Gemauert

 

Eine unendliche Müdigkeit hatte sie nun ergriffen und sie spürte die Schwere in allen Gliedern. Es hatte sie sehr viel Kraft und Arbeit gekostet, die Mauer zu errichten. Wann hatte sie eigentlich damit begonnen? Sie stützte sich erschöpft an die Mauer und dachte nach. Richtig, das war damals, nach ihrer wohlbehüteten Kindheit und ihrer Schulzeit im Internat. Ihre Eltern hatten stets alles von ihr ferngehalten, was ihr hätte schaden können. Sogar noch während ihres Studiums hatte sie keinerlei Sorgen, musste nicht wie die anderen nebenher jobben und in einer billigen WG wohnen. Ihre Eltern waren wohlhabend und sorgten für alles.

Aber dann, als die Zeit gekommen war, auf eigenen Füssen zu stehen, wurde sie mit dem Leben „da draussen“ konfrontiert … völlig unvorbereitet! Sie lernte schlagartig im Berufsleben all das kennen, wovor sie die Eltern immer beschützt hatten. Neid, Missgunst, Falschheit, Betrug und Täuschung – eben alles, was das reale Leben so aufbot!

Doch sie war hochsensibel, viel empfindsamer als die meisten anderen. Der Begriff „Lebenskampf“ war ihr fremd. Ausserdem wollte sie auch gar nicht kämpfen. Also entzog sie sich schliesslich dem Ganzen, zog sich zurück und begann zu mauern.

Bei Gott, es sollte ganz bestimmt keine Klagemauer werden, ihr ging es ja gut. Nein, die Mauer, die sie unermüdlich errichtete, war zu ihrem Schutz!

Beschützt

Stein um Stein gewinnt sie an Höhe
– unüberwindbar –
Stein um Stein wird sie dicker
– undurchdringbar –
Stein um Stein schließt sie sich
– lückenlos –
ohne Öffnung, ohne Tor
– machtlos steht ihr da draussen davor –
eine mächtige Mauer
– gewaltig und stabil –
ein famoser Baumeister war sie
– die Mauer schützt ihr sensibles Gefühl.

Nun war sie also fertig, ihre dicke, undurchdringliche Mauer und gab ihr Schutz. All das Böse in der Welt blieb daussen. Hinter ihrer Mauer war sie sicher und …. ALLEIN !

Text und Gemälde  © chrinolo

Die Kunst kreist in meinen Gedanken und vollführt die tollsten Loopings …

 

Looping – kommt aus dem Englischen und bedeutet: eine Figur des Kunstflugs. Schön, ich steige ein und fliege mit. Da kenne ich keine Angst, denn ich liebe das Fliegen 🙂

„Kunst ist dazu da, den Staub des Alltags wegzuwischen“

Pablo Picasso

Oh ja, das kann die Kunst! Darum gebe ich mich ihr täglich hin, suche sie und freue mich, wenn ich dabei Menschen entdecke, deren Herz ebenso für die Kunst schlägt.

Gerade ist mir ein Gedicht begegnet, dessen Schöpfer ich nicht kenne. Sein Name ist Wolf Dietrich und sein Gedicht finde ich sehr schön:

Dich zu malen, klappt nicht mehr.
Dein Gesicht ist nur ein Schatten.
Doch gibt es Stunden, die wir hatten,
die zaubere ich mir manchmal her.
Dann spüre ich es, das Gefühl,
und lass mich wieder davon packen.
Sie bedeutete mir viel,
die kleine Kuhle da im Nacken.
Ich legte meinen Finger drauf.
Oft kam es vor, dass ich sie küsste.
Wieso taucht die Erinnerung auf?
Ach, als wenn ich das nicht wüsste.
– Wolf Dietrich

Er will ihr Gesicht malen!  …. ein Maler?

Mir fällt beim Namen -Wolf Dietrich sogleich ein Maler ein, von dem ich kürzlich gelesen/gehört hatte: Wolf Dietrich Hess aus Steinau. Er malt Märchenbilder zu den Märchen der Gebrüder Grimm (auch sie waren Künstler 🙂 ). Ich erinnere mich noch sehr gut an Steinau, an ihr Haus und den Märchengarten – alles habe ich besucht und bewundert. Und natürlich auch darüber berichtet – es war ein aufregender und geradezu märchenhafter Tag:

https://seelenglimmern.com/2015/11/12/es-war-zwanzig-nach-neun-in-steinau-an-der-strasse/

Den Märchenkalender mit den Bildern von Wolf Dietrich Hess gab es damals noch nicht, sonst könnte ich diesen jetzt auch bewundern. Er muss wunderschön sein – ich habe darüber gelesen – hier:

https://wochen-bote.de/2016/08/18/steinauer-maerchenkalender-vorgestellt/

Nun kreisen meine Gedanken um diesen Kalender … „Der Kalender kostet zehn Euro.  Das Verkehrsbüro bietet den Kalender ab sofort an.“ … hmmm, das Verkehrsbüro hat bis einschließlich 1. Januar 2018 geschlossen. Und wie soll ich jetzt auch dorthin kommen ….

