber dazu kam es nicht mehr, denn das Einhorn war schon viel zu verzweifelt über sein Anderssein und hörte der Prinzessin nicht mehr zu. Stattdessen nahm es einen gewaltigen Anlauf und rannte mit all seiner Kraft auf den mächtigen Baum zu. Es rammte wütend sein Horn in den Baumstamm, sodass dieses abbrach.

Entsetzt starrte die Prinzessin auf das Tier. «Nun ist alles verloren», schluchzte sie. «Nun kannst du mich nicht mehr ins Universum zaubern. Wie soll ich denn dem schwarzen Pferd von dir und deiner Besonderheit – dem Zaubern – berichten? Jetzt bist du gewöhnlich wie jeder Schimmel. Aber das schwarze Pferd im Universum steht seit Jahrmillionen dort oben und hält Ausschau nach einem Einhorn, das zaubern kann. Schau hin, dieses schwarze Pferd dort oben ist noch eine dunkle Nebel-Staubwolke, die nicht alleine Gestalt annehmen kann. Und nichts wünscht es sich mehr. Nur dein Zauber hätte ihm helfen können.»

© chrinolo

Über Wölfe und Frauen

 

Er wanderte so lange, bis er ein freies Territorium und eine bezaubernde Partnerin gefunden hatte. Auf den ersten Blick war ihm klar: Das ist sie – meine zukünftige Alpha-Wölfin! (da sind Wölfe den Menschen sehr ähnlich oder umgekehrt 😉 )

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Zärtlich und voller Respekt näherte er sich und das gefiel ihr. Um ihm auch von ihrer Seite aus enorme Zuneigung zu zeigen, gab sie ihm ein Küsschen auf die Wange 🙂 :

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Aber Frauen wollen ja immer mehr und tun nichts umsonst. Also schaute sie ihn mit ihrem schönsten Augenklimpern an und fragte: „Erzählst du mir eine Geschichte?“ (sowas mögen Wolfs- wie auch Menschenfrauen 🙂 )

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„Also gut“, antwortete er, „dann reden wir mal über Menschen – speziell Frauen! Was da so alles über uns zusammengedichtet wird … na ja, sie kennen uns fast ausschliesslich nur aus Mythen, Märchen und Fabeln. Bösartige Tiere wären wir. Stell dir das mal vor. Sie fürchten uns, weil wir angeblich Geißlein verschlingen und noch eine Großmutter und das Rotkäppchen dazu. Was für ein ungeheurer Quatsch! Aber hör selbst, was mir da zu Ohren kam – eine schon merkwürdige Geschichte und da gibt’s noch mehrere. Doch eine reicht mal, wir haben ein ganzes Leben zum Geschichten erzählen vor uns. Sie kuschelte sich eng an ihn und er begann:

Das Märchen Rotkäppchen
– politisch korrekt erzählt

Es war einmal ein junger Mensch namens Rotkäppchen, sie lebte mit ihrer Mutter am Rande eines großen Waldes. Eines Tages bat ihre Mutter sie, ihrer Großmutter einen Korb frischen Obstes und natriumarmen Mineralwassers zu bringen. Dieses beileibe nicht, weil es sich hier um eine typische Frauenarbeit handelt, sondern weil eine derartige Handlungsweise hilft, ein Gefühl der Zusammengehörigkeit zu erzeugen.

Schließlich ist die Großmutter auch keinesfalls krank, sondern im Vollbesitz ihrer geistigen und körperlichen Kräfte, von daher also durchaus in der Lage, ihr Leben als reife Erwachsene selbst in die Hand zu nehmen.

So streifte also Rotkäppchen mit ihrem Korb durch den Wald. Viele Menschen glaubten, der Wald sei gefährlich und voller dunkler Kräfte und setzten nie auch nur einen Fuß in seine Nähe. Rotkäppchen jedoch vertraute viel zu sehr Ihrer knospenden Sexualität, als dass derartig Freudianische Vorstellungen sie hätten einschüchtern können. Auf dem Weg zum Haus ihrer Großmutter wurde Rotkäppchen von einem Wolf angesprochen, der wissen wollte, was sie in ihrem Korb habe.
„Reformhauskost für meine Großmutter, die selbstverständlich alleine in der Lage ist, ihr Leben als reife Erwachsene zu führen.“ antwortete Rotkäppchen.

