Wenn schon Lehrer, dann nur die Besten!

Ich habe nun sehr lange Rachmaninov gehört, habe ihr zugehört, dieser grossen Pianistin Martha Argerich.
Während ihres Spieles habe ich sie beobachtet und dachte dabei: „Wieviel Kraft sie doch ausstrahlt, sie ist 74 !“. Eine bewundernswerte, starke Frau.

Und dann dachte ich daran, was Hélène Grimaud in ihrer „Wolfsonate“ über sie schrieb. Martha Argerich war zunächst ihre Mentorin, dann ihre Freundin. Ich denke, Grimaud ist sehr dankbar für das, was ihr Martha Argerich vermittelt hat, denn sie schreibt:

„Martha Argerich hat mich die vitale Kraft der Intuition gelehrt. Was sie mir vermittelt hat? Nicht diese oder jene Klaviertechnik, sondern, und zwar auf eine sehr viel entschiedenere Weise, die Bestätigung, dass ich die werden musste, die ich bin, so wie sie sie selbst geworden ist. Sie hat mich gelehrt, dass ich mich dem Unvermeidlichen stellen musste; diesem Unvermeidlichen in einem selbst, das allein die Macht hat, uns zu retten.  […]

Manchmal fuhr ich in die Schweiz zu Martha Argerich, die immer, ungeheuer grosszügig wie sie war, ein Gefolge von jungen Musikern um sich geschart hatte … „

Ja, das ist Martha Argerich. Kraftvoll, mutig, intuitiv und jung geblieben.
Als ich vor zwei Jahren im Tessin war, gab sie in Lugano gerade ein Konzert – es war leider nicht möglich, noch eine Karte zu bekommen. Dabei hätte ich sie so gerne einmal persönlich gesehen und ihre wundervollen Klänge live gehört …. nun, vielleicht habe ich doch noch die Möglichkeit, nächstes Jahr oder übernächstes. Ich wünsche ihr sehr viel Glück, Gesundheit und ein langes Leben 🙂

Und nun höre ich sie mir nochmals an und lasse mir von ihr Rachmaninovs Fantasie vermitteln.

„Fantasie ist etwas, was sich manche Leute gar nicht vorstellen können“, habe ich mal irgendwo gelesen. Schade eigentlich, nicht wahr?

Hier: Suite No. 1 (or Fantaisie-Tableaux for two pianos), Op. 5, III + IV :

Rachmaninov komponierte Bilder … Fantasie!

Das erste Stück dieser Bilderfolge, Barcarolle, bezieht seine Inspiration aus Lermontows Gondellied; es suggeriert das Geräusch der Wellen in der Abenddämmerung und den vergänglichen Charakter der Liebe. Das g-Moll-Stück beschreibt in den Arpeggien des Beginns die Wellenbewegungen, über denen im zweiten Klavier Fragmente einer Melodie aufklingen. Trillerfiguren leiten zu einem zentralen G-Dur-Abschnitt über; eine Melodie steigt wiederum über dem sich kräuselnden Wasser empor, bevor mit der Ausgangstonart die Stimmung des Beginns wiederkehrt.

Das zweite Bild, La nuit … l’amour (Nacht … Liebe), trägt als Motto ein Gedicht aus Lord Byrons Parisina, die Geschichte vom Schicksal der Titelheldin nach dem Bekanntwerden ihrer Liebesbeziehung zu dem unehelichen Sohn ihres Mannes.

Es ist die Stunde, da von den Zweigen

Der helle Klang der Nachtigall erschallt;

Die Stunde der süßen Schwüre der Liebenden

In jedem geflüsterten Wort;

Wenn sanfte Winde und nahe Quellen

Wie Musik im einsamen Ohr klingen.

In dieser Nachtmusik erhebt sich über gebrochenen Akkorden und intrikaten Figurationen, die das Geräusch von Wind und Wellen suggerieren, einsam der Gesang der Nachtigall. Nach einem dramatischen Höhepunkt sinkt die Musik in die Stille zurück.  (Quelle: http://www.piz.nmz.de/naxos/N_Texte/b557062gr.htm )

Hier die beiden ersten Bilder, hervorragend interpretiert von

Martha Argerich und Lilya Zilberstein-Rachmaninov, Suite No.1, op.5, I+II

Über die Wirksamkeit von Worten … „schwarze Worte“!

Es gibt Worte, die nahezu tödlich sind. Wenn man darauf hinweist, bekommt man oft lediglich zu hören: „Das ist mir so herausgerutscht.“ …  und mir fällt dann sofort ein Gedicht ein – faszinierende Worte, geschrieben von einer couragierten, grossartigen Frau: Hilde Domin

Unaufhaltsam

Das eigene Wort, wer holt es zurück,
das lebendige – eben noch ungesprochene Wort?

Wo das Wort vorbei fliegt, verdorren die Gräser,
werden die Blätter gelb, fällt Schnee.

Ein Vogel käme dir wieder
nicht dein Wort,
das eben noch ungesagte,
in deinen Mund.

Du schickst andere Worte hinterdrein,
Worte mit bunten, weichen Federn.

Das Wort ist schneller,
das schwarze Wort.

Es kommt immer an,
es hört nicht auf, an zu kommen.

Besser ein Messer als ein Wort.
Ein Messer kann stumpf sein.
Ein Messer trifft oft
am Herzen vorbei.

Nicht das Wort.

Am Ende ist das Wort,
immer
am Ende
das Wort.

Wenn man von solchen „schwarzen“ Worten „getroffen“ wird, dann gibt es drei Möglichkeiten, damit fertig zu werden:

–  man verzweifelt und zerbricht daran
–  man sucht die Couch eines Psychiaters auf
–  oder man wird kreativ!

Letzteres hatte Hilde Domin gewählt und schrieb. Sie beschrieb ihre augenblicklichen Situationen, wie sie sich dabei fühlte, was sie fühlte. Positive wie auch negative Gedanken/Gefühle.

Wenn man etwas be-schreibt, dann setzt man sich damit auseinander … man durchdenkt!

Worte wirken! Oft setzt dabei der “Trigger”-Effekt“ ein. Sinneseindrücke, die Erinnerungen an frühere, längst vergessene oder verdrängte Erfahrungen tauchen schlagartig – oft mit grosser Wucht –  auf. Was dann passiert, ist ein sogenannter „Flashback“. Es ist, als würde man sich in der alten, erinnerten „schrecklichen“ Situation befinden. Es kann sehr kritisch werden, wenn uns ein anderer Mensch – auch ohne böse Absicht – „Schwarze Worte“ mitteilt, die diesen Trigger-Effekt auslösen.

Genau das beschreibt Hilde Domin in ihrem Gedicht. Und sie apelliert, doch lieber erst nachzudenken, bevor man den Mund aufmacht.

Sie selbst bezeichnete sich als eine „Dennoch- Frau“ und sagte: „… ich will das Leben dennoch lieb haben“. Und sie schrieb:

„Meine Worte sind Vögel
mit Wurzeln…. “  

und:

„Nicht müde werden,
sondern dem Wunder
leise wie einem Vogel
die Hand hinhalten.“

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