Die Kontaktschaft

 

„Sag´ mal, ist das ein Bekannter von dir?“

Diese Frage löste unangenehme Gefühle in ihr aus und sie antwortete:
„Nein, das ist ein Kontakter. Immerzu auf der Suche nach „guten“ Kontakten, die irgendwann vielleicht nützlich sein könnten. Mich hat er über einen längeren Zeitraum hin auch vielmals kontaktiert.“

„Aha, also doch eine Bekanntschaft!“
„Nein, weniger. Das war nur eine Kontaktschaft.“ , stellte sie klar.

„Was für ein Unsinn … KONTAKTSCHAFT ! Was soll das denn sein?“
„Na, das ist so gut wie Nichts, darum habe ich den Kontakt mit dem Kontakter auch abgebrochen.“

„Oh, ich verstehe, du hast den Menschen in ihm gesucht und er nur einen ihm nutzbringenden Kontakt in dir.“
„Genau so war´s! Ich denke, du hast nun begriffen, was eine Kontaktschaft ist.“

 

Time we have wasted on the way

 

Ein Song voller Harmonie und einer tiefen Bedeutung. Weise Worte und ein Rat der Band, doch zu versuchen, keine Zeit und keine Gelegenheiten zu verschwenden … damit wir später nicht bedauernd zurückblicken müssen:

Look round you NOW
You must go for what you wanted …

So much love to make up
Everywhere you turn
Love we have wasted on the way

So much water moving
Underneath the bridge
Let the water come and carry us away

Let the water come and carry us away

Als die Nähe verschwand (eine kleine Geschichte)

 

Manchmal erinnere ich mich noch an sie und an das Gefühl, mit dem sie untrennbar verbunden war. Ein wohliges Geborgenheitsgefühl und Sympathie, Vertrautheit, Verbundenheit und Zuwendung – das war es, was die Nähe damals mit sich forttrug.

Nur wenige Worte aus deinem Mund reichten aus, um sie in die Flucht zu schlagen.
Was zurückblieb war eine undefinierbare Leere. Da war nichts mehr. Plötzlich hatte ich dein Bild nicht mehr vor Augen, wenn ich an dich dachte, mit dir in Gedanken sprach.

Auch in der Nacht, während ich schlief, waren meine Träume seit ihrem Verschwinden schwarz. Ich erinnere mich noch wage an den hellen Mond, der damals lächelnd zu uns herabblickte und zustimmend zuhörte, während wir nebeneinander auf einer duftenden, bunten Blumenwiese lagen und über unsere Werte und den Sinn des Lebens sprachen. Über Gemeinsamkeiten und die Zukunft. Zärtlich ließ er dabei seine silbernen Strahlen über unsere Körper gleiten und in einem märchenhaften Licht strahlen.

Märchen … es waren wohl nur eigenzweckdienliche, fantasievoll ausgeklügelte Märchen, die du mir im Zauber des Anfangs aufgeschwatzt hast.

Nun sind sie verklungen und die bunten Blumen auf der Wiese haben ihre Farbe verloren. Ich blicke nur noch auf einen schwarzen Fleck, auf ein unbedeutendes Nichts.

Sympathie, Vertrautheit, Verbundenheit und Zuwendung, alles hat die Nähe hastig zusammengepackt, als sie sich zur Flucht entschloss. Das war in dem Moment, als die märchenhaften Worte durch andere ersetzt wurden … durch „schwarze Worte“.

Ich erinnere mich gerade an das Gedicht von Hilde Domin, über das wir auch gesprochen hatten, damals, als die Nähe noch zugegen war:

Unaufhaltsam

Das eigene Wort, wer holt es zurück,
das lebendige – eben noch ungesprochene Wort?

Wo das Wort vorbei fliegt, verdorren die Gräser,
werden die Blätter gelb, fällt Schnee.

Ein Vogel käme dir wieder
nicht dein Wort,
das eben noch ungesagte,
in deinen Mund.

Du schickst andere Worte hinterdrein,
Worte mit bunten, weichen Federn.

Das Wort ist schneller,
das schwarze Wort.

Es kommt immer an,
es hört nicht auf, an zu kommen.

Besser ein Messer als ein Wort.
Ein Messer kann stumpf sein.
Ein Messer trifft oft
am Herzen vorbei.

Nicht das Wort.

Am Ende ist das Wort,
immer
am Ende
das Wort.

Am Ende waren es schwarze Worte – Worte wie Pfeile, welche die Nähe in die Flucht schlugen. Sie ist verschwunden, aber manchmal schickt sie die Worte zurück, um daran zu erinnern.