Übersetzt klingt es dann so …

 

„Oh Du, atmendes Leben in allem, Ursprung des schimmernden Klanges.
Du scheinst in uns und um uns.
Selbst die Dunkelheit leuchtet, wenn wir uns erinnern.
Hilf uns einen heiligen Atemzug zu atmen, bei dem wir nur Dich fühlen
und Dein Klang in uns erklinge und uns reinige.
Lass Deinen Rat unser Leben regieren
und unsere Absicht klären für die gemeinsame Schöpfung.
Möge der brennende Wunsch Deines Herzens
Himmel und Erde vereinen durch unsere Harmonie.
Gewähre uns täglich, was wir an Brot und Einsicht brauchen:
das Notwendige für den Ruf des wachsenden Lebens.
Löse die Stränge der Fehler, die uns binden, damit wir loslassen,
auch dessen, was uns bindet an die Schuld anderer.
Lass oberflächliche Dinge uns nicht irreführen,
sondern befreie uns von dem, was uns zurückhält.
Aus Dir kommt der allwirksame Wille,
die lebendige Kraft zu handeln, das Lied, das alles verschönert
und sich von Zeitalter zu Zeitalter erneuert.
Wahrhaftige Lebenskraft in diesen Aussagen!
Mögen sie der Boden sein, aus dem alle meine Handlungen erwachsen.
Besiegelt im Vertrauen und Glauben.
Amen.“

Dies ist eine Übersetzung vom Vater-Unser in der original aramäischen Sprache. 

„Abwûn d’bwaschmâja
Nethkâdasch schmach
Têtê malkuthach
Nehwê tzevjânach aikâna d’bwaschmâja af b’arha
Hawvlân lachma d’sûnkanân jaomâna
Waschboklân chaubên (wachtahên) aikâna daf chnân schvoken l’chaijabên
Wela tachlân l’nesjuna ela patzân min bischa
Metol dilachie malkutha wahaila wateschbuchta l’ahlâm almîn. Amên“

Ich weiss nicht mehr, warum ich mich vor sieben Jahren um die gleiche Zeit damit beschäftigt habe, aber heute fiel es mir wieder ein und ich habe es aus meinen alten Blogunterlagen herausgesucht. Ich hatte das Bedürfnis, es zu lesen und diese Übersetzung beeindruckt mich heute noch genau so wie damals.

Hier spricht der All-Geist, der All-Kraft, der Vater-Mutter-Gott, nenne es wie du willst. Und es spricht durch eindeutige Worte, nicht durch theologisch ausgelegte und meist verdunkelte Vater-Unser. Obige Übersetzung überzeugt mich viel mehr.

Beim „Gebet“ ist entscheidend, was ich in die Worte hineinlege. Meine Gedanken, Gefühle und Empfindungen. Wenn ich obigen Text, also die Übersetzung aus dem Aramäischen lese, fühle und empfinde ich sehr viel.

Ein berührender, wunderschöner Text, der ebenso berührend gesungen wird:

„Aus Dir kommt das Lied, das alles verschönert
und sich von Zeitalter zu Zeitalter erneuert.“ …

 

Also ICH habe nicht gerufen …

 

Gerade habe ich das Zitat der Woche gelesen:

„Man hat die Schicksale, die man hervorruft und die zu einem passen.“

Hermann Hesse in einem Brief 1935

Also wirklich, ich habe nicht gerufen. Die sind alle von alleine und vollkommen freiwillig zu mir gekommen und auch wieder gegangen. Vor allem die, welche NICHT zu mir gepasst haben und mit denen ich dann meine liebe Not hatte. Ich weiss gar nicht, wie der liebe Freund Hesse zu dieser Aussage kommt. Seine Ninon, der er dann lebenslang am Rockzipfel hing, hat er ja auch nicht gerufen.  Hmmm … und all die anderen SchicksalsSchläge.

Also mit diesem Zitat, ich weiss nicht … ich glaube, da bin ich nicht so ganz einverstanden.