Terry Pratchett … Sir Terry Pratchett ?

 

„Es heißt, dass Johannes Brahms mit einem Freund am Strand spazieren ging, der sich beklagte, alle gute Musik sei schon geschrieben worden. ‚Oh schau‘, sagte Brahms und zeigte aufs Meer hinaus. ‚Da kommt die letzte Welle.‘ “
(Terry Pratchett)

und auch dieses:

„Die wahrhaft menschliche Qualität besteht nicht […] aus Intelligenz,
sondern aus Phantasie.“

Zwei Zitate mit „Reizwörtern“ (das sind Worte, die bestimmte emotionale Reaktionen, Assoziationen oder sonstige reflexartige mentale Prozesse stimulieren 🙂 ), die mich heute sofort angesprochen haben –  an Lieblingsbücher erinnert haben  … Brahms (Das Lied der Natur von Hélène Grimaud) , Welle (Alle sieben Wellen von Daniel Glattauer) und der Begriff „Phantasie“ … beide Bücher zeichnen sich durch viel Fantasie aus! Ich liebe sie!

Und nun kommt ER daher: Terry Pratchett !???  Hier habe ich zunächst über ihn gelesen:  https://de.wikipedia.org/wiki/Terry_Pratchett

Dann einen einen tollen Beitrag/Buchrezension dazu – zu dem Buch, mit dem ich jetzt beginnen werde:

https://weltentaucherblog.wordpress.com/2016/08/08/rezension-die-farbe-der-magie/

Warum dieses?

„Pressestimmen

»Die Farben der Magie bildet den optimalen Einstieg in eine paradoxe und irrwitzige Welt, die der unseren in vielerlei Dingen so sehr ähnelt.«, Mittelbayerische Zeitung, 31.07.2013″
SirTerry Pratchatt – dabei fällt mir ein Buchzitat von Daniel Glattauer aus „Alle sieben Wellen ein“:

Außergewöhnliche Menschen sind in die Welt gesetzt,
um die Traurigkeit zu bekämpfen.

Das alles klingt fantastisch – was für ein Wortkünstler und Mensch! Ich bin sehr gespannt und freue mich drauf, diesen Schriftsteller nun kennen zu lernen.

 

Dann schloss sie träumend wieder ihre Krone …

 

Vor ewigen Zeiten lebte einmal eine sehr schöne Frau, deren Geliebter viel zu früh starb. Da sie so liebte und sie sich ewige Treue versprochen hatten, konnte die Frau ihn nicht verlassen. Sie watete im Mondlicht ins Wasser eines tiefen unergründlichen Sees, bis das Wasser über ihr zusammenschlug. Und während sie starb, gebar sie viele Kinder. Diese treiben noch immer in unsagbarer Schönheit im See – bis heute! Man nennt sie „Seerosen“.

Dies habe ich mal irgendwo gelesen, Quelle unbekannt. Aber als ich nun auf meine Seerose im Teich blickte, dachte ich wieder an diese schöne Sage …

In schwarzer Tiefe sicher verwurzelt
Drängt sie aus dem dunklem Wasser empor
Längst verstorbene Seelen
Blicken lichtdurstig aus ihrer Mitte hervor
Aus ihrem blühenden Mund
Erklingen sonnenduftige Lieder
Kosmisch, nur ganz leise hingehaucht
– keiner kennt den Grund –
erklingen sie immer wieder
Die Knospe strebt aufwärts
Schwebt zitternd, erregt und bleich
Durch das tiefe nächtliche Wasserreich
Reckt sich dann keck, öffnet kühn ihr Hüllenkleid
… und zeigt mir ihre reinste, weisse Blütenherrlichkeit.

© chrinolo

Dshamilja … oder: Die schönste Liebesgeschichte der Welt

 

Kürzlich schrieb ich über den Schriftsteller Tschingis Aitmatow. Ich las das Buch „Der Richtplatz“ (hier: https://seelenglimmern.com/2017/06/12/die-woelfin-akbara/  und hier:  https://seelenglimmern.com/2017/06/13/lediglich-dem-menschen-ist-ein-anderes-los-bestimmt-erste-eindruecke-vom-buch/ ). Es hat mich fasziniert. Während meines Klinikaufenthaltes hatte ich nun Gelegenheit, mehr von ihm zu lesen. Nicht minder faszinierend finde ich seine Novelle „Dshamilja“ – seine „schönste Liebesgeschichte der Welt. “

