Ein Vorüberwehen

 

Blauer Schmetterling

Flügelt ein kleiner blauer
Falter vom Wind geweht,
Ein perlmutterner Schauer,
Glitzert, flimmert, vergeht.
So mit Augenblicksblinken,
So im Vorüberwehn
Sah ich das Glück mir winken,
Glitzern, flimmern, vergehn.

Hermann Hesse

60 x 60 cm, Keilrahmen, Acryltechnik, Malmesser

Für mich: ein Gedicht, das von Herzen kommt 😍

 

Ich kämpfe mit den Tränen. Sie liegt nach einer schweren OP in der Klinik und denkt an mich, schreibt für mich ein Gedicht. Das ist unglaublich berührend und ich bin so glücklich, dass es in meinem Leben solch einen Menschen gibt – wenn auch bis jetzt nur virtuell. Aber irgendwann werde ich sie umarmen und mich persönlich bei ihr bedanken. Das ist mir ein großes Herzensbedürfnis  💗

Liebe Sylvia, ich sende dir von hier aus die allerbesten Wünsche, damit du dich schnell wieder erholst und ganz gesund wirst. Ich bin in Gedanken bei dir und werde mich über jeden Tag freuen, an dem es dir besser geht.

Danke auch, dass du mir dieses schöne Gedicht geschenkt hast und dass ich es hier einstellen darf. Alle deine Freunde hier, die dich als wundervolle, ganz außergewöhnliche Frau kennen, werden sich mit mir freuen – da bin ich mir ganz sicher!

Igen, ja, yes, oui, si … yep!

 

Wirklich, ich sage sehr gerne „Ja“, es ist für mich eines der schönsten Worte.
In ungarischer Sprache habe ich dieses Wort und seine Bedeutung zuerst gelernt. Am liebsten hörte ich dieses „Igen“ –  das „e“ wird dabei als etwas länger gezogenes „ä“ ausgesprochen – von meiner Großmutter. Sie hat dabei immer genickt und mich ganz bezaubernd angelächelt. Den Klang dieses schönen Wortes und ihre Stimme habe ich heute noch im Ohr und sehne mich manchmal danach.

„Ja“    bekräftigt eine positive Antwort   🙂

Das Ja-Wort

Der Gründer, wißt Ihr, strotzt von Geld,
Nun hört, ich thu Euch kund:
Der größte Gründer von der Welt
Das ist des Mädchens Mund.

Des Mädchens Mund ist fein und klein; –
Doch ob Ihr’s glauben wollt,
Ein Wörtchen soll darinnen sein,
Das wiegt ’nen Centner Gold.

Ein wenig thut sich auf der Mund –
Wupp ist das Wörtchen da,
Und wer es fängt, der thut ’nen Fund,
Das Wörtchen das heißt „ja“.

Ernst von Wildenbruch

… ist doch ganz einfach, „Ja“ zu sagen   🙂

Als ich heute morgen einen Song hörte, erinnerte ich mich an dieses wundervolle „Igen“ meiner Oma. Kein Wunder, sie hat es hunderte Male zu mir gesagt und ich freute mich jedes Mal über ihre positive Zustimmung zu meinen Vorhaben und Bitten.

Augen-Blicke …

 

Augen, sagt mir, sagt, was sagt ihr?
Denn ihr sagt was gar zu Schönes,
Gar des lieblichsten Getönes;
Und in gleichem Sinne fragt ihr.

Doch ich glaub euch zu erfassen:
Hinter dieser Augen Klarheit
Ruht ein Herz in Lieb und Wahrheit
Jetzt sich selber überlassen,

Dem es wohl behagen müßte,
Unter so viel stumpfen, blinden
Endlich einen Blick zu finden,
Der es auch zu schätzen wüßte.

Und indem ich diese Chiffern
Mich versenke zu studieren,
Laßt euch ebenfalls verführen,
Meine Blicke zu entziffern!

Johann Wolfgang von Goethe

 

Ein bezauberndes Goethe-Gedicht. Es fiel mir ein, während ich ihre Blicke suchte. Und ja, es behagte mir „Unter so viel stumpfen, blinden endlich Blicke zu finden, die es auch zu schätzen wußten“ .   🙂

 

 

Augen …  ich finde sie einfach faszinierend. Man kann so viel in ihnen sehen. Ernst Ferstl sagte:

Die interessantesten und meistversprechenden Rundungen, die ein Mensch haben kann, sind seine Augen.

© Ernst Ferstl

Ich habe das Gefühl, das gleiche gilt für Tiere!  🙂

Gemauert

 

Eine unendliche Müdigkeit hatte sie nun ergriffen und sie spürte die Schwere in allen Gliedern. Es hatte sie sehr viel Kraft und Arbeit gekostet, die Mauer zu errichten. Wann hatte sie eigentlich damit begonnen? Sie stützte sich erschöpft an die Mauer und dachte nach. Richtig, das war damals, nach ihrer wohlbehüteten Kindheit und ihrer Schulzeit im Internat. Ihre Eltern hatten stets alles von ihr ferngehalten, was ihr hätte schaden können. Sogar noch während ihres Studiums hatte sie keinerlei Sorgen, musste nicht wie die anderen nebenher jobben und in einer billigen WG wohnen. Ihre Eltern waren wohlhabend und sorgten für alles.

Aber dann, als die Zeit gekommen war, auf eigenen Füssen zu stehen, wurde sie mit dem Leben „da draussen“ konfrontiert … völlig unvorbereitet! Sie lernte schlagartig im Berufsleben all das kennen, wovor sie die Eltern immer beschützt hatten. Neid, Missgunst, Falschheit, Betrug und Täuschung – eben alles, was das reale Leben so aufbot!

Doch sie war hochsensibel, viel empfindsamer als die meisten anderen. Der Begriff „Lebenskampf“ war ihr fremd. Ausserdem wollte sie auch gar nicht kämpfen. Also entzog sie sich schliesslich dem Ganzen, zog sich zurück und begann zu mauern.

Bei Gott, es sollte ganz bestimmt keine Klagemauer werden, ihr ging es ja gut. Nein, die Mauer, die sie unermüdlich errichtete, war zu ihrem Schutz!

Beschützt

Stein um Stein gewinnt sie an Höhe
– unüberwindbar –
Stein um Stein wird sie dicker
– undurchdringbar –
Stein um Stein schließt sie sich
– lückenlos –
ohne Öffnung, ohne Tor
– machtlos steht ihr da draussen davor –
eine mächtige Mauer
– gewaltig und stabil –
ein famoser Baumeister war sie
– die Mauer schützt ihr sensibles Gefühl.

Nun war sie also fertig, ihre dicke, undurchdringliche Mauer und gab ihr Schutz. All das Böse in der Welt blieb daussen. Hinter ihrer Mauer war sie sicher und …. ALLEIN !

Text und Gemälde  © chrinolo