Pure Lebensfreude … :-)

Lebensfreude
…und immer wieder Menschen,
an deren unbefangener Lebensfreude man sich aufrichten kann…

© Nico Szaba
(*1970), deutscher Schriftsteller

… „und manchmal jubelt es übermütig
vor bedingungsloser Heiterkeit.“

 

Zäh und schwer
durchtrampelt dieses Dasein
den schmalen Acker der Zeit,
solang wir täglich uns verdingen.
Dinge binden uns und roden
Orientierungsgräben in die
Regenwälder der Freude.
Doch wenn es uns gelingt,
den Ton der Dinge, der in und
zwischen den Atomen klingt,
als Liebe in uns zu entdecken,
schwebt das Leben plötzlich leicht
und ganz mit Gott befreundet,
und manchmal jubelt es übermütig
vor bedingungsloser Heiterkeit.

© Peter Horton
(*1941), österreichischer Sänger, Musiker, Gitarrist, Komponist und Buchautor
Quelle: Horton »Die zweite Saite«, Echter Verlag 2004

Manchmal habe ich’s schon gesehen

 

Unbelastet und gesund kam ich zur Welt.
Ich wusste damals noch nicht,
dass dieser Zustand nicht lange hält
und schaute zu tief ins künstliche Licht,
das uns heute alle blendet.
Und damit war meine Karriere
als Mensch vorläufig beendet.

Ich hatte zu Unrecht jenen getraut,
die das künstliche Licht gebaut.

Heute suche ich echtes Licht,
das uns warm zusammenhält
und uns allen leuchtet
für eine menschliche Welt.

Gefunden hab ich’s noch nicht –
doch manchmal schon gesehen.

© Kristiane Allert-Wybranietz

Wer sich nach dem Licht sehnt,
ist nicht lichtlos, denn die Sehnsucht ist schon Licht.
Bettina von Arnim

Der Stein und die Libelle

 

 

 

In einem Weiher klar und rein
Lag auf dem Grund ein dicker Stein.
Er blickte missvergnügt empor
Und seufzte: Warum darf´s nicht sein,
Dass ich einmal aus meiner Tiefe
Auftauchen kann zum Spiegelschein
Der Oberfläche über mir?
Ist keiner, der mich kann befrei´n?
Dort oben schimmerts bunt und licht,
Ich aber liege tief, verlassen und allein.
Zur gleichen Zeit, mittags um zwein,
Schwirrt überm Teich im Sonnenschein
Eine Libelle blau und leicht
Und sieht tief unter sich den Stein.
“Ach”, seufzt sie, als sie ihn erspäht,
“Wie oberflächlich muss ich sein,
Nie kann ich ruh´n in seiner Tiefe,
Nie kann ich sein mit mir allein,
Könnt ich hinuntertauchen doch,
O, wär es mir vergönnt, der dicke Stein zu sein!”

Und die Moral? Wie ihr wohl wisst:
Das Glück ist dort, wo du nicht bist.
Drum ist´s auch Glück, sich zu bescheiden,
Schon weil die Andern dich beneiden.

©  Arthur Koetz

Synergie = Zusammenwirken

 

Ein Synergieeffekt steht für die Hoffnung, dass ein Ganzes durch sein Zusammenwirken mehr wert ist als die Summe seiner getrennt bleibenden Teile.

Ob die Wirkung in meinem Beispiel „mehr wert“ ist, als die getrennt bleibenden Einzelteile, möchte ich so nicht behaupten – jedes ist ein hervorragendes Schöpfungswerk für sich.
Auf jeden Fall aber finde ich faszinierend, welche Wirkung es auf mich hat, wenn ich diese Drei im Zusammenwirken erlebe:

Mascha Kaleko – ihr Gedicht „Die Dritte Sinfonie“ (aus: „In meinen Träumen läutet es Sturm“),
Gustav Mahler – seine 3. Sinfonie 4.Satz und 
Friedrich Nietzsches Text aus „Also sprach Zarathustra“, welchen Mahler in seinen 4.Satz integriert hat.

