Über eine Glückliche, sozusagen grundlos vergnügt …

 

„Es war das Lachen eines grundlos Glücklichen!“  lese ich und blicke auf das Buch. Ich lese „Der Pfad des friedvollen Kriegers“ von Dan Millman, ein Buch, über das Pilgerin Belana Hermine berichtet hatte
https://belanahermine.wordpress.com/2017/02/24/rezension-der-pfad-des-friedvollen-kriegers/ )

Schade, nur noch wenige Seiten, dann habe ich es zu Ende gelesen. Es erzählt vom Weg eines Menschen, der nun grundlos glücklich ist … was für ein schöner Gedanke.

Und genau diesen Gedanken hatte ich auch bei einem Buch von Mascha Kaleko – es scheint noch mehr Menschen zu geben, die grundlos glücklich sind, die es zu diesem erstrebenswerten Zustand geschafft haben. Jetzt im Moment bin ich auch glücklich,  verknüpfe bereits vorhandenes Wissen, erinnere mich … u.a.  an Mascha Kalekos beeindruckendes Gedicht:

Sozusagen grundlos vergnügt

Ich freu mich, daß am Himmel Wolken ziehen
Und daß es regnet, hagelt, friert und schneit.
Ich freu mich auch zur grünen Jahreszeit,
Wenn Heckenrosen und Holunder blühen.
– Daß Amseln flöten und daß Immen summen,
Daß Mücken stechen und daß Brummer brummen.
Daß rote Luftballons ins Blaue steigen.
Daß Spatzen schwatzen. Und daß Fische schweigen.

Ich freu mich, daß der Mond am Himmel steht
Und daß die Sonne täglich neu aufgeht.
Daß Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter,
Gefällt mir wohl. Da steckt ein Sinn dahinter,
Wenn auch die Neunmalklugen ihn nicht sehn.
Man kann nicht alles mit dem Kopf verstehn!
Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn.
Ich freue mich vor allem, daß ich bin.

In mir ist alles aufgeräumt und heiter:
Die Diele blitzt. Das Feuer ist geschürt.
An solchem Tag erklettert man die Leiter,
Die von der Erde in den Himmel führt.
Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben,
– Weil er sich selber liebt – den Nächsten lieben.
Ich freue mich, daß ich mich an das Schöne
Und an das Wunder niemals ganz gewöhne.
Daß alles so erstaunlich bleibt, und neu!
Ich freu mich, daß ich . . . Daß ich mich freu.

Aus: Mascha Kaléko: In meinen Träumen läutet es Sturm.
© 1977 dtv Verlagsgesellschaft, München.

Ist es nicht hinreissend? Ein verlockendes, ein erstrebenswertes Gefühl? Das Buch von Dan Millman erinnert mich wieder daran, lässt mich lächeln und vielleicht wird daraus heute noch ein „Lachen einer grundlos Glücklichen!“.  Sozusagen grundlos vergnügt … in der Gegenwart! Ein sehr schönes Kapitel in Millman’s Buch, spannend und überzeugend beschrieben:

„Hör mal gut zu“, sagte er. „Bleib du in der Gegenwart. An der Vergangenheit kannst du nichts ändern. Und die Zukunft kommt immer anders, als du es geplant oder erhofft hast. Es gibt weder Vergangenheits- noch Zukunftskrieger. Der Krieger lebt einzig  jetzt und hier.  All deine Pläne, deine Sorgen, dein Zorn und deine Schuldgefühle, dein Neid und deine Sehnsucht existieren nur in der Vergangenheit oder in der Zukunft.“   [….]   Dann kam das GEFÜHL wieder zu mir: Bleib, wo du bist. Das Fünfeck ist die Gegenwart, das JETZT. Hier bist du in Sicherheit. Der Dämon und seine Kinder sind die Vergangenheit. Die Tür ist die Zukunft. Hüte dich.“   (Textauszug aus dem Buch S. 244)

Ich könnte jetzt noch Paulo Coelhos Buch „Handbuch des Kriegers des Lichts“ erwähnen, aber ich denke, das ist nicht notwendig, denn viele kennen und lieben es. Aber mit einem meiner Lieblingszitate daraus möchte ich hier meine „Gedankenfunken“ an diesem Morgen abschliessen:

„Ein Krieger des Lichts trägt in sich einen göttlichen Funken.
Zumeist weilt er bei den anderen Kriegern, doch manchmal muß er sich auch allein in der Kunst des Schwertkampfes üben.
Daher verhält er sich, wenn er von seinen Gefährten getrennt ist, wie ein Stern. Er erleuchtet den Bereich des Universums, der ihm zuteil wurde, und versucht so all denen, die zum Himmel schauen, Galaxien und Welten zu zeigen.

Die Beharrlichkeit des Kriegers wird bald belohnt werden. Ganz allmählich gesellen sich andere Krieger zu ihm, und die Gefährten gruppieren sich zu Sternbildern mit den zugehörigen Geheimnissen und Symbolen.“

Paulo Coelho: Handbuch des Kriegers des Lichts

Ich wünsche euch einen guten Start in den Tag ! 🙂

Ein Rezept …

… für alle, die darüber nachdenken möchten.
Mit meinen Gedanken bin ich dabei gerade bei Sylvia. Liebe Sylvia, „Es ist wahr, was sie sagen: Was kommen muss, kommt.“   Doch:

Jage die Ängste fort
und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
und der Anzug im Schrank.

Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit.

Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muss, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück.

Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis.
Auch der Bruder verrät,
geht es um dich oder ihn.
Dein eignen Schatten nimm
zum Weggefährten.

Feg deine Stube wohl.
Und tausche den Gruss mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun
und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach
unter dem Dach im Einstweilen.

Zerreiss deine Pläne. Sei klug
und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet
im grossen Plan.
Jage die Ängste fort
und die Angst vor den Ängsten.

Mascha Kaléko

 

Take it easy

 

Andere zählen Schäfchen oder trinken Milch mit Honig, wenn sie nicht gleich einschlafen können. Das ist nichts für mich. Ich nehme mir ein Buch zur Hand und lese mich in den Schlaf, am liebsten in einen mit schönen Träumen.

Ein ganz bestimmtes Buch schafft das – ich habe es immer in meiner Nähe:

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Take it easy

Tehk it ih-sie, sagen sie dir
Noch dazu auf englisch. „Nimm’s auf die leichte Schulter“

Doch, du hast zwei.
Nimm’s auf die leichte.

Ich folgte diesem populären
humanitären Imperativ.
Und wurde schief.
Weil es die andere Schulter
auch noch gibt.

Man muss sich also leider doch bequemen,
es manchmal auf die schwerere zu nehmen.

Seite 125

… und dann noch dieses: Schöner … 🙂

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Mascha Kaleko war eine ganz ungewöhnliche Dichterin. Dass sie auch heute noch relativ unbekannt ist, ist mir eigentlich unverständlich. Ihre Gedichte über alltägliche Dinge sind so sinnig und so voller Intelligenz, dass sie Jede und Jeden begeistern müssten. Übrigens, über den Sinn schrieb sie auch:

Unsinn und Sinn 

Du suchst und suchst. Und kannst den Sinn nicht finden.
Gib’s auf; denn so wirst du ihn nicht ergründen.
Pfeif dir ein Liedchen, träume vor dich hin,
wie oft enthüllt im Un-Sinn sich der Sinn

(S.153)