Über die Wirksamkeit von Worten … „schwarze Worte“!

Es gibt Worte, die nahezu tödlich sind. Wenn man darauf hinweist, bekommt man oft lediglich zu hören: „Das ist mir so herausgerutscht.“ …  und mir fällt dann sofort ein Gedicht ein – faszinierende Worte, geschrieben von einer couragierten, grossartigen Frau: Hilde Domin

Unaufhaltsam

Das eigene Wort, wer holt es zurück,
das lebendige – eben noch ungesprochene Wort?

Wo das Wort vorbei fliegt, verdorren die Gräser,
werden die Blätter gelb, fällt Schnee.

Ein Vogel käme dir wieder
nicht dein Wort,
das eben noch ungesagte,
in deinen Mund.

Du schickst andere Worte hinterdrein,
Worte mit bunten, weichen Federn.

Das Wort ist schneller,
das schwarze Wort.

Es kommt immer an,
es hört nicht auf, an zu kommen.

Besser ein Messer als ein Wort.
Ein Messer kann stumpf sein.
Ein Messer trifft oft
am Herzen vorbei.

Nicht das Wort.

Am Ende ist das Wort,
immer
am Ende
das Wort.

Wenn man von solchen „schwarzen“ Worten „getroffen“ wird, dann gibt es drei Möglichkeiten, damit fertig zu werden:

–  man verzweifelt und zerbricht daran
–  man sucht die Couch eines Psychiaters auf
–  oder man wird kreativ!

Letzteres hatte Hilde Domin gewählt und schrieb. Sie beschrieb ihre augenblicklichen Situationen, wie sie sich dabei fühlte, was sie fühlte. Positive wie auch negative Gedanken/Gefühle.

Wenn man etwas be-schreibt, dann setzt man sich damit auseinander … man durchdenkt!

Worte wirken! Oft setzt dabei der “Trigger”-Effekt“ ein. Sinneseindrücke, die Erinnerungen an frühere, längst vergessene oder verdrängte Erfahrungen tauchen schlagartig – oft mit grosser Wucht –  auf. Was dann passiert, ist ein sogenannter „Flashback“. Es ist, als würde man sich in der alten, erinnerten „schrecklichen“ Situation befinden. Es kann sehr kritisch werden, wenn uns ein anderer Mensch – auch ohne böse Absicht – „Schwarze Worte“ mitteilt, die diesen Trigger-Effekt auslösen.

Genau das beschreibt Hilde Domin in ihrem Gedicht. Und sie apelliert, doch lieber erst nachzudenken, bevor man den Mund aufmacht.

Sie selbst bezeichnete sich als eine „Dennoch- Frau“ und sagte: „… ich will das Leben dennoch lieb haben“. Und sie schrieb:

„Meine Worte sind Vögel
mit Wurzeln…. “  

und:

„Nicht müde werden,
sondern dem Wunder
leise wie einem Vogel
die Hand hinhalten.“

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2 Gedanken zu “Über die Wirksamkeit von Worten … „schwarze Worte“!

  1. Worte wirken. Worte geboren aus Gedanken, Eindrücke und Erfahrungen. Wir können mit ihnen spielen und sie gezielter einsetzen. Wie sie jeweils auf den anderen wirken, können wir nur vermuten oder schätzen. Wir können noch so vorsichtig sein, letztlich legt die Bedeutung immer der Empfänger fest. Diese Erkenntnis kann schon helfen, die anderen Eindrücke oder Meinungen zu akzeptieren.

    • „Wie sie jeweils auf den anderen wirken, können wir nur vermuten oder schätzen.“, schreibst du … ja, das könnten wir, wenn wir uns Gedanken darüber machen würden. Dabei lernen wir dann auch, welche Worte wie „Giftpfeile“ treffen werden, wenn wir sie einsetzen. Ich denke, darum geht es. Danke für deinen Kommi.

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