Die verheiratete Dshamilja verliebt sich in Danijar, der still und verschlossen stets Außenseiter bleibt (heute würden wir sagen: ein komischer Kauz). Es geht um eine verbotene Liebe. Dshamilja bezeugt in diesem Roman, woran auch der Schriftsteller glauben möchte: „Das Gefühl der Liebe gehört zum Höchsten und Ewigen, das der Menschengeist an sich entdeckt, sie verfügt über die erstaunliche Eigenschaft, unter allen Bedingungen und Prüfungen zu überleben, sie bewahrt sich beständig ihre Anziehungskraft in der Sphäre der Kunst.“ (Textauszug)

Zum Inhalt: am Anfang der Geschichte nahm Dshamilja von Danijar keine Notiz und auch er schaute sie stets unfreundlich, doch gleichzeitig mit versteckter Bewunderung an. Doch dann setzte dieses „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ ein, das bereits Hesse so trefflich beschrieb.  Aitmatow beschreibt es in seiner Novelle nicht minder schön. Dshamilja bat eines Tages den stets wortkargen Danijar auf dem Weg durch die Steppe, ihr etwas vorzusingen. Zunächst verlegen und unsicher begann er tatsächlich zu singen … und hier setzt die Zauberkraft einer sehr betörenden Männerstimme ein – diese Stelle im Buch ist einfach hinreissend und mitreissend! :

doch allmählich gewann seine Stimme an Kraft, sie erfüllte die ganze Schlucht und hallte von den fernen Felsen wieder. Am meisten überraschte mich die Leidenschaft und die glühende Begeisterung, die aus der Melodie klangen. Ich wusste nicht, wie ich das nennen sollte, und ich weiss es auch heute noch nicht oder kann vielmehr nicht bestimmen, inwieweit das an der Stimme lag oder an etwas Wichtigerem, das unmittelbar aus dem Herzen quillt, das die Kraft hat, in anderen die gleiche Erregung auszulösen und die schlichtesten Worte mit Leben zu erfüllen. Wenn ich doch das Lied Danijars auch nur annähernd wiedergeben könnte! Es hatte fast keinen Text, ohne Worte öffnete es die ganze weite menschliche Seele.  [….]  Das war ein Mensch, der eine tiefe Liebe in sich trug.  [….]  er verwahrte diese Liebe in sich, in seine Musik, er lebte durch sie. Ein gleichgültiger Mensch hätte niemals so singen können.“ (Textauszug)

Diese Stimme und die wundersamen Melodien nahmen Dshamilja völlig gefangen. Sie fühlte sich in eine andere Welt versetzt und folgte mit geschlossenen Augen den bezaubernden  Bildern, die sein Gesang erzeugte. In ihr erwachte etwas Neues,  das Verlieben nahm seinen Lauf und veränderte sie.

„Nichts erinnerte mehr an das muntere, stets zu Scherzen aufgelegte Mädchen mit der spitzen Zunge. Ihre Augen schimmerten dunkler, ihr Blick war verschleiert, nach innen gekehrt. Wenn wir unterwegs waren, dachte sie immerfort angestrengt nach. Ein verträumtes Lächeln spielte um ihre Lippen, sie freute sich still über etwas Schönes, von dem nur sie allein wusste.“

In einer Buchbeschreibung las ich: „Entweder, man findet Aitmatows „Dshamilja“ kitschig, oder aber wunderschön. Ich tendiere zu letzterem, denn nicht nur die zaghaft gegen alle Widerstände aufkeimende Liebe, sondern auch die Steppenlandschaft, die eben so wichtig ist, wie jeder der Protagonisten, wird in ihrer unglaublichen Schönheit beschrieben. “ Dem kann ich voll und ganz zustimmen! Auch ich finde dieses Buch unglaublich schön und denke dabei an die Kraft der Musik, der Stimme, der Klänge und den Zauber, den diese auslösen können.

Zum Thema malte ich vor einiger Zeit ein Bild: Spiel mir ein Lied. 🙂

Hermann Hesse – Gedanken zu seinem 55. Todestag

 

Am Mittwoch, den 9. August, jährt sich der Todestag Hermann Hesses zum 55. Mal. In Calw denkt man an diesem Tag ganz besonders an ihn. Es wird eine Gedenkfeier stattfinden, mit Lesungen, die musikalisch mit Werken der von Hermann Hesse sehr geschätzten Komponisten umrahmt werden.