Ah, da gibt es ja noch andere Verkaufsstellen, lese ich:

https://osthessen-news.de/n11545235/kuenstler-wolf-dietrich-hess-hat-steinauer-stadtansichten-als-kulisse-gewaehlt.html

Um Gottes Willen! Da steht noch: „Die Stadt Steinau ist Herausgeberin des Kalenders, der in einer limitierten Erstauflage von 1.000 Stück gedruckt wurde.“  NUR 1000 Stück! 😨

Na diesen wunderschönen Märchenkalender kann ich mir wahrscheinlich abschminken – die sind sicher schon alle weg ….

Das macht mich jetzt traurig – ich brauche dringend Musik! Auch darin finde ich die Kunst!

Schön, gell?   😌   ……

Hmmm …  vielleicht komme ich ja doch noch irgendwie an den Märchenkalender ran … wenn man sich etwas sehr, sehr wünscht, dann geht der Wunsch manchmal in Erfüllung. Ich könnte ja ans Universum schreiben und ein paar Infos mitschicken, wie ich darauf komme und woher ich das alles habe. Das wäre für’s Universum sicher hilfreich und würde Verwechslungen vorbeugen … denke ich mal! Ein bisschen was habe ich ja (manchmal denken Freunde in Sache Kunst an mich und schicken mir Infomaterial   😊 ), so wie hier:

… und da isses – ein Märchenbild von Wolf Dietrich Hess („Hess“ gefällt mir – das erinnert mich an Hesse, der ja auch malte … aussergewöhnlich schön sogar …. aber das ist eine andere Geschichte  😏  )

O.k., jetzt nochmal extra an das Universum zu schreiben wäre doppelt gemoppelt. Meine Gedanken sind eh‘ schon dort angekommen – mal warten, was sich tut. Bis es soweit ist, könnte ich ja ein bisschen malen   🎨   😃

Look at me … ein Stummfilm infiziert sich mit Tönen (eine kleine Geschichte)

 

Stumm dümpelte Christian, der Filmproduzent, vor seinem Akazien-Pils dahin. Er sass alleine in der urigen Waldkneipe „Akazienbrunnen“ am Rande der kleinen Stadt. Mit Daumen und Zeigefinger drehte er langsam sein Glas und beobachtete die perlenden Luftbläschen, die leise zischend hochstiegen und sich im weissen Schaum sammelten.

„Auf dem Klo kommen einem die besten Ideen?“, schoss es durch seine derzeit trägen, ausgelaugten grauen Zellen. „Mag sein, das klappt wohl bei einigen, aber nicht bei mir!“, grummelte es in seinem müden Kopf, während seine Schultern noch mehr nach unten sanken. Seine unaufschiebbare Aufgabe war: ein neuer Film muss in Produktion gehen! Aber woher Drehbuch und Darstelle nehmen?

Knarrend öffnete sich die Kneipentür und vier Männer betraten die Gaststube. Stühle wurden zurechtgerückt und die Männer setzten sich murmelnd an den Tisch. „Etwas Eigenes müsste unbedingt dabei sein“, schnappte er aus dem Gespräch auf und „wie wäre es mit „Rolling Thunder Revue“ und „im Verlauf von etwa einer Stunde stellt jeder sein Werk vor, länger wäre einfach zuviel“.“

Christian lauschte nun noch aufmerksamer dem Gespräch. Langsam nahmen die Wortfetzen Gestalt an und es kristallisierte sich immer deutlicher heraus, worum es da am Tisch eigentlich ging: ein neues Projekt! Ideen, Vorschläge und Plandaten flogen zwischen den Männern über den Tisch und fügten sich zu einem ersten „Projekt-Vorentwurf“ zusammen.

Eine ganze Weile hörte er zu. Doch dann kam der Punkt, an dem Christian entschlossen aufstand und, sein Kinn mit Daumen und Zeigefinger reibend, zum Nebentisch schlenderte.

