Noch eine kleine Hessenreise in diesem Jahr …

 

Natürlich führte sie mich als erstes zu Scott, dem alten Wolf, in der Alten Fasanerie in Klein-Auheim. Ihn noch einmal zu sehen war mir ein Herzensbedürfnis.

Lieber alter Scott …

Oh, dein müder, trauriger Blick
Erinnerung? Ganz sicher wiegt sie schwer
Viele Jahre sprangst du mit Ayla und Khan umher
Bestaunt wurde damals euer imponierendes Heulen
In manch mondheller Nacht
Was habt ihr, „Die phantastischen Drei“,
Den Menschen Freude gemacht
Nun ist es still um dich geworden
Auf deinen Wegen schleppst du dich mühsam voran
Fühlst wohl dein nahendes Ende
So ist dein Lebensplan
Scott, lieber alter Wolf
Ich fühle in meinem Herzen
So starke Abschiedsschmerzen
Dich hier noch einmal zu seh´n
War für mich sehr traurig ….
aber trotzdem auch schön.

Wer mein Blog kennt weiß, dass ich ein besonderes Verhältnis zu den drei Polarwölfen Scott, Ayla und Khan habe. Ich habe oft über sie berichtet und ihr Schicksal geht mir sehr nahe. Ich bin sehr froh, dass ich ihn sehen konnte.

Ein Morgen wie bei Königs 😃

 

Zuerst Mal ausgiebig lustwandeln! Wirklich ausgiebig! Vorbei an herrschaftlichen Gemächern und überreicher Blütenzier. Dann, flankiert von prächtigen Bäumen, hinunter zum stillen See, wo der königliche Schwan ruhig seine Bahnen zieht. Am Ufer pflegen soeben erwachte Enten (natürlich auch königliche!) ihr Gefieder.

Kein Laut ist zu hören – nur himmlische Ruhe herrscht um diese Zeit am Schloss. Der Blick kann ungestört über Wasser, Quellen, Wiesen und Wälder schweifen. Mal über kunstvoll gestaltetes, altes Wurzelwerk und gleich daneben über eine Zauber(hafte)feder und auch tau-benetzte Blätter, die bereits ihre Herbstfarben zeigen. Natur in ihrem herrlichen Kleid. Es ist wirklich lustvoll, hier zu wandeln, zumindest bis der Magen knurrt und nach einem Frühstück verlangt.

Auch dieses ist an solch einem Morgen selbstverständlich königlich   🙂   : Himbeer-Schoko-Mousse, ein Traum von einer Torte und dazu eine seelenerwärmende Russische Schokolade (es war noch ziemlich frisch um das Schloss herum – nur 15 Grad!). Die Sahne habe ich meinem Mann in dessen Kaffeetasse geschaufelt, denn die vertrage ich nicht, aber sie gehört nun mal dazu, sonst schmeckt das Ganze nicht. Bei Königs wird ja auch nicht alles gegessen, was auf den Tisch kommt …   😉

Jedenfalls, ich finde, das Schloss Favorite ist immer einen Besuch wert, zu allen Jahreszeiten! Und das Café Schloss Favorite hat ab 10 Uhr geöffnet   🙂

 

Noch so ein Einzelgänger …

 

Allerdings nicht in der Alten Fasanerie in Klein-Auheim. Hier sind gleich sieben Eurasische Luchse zu bewundern. Erkennungsmerkmale: Pinselohren und Stummelschwanz. Er wiegt 18 – 30 kg, ist 80 – 130 cm lang, 55 – 75 cm hoch und hat im Freiland eine Lebenserwartung von 5-15 Jahre.
Und seine Augenfarbe:  Bernstein !

Luchse können im Dunkeln sechsmal so gut sehen wie ein Mensch und sie hören sehr, sehr gut – ich konnte also ganz leise mit ihnen reden   🙂

Er ist Europas größte Wildkatze und keineswegs zum Kuscheln und Schmusen aufgelegt.

Als ich dort war, man findet sie gleich neben den Wölfen, schlichen sie hungrig am Zaun entlang. Es war Fütterungszeit und bald kam auch Frau Dr. Ebel, die Wildbiologin, angefahren.

Auf ihren Zuruf kamen auch gleich alle sieben Luchse, um sich ihre Fleischstücke abzuholen. Die Faszination bei mir war sehr groß – einfach wundervoll, diese prächtigen Großkatzen beobachten zu können.

 

Frau Dr. Ebel rief mir zu, ob ich nicht ins Gehege reinkommen wolle, um den Tieren näher zu sein und besser fotografieren zu können. Was für ein Angebot  🙂  natürlich, und wie ich das wollte!

Es war ein ganz besonderes Erlebnis, diesen Tieren gegenüber zu stehen. Ich war so in ihrem Bann, dass ich total das Weiterfotografieren vergaß. Letztendlich aber doch nicht ganz:

Und ein schönes Gedicht gibt es auch noch dazu – von Alfons Pillach:

Der Luchs in deutschen Landen

Der Luchs hat einen Backenbart
und Pinsel an den Ohren,
als echte Schönheit seiner Art
war er schon fast verloren.

Ein Glück, dass es ihn wieder gibt
in unsren deutschen Landen,
der Luchs, der seine Freiheit liebt,
war viel zu lang abhanden.

Sein Wesen hat Gemeinsamkeit
mit unsren kleinen Kätzchen,
er liebt des Waldes Einsamkeit
und ist kein Streichel-Schätzchen.

Perfekt beim Jagen, stark bekrallt,
ein schlauer Beutefänger,
so schleicht er tief in seinem Wald
herum als Einzelgänger.

© Alfons Pillach

In Hessens Wäldern gibt es übrigens auch freilebende Luchse, das ist einwandfrei nachgewiesen. Mir ist allerdings keiner begegnet, darum bin ich doch sehr froh, ihnen im Gehege so nah sein zu können.