Wie ein duftiger Schleier liegt der Morgennebel über dem Ozean Verbirgt die dunkle Tiefe Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen erhebt er sich ins Licht Und löst sich ermunternd auf.
Der Schleier des Vergessens sinkt hinab auf den Seelengrund Umhüllt gleich einem feinen Netz das dort verborgene Dunkle Dein wohlgesinnter Engel holt das Netz zur rechten Zeit ein Und hebt es hinauf ins liebenswerte Licht.
„I’ll never do you no harm, believe me darlin'“ … ein Versprechen von meinem ersten „wahren Freund“, das er nie gebrochen hat. Wir besuchten damals zusammen die Realschule und er sang diesen Song auf dem Pausenhof. Ich höre noch immer seine Stimme, als wäre es erst gestern gewesen. Und wie süß er aussah mit seiner Beatles-Frisur und den schwarzen Schlag-Hosen. Mit einem unglaublich bezaubernden Lächeln stand er lässig vor mir, bewegte seinen Körper wiegend im Rhythmus und sah mich verliebt an. Ein bisschen ähnelte er Paul McCartney.
Am Wochenende war er Drummer in einer Rockband und liebte die Musik dieser für uns so wunderschönen Zeit – und er bewunderte die Beatles. Nur kurze Zeit später starb er … völlig unerwartet und noch so jung. Seine Worte von damals aber klingen in mir weiter, besonders diese:
„Da es aber meine Absicht ist, etwas Nützliches für den zu schreiben, der es versteht, schien es mir angemessener, der Wirklichkeit der Dinge nachzugehen als den bloßen Vorstellungen über sie.“ …. (ll Principe, Kap. XV)
Kurz gesagt: ich lese mal wieder ein bisschen in Machiavellis Schriften. In seiner Denkweise (sie bezieht sich auf die Zeit, in der er lebte!) ist manch interessanter Ansatz, z.B. wie Menschen ticken – in den verschiedensten Bereichen.
Besonders gefallen hat mir schon vor Jahren dies:
„Wer bist du, die du keine sterbliche Frau zu sein scheinst und die der Himmel mit so viel Anmut schmückte? Warum stehst du nicht still? Warum hast du Flügel an den Füßen?“
„Ich bin die Gelegenheit, wenigen bin ich bekannt, und die Ursache dafür, dass ich mich immer bewege, ist, dass ich einen Fuß auf einem Rad halte. Es gibt keinen Flug, der meinem Lauf gleicht, und doch behalte ich Flügel an den Füßen, um in meinem Lauf jeden zu verblenden.
Mein wirres Haar ist nach vorn gewendet, mit ihm bedecke ich mir Brust und Gesicht, damit mich niemand erkennt, wenn ich komme. Am Hinterkopf bin ich kahl. Darum bemüht man sich vergeblich, wenn ich vorüberziehe oder mich umkehre.“
„Sag mir, wer ist die, die mit dir kommt?“
„Es ist die Reue. Darum merke und begreife: Wer mich nicht zu greifen versteht, fasst jene. Und während du redend die Zeit verschwendest, beschäftigt mit vielen eitlen Gedanken, siehst du Armer nicht und begreifst nicht, dass ich dir entschwunden bin.“
(Machiavelli, „Die Gelegenheit“)
Hat es es nicht wundervoll erklärt? Vor ca. 4 Jahren habe ich es zuletzt gelesen und mir dazu notiert: „Man kann darüber streiten, ob es in „unverhofften“ Situationen von Vorteil ist, das Ganze erstmal überdenkend auszusitzen. Ich jedenfalls gehöre zu den Leuten, die eher wenig sitzen, sondern versuchen, sobald sich die Gelegenheit bietet, schnellstmöglich Nägel mit Köpfen zu machen (auf die Gefahr hin, dass Irrtum möglich sein könnte). Erfahrung hilft dabei und viel Erfahrung hat derjenige, der sich schon oft geirrt hat, das ist meine Erfahrung.
In Wikipedia wird es übrigens so erklärt:
„Eine Gelegenheit bezeichnet die Möglichkeit, ein bestimmtes Ereignis wahrzunehmen, das unter anderen Umständen oder zu anderen Zeitpunkten mit Nachteilen verbunden oder gar nicht mehr wahrnehmbar ist. Typisch bei diesem Begriff ist der seltene Charakter, den das in Kontext beschriebene Ereignis mit sich bringt.
Eine geläufige Redewendung lautet „Die Gelegenheit ist günstig“, was den einmaligen oder seltenen Augenblick des angepeilten Ereignisses weiter hervorhebt und somit häufig in der Werbebranche Verwendung findet.“
Jedenfalls war es Machiavelli vollkommen klar, wie wichtig es ist, Gelegenheiten nicht verstreichen zu lassen …