Das Wachsen der unfassbaren Welt unserer Seele und unseres Geistes

 

Ulrich Schaffer  –  nicht nur seine Gedichte, sondern auch seine Prosa-Texte berühren mich sehr. Ich lese sehr gerne, was er zu sagen hat.

http://www.ulrich-schaffer.com/www.ulrich-schaffer.com/Willkommen.html

Und er schreibt auf seiner FB-Seite: „Wenn ihr es mögt, teilt es. Ich würde mich freuen.“  Das finde ich sehr schön. Hier, diesen Text z.B. finde ich sehr lesens- und bedenkenswert. Ist das nicht wundervoll?  :

 

Unsere Sehnsucht macht die Welt groß

Sehnsucht ist eine große Regung. Durch ihre Größe machen wir die Welt groß. In ihr erkennen und ehren wir die Welt jenseits von uns, ihre Unendlichkeit. Mit unserer Sehnsucht brechen wir aus dem Gefängnis aus, in dem wir durch unsere Begren­zungen stecken. In ihrer Größe werden wir selbst groß. Sie zu reduzieren bedeutet, uns selbst zu reduzieren. Durch unsere Sehnsucht spüren wir die Größe der Welt und sind ihr gewachsen.
Wir belächeln manchmal das Fernweh und stufen es als sentimental und unreif ein. Aber vielleicht ist auch unser Fernweh nichts anderes als der Versuch, die Welt groß zu machen und etwas von dieser Größe in uns nachzuempfinden. So klein wir sein mögen, so expansiv können wir doch denken. In unserem Geist reichen wir über alle Grenzen hinaus. In unseren Gefühlen spüren wir, dass wir die ganze Welt umfas­sen können. „Seid umschlungen Millionen!“ Wir verströmen uns. Das wahre Fernweh ist nicht der Wunsch, endlich in die Südsee zu reisen oder in der Wüste Gobi zu stehen, sondern Anteil zu haben an dem Gewaltigen, das uns umgibt. Fernweh ist unstillbar. Das ist sein eigentlicher Sinn. Es ist diese Unstillbarkeit, um die es geht. In ihr machen wir die Welt grenzenlos. Am Ende sind wir nur noch erfüllt von der Unerfüllbarkeit unserer Wünsche.
Vielleicht schwingt diese Regung auch bei manchen naturwissenschaftlichen Entwicklungen mit. Mit dem Elektronenmikroskop können wir die Grenzenlosigkeit der Welt im Mikrokosmos erleben, sie sogar „sehen“. So fanden wir vom Molekül zum Atom, von dort zum Quark und neuerdings zum Tau Neutrino. Mit dem Teleskop, besonders mit Hubble, können wir erst unsere Welt, dann unser Sonnensystem und am Ende unsere Galaxie verlassen und fast bis an den Anfang der Zeit sehen. So wird die Welt innen und außen von Jahr zu Jahr größer, und weil wir sie als größer erkennen, werden wir selber auch größer und entgrenzter. Es wundert darum auch nicht, wenn ernsthafte Naturwissenschaftler zu Staunenden und Glaubenden werden. Mit dem Wachsen der fassbaren Welt wächst auch die unfassbare Welt unserer Seele und unseres Geistes. Unsere Sehnsucht ist ein Lob der Welt, das oft zur Sprachlosigkeit führt – die vielleicht passendste aller Äußerungen der Sehnsucht.

Quelle:  https://de-de.facebook.com/299649540068051/photos/a.299867303379608.78642.299649540068051/939480336084965/

(Foto by me : Sehnsucht )

Fuerteventura_2015