Vom Wert der Worte

 

Ausgiebig beladen mit meinen Gedanken
Und tiefgefühlten Emotionen
Finde ich Worte sehr schön
Zum Beispiel „Roter Mohn“
ROT – ein Lieblingswort von mir
Vielleicht trägt es meine Herzenswärme zu dir
Oder MOHN – was für ein berauschendes Wort
Mit Leichtigkeit schwebt es gerade fort
Wie das zarte Blatt dieser filigranen Blüte


Doch gibt es auch kummervolle Worte
Deren Aussage wiegt oft schwer
Viele kamen von dir und ich fragte mich
Wo hast du nur solch verletzende Worte her
Ich schrieb sie mir gleich von der Seele
In mein Tagebuch mit schwarzem Verschluss
Dort liegen sie sicher, machen mir keinen Verdruss


Irgendwann verwelken sie
Fallen zu Boden wie abgestorbene Blüten
Es ist wohl besser, mich vor solch quälenden Worten zu hüten

Doch generell sind mir Worte wertvoll und wichtig
Ich greife oft in meinem Wortschatz 
Belade Worte mit farbenfrohen Bildern
Denn wohlgeformt wie eine Glockenblume
Erscheinen sie mir erst richtig
Sie klingen dann auch angenehm 
Endlos sollte dieser Wohlklang weitergeh´n  …


Die BLAUE IRIS zum Beispiel
Auch Hermann Hesse bedachte sie mit schönen Worten
Darüber hinaus noch viele andere Sorten
Blumig hat er sich ausgedrückt
Viele Gedichte mit blühenden Worten geschmückt 
Er war ebenfalls von der Schönheit
und dem bereichernden Wert der Worte entzückt.

© chrinolo

ein Gedicht … kurz gefasst und fein sinniert

 

Manches Gedicht bringt Fröhlichkeit   …  und Erinnerungen an die Schule  🙂  :

 

Sah ein knab
ein röslein stehn…
neufassung
zeitsparend

1 = röslein
2 = knabe wild

2 sah 1
blütenreins
rösleinseher
pirschte näher
1 ließ schrei
stach
aber 2
brach

© Carl Böckli (1889 – 1970)

Man lauert, sitzt und sinnt,
verändert, schreibt, durchstreicht,
schmeißt Silb und Reim herum,
versetzt, verwirft, vergleicht …

Johann Christian Günther (1695 – 1723)

Ausgesperrt

 

Der arme Poet

Er sitzt nicht mehr im Kaffeehaus
Wo einst seine poetischen Worte flossen
Steht er nun draußen vor´m Fenster
Blickt stumm hinein und ist sehr verdrossen

Die Stühle sind ordentlich hochgestapelt
Kein Kellner hastet hier ruhelos umher
Wem also sollen seine Augen folgen
Nur gähnende Leere, das betrübt ihn sehr

Keine geheimnisvoll flüsternden Gäste
Die zu bildhaften Gedanken ihn inspirieren
Keine Gesichter, kein Lächeln oder verheißungsvolle Blicke
Hoffnungslos- seine Worte fließen nur beim Observieren

Er muss sich wohl weiterhin grämen
„Stay home“ steht rot am Kaffeehaus
Poetische Worte? Woher soll er diese nehmen?
Sie bleiben vorerst aus.

Tuschezeichnung und Text © chrinolo