Die schwere Eichentür war nur sehr beschwerlich zu öffnen und fiel dann wieder langsam krächzend hinter ihr ins Schloss. Sie stand in einem dunklen, geräumigen Eingangsbereich. Ihre Augen brauchten eine ganze Weile, bis sie sich an die plötzliche Dunkelheit gewöhnt hatten. Dann erkannte sie den mächtigen Rundbogen, der in ein rustikales Gewölbe führte. Viele flackernde, warme Lichter leuchteten ihr entgegen. Auf den kleinen Tischen standen dicke Kerzen, an deren Wänden weisse, kleine Wachsströme herunter perlten. Sie verliehen dem Raum, in dem unzählige Klänge schwebten und sich ausbreiteten, eine unvergleichlich anheimelnde Atmosphäre.
Ungläubig blickte sie auf die massiven Klinkerwände, die von tausenden LP’s in mächtigen Holzregalen bewohnt wurden. Siebentausend, achttausend oder noch mehr Platten mussten das sein, die hier ihre Heimat gefunden hatten. Überwiegend Raritäten aus einer Zeit, in der u.a. Rockmusik einen hohen Stellenwert im Leben vieler Jugendlicher hatte. Aber auch CDs fanden hier zunehmend ihren Platz auf unbestimmte Zeit. Dazwischen lockerten aufgehängte Plakate, grosse Fotos und Musikinstrumente von den Grossen der Musikgeschichte die langen Tonträgerreihen auf – alles in allem ein überwältigendes Bild, das jedes Herz eines Musikliebhabers höher schlagen lässt.
Sie suchte sich einen, kleinen freien Tisch in einer gemütlichen Ecke aus und winkte dem Kneipenbesitzer zu, der gerade hohe Pilsgläser aus dem Zapfhahn füllte. Während der DJ liebevoll mit einem weichen Tuch über eine alte LP strich und ein paar Worte zur Musik sagte, raunten ihm einige Gäste schon ein langgezogenes „Oooooh ja!“ zu und ein zufriedenes Lächeln breitete sich auf ihren Gesichtern aus. Sie lehnten sich nun entspannt auf ihren Stühlen zurück und lauschten den zwar altbekannten, aber heute doch so selten gehörten Klängen. Ein Gefühl des Loslassens vom Alltag machte sich breit und wurde dann allmählich durch das wiederkehrende Gespür für unendliche Freiheit ersetzt. Wie immer vertrieb die Musik alle bösen Geister des hektischen Lebens, das sie tagein/tagaus umgab.
Die Klänge einer ganz aussergewöhnlichen Rarität durchfluteten nun den Raum, fast schon vergessen und nur jetzt, im Hier und Heute, für einen ganz besonderen Moment zum Wiedererleben erweckt.
Ein kleiner Amateurmitschnitt !!! eines einst geliebten und vielgehörten Songs, der alte Zeiten und Erinnerungen an eine der wundervollsten Städte aufleben liess. Es war unverkennbar – den DJ durchfluteten wieder die Ströme des Glücks, das er damals wohl empfunden hat. Und dies hier war nun sein Geschenk an seine Gäste, die er heute daran teilhaben lassen wollte. Musik verbindet!
Der Rhythmus brachte die Herzen zum Schwingen und die Stimme schmeichelte sich in die Ohren der nun verträumten Zuhörer. Die weltentrückte Atmosphäre dieser ganz besonderen Musikkneipe schien sich zu intensivieren. Der von Musik durchdrungene Gewölberaum wurde zu einem Ort des Gemeinsinns und einer aussergewöhnlichen, originellen Form von Zusammengehörigkeit.
Die Zuhörer waren tief in ihren Musikempfindungen versunken und bemerkten zuerst gar nicht, dass der DJ seinen Platz auf der kleinen Empore verliess. Er lief quer durch den Raum und nahm eine Gitarre von einem Eisenhaken an der Wand. Dann setzte er sich auf ein kleines rustikales Sofa, stimmte kurz das Instrument und begann leise zu spielen. Nach und nach richteten sich freudig erstaunte Blicke auf ihn und er bemerkte das aufblitzende Leuchten in den Augen. Da sassen lächelnde Musikfreunde vor ihm, die erwartungsvoll und aufnahmebereit auf seine Stimme warteten. Verlegen schlug er die Saiten der Gitarre zunehmend lauter an und begann zu singen:
Schon nach den ersten Takten gingen die Körper geschmeidig im Rhythmus mit und bald war ein leises Mitsummen zu hören. Angel …
Ich geniesse ungeplante Überraschungs-Livemusik sehr. Sie ist ungekünstelt und gefühlvoll und erzeugt eine unbeschreiblich schöne Stimmung.
music unplugged – den „Stecker herausgezogen“, wie der Name sagt. Ein kleines Konzert mit besonderem Charakter: der Interpret und das Publikum sitzen in entspannter Atmosphäre in einer bestimmten Kulisse – für den Künstler individuell gestaltet … so etwas ist einfach nur schön! 😀
So, und sollte der Künstler nun ungehalten sein, weil ich seine Erlaubnis nicht zuerst erfragt habe, dann lösche ich meinen Eintrag nicht, sondern stelle ihn auf „Privat“ … wäre aber schade, oder?
Wenn er aber eine Quellenangabe wünscht, dann füge ich diese mit Freude gerne sofort ein 🙂