Ich finde diese Zusammenwirkung unbeschreiblich schöpferisch und mitreissend, geradezu genial.

Die Dritte Sinfonie
Als ich heute wieder Mahlers „Dritte“ hörte,
Umfingen mich die Schatten alter Zeit,
Und auf den Schwingen der Unendlichkeit
Entfloh ich dieser Stadt und dem Getriebe,
In das Gewoge der Vergangenheit,
In das Vineta unsrer ersten Liebe.

Ein Gestern grüsste mich bei jedem Schritte,
Das dunkle Tor, das dem Erinnern sich
Stets halb verweigert hatte – Mahlers „Dritte“
Erschloss es wie ein „SESAM ÖFFNE DICH!“
Und alles, was jahrzehntelang schon schlief,
Schien aufbewahrt in „unserem“ Motiv …

Wie Japanblumen, leblos im Papier,
Im Wasser aufgehn und sich bunt entfalten –
So regten sich bei jedem Takt in mir
Die eingefrornen Träume und Gestalten.
Dass es doch möglich wär, sie festzuhalten,
– Den Augenblick, und was ihm bang entstieg,
Die Stimme, was sie sagte und verschwieg –
Sich fortzuretten aus den Gletscherspalten
Ins Sonnenreich unsterblicher Musik.

Friedrich Nietzsche „Das trunkene Lied“
aus: ALSO SPRACH ZARATHUSTRA, Vierter und letzter Teil, Das Nachtwandler-Lied, Kapitel 12

ALLE LUST WILL EWIGKEIT
O Mensch! Gib Acht!
Was spricht die tiefe Mitternacht?
„Ich schlief, ich schlief—,
aus tiefem Traum bin ich erwacht:—
Die Welt ist tief,
und tiefer als der Tag gedacht.
Tief ist ihr Weh—,
Lust—tiefer noch als Herzeleid.
Weh spricht: Vergeh!
Doch all‘ Lust will Ewigkeit—,
—will tiefe, tiefe Ewigkeit!“

Randnotiz … an der Leere werden wir zu Träumern

 

… oder über die absolute Freude an der Leere.

*Fussnote:

Eines Tages stellst du fest: da ist nichts mehr.
Schlimmer noch, du erkennst: da war auch schon vorher Nichts.
Das Nichts ist ein Fass ohne Boden.
Du füllst es beharrlich mit deinen Gedanken
und das Ergebnis ist letztendlich immer das Gleiche:
LEERE !
© chrinolo

 

 

 

 

 

 

Leere …  „Wenn der Geist von allem Unrat gesäubert ist, der sich seit urdenklichen Zeiten angesammelt hat, steht er ganz nackt da.
Er ist nun leer, frei und echt und gewinnt seine naturgegebene Autorität.
Darin liegt eine grosse Freude – nicht jene Freude, die durch ihr Gegenteil, den Kummer, jederzeit wieder aufgehoben werden kann, sondern eine absolute Freude, von der nichts fortgenommen und der nichts hinzugefügt werden kann. “ (Daisetz Teitaro Suzuki)

Ich erinnere mich auch an Worte von Ulrich Schaffer:

Leere

Was du auch tust,
und wie stark du dich auch sehnst,
nie wird ganz ausreichen, was du hast.
An der Leere werden wir zu Träumern,
Entdeckern, Liebenden und Hoffenden.
Wenn du dich aber für Bitterkeit entscheidest,
dieses süße Gefühl, an der Welt zu leiden,
nicht wertgeschätzt und unverstanden zu sein,
dann schließt sich die Tür in die Weite.
Dann richtest du dich ein in dem, was du nicht hast,
und verpasst die Gabe der Sehnsucht:
die geheimnisförmige Leere,
die sich mit mehr füllt,
als du dir wünschen konntest.