Georg Philipp Telemann war einer der Komponisten, dessen Musik Hermann Hesse sehr liebte. Ein Musikstück von Telemann mag ich auch sehr, wobei ich es an einem besonders schönen Tag kennengelernt habe – auf einer Autofahrt nach Zürich. Natürlich wusste ich damals nicht, dass dieses Stück ursprünglich von Telemann, den Hesse so liebte, stammt.

Wenn ich heute diese Musik höre, verstehe ich, dass Hermann Hesse diese Klänge liebte, wenn auch in der ursprünglichen Form. Ich stelle mir dann immer wieder vor, ob er wohl auch die Interpretation von Fabrizio De André gemocht hätte. Vielleicht hätte ihm der Text ( http://www.songtexte.com/uebersetzung/fabrizio-de-andre/la-canzone-dellamore-perduto-deutsch-33d6a83d.html ) von der „verlorenen Liebe“ gefallen … damit hat er sich ja immer wieder beschäftigt. Schade, dass er es nicht in dieser Form hören konnte ….

Hermann Hesse liebte Telemanns Komposition:

Ismene, die betörende Exotin

Ich stehe vor ihrer gerade voll entfalteten Schönheit, atme ihren betörenden, süsslich – angenehmen Duft

… und denke an „ihre“ Worte:

„Ich weiß, dein Gang ist sinnlos, doch die Lieben liebst du recht.“

Ismene, die Schwester von Antigone in Sophokles Drama „Antigone“, ist hilflos, schwach und der gesetzlichen Obrigkeit hörig, während Antigone den Gesetzen der Götter folgt – den Gesetzen der Liebe!
Im Drama geht es um den Konflikt zwischen Familie und Staat, um Sitte und Moral und um die Stellung der Frau (die nichts zu sagen hat und verpflichtet ist, sich dem Mann zu unterwerfen). Nach wie vor ein aktuelles Thema 😉

Ich blicke auf die Schönheit von „Ismene“, auf „meine“ Ismene, die so viele Gedanken in mir auslöst … an die grausamen Taten eines Tyrannen (sogenannte „Lebenspartner“, wie es sie auch heute noch gibt), der sein Unrecht erst zu spät einsieht und an die mutige, selbstbewusste Antigone, für die die Liebe das Allerhöchste ist. So wertvoll, um dafür zu sterben.

In der Blumensprache bedeutet „Ismene“:
Erfolg verbotener Liebe. (am Ende ist es die Liebe, die siegt)

Man nennt die Ismene auch „Peruanische Narzisse“ und für die weisse Narzisse steht die Bedeutung:

„Bewunderung – Meine Liebe zu dir ist aussichtslos.
Meine Unvergängliche Sehnsucht nach dir.“

Ist sie nicht wunderschön? 🙂

Then I closed my eyes

 

Das habe ich getan – beim zweiten Durchlauf! Nachdem ich zutiefst berührt dem Musiker mit der Trompete im Rollstuhl zugesehen habe, wie er mit seinem Zigarettchen im Mund die Musik genoss – natürlich nur bis zu seinem Einsatz, denn dann musste er sich von seinem Glimmstengelchen trennen. Seine Trompetenklänge sind „BOAHHHH“.

Und dann ist David Gilmour zu sehen, wie er soooo liebevoll zu seinem Musikerfreund mit der Trompete rüber sieht … und ihn mit diesem sanftmütigen, herzlichen Blick anlächelt – also, bei solch einer Beobachtung läuft mir fast das Herz über. Und danach dann der Saxophonist, einfach hinreissend. Unbeschreiblich schön … ja, und erst dann schloss ich meine Augen und liess diese atemberaubenden Klänge nochmals ganz tief in mich einströmen.

Dieser glückliche David Gilmour mit seinen Freunden … solche Freunde bis ins hohe Alter zu haben ist mehr als wundervoll – allein schon diesen Gedanken finde ich berauschend und glücksauslösend.  Solch eine Freundschaft ist ein grosses Geschenk!

( https://youtu.be/7OAo6L45og8 )

 

Weil Steinböcke keine Ablehnung ertragen … ;-)

 

… habe ich heute keinen Wolf, sondern einen Steinbock gemalt … und einen Widder gleich dazu! Genau wie gewünscht 🙂
Beim Malen habe ich natürlich auch nachgedacht, damit das Bild einen Sinn bekommt – meine Bilder erzählen schliesslich alle eine Geschichte. Also:

Es war einmal ein allerliebster kleiner Widder. Mit seinem sonnigen Gemüt hüpfte er unermüdlich träumend durch die Welt und erfreute sich an allem Schönen, das er sah (wenn etwas nicht ganz seinen Vorstellungen entsprach, dann dachte er es sich einfach schön 🙂 ).
Fast alle, die ihm begegneten, freuten sich mit ihm und diesen schenkte er auch stets sein herzerfrischendes Lächeln. Fast alle … denn eines Tages begegnete er einem seltsamen Wesen.

