„Von Bleiben war nie die Rede“ (Karin Simon)

„Bitte keine Sterbensangst: Sie werden sich nicht totlachen! Aber Schmunzeln und Lächeln und auch Lachen sind erwünscht, und hoffentlich gestatten Sie es sich. Denn so was tut man ja eigentlich nicht. Also bei uns. Tod und lustig, das geht nicht zusammen.“

Doch, es geht! Ich lese ihr Buch und ich lese über diese besondere Frau. Sie ist Krankenschwester, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Sterbeamme, Traueramme und darüber hinaus noch Musikerin, Kabarettistin und Buchautorin. Da kommt einiges an Erfahrung zusammen, denke ich.

„Wenn wir Nähe zu Sterbenden zulassen, und das wird in diesem Buch geschehen, sind wir mit unserer eigenen Endlichkeit konfrontiert. Diese Tatsache ist kein Drama, sondern normal. So ist es und Punkt.“

In diesem Buch vom Sterben geht es vor allem um das Leben, habe ich gelesen. Doch eins nach dem anderen.

Ich habe mir mal bisschen was aus ihrem Kabarett „Zum Sterben schön“ angesehen:

Wie wahr, denke ich. Ich bekomme es ja gerade selbst zu spüren.

und das hier:

Es ist beides: schön und traurig. Eben wie Leben und Tod.

Und nun noch mal zum Buch. Hier stellt sie es selbst vor:

So, und wenn es euch interessiert, wie ich auf all das gekommen bin, dann schaut mal auf YouTube vorbei:

Diese Doku ist mir aufgefallen, weil sie großes Interesse ausgelöst hat.

Und warum ich mich überhaupt damit beschäftige? Ich sage es mit ihren Worten aus ihrem Buch:

„Wir würden doch auch niemals im Leben unvorbereitet in Prüfungen, Konfliktgespräche, zu einem ersten Rendezvous gehen. Wir prägen uns ein, was wir wissen müssen, wir entwickeln Strategien und frisieren und rasieren uns sorgfältig.“

Todsicher ist doch, dass ich auch mal gehen muss (wie jeder von uns!) und warum sollte ich mich nicht auf diese letzte Reise und das bevorstehende Rendezvous vorbereiten? Totschweigen ist sicher nicht die beste Lösung.

„Glück ist das Zusammentreffen von Fantasie und Wirklichkeit.“ (Leo Tolstoi)

„Die Beschreibung beginnt in der Vorstellungskraft des Autors, sollte aber in der des Lesers enden.“ (Stephen King)

Im März las ich ein Buch, nicht ohne mich vorher zu erkundigen, wer es geschrieben hat und warum. Der Autor war Michael Jürgs, ein Vollblut-Journalist, der die Diagnose Krebs erhalten hat. Nachdem er nun wusste, dass seine Uhr tickt, begann er zu recherchieren und sich mit dem Leben nach dem Tod zu beschäftigen. Er wollte zu gerne wissen, wen er im Jenseits treffen würde und ob man dort Antworten auf viele ungelöste Fragen bekommen würde. Und ihn interessierte, ob es Gott gibt. Kurz vor seinem Tod vollendete er sein Werk: 

Jürgs, Michael. Post mortem: Was ich nach meinem Tod erlebte und wen ich im Jenseits traf . C.Bertelsmann Verlag. 

Im Jenseits begegnet er nicht nur seinen Verwandten, sondern einer Vielzahl von Menschen, für die er sich auch im Leben interessiert hatte, weil sie Neues, Erstaunliches und Unsterbliches hinterlassen haben. Über diese Begegnungen schreibt er und es ist wundervoll zu lesen. Hier einige Bewertungen: 

 »Außergewöhnlich, berührend und sehr persönlich. In jedem Fall ein wunderbares Buch.« ― Westdeutsche Allgemeine Zeitung 
 
»Ein außergewöhnliches Buch – berührend und sehr persönlich. Es passt nicht in gängige Einsortierversuche der Literaturkritik. Der Verlag hat darauf verzichtet, es als Roman zu klassifizieren, es hat Züge einer fantastischen Erzählung und ist in jedem Fall ein wunderbares Buch. Im Epilog schreibt Jürgs: ›Nur der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, und post mortem erst recht nicht.‹ Bei ihm besteht die Fantasie auch im Angesicht des Todes; das zeigt eindrucksvoll sein Buch.« ― Aachener Zeitung 
 
»Auf jeder Seite feiert der Autor das Leben, das er hier auf Erden hatte.« ― WDR5 »Bücher« 

“Es gibt bekanntlich keine Bücher aus dem Jenseits. Logisch, sagen da meine Kollegen, sowohl die von mir geliebten als auch die von mir ungeliebten. Auch diese einst den Alltag belebenden Gefühle sind übrigens mit dem Tod gelöscht. Logisch, sagen da Leserinnen und Leser, denn der Tod an sich bedeutet schlicht das Ende aller in der Wirklichkeit einst als selbstverständlich akzeptierter Fakten. Nur der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, und post mortem erst recht nicht.” 

