Alles nur Unsinn?

 

Wie vieles erklären wir für Unsinn,
wovon und wofür nur uns  der Sinn abgeht!

Emil Gött

Gut, vielleicht ist vieles Unsinn, was geschrieben wird und lediglich nur schön klingt – aber:
ES KLINGT SCHÖN ! Ich beschäftige mich gerne mit schönen Dingen und schönen Gedanken, was durchaus Sinn macht.

Kürzlich las ich sogar eine Menge über Sinn und Unsinn. Unter anderem im Buch von Christoph Quarch „Das grosse Ja“. Ich machte mir Gedanken um den Sinn von Unsinn.

„Nur weil er immer wieder dem Unsinn abgerungen wird, kann Sinn sich ereignen, könnte man Platons tiefe Einsicht für unseren Zusammenhang reformieren – ganz so, wie Seiendes nur denkbar ist als dasjenige, was immer wieder dem Nichts abgerungen wird – und immer wieder ins Nichts zurückfallen kann und muss. Ein ewiges Kommen und Gehen, ein ewiges Umschlagen ist dieser Kosmos – ein ständiges Spiel zwischen Sinn und Unsinn, Ordnung und Chaos – ein ewiger Widerspruch, der aber dennoch in der harmonischen Spannung der alles umfassenden Weltenseele ausgehalten wird. Ja, mehr noch: der auf wunderbare Weise die im ewigen Werden und Vergehen begriffene Schönheit und Bejahbarkeit dieser Welt hervorbringt. Denn darauf läuft diese tiefste philosophische Deutung der alten mythologischen Bilder doch hinaus: gerade in der paradoxen Harmonie des allen durchdringenden Lebens, gerade in ihrem Gemischtsein aus Sinn und Unsinn, Ordnung und Chaos, Dissonanz und Resonanz, ist diese Welt bejahbar und der Kosmos das „schönste Lebewesen“. Gerade weil er dem unendlichen Chaos, dem ewigen Unsinn abgerungen ist, kann Sinn sich überhaupt ereignen.“  […]

„Sinn ist über dem Unsinn gebaut! […]  und Leben ist der ewige Umschlag vom Einen ins Andere […] und so geht es immer weiter, denn so ist das Leben, und dieses Leben ist schön.“

(Christoph Quarch)

Ich habe also diesem ganzen „Unsinn“  den Sinn abgerungen und das tat ich keineswegs oberflächlich. Es waren für mich wichtige Momente. Ob diese Momente das nun wissen oder nicht, ich habe ihnen diese Bedeutung gegeben.

SCHÖNHEIT … der Sinn meiner Christrose!

 

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„Suche Schönheit, gib dich ihr hin
und lass dich von ihr in Ordnung bringen – auf Einklang stimmen!“

„Auch wenn eine Blume sicher im Grossen und Ganzen der Natur nützlich und zweckmässig ist, so ist die Sinnhaftigkeit, die an ihr aufleuchtet, wenn wir sie offenen Auges wahrnehmen, dennoch nicht an eine solche Zweckmässigkeit gekoppelt. „Die Ros‘ ist ohn‘ Warum. Sie blühet, weil sie blühet“, sagte der Mystiker und Barock-Dichter Angelus Silesius mit gutem Grund. Sie blüht. Und indem sie blüht, stimmt sie; indem sie blüht, ist sie in Ordnung; indem sie blüht, ist sie bejahbar, gut und sinnvoll. Und auf eigentümliche Weise verstehen sie diese Blume, indem Sie sie betrachten, ihren Duft riechen, ihre Blätter fühlen und womöglich sogar ihren Geschmack erproben. Sie werden sagen: „WOW, ist das Schön!“ und können die Blume gutheissen. Sie bejahen sie und finden sie sinnvoll – selbst wenn sie komplett nutzlos ist.
Die Symphonie der Erscheinung, dieses Miteinander unterschiedlicher Aspekte, lässt Sie die Blume zugleich gutheissen und als eine bestimmte Blume, etwa eine Rose, identifizieren.  [….]
Sie haben einen Sinn für Rosen, der es Ihnen erlaubt, Rosen immer wieder als Rosen zu erkennen. Mit Sinn und Sinnlichkeit haben Sie ihren Sinn für die Rose geschult, sodass Sie den Sinn der Rose kennengelernt haben. Und dieser Sinn ist nicht gemacht und nicht geschaffen. Er hat nichts von Nutzen und Zweck. Er ist nicht das WOZU der Rose, sondern er liegt in ihrem in sich stimmigen So-Sein. Und dieses in sich stimmige, harmonische So-Sein meinen wir, wenn wir unserer Sinnerfahrung mit der Rose, ihrer undbedingten Bejahbarkeit Ausdruck verleihen, indem wir sagen:

„IST DIE ABER SCHÖN!“

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Denn im Lichte ihrer Idee zeigt sich die Rose nicht einfach nur als Rose, sondern dieses Licht verleiht ihr zudem den – apollinischen – Glanz der Schönheit, deren Geheimnis nichts anderes ist als eben Harmonie und ES STIMMT.“

(Christoph Quarch/Textauszug „Das grosse Ja“)

Wahrnehmen, annehmen und sonst nichts! Er kommt auf uns zu.

 

„Warum, fragen Sie jetzt vielleicht, erzählt er das alles? Antwort: Weil ich Sie dazu bringen möchte, gegen den Strich zu denken. Weil ich Ihnen vermitteln will, wie anders sich im griechischen Welterleben Sinn erschliesst. In dieser mythologischen Deutung der Welt schafft kein mächtiger Schöpfergott kraft seines guten Willens die Welt und garantiert damit ihre Sinnhaftigkeit. Nein, umgekehrt wird ein Schuh draus: Die alten Griechen machten die Erfahrung, dass ihnen inmitten dieser Welt ein unbedingtes „Ja!“ sieghaft entgegenjubelt. Und immer da, wo es ihnen begegnete, sagten sie „Gott“.

Nicht erschien ihnen die Welt sinnvoll, weil ein Gott sie gewollt und gemacht hat, sondern die Welt erschien ihnen voller Götter, weil sie sich ihnen in mannigfaltiger Gestalt als sinnvoll und bejahbar zeigte und in Göttergestalten offenbarte. Und so wären sie auch wohl nie auf die Idee gekommen, aus Selbstmächtigkeit oder eigenem Willen zur Macht Sinn erfinden zu können. Für sie war klar:

So wenig wir Menschen die Götter herbeizwingen können, so wenig können wir kraft unseres Wollens und Machens Sinn erzeugen oder erfinden. Sinn kommt auf uns zu. Und alles, was wir zu tun haben, ist ihn wahr- und annehmen.“

(Textauszug aus „Das große Ja: Ein philosophischer Wegweiser zum Sinn des Lebens von Christoph Quarch)

Was für ein wundervoller Gedanke, den ich bereits bei Viktor Frankl kennengelernt habe.

Christoph Quarch schreibt:

„Zu finden“, das ist wichtig. Frankl war der festen Überzeugung, dass es unmöglich ist, aus eigener Kraft seinem Leben einen Sinn zu geben. So sagt er ja auch, „von irgendwoher“ habe ihm das „Ja!“ entgegengejubelt. Es traf ihn, kam über ihn, überwältigte ihn beinahe. Das Ergebnis des Sinns hatte sich ihm weder als Einsicht infolge einer Argumentationskette erschlossen, noch hatte er es durch irgendeine Kunstfertigkeit und Methode erzeugt. Nein, ganz im Gegenteil: Es war plötzlich da, stand plötzlich vor ihm, enthüllte sich seinem Sinn im dämmernden bayrischen Morgen. Das ist bemerkenswert, denn es steht in scharfem Kontrast zu fast allem, was Sie in der zeitgenössischen Philosophie zum Thema „Sinn“ finden.“

Ja, das ist bemerkenswert und es macht mir grosse Freude, mehr zum Thema „Sinn“ zu erfahren, darüber zu lernen  …  dabei gegen den Strich zu denken. Ich lese in einem faszinierenden Buch und es ist sehr spannend, führt weit zurück in eine Zeit, in der man nicht den Lebenssinn suchte, weil man wusste: Sinn kommt auf uns zu! Und wir erkennen ihn am Licht, das er ausstrahlt und an dem Gefühl, dass alles stimmt – was wir gerade erfahren/erleben ist stimmig …

Das Buch ist wundervoll, inspirierend und gedankenanregend. Und die Begegnung mit den „alten Griechengöttern“, mit Sokrates, Platon & Co., mit Nietzsche und all den anderen „knurrigen“ Philosophen und sonstigen Besserwissern so richtig herzerfrischend. 🙂