Und jetzt ein bisschen Insel, bitte! Ich will Schweigen gehen …

… Gedanken beiseite legen, die sich durch das übliche „Gequatsche“ angesammelt haben. Wortmonster, die im Kopf Bilder erzeugen und belasten, obwohl sie gar nicht der Wirklichkeit entsprechen.

Jetzt ein bisschen Meer, bitte! Denn dort will ich beim Ausatmen all die Gedankenwirbel herausblasen, die mich normalerweise im Alltag herumkommandieren, alle diese Äusserlichkeiten, an denen ich mich menschlicherweise auch orientiere und woran ich irrtümlicherweise auch manchmal festhalte.

Es wird Zeit, mich meiner Selbst-Beobachtung zuzuwenden. Das geht nicht in der Kommunikation, sondern nur im Schweigen. Beim langsamen Spazieren gehen zum Beispiel – ja, nackt im Wind spazieren gehen – ohne Menschen! Die Fülle der Stille erleben. Schweigen trainiert eine verschärfte Wahrnehmung. Ich kenne diesen Weg des Schweigens und halte ihn für den einzigen, auf dem wir uns wirklich selbst begegnen können, auch der „Wahrheit.

Für eine Weile soll es mir egal sein, ob mein Gegenüber die Mundwinkel hängen lässt oder ob er strahlt wie ein Honigkuchenpferd. Ich will nicht, dass andere durch ihre Traurigkeit oder ihre übertriebenen Stimmungshochs Gefühlseruptionen in mir auslösen. Insbesondere, wenn sie mir dabei plötzlich arrogant oder reserviert daherkommen. Auch dazu werde ich nun respektvoll schweigen und stattdessen MIR nahe sein. Von mir aus soll er seine unterste Schublade öffnen und mich weiter provozieren – ich stehe nicht mehr zur Verfügung.

Es geht mir nicht darum, immer brav die Klappe zu halten, oder pseudo-überlegen dazu zu lächeln. Ich will einfach mal stehen bleiben und unabhängig von dem Tun und Handeln anderer mein Leben gestalten. Ich bleibe einfach stehen und werde nicht den Sandboden im Meer mit unwichtigen Gedanken aufwirbeln und eintrüben. Stattdessen möchte ich lieber in den blauen Horizont schauen und versuchen zu verstehen, was in der Welt wirklich geschieht – auch mit mir.

„Einsamkeit ist für mich eine Heilquelle“, schrieb damals C.G. Jung. „Das Reden wird mir öfters zur Qual, und ich brauche oft ein mehrtägiges Schweigen, um mich von der Futilität der Wörter zu erholen. Ich bin auf dem Abmarsch begriffen und schaue nur zurück, wenn es nicht anders zu machen ist. Diese Abreise ist an sich schon ein grosses Abenteuer, aber keines, über das man ausführlich reden möchte … der Rest ist Schweigen! Diese Einsicht wird mit jedem Tag deutlicher, das Mitteilungsbedürfnis schwindet.“

… mit jedem Kilometer von den fast 4000, die ich nun zurücklegen werde, wird sich mein „Weitwinkel“ ändern. Vieles werde ich anders sehen und ich werde den Augenblick erleben, in dem Ruhe und Frieden in mir einkehrt. Ich werde erleben, wie ich wirklich bin. Und dies alles nur durch Schweigen.

Woher ich das alles weiss? Aus Erfahrung – ich habe schon geschwiegen und es erlebt.

Deshalb jetzt: ein bisschen Insel, bitte!

Meeresstrand_

Euch lasse ich eine kleine, wunderschöne Geschichte hier, die ich mal gelesen habe (ich liebe solche kleine tiefsinnigen Geschichtchen):

„Es war einmal eine Insel, wo alle verschiedenen Gefühle lebten.
Das Glück, die Traurigkeit, das Wissen und all die anderen, die Liebe natürlich auch.

Eines Tages meldete das Schicksal den Gefühlen, dass die Insel untergehen wird.
So bereiteten sie ihre Schiffe und verließen die Insel.
Nur die Liebe wollte bis zum letzten Moment bleiben.
Als es fast zu spät war und die Insel unterging, rief sie um Hilfe.

Der Reichtum war in der Nähe mit einem Luxusschiff. Die Liebe fragte ihn: „Reichtum, kannst du mir helfen? – Nein, weil ich zuviel Geld und Gold auf meinem Schiff habe, so ist für dich kein Platz hier!“

Die Liebe fragte sodann den Hochmut um Hilfe, der auch mit seinem wunderschönen Boot vorbeifuhr. „Ich kann dir nicht helfen, du bist ganz nass und könntest mein Schiff beschmutzen!“

Als die Traurigkeit nicht weit vorbeisegelte, fragte die Liebe: „Traurigkeit, lass mich mit dir gehen. – Oooh…Liebe, ich bin so traurig, ich möchte besser alleine bleiben.“

Das Glück ist auch weitergefahren. Es war soo glücklich, dass es die Liebe nicht hörte….
Und plötzlich hörte die Liebe eine Stimme: „Komm, komm doch, ich nehme dich mit !“

Da war ein alter Mann, der gesprochen hatte. Die Liebe war so glücklich, so zufrieden, dass sie nicht nach seinem Namen gefragt hat.
Als beide wieder festen Boden unter den Füßen hatten und gerettet waren, ging der Alte weg.
Die Liebe merkte, wie viel sie dem Alten schuldete, der aber war schon fort.
Sie fragte daraufhin das Wissen: „Wer hat mich gerettet, wer hat mir geholfen?“

Das war die ZEIT“ – antwortete das Wissen.
Die Zeit?!? “ fragte die Liebe, „aber warum hat mich die Zeit gerettet?“
Das Wissen lächelte weise und geheimnisvoll und antwortete ihr:

WEIL NUR DIE ZEIT VERSTEHEN KANN,
WIE WICHTIG DIE LIEBE IM LEBEN IST “

(Autor leider unbekannt)