Der Wolf aber entgegnete: „Weisst Du, Kleines, es ist gar nicht so ungefährlich für ein kleines Mädchen, sich in diesem Wald herumzutreiben.“

Sofort sagte Rotkäppchen:“ Ich finde Deine sexistische Bemerkung zwar außerordentlich beleidigend, bin jedoch bereit, diese zu ignorieren, da Du ein klassischer Außenseiter der Gesellschaft bist und der Streß dieses sozialen Status bei Dir zur Entwicklung eines eigenen, für Dich individuell gültigen Weltbildes geführt hat. Nun entschuldige mich aber, ich muss weiter.“

Und Rotkäppchen folgte weiter der Straße zum Haus ihrer Großmutter. Der Wolf aber, dessen Status als Außenseiter ihn von der sklavischen Verfolgung linearer, in der westlichen Kultur begründete Denkmuster befreit hatte, wusste eine Abkürzung.

Er brach in das Haus ein und fraß die Oma, ein für einen Fleischfresser für sich genommen durchaus legitimes Verhalten. Nun aber, ungehemmt von starren, traditionalistischen Vorstellungen von männlichem und weiblichem Verhalten, legte er die Kleider der Großmutter an und kletterte in ihr Bett.

Als Rotkäppchen die Waldhütte betrat, rief sie: Großmutter, ich habe Dir ein paar fett- und cholesterinarme Lebensmittel mitgebracht um Dich in Deiner Rolle als weiser und nährender Mutter des Matriarchats zu stärken.“

„Näher, mein Kind, komm näher.“ ertönte es leise vom Bett. „Oh je“, rief Rotkäppchen, „ich hatte ja ganz vergessen, dass Du optisch herausgefordert bist wie eine Fledermaus. Oma, was hast Du nur für große Augen!“
„Viel haben sie gesehen, und viel vergeben, meine Liebe.“
„Oma, was hast Du nur für eine große Nase. Selbstverständlich nur eher vergleichsweise und durchaus schön auf ihre eigene Art.“
„Viel hat sie gerochen, und viel vergeben, meine Liebe.“
„Großmutter, wie groß sind Deine Zähne!“

„Ich bin durchaus zufrieden mit meiner Identität und was damit zusammenhängt“ sagte der Wolf und sprang aus dem Bett. Sofort packte er sie mit seinen Klauen in der Absicht, sie alsbald zu verzehren. Rotkäppchen schrie auf, nicht aus Besorgnis über des Wolfs offensichtliche Tendenz sich über bürgerliche Normen geschlechtsspezifischer Kleidung hinwegzusetzen, sondern wegen des bewußten Eindringens in ihre Privatsphäre. Ihre Schreie wurden von einem vorbeigehenden Holzfäller gehört (er selbst zieht es vor, sich als Ingenieur für nachwachsende Rohstoffe zu bezeichnen). Er stürmte sofort in die Hütte, nahm die Gefahr wahr, und wollte Rotkäppchen zu Hilfe eilen. Als er aber seine Axt hob, ließ der Wolf von Rotkäppchen ab und beide wandten sich ihm zu.
„Was glaubst Du eigentlich, was Du hier machst?“ herrschte Rotkäppchen ihn an. Der Holzfäller zuckte zusammen und er versuchte zu antworten, doch ihm fehlten die Worte.
„Du platzt hier rein wie ein Neandertaler, im Vertrauen auf Deine Waffe, die Dir das Denken abnimmt“, schimpfte sie, „Sexist! Rassist! Was bildest Du Dir eigentlich ein, anzunehmen, Frauen und Wölfe könnten ihre Probleme nicht ohne die Hilfe eines Mannes lösen?“

Als die Großmutter Rotkäppchens leidenschaftliche Worte hörte, sprang sie aus dem Maul des Wolfs, ergriff die Axt des Holzfällers und hieb ihm den Kopf ab. Nach diesem Gottesurteil ergriff Rotkäppchen, ihre Großmutter und den Wolf ein eigentümliches Gefühl für die Gemeinsamkeit ihrer Interessen und so entschieden sie sich, eine auf gegenseitigen Respekt und Rücksichtnahme gegründete WG zu bilden, worin sie glücklich bis ans Ende ihrer Tage lebten.
(W o l f g a n g   R a u)   

Hier gelesen:  http://www.xn--wlfe-5qa.info/html/geschichten.html

Die Fotos sind von mir! 🙂

 

Die Sache mit dem Frosch …

Eigentlich war ich gestern nach der Arbeit schon viel zu müde, um noch ins Küchenstudio zu fahren. Aber die Sache mit der Dunstabzugshaube musste noch geklärt werden … wie wenn ICH das klären könnte: was für eine Haube muss es sein, wenn es sich um ein Haus mit Wärmerückgewinn-Technik handelt? Da muss einiges beachtet werden! … Ja bin ich denn Konstrukteur oder Wärmetechniker? … Mann-o-mann …

Der ganze Planungszirkus nervt nur noch. Ich weiss, nächste Woche wird die neue Einbauküche geliefert und ich sollte mich endlich entscheiden, was ich denn für eine Dunstabzugshaube haben möchte, aber es gibt doch wirklich Wichtigeres, als so ein Edelstahl-Metallabzugsdings.
Zwei Stühle zum Beispiel – da habe ich gleich zwei schöne gefunden und ich weiss schon jetzt, dass ich gerne darauf sitzen werde. Optisch schön in Form und Farbe und wunderbar passend zur neuen Einbauküche. Und ich freue mich auf den morgentlichen Ausblick aus dem Fenster beim Kaffetrinken oder abends, während ich Möhren schnipple.

Aber zur Dunstabzugshaube habe ich scheinbar ein gestörtes Verhältnis … jedenfalls bis jetzt noch. Na gut, obwohl ich so müde und abgeschafft war, habe ich mich dem Problem gestellt und es schliesslich zusammen mit der Küchendesignerin gelöst. Danach war ich platt und hab es gerade noch so auf meine Lieblings-Holzbank im Katz’schen Garten (das ist der kleine Stadtgarten in Gernsbach) geschafft, um ein bisschen zu lesen und um auf den Fluss zu blicken.

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Auf dem Weg dorthin kam ich am Brunnen vorbei, wo er seit eh‘ und je sitzt und die Frauen anglotzt, die dort vorbeikommen. „Blöder Kerl“, denke ich „wer sich DEINE Geschichte ausgedacht hat, muss auch mit den Nerven ziemlich runter gewesen sein. Das ist doch alles erstunken und erlogen! Von wegen „Küss mich, dann werde ich ein Prinz!“ –  denkste, das hat doch noch nie geklappt!

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Nein, anders herum wird ein Schuh draus, diese Geschichte sollte schleunigst umgeschrieben werden. Ja, da habe ich auch meine Erfahrungen weg. Es gibt eine ganze Menge „Märchenprinzen“, aber die werden in besonderen Situationen schwuppdiwupp zum Frosch und hüpfen in grossen Sprüngen davon. Und du musst sie noch nicht einmal vorher küssen. Nun ja, ich möchte niemandem den Glauben an Märchen nehmen. Jeder kann schliesslich Frösche küssen, so oft er will, aber ich werde meine Zeit nicht mit solchem Unfug verplempern.

Nach all diesen ernüchternden Gedanken über Dunstabzugshauben und Froschprinzen war mir nach einem Amarenabecher im Eiscafé nebenan. Dort sass ich dann  – gedankenlos –  , blickte auf schöne Blüten und lauschte dem Flüstern des Flusses, während ich sehr langsam und bedächtig meinen Amarenabecher vernaschte.

Ach, das Leben kann doch auch schön sein, wenn man sich nur etwas Mühe gibt 🙂

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