© Ulrich Schaffer
Fotograf und Schriftsteller

Vom Zwang zur „ungeselligen Geselligkeit“

Bernard Mandeville – ein lesenswerter und im besten Sinne „moderner“ Autor, las ich.
„Hätte es im London des Jahres 1714 schon Bestsellerlisten gegeben, dann wäre der oberste Platz mit Sicherheit monatelang von einem Büchlein besetzt worden, dessen Titel auf eine hübsche kleine Tiergeschichte schließen ließ. „Die Bienenfabel“ stand harmlos auf dem Umschlag dieser Broschüre. Doch der Stachel steckte im Untertitel … „

Wie ich gerade jetzt darauf komme? Erinnerung! Mir ist ein älteres Foto „in die Hände gefallen“. Ich sah es mir genau an und erinnerte mich an einen älteren Blog-Eintrag, den ich mal geschrieben hatte – über Giotto und den Neid – das war 2015:
https://seelenglimmern.com/2015/07/20/welchen-einfluss-stories-auf-unser-denken-haben/

Damit begann dann wieder das Assoziieren … etwas gedanklich miteinander in Verbindung bringen. Giotto, Montaigne, Hume, Voltaire – und Bernard Mandeville!

Die Gesellschaft … Tugend, Anstand, Sitte und Moral, ja in was für einer Welt lebe ich denn?
Von ihm stammen die Worte:
„Wer wünscht, dass eine goldene Zeit zurückehrt,
sollte nicht vergessen: Man musste damals Eicheln essen.“

Ich schaute wieder dieses Foto an und erinnerte mich, dass sie ziemlich lange auf der Blüte sass – ja, manche können nicht genug kriegen, beladen sich mit so viel Last, dass sie kaum noch fliegen können – und hatte das Bedürfnis, nochmals die „Bienenfabel“ zu lesen:

Die Bienenfabel – hier: http://homepage.univie.ac.at/charlotte.annerl/texte/bienenfabel.pdf

Es ist nach wie vor aktuell, was ich da lese. Und die Moral von der Geschicht:
Menschen lernen aus ihren Lektionen nicht!
Die Worte alter Meister, verscheuchen sie wie unerwünschte Geister.
(das sind Worte von mir!)

Viele Antworten stecken in Mandeville’s Bienenfabel. Vielleicht für den einen oder anderen ein Anreiz, mal wieder darüber nachzudenken? Im Bezug auf das menschlichen Miteinander?

In einem interessanten Artikel las ich gerade:
„Es gibt nichts so allgemein Unverfälschtes auf Erden wie die Liebe, die jedes Geschöpf, das ihrer fähig ist, zu sich selbst hegt. Da es ferner keine Liebe ohne gleichzeitiges Streben nach Erhaltung des geliebten Gegenstandes gibt, so wird man in keinem lebenden Wesen etwas finden, was aufrichtiger gemeint wäre als sein Wille, Wunsch und Bemühen, das eigene Selbst zu erhalten. Dies ist ein Naturgesetz.“
Der Selbsterhaltungstrieb, der die Konkurrenz zu anderen Menschen einschließt, klammert damit aber nicht die Neigung zur Geselligkeit aus. Allerdings erkennt Mandeville beim zwischenmenschlichen Umgang weder einen allgemeinen Trieb zur Geselligkeit noch zu altruistischen Handlungen. Zwar sei der Mensch ein Lebewesen, das sich mit seinesgleichen zu großen Gesellschaften vereinen könne; dies aber, meint Mandeville, geschehe keinesfalls aus persönlicher Zuneigung. Das wahre Motiv für eine Zusammenkunft mit anderen sei das Eigeninteresse – das Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit in einer Gruppe und das Unbehagen in der Isolation. Mandevilles Zeitgenosse Immanuel Kant spricht in seiner Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht in diesem Zusammenhang vom Zwang zur „ungeselligen Geselligkeit“. Und:

„Mandeville, der Arzt und Philosoph, hatte große Mühe, seine Thesen und Vorschläge unter die Leute zu bringen. Er stieß gegen Mauern. „Die kurzsichtige Menge kann in der Kette der Ursachen selten weiter sehen als ein Glied“, schrieb er. „Die aber ihren Blick darüber hinaus zu richten vermögen und sich die Muße gönnen, das ganze Schauspiel zusammenhängender Ereignisse aufmerksam zu betrachten, können immer und immer wieder finden, wie Gutes aus Üblem entspringt und sich entwickelt wie das Hühnchen aus dem Ei.“
( http://www.zeit.de/2014/25/bernard-mandeville-bienenfabel-wirtschaftsliteratur/seite-2 )

“ sich die Muße gönnen, das ganze Schauspiel zusammenhängender Ereignisse aufmerksam zu betrachten, können immer und immer wieder finden, wie Gutes aus Üblem entspringt und sich entwickelt wie das Hühnchen aus dem Ei.“  … keine schlechte Idee, nicht wahr? 🙂

Froh im April …

 

Froh in den April – 

….  die vielleicht bester Art, den April zu nehmen, lese ich gerade. Ja, das finde ich auch! Und dann noch einen tollen April-Song dazu, den könnt ihr bei Danny hören:

https://wolfgangdannyweber.wordpress.com/2017/04/20/april-alles-altbekannt/

mhhh … Deep Purple und ihr „April“ – wunderbar! 🙂

Und folgendes Gedicht ( http://www.lyrikmond.de/gedichte-thema-9-97.php )  –  also so gesehen, ist auch dieser wechselhafte April zu ertragen 🙂

Albert Sergel · 1876-1946

Erster April

Unterm Windstoß rauscht der Regen
schärfer in die grünen Blätter;
auf den aufgeweichten Wegen,
Kragen hoch, ins tollste Wetter
spring ich mit verwegenem Mute.
Und der Segen will nicht enden,
und mit Munde und mit Händen
hasch’ ich nach den Himmelsspenden.

Sorglos pfeif’ ich, frechvermessen,
eine Schelmenweis; indessen
lacht die helle Sonne wieder
warmen Gruß, die Liebe, Gute,
von dem blauen Himmel nieder,
trocknet schnell die nassen Kleider,
Hut und Mantel und so weiter,
lässt an Gras und Blätterspitzen
tausend Diamanten blitzen,
und ich fühle mich so reich:
Bin ich nicht dem König gleich?

Das sind meine Kronjuwelen,
und die kann kein Diebesvolk stehlen.
Alle schenk ich meinem Schatze,
der soll sie am Busenlatze,
soll am Hals, im Haar sie tragen,
wenn ich in den nächsten Tagen
sie als holde Königin
führe durch mein Reich dahin.

Ach! was wird sie lustig lachen,
tausend tolle Sachen machen!
Wird die schönsten Brillanten,
die im Sonnenlichte glühen,
Kronrubine und Demanten,
mit den kecken Fingerspitzen
– dieses Glitzern! dieses Sprühen! –
juchzend in die Lüfte spritzen;
wird an allen Zweigen rütteln,
die Smaragde und Topase
kichernd von den Bäumen schütteln
und ein süßes Mäulchen ziehen,
pitscht ihr einer auf die Nase.

Und an einem abgelegnen
mir und einzig meinem Schätzchen,
meinem wilden Schmeichelkätzchen,
wohlvertrauten stillen Plätzchen
wird es Küsse, Küsse regnen,
und ich halte duldsam still …
Aus dem Wald wie süße Geigen
wird ein seltsam Flüstern steigen,
und man weiß nicht, was es will …

Ssst …! Da plirrt es in den Zweigen,
Regentropfen fallen dichter;
durch des Waldes Dämmerschweigen
plustert elfisches Gelächter,
dass sich alle Büsche neigen,
und es lacht: „Verliebter Dichter!“
Ferner noch: „April! April!“

Schön, nicht wahr? Damit habe ich heute (m)einen neuen Apriltag begrüsst 🙂