 

Erstaunt blickte der kleine Widder zu ihm auf, denn dieses Wesen war viel grösser und seine Hörner, die es auf ihn gerichtet hatte, waren mächtig!

Natürlich hatte der kleine Widder keine Furcht vor diesem Wesen, das sich „Steinbock“ nannte, aber ganz geheuer war es ihm doch nicht.
„Guten Tag, wie geht es dir?“, fragte der kleine Widder freundlich … und bekam keine passende Antwort. Stattdessen sagte der Steinbock: „Wenn du nicht so oberflächlich durch die Welt irren würdest, könntest du das selbst erkennen und müsstest nicht so dumm fragen!“

Der kleine Widder war sehr irritiert, wandte sich ab und schaute verträumt einen alten Baum an, der seine knorrigen Äste weit ausgebreitet hatte, um möglichst viele Sonnenstrahlen berühren zu können. Der kleine Widder war von diesem Anblick ganz gerührt und lächelte glücklich, weil der alte Baum diese Berührungen sichtlich genoss.
Der grosse Steinbock, der immer noch – Überlegenheit demonstrierend – auf ihn herabschaute, eröffnete sogleich provokativ eine heikle Diskussion. „Das alte Gewächs nimmt den anderen Pflanzen die ganze Sonne weg. Noch dieses Jahr wird der alte Schmarotzer gefällt! Früchte trägt er ohnehin nicht mehr, wem soll er also noch nützen? Hast du darüber schon mal nachgedacht, du unverbesserliche Träumerin? Du solltest nicht so übertrieben emotional sein, sondern die Sache realistisch und sachlich betrachten! Aber dazu braucht man ja VERNUNFT… und Vernunft ist wohl das Letzte, was man einem Widder nachsagen kann!“
Ach, dieser arme Miesmacher, dachte der kleine Widder und spielte mit einem Schmetterling, der gerade um seine Nase schwebte. Bezaubert von diesem schönen Geschöpf hauchte er ihm ein liebenswürdiges „Du bist wunderschön!“ zu.
„Du glaubst doch nicht etwa, dass der dich versteht, mit seinem Minihirn! So etwas Lächerliches habe ich selten erlebt. Ich hoffe, du bist jetzt nicht beleidigt, aber etwas Kritik sollte jeder ertragen können und gute Ratschläge annehmen, die aus reiner Grossmut erfolgen. Man meint es ja nur gut! Sag‘ mal, in welcher Welt lebst du eigentlich?“
„Offensichtlich in einer anderen als du! In meiner Welt ist alles liebenswürdig!“, erwiderte der kleine Widder. Gespräche dieser Art waren ihm zuwider.

Er blinzelte in die Sonne und atmete tief ein. „Das Leben ist schön!“, lachte er und machte ein paar Freudenhüpfer. Der nörgelnde Steinbock schüttelte verächtlich den Kopf und trabte unzufrieden davon. Der kleine Widder hörte ihn noch sagen: „Unmöglich! Mit Widdern soll einer zurechtkommen … mit solch einer unrealistischen und unvernünftigen Spezies … Liebenswürdigkeit? Pah, wer braucht denn Liebenswürdigkeit?! Fleiss und Pflichtbewusstsein, das bringt Erfolg! Merke dir: mit deiner Träumerei wirst du es jedenfalls nicht weit bringen ….“

Doch, der der kleine Widder hüpfte vergnügt über die Blumenwiese und hielt nach weiteren Schönheiten Ausschau, während sich der Steinbock mürrisch die kahle, steile Felswand hinaufkämpfte.
Von dort oben hatte er alles im Blick. Auch das saftige Gras, das unten wuchs, während dort oben sein Magen vor Hunger grollte.

Bald darauf begegnete der kleine Widder einem anderen Steinbock … der schien irgendwie aus seiner Art zu fallen, denn dieser war unerwartet liebenswürdig. Der kleine Widder war zunächst zwar sehr überrascht, hielt es dann jedoch für vernünftig, diesem Steinbock ohne Vorurteile zu begegnen. Erwartungsvoll sah er den Steinbock an und dachte, dass ja – realistisch betrachtet – wohl kein Steinbock wie der andere ist – jeder ist schliesslich einzigartig! Es gibt solche und Solche! … 🙂