Und weiter schreibt er in seinem Buch: 

“ Vielleicht hat es ein Toter, hat es eine Tote nur nie versucht, das im Jenseits Erlebte aufzuschreiben, weil es abwegig schien. Vielleicht müsste es mal einer wagen, und warum dann nicht ich?”, schreibt er. 

Wie gut, dass er es geschrieben hat, denke ich. So wie er sich das Jenseits vorstellt, muss es dort wundervoll sein. Und vielleicht hat er ja damit recht, wer weiß es schon?  

Ich habe das Buch nachts in einem Rutsch gelesen, weil ich es nicht beiseitelegen konnte. Und ich liebe Bücher, aus denen ich noch etwas lernen kann, z.b. mir unbekannte Fakten aus den Begegnungen mit besonderen Menschen, die er beschreibt. 

Also nochmal: 

Jürgs, Michael. Post mortem: Was ich nach meinem Tod erlebte und wen ich im Jenseits traf . C.Bertelsmann Verlag. In meinem Fall die Kindle-Version. 

Jöööö, so eine Blütenpracht! :-)

„Das musst du dir anschauen, solch eine Blütenpracht in unserem Garten!“, sagte ich zu meinem Mann und zeigte ihm das Foto.

„Und, was sagst du? Ist das nicht schön?“ Er warf einen Blick auf das Foto und sah mich verdutzt an. „Ist das alles?“, fragte er verwundert. „Jetzt mach mal aber ´nen Punkt“, erwiderte ich, „wenn ich bedenke, dass wir im Herbst NICHTS gepflanzt haben, dann ist das eine ganze Menge! Es ist trotzdem hier gewachsen, um uns eine Freude zu machen. Ja, genau so sehe ich das und Goethe würde es auch so sehen, denn er sagte vor langer Zeit:

Willst du dich am Ganzen erquicken, so musst du das Ganze im Kleinsten erblicken.

Genau das tue ich! Ich sehe schon fast alles vor mir – die Farben, die Formen der Blüten, die Fülle in den Blumenkästen … und dann erst der Duft … „Warte nur mal ab, bis die vielen Jungpflänzchen Mitte März kommen, die ich im Gartencenter bestellt habe 🙂 „, fügte ich erklärend hinzu.

Mein Mann sah mich nun anders an, also nicht mehr verdutzt, sondern … na ja, eher so ähnlich wie etwa erschrocken  😲

Damit hatte er nicht gerechnet! Ich meine, dass ich sooo viel im Kleinsten erblicken könnte 😍

Um ihn wieder etwas ausgeglichener zu stimmen, zeigte ich auf die zwei Enten, die vor uns im Bach umherschwammen.

„Sind die nicht goldig“, fragte ich, „das ist ein Entenpärchen! Vielleicht haben sie hier ein Nest gebaut, denn ich sehe sie schon ein paar Tage hier rumschwimmen.“ Dann geschah etwas seltsames. Mein Mann war beim Anblick des Entenpärchens keineswegs ausgeglichener. Vielleicht erschreckte ihn der Gedanke, dass ihm bald ganz viele kleine Entenküken zwischen den Beinen rumlaufen würden? Wer weiß!

Meine Gedanken waren nun bei Konrad Lorenz … die Verknüpfung ist doch logisch, oder? Also begann ich, über ihn zu sprechen. „Erinnerst du dich an Konrad Lorenz?“ fragte ich meinen Mann „Konrad Lorenz liebte diese Tiere sehr und hat viel über sie geschrieben und ich habe über ihn in meinem Blog berichtet ( https://seelenglimmern.com/2015/07/21/von-wegen-dumme-gans/ ). Erinnerst du dich?“ . Er erwiderte: „Nein und ich möchte jetzt auch nicht über Enten-Nachwuchs reden.“

Ich sah meinen Mann an und dachte dann an Worte, die ich eben von diesem Forscher kannte:

Dass etwas neu ist und daher gesagt werden sollte, merkt man erst, wenn man auf scharfen Widerspruch stößt.

Mein Mann glaubt doch nicht etwa, dass er mir nun ein Entengehege bauen soll, weil ich kleine Entchen so mag?  🤔

Der Wunsch, ein Tier zu halten, entspringt einem uralten Grundmotiv – nämlich der Sehnsucht des Kulturmenschen nach dem verlorenen Paradies. (Konrad Lorenz) …