„Von Bleiben war nie die Rede“ (Karin Simon)

„Bitte keine Sterbensangst: Sie werden sich nicht totlachen! Aber Schmunzeln und Lächeln und auch Lachen sind erwünscht, und hoffentlich gestatten Sie es sich. Denn so was tut man ja eigentlich nicht. Also bei uns. Tod und lustig, das geht nicht zusammen.“

Doch, es geht! Ich lese ihr Buch und ich lese über diese besondere Frau. Sie ist Krankenschwester, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Sterbeamme, Traueramme und darüber hinaus noch Musikerin, Kabarettistin und Buchautorin. Da kommt einiges an Erfahrung zusammen, denke ich.

„Wenn wir Nähe zu Sterbenden zulassen, und das wird in diesem Buch geschehen, sind wir mit unserer eigenen Endlichkeit konfrontiert. Diese Tatsache ist kein Drama, sondern normal. So ist es und Punkt.“

In diesem Buch vom Sterben geht es vor allem um das Leben, habe ich gelesen. Doch eins nach dem anderen.

Ich habe mir mal bisschen was aus ihrem Kabarett „Zum Sterben schön“ angesehen:

Wie wahr, denke ich. Ich bekomme es ja gerade selbst zu spüren.

und das hier:

Es ist beides: schön und traurig. Eben wie Leben und Tod.

Und nun noch mal zum Buch. Hier stellt sie es selbst vor:

So, und wenn es euch interessiert, wie ich auf all das gekommen bin, dann schaut mal auf YouTube vorbei:

Diese Doku ist mir aufgefallen, weil sie großes Interesse ausgelöst hat.

Und warum ich mich überhaupt damit beschäftige? Ich sage es mit ihren Worten aus ihrem Buch:

„Wir würden doch auch niemals im Leben unvorbereitet in Prüfungen, Konfliktgespräche, zu einem ersten Rendezvous gehen. Wir prägen uns ein, was wir wissen müssen, wir entwickeln Strategien und frisieren und rasieren uns sorgfältig.“

Todsicher ist doch, dass ich auch mal gehen muss (wie jeder von uns!) und warum sollte ich mich nicht auf diese letzte Reise und das bevorstehende Rendezvous vorbereiten? Totschweigen ist sicher nicht die beste Lösung.

4 Gedanken zu “„Von Bleiben war nie die Rede“ (Karin Simon)

  1. Es ist gut, sich bewusst zu machen, dass wir hier nicht ewig leben und dass es eine besondere Erfahrung ist wie jeder Tag, jede Minute, jeder Moment. All dies ist endlich und danach kommt ein neuer Tag, eine neue Minute, ein neuer Moment. Insofern gibt es das Sterben nicht wirklich, da es immer weitergeht. Interessant finde ich die Berichte aus Nahtoderfahrungen.

    • Ich finde Nahtod- bzw. Nachtoderfahrungen auch interessant. Die große Studie von Prof.Dr. Oliver Lazar wie auch sein Buch „Jenseits von Materie“ haben mich sehr beeindruckt.

  2. Keiner kommt lebend hier raus, da sind wir uns innerhalb der Familie einig. Bei uns wurde der Tod niemals weg geschoben. Meine Großeltern und Urgroßeltern sind noch zu Hause gestorben und aufgebahrt worden. Ich erinnere mich an Leichenschmaus bei den alten Leuten, die müde waren und friedvoll gingen, mit vielen Geschichten, die oft sehr lustig waren. Sie erzählten von einem vollen, erfüllten Leben. Kann man mehr wollen?
    Anders ist es, wenn ein Kind stirbt. Als eine unserer Töchter starb, dauerte es lange, bis wir erstens die Geschwister wieder im Leben hatten und zweitens, bis die traurigen, dramatischen Erzählungen wieder von den schönen, frohen abgelöst wurden. Bis wir uns wieder an ihr herzhaftes Lachen erinnern konnten. Es dauert, aber es kann gelingen.

    • Herzlichen Dank für deine Worte die mich sehr berühren. Meine Großeltern und Urgroßeltern sind auch noch zu Hause gestorben. Mein Mann auch. Ich lag neben ihm und hielt seine Hand, als er nachts um drei starb.
      Sicher, wenn ein Kind stirbt, ist das noch unfassbarer und macht sprachlos. Es gibt da für lange Zeit nichts, das trösten kann. Später vielