Herrgott noch mal, was soll das? … oder: Der Denker von A. Rodin

 

Was suchst du ständig in der Vergangenheit
JETZT ist der Augenblick, in dem du noch wählen kannst
Warum lebst du in Erinnerungen und längst vergangenen Momenten
Verschanze dich doch nicht hinter diesen sperrigen Gedankenwänden

Und träum‘ dich nicht dauernd weg, in alte, längst zerbröckelte Welten
Hättest du nur damals!?? Du regst dich heute über die Anderen auf?
Sie danken für dein damals „gemeinnütziges“ Handeln – und lachen!
Doch das Geschehene kannst auch du nicht ungeschehen machen

Lerne endlich: Was geschehen ist, ist geschehen
Sicher, du hast zwar viele Chancen verpasst, doch noch hast du Zeit
Beginn‘ endlich mit dem HEUTE, dieses wird dann dein bestimmendes Werk
Und bedenke: auch damals war nicht alles makellos oder besonders süperb.

Text und Foto © chrinolo

Wenn wir …

 

„Wenn wir – so wie Bäume – uns untereinander versorgen würden, wäre Friede auf dieser Welt.“, schrieb mir Sylvia als Antwort zu meinem Kommentar in Bezug auf einen wundervollen Beitrag von ihr: https://sckling.wordpress.com/2017/09/04/puppenmaedchen/

Dieser Aphorismus von ihr, den sie hier bei mir 🙂 veröffentlicht hat, zieht nun durch meine Gedanken – ich denke dabei an einen sehr schönen Artikel, den ich vor einiger Zeit gelesen hatte. Ich habe ihn wieder gefunden und möchte ihn euch nicht vorenthalten (jedenfalls nicht denjenigen, die sich dafür interessieren): „Das Geheimnis der Bäume“

https://www.zeitenschrift.com/artikel/das-geheimnis-der-baeume

Bäume sind intelligente, lebendige Wesen, die mit ihresgleichen und ihrer Umwelt kommunizieren und lebenslange Freundschaften bilden können – das hat nun sogar die Wissenschaft ermittelt. “ …

Es geschieht auch unter uns Menschen, aber nicht unter allen! Gerade darum freue ich mich, finde es so tröstlich, wenn ich Sylvias Worte lese. Sie berichtet darüber und kennt offensichtlich „Das Geheimnis der Bäume“.

Lieben Dank an Sylvia für das Nachreichen dieses schönen Bildes mit ihrem Aphorismus 🙂 :

Pure Lebensfreude … :-)

Lebensfreude
…und immer wieder Menschen,
an deren unbefangener Lebensfreude man sich aufrichten kann…

© Nico Szaba
(*1970), deutscher Schriftsteller

… „und manchmal jubelt es übermütig
vor bedingungsloser Heiterkeit.“

 

Zäh und schwer
durchtrampelt dieses Dasein
den schmalen Acker der Zeit,
solang wir täglich uns verdingen.
Dinge binden uns und roden
Orientierungsgräben in die
Regenwälder der Freude.
Doch wenn es uns gelingt,
den Ton der Dinge, der in und
zwischen den Atomen klingt,
als Liebe in uns zu entdecken,
schwebt das Leben plötzlich leicht
und ganz mit Gott befreundet,
und manchmal jubelt es übermütig
vor bedingungsloser Heiterkeit.

© Peter Horton
(*1941), österreichischer Sänger, Musiker, Gitarrist, Komponist und Buchautor
Quelle: Horton »Die zweite Saite«, Echter Verlag 2004

Manchmal habe ich’s schon gesehen

 

Unbelastet und gesund kam ich zur Welt.
Ich wusste damals noch nicht,
dass dieser Zustand nicht lange hält
und schaute zu tief ins künstliche Licht,
das uns heute alle blendet.
Und damit war meine Karriere
als Mensch vorläufig beendet.

Ich hatte zu Unrecht jenen getraut,
die das künstliche Licht gebaut.

Heute suche ich echtes Licht,
das uns warm zusammenhält
und uns allen leuchtet
für eine menschliche Welt.

Gefunden hab ich’s noch nicht –
doch manchmal schon gesehen.

© Kristiane Allert-Wybranietz

Wer sich nach dem Licht sehnt,
ist nicht lichtlos, denn die Sehnsucht ist schon Licht.
Bettina von Arnim

Der Stein und die Libelle

 

 

 

In einem Weiher klar und rein
Lag auf dem Grund ein dicker Stein.
Er blickte missvergnügt empor
Und seufzte: Warum darf´s nicht sein,
Dass ich einmal aus meiner Tiefe
Auftauchen kann zum Spiegelschein
Der Oberfläche über mir?
Ist keiner, der mich kann befrei´n?
Dort oben schimmerts bunt und licht,
Ich aber liege tief, verlassen und allein.
Zur gleichen Zeit, mittags um zwein,
Schwirrt überm Teich im Sonnenschein
Eine Libelle blau und leicht
Und sieht tief unter sich den Stein.
“Ach”, seufzt sie, als sie ihn erspäht,
“Wie oberflächlich muss ich sein,
Nie kann ich ruh´n in seiner Tiefe,
Nie kann ich sein mit mir allein,
Könnt ich hinuntertauchen doch,
O, wär es mir vergönnt, der dicke Stein zu sein!”

Und die Moral? Wie ihr wohl wisst:
Das Glück ist dort, wo du nicht bist.
Drum ist´s auch Glück, sich zu bescheiden,
Schon weil die Andern dich beneiden.

©  Arthur Koetz

Synergie = Zusammenwirken

 

Ein Synergieeffekt steht für die Hoffnung, dass ein Ganzes durch sein Zusammenwirken mehr wert ist als die Summe seiner getrennt bleibenden Teile.

Ob die Wirkung in meinem Beispiel „mehr wert“ ist, als die getrennt bleibenden Einzelteile, möchte ich so nicht behaupten – jedes ist ein hervorragendes Schöpfungswerk für sich.
Auf jeden Fall aber finde ich faszinierend, welche Wirkung es auf mich hat, wenn ich diese Drei im Zusammenwirken erlebe:

Mascha Kaleko – ihr Gedicht „Die Dritte Sinfonie“ (aus: „In meinen Träumen läutet es Sturm“),
Gustav Mahler – seine 3. Sinfonie 4.Satz und 
Friedrich Nietzsches Text aus „Also sprach Zarathustra“, welchen Mahler in seinen 4.Satz integriert hat.

Ich finde diese Zusammenwirkung unbeschreiblich schöpferisch und mitreissend, geradezu genial.

Die Dritte Sinfonie
Als ich heute wieder Mahlers „Dritte“ hörte,
Umfingen mich die Schatten alter Zeit,
Und auf den Schwingen der Unendlichkeit
Entfloh ich dieser Stadt und dem Getriebe,
In das Gewoge der Vergangenheit,
In das Vineta unsrer ersten Liebe.

Ein Gestern grüsste mich bei jedem Schritte,
Das dunkle Tor, das dem Erinnern sich
Stets halb verweigert hatte – Mahlers „Dritte“
Erschloss es wie ein „SESAM ÖFFNE DICH!“
Und alles, was jahrzehntelang schon schlief,
Schien aufbewahrt in „unserem“ Motiv …

Wie Japanblumen, leblos im Papier,
Im Wasser aufgehn und sich bunt entfalten –
So regten sich bei jedem Takt in mir
Die eingefrornen Träume und Gestalten.
Dass es doch möglich wär, sie festzuhalten,
– Den Augenblick, und was ihm bang entstieg,
Die Stimme, was sie sagte und verschwieg –
Sich fortzuretten aus den Gletscherspalten
Ins Sonnenreich unsterblicher Musik.

Friedrich Nietzsche „Das trunkene Lied“
aus: ALSO SPRACH ZARATHUSTRA, Vierter und letzter Teil, Das Nachtwandler-Lied, Kapitel 12

ALLE LUST WILL EWIGKEIT
O Mensch! Gib Acht!
Was spricht die tiefe Mitternacht?
„Ich schlief, ich schlief—,
aus tiefem Traum bin ich erwacht:—
Die Welt ist tief,
und tiefer als der Tag gedacht.
Tief ist ihr Weh—,
Lust—tiefer noch als Herzeleid.
Weh spricht: Vergeh!
Doch all‘ Lust will Ewigkeit—,
—will tiefe, tiefe Ewigkeit!“

Randnotiz … an der Leere werden wir zu Träumern

 

… oder über die absolute Freude an der Leere.

*Fussnote:

Eines Tages stellst du fest: da ist nichts mehr.
Schlimmer noch, du erkennst: da war auch schon vorher Nichts.
Das Nichts ist ein Fass ohne Boden.
Du füllst es beharrlich mit deinen Gedanken
und das Ergebnis ist letztendlich immer das Gleiche:
LEERE !
© chrinolo

 

 

 

 

 

 

Leere …  „Wenn der Geist von allem Unrat gesäubert ist, der sich seit urdenklichen Zeiten angesammelt hat, steht er ganz nackt da.
Er ist nun leer, frei und echt und gewinnt seine naturgegebene Autorität.
Darin liegt eine grosse Freude – nicht jene Freude, die durch ihr Gegenteil, den Kummer, jederzeit wieder aufgehoben werden kann, sondern eine absolute Freude, von der nichts fortgenommen und der nichts hinzugefügt werden kann. “ (Daisetz Teitaro Suzuki)

Ich erinnere mich auch an Worte von Ulrich Schaffer:

Leere

Was du auch tust,
und wie stark du dich auch sehnst,
nie wird ganz ausreichen, was du hast.
An der Leere werden wir zu Träumern,
Entdeckern, Liebenden und Hoffenden.
Wenn du dich aber für Bitterkeit entscheidest,
dieses süße Gefühl, an der Welt zu leiden,
nicht wertgeschätzt und unverstanden zu sein,
dann schließt sich die Tür in die Weite.
Dann richtest du dich ein in dem, was du nicht hast,
und verpasst die Gabe der Sehnsucht:
die geheimnisförmige Leere,
die sich mit mehr füllt,
als du dir wünschen konntest.

© Ulrich Schaffer
Fotograf und Schriftsteller