„Hört zu Jungs! Ich habe völlig unabsichtlich euer Gespräch mitbekommen. Euer Projektvorhaben klingt nicht schlecht. Ich bin Filmproduzent und ihr wollt an die Öffentlichkeit. Wie wäre es mit einem Probedreh? Ich sehe es bereits vor mir … „, sprudelte es aus ihm heraus.
Seine Augen hatten den winnetoutypischen Glanz angenommen und sein rechter Arm bewegte sich nun ausgestreckt und weit ausladend von links nach rechts. Zeige- und Mittelfinger seiner rechten Hand streichelten aneinanderliegend und richtungsweisend über die Ferne – sein Kopfkino nahm gewaltig Fahrt auf.
Noch waren es ja nur Bilder, die vor seinem inneren Auge vorbeiflimmerten und noch fehlte der Ton, aber dieser wurde nun allmählich lauter.

Die vier Männer hatten sich aus ihrer Schockstarre erholt. Ihre immer noch sehr grossen Augen und aufgesperrten Münder entspannten sich. Und endlich stellten sie an Christian die erlösende Frage: „Was genau stellst du dir da vor?“

Christian zog sich einen Stuhl an den Tisch und setzte sich zwischen die Männer, die sich kurz vorgestellt hatten.

„Jungs, ich sehe ihn genau vor mir – The Red Hawk „, schwärmte er begeistert. „Ein aufregendes Thema!“

„Der Filmtitel wird sein: „Look At Me“
Seine Hand malte dabei einen grossen Bogen in die Luft, in dem schon der Filmtitel vor seinen Augen glänzend aufleuchtete.

Filmmusik: ein eigener „Vorstellungs- bzw. Erkennungssong“ – läuft im Vorspann der Show sowie auch im Abspann!

Besetzung:
Musican 1 – Dan Hawk (Songtexter)
Musican 2 – Til Zeile (Komponist)
Art Painter – Wolf D. Vogel (mit seinem Gemälde: Der rote Falke)
Story Writer/Poet – Wolf Riller (mit Story und Poem: Once there was a Red Hawk)

Ja und, Männer, was sagt ihr? Mensch Jungs, los jetzt, ab auf die Bühne!

Wir drehen Szene 1: die zwei Musiker betreten die Bühne und starten mit ihrem Erkennungssong: „We have a Vocation“!
Eigenkomposition! Ihr stellt euch damit vor! Los, denkt nach, was wollt ihr mit eurer Kunst zeigen?
Na gut, also auf zum Text Strophe 1, zum Beispiel: “We are musicans – Now feel and see – We bring you some sounds of harmony … etc.”

Szene 2: der Maler tritt hinzu und es folgt Strophe 2! Ihr zwei Musiker zeigt auf ihn und singt z.B. :
“He’s a painter – He shows you in colors our wonderful world – Look at his art – This comes from his heart … etc.”

Szene 3: der Story Writer/Poet ist dran, tritt hinzu und es folgt Strophe 3: ”He’s a Writer – Hear and see – He’ll tell you from … etc.” … nun ja, so ähnlich eben.
Der Text sollte jedenfalls erklären, wer ihr seid, was ihr tut und was ihr der Welt zu geben habt …..

O.k. Jungs, ihr habt euch nun musikalisch vorgestellt und es folgt ein grosser Applaus – hört ihr ihn?“
Christian klatschte und jubelte ausgiebig. Er blickte die Männer gewinnend an und grinste über’s ganze Gesicht, als er in ihren verblüfften Augen seine Wirkung beobachten konnte – sie hatten Feuer gefangen!

„So, genug Applaus! Es folgt Szene 4!  Wolf D. Vogel, nun zeige was du kannst. Sprich über dein Gemälde, erkläre z.B., dass du es für ein CD-Cover angefertigt hast und was es zeigt, weise auf die Besonderheit hin und auf die Beschaffenheit der Farben etc. ….
Wundervoll! Erneuter Applaus! Dem Publikum gefällt deine Kunst! Siehst du es vor dir, Wolf D. Vogel? Nun tritt wieder etwas zurück, wir kommen zu Szene 5: die Musiker sind wieder dran. Mit dem Song „The Hawk Spirit“ oder etwas ähnlichem.“

Christian summte eine Melodie an und dirigierte dabei. Die vier Männer lachten und pfiffen anerkennend. Ihre Freude an diesem ganzen Geschehen hatte ihre Gesichter zum Leuchten gebracht.
Nun zeigte Christian auf den Schriftsteller und sagte: „Szene 5! Du! Schau in dein Publikum und erzähle über den Falken. Bring’ deine Falkennovelle wie es einst Giovanni Boccaccio tat, das lieben die Leute!“

Und dann wieder Musik und noch ein Poem, gefolgt von einem Hawk-Song …

Der Filmproduzent war voll in seinem Element, machte faszinierende Gesten und spielte das ganze Programm so miterlebensecht und farbig durch, dass die Männer nicht genug davon kriegen konnten. In Gedanken probten sie mit ihm ihre Auftritte und waren erfüllt von Leidenschaft. Jeder bot im eigenen Traum versunken sein Kunstwerk dar und beschenkte voller Freude die erwartungsvollen Menschen. Der stetige Wechsel von Musik, Malerei und Literatur fügte sich so zu einem Gesamtkunstwerk zusammen, welches all die Menschen, die gekommen waren, glücklich machte und mit jedem Mal auf’s Neue bereicherte.

Es war inzwischen Nacht geworden und der Kneipenwirt vom Akazienbrunnen schickte sich an, sein Lokal zu schliessen. Christian stand auf und verabschiedete sich mit den Worten: „Nun macht was draus, Jungs. In einer Woche machen wir einen Vorschaudreh für euer Program und stellen ihn auf Youtube ein – mit Hinweis auf Termin und Kartenvorverkaufsstellen. Reicht euch die Zeit? Denkt an eure Eigenkomposition, eine Erkennungsmelodie ist ungeheuer wichtig! Los, Dan Hawk, mach dich an den Text! …“, und während er noch ein paar weitere Tipps aus seinem Erfahrungsschatz gab, schlenderte er zur Tür und dachte leise bei sich: „So, ein Anfang wäre gemacht. Aus diesem derzeit noch allzu „lockeren Haufen“ könnte was werden, wenn das Feuer für ihr Projekt – ihre Vocation – in ihren Künstlerseelen nicht wieder vorzeitig erlischt. Nun gut, wir werden sehen, es liegt jetzt an ihnen!“

„Unter Fremden Sternen“ … und „Ich Steh‘ Im Regen“ …

 

… beides traf gestern zu. Ich habe den STERNLESMARKT in Ettlingen besucht. Und so fremd waren die Sterne für mich nicht, denn dort habe ich schliesslich 13 Jahre lang gelebt und gearbeitet … ein schönes Städtchen!

https://www.ettlingen.de/,Lde/startseite/Tourismus+_+Freizeit/sternlesmarkt.html

Trotz Regen war es richtig gemütlich: gut beschirmt, kuschelig und warm! Wie zuhause auf dem Fell vor’m Kamin, nur eben im Freien – ach, die Italiener verstehen es eben, Gemütlichkeit zu zaubern:

Nach einem Rundgang über den Sternlesmarkt genau das Richtige, schliesslich mussten sich die Bratwurst und das Crêpe Suzette eine Weile setzen.

Hier ein paar Impressionen vom Markt :

Und natürlich bin ich nicht gegangen, ohne einen Blick in den Schlosshof zu werfen. Das Ettlinger Schloss ist ein bezaubernder Hingucker – ausserdem ist es mir sehr vertraut: hier habe ich geheiratet! (ist schon ’ne ganze Weile her, aber immer noch aktuell 😉  )

Es war wieder sehr schön, die „alte Heimat“ zu sehen – vertraute Bilder, und zwar zu jeder Jahreszeit 🙂

Wieder geht ein Jahr zu Ende

 

 

Leise geht das Jahr zu Ende
Mancher Gedanke wiegt jetzt schwer
Wieder schliesst sich ein Kapitel im Buch des Lebens
Wie viele Seiten sind wohl noch leer?

Ein Berg von Vergangenheit steht stumm hinter mir
Der Schleier des Vergessens legt sich sanft darüber
Ich blicke mich suchend um
Was davon rette ich schnell ins neue Jahr hinüber?

Ist etwas darunter, das ich schon bald vermissen würde
Wichtig für meine zukünftige Lebensweiche
Was kann ich noch davon brauchen
Damit ich sicher mein Ziel erreiche?

Ich werde nochmals alles in Gedanken durchwandern
Überlegen, was darf ich mir für’s neue Jahr erhoffen
Lohnt es sich noch, an Altem festzuhalten
Oder ist es schon gut bedacht und abgeschlossen?

Auf keinen Fall darf ich die Erfahrungen vergessen
Muss nicht zu hoch gesteckte Ziele wählen
Ob Altes weiterführen oder besser auf Neues zählen
Keinesfalls soll der Weg wieder beim Gehen quälen.

Bei jedem Mal, wenn ich irre und dann das Ziel verfehle
Stellen sich weitere Zweifel ein
Wiederholungen bringen zwar Übung
Doch darf das nicht Sinn meiner Bemühungen sein.

Ich werde darum nochmals alles neu überdenken
Ein paar Tage sind es noch bis zum Neuen Jahr
Und dann darauf hoffen, dass ich meine Ziele erreiche
Vielleicht hilft mir ja einer – das wäre wunderbar.

© chrinolo