Mir ist vollkommen klar …

… dass ich nicht verstanden werde. Wie denn auch, oft genug muss ich selbst zusehen, dass ich mit mir klar komme und mich dann auch verstehe.

Dies ist aber noch lange kein Grund, es nicht doch zu versuchen, mich zu verstehen, denn auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn und ich habe es wirklich schon selbst erlebt. Aber das war auch ein Bretone und diese Bretonen sind ein ganz anderes Völkchen. Also diesem Bretonen war es nicht zuviel, es zu versuchen, selbst wenn es ein langer Weg werden würde. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wieviel Mühe er sich gegeben hat und ich natürlich auch, denn eigentlich will ich ja, dass mich die Leute verstehen. Darum erwähne ich auch hier und jetzt dieses vorbildliche Beispiel.

Also er begegnete mir auf dem Zöllnerpfad (Foto anbei!). Das ist der Weg, der in der Bretagne die Klippe entlang läuft (damit wir uns jetzt aber nicht gleich wieder falsch verstehen: der Weg läuft natürlich nicht! Das sagt man umgangssprachlich nur so.). Er kam also auf mich zu und blieb abrupt vor mir stehen. Dann zeigte er auf sein Handgelenk und sagte etwas auf bretonisch (jedenfalls klang es so), das ich selbstverständlich nicht verstand und trotzdem gleich erkannte, was er will. Ich zeigte ihm also gleich meine beiden Handgelenke, die genau so armbanduhrlos waren wie seines. Daraufhin sah er mich ziemlich ratlos an und ich beschloss, ihm zu verstehen zu geben, dass ich ihn verstanden habe obwohl sein Bretonisch für mich nicht zu verstehen war. Mit einer Handbewegung deutete ich ihm an, dass er stehen bleiben solle und das wiederum hat er dann verstanden. Ich ging dann ein paar Schritte den Weg zurück, was keinesfalls als Rückzug zu verstehen war, sondern als Versuch, einen kleinen Ast oder Zweig im Gestrüpp zu finden. Da hatte ich auch gleich Erfolg und lief damit wieder zum Bretonen. Vor ihm malte ich dann einen Kreis auf den sandigen Weg, vier Striche (für die 12, 3, 6 und 9) und noch Striche für die zwei Zeiger, die dann fünf vor Zwölf anzeigten (kurz zuvor hatte ich nämlich selbst auf meinem Handy nach der Uhrzeit geschaut).
Der Bretone hatte offensichtlich sofort verstanden, dass es fünf vor Zwölf geschlagen hat, dankte mir hastig und eilte davon. Ich dagegen hatte es nicht eilig und sinnierte so vor mich hin, dass bei diesem eilenden Bretonen bestimmt um zwölf das Essen auf dem Tisch steht und Madame sicherlich schon mit der Schöpfkelle in der Hand wartet. Dafür habe ich vollstes Verständnis … ja, so verstehe ich das.
Auf jeden Fall habe ich ihm mit meinen Bemühungen um gegenseitiges Verständnis geholfen, nicht noch später zuhause einzutrudeln, was für ihn sicherlich von Vorteil war – denke ich mal … sonst wäre er ja weitergeschlendert wie ich.

Überhaupt ist gegenseitiges Verständnis und der Versuch, dieses zu erreichen immer lohnenswert, auch wenn es mal ein längerer Weg ist. Dies zeigt ja wohl das Beispiel mit dem blinden Huhn und auch mit dem Bretonen. Ich habe jedenfalls daraus gelernt, wie man sieht. Sonst hätte ich mir das nicht gemerkt.

Und gerade heute morgen habe ich wieder versucht, zu mehr Verständnis beizutragen. Da hat mir einer eine Mail geschickt und angefragt, wer das denn ist, den ich vermisse (er hatte meine letzten beiden Einträge hier gelesen und sich gewundert). Natürlich habe ich ihm sehr höflich (wie es meine Art ist!) geantwortet. Ich schrieb ihm also zurück:

„Wenn ich schreibe, dass ich IHN vermisse, dann ist damit natürlich ER gemeint! Ich verstehe gar nicht, dass es hier Unklarheiten gibt, da ich mich doch klar ausgedrückt hatte.
Aber nun weisst du ja Bescheid 😀
LG “

Das war es dann zum Thema „verstehen“ und wie mühselig das manchmal sein kann. Aber wie gesagt, es lohnt sich letztendlich. Ende!

Bretagne_Zöllnerpfad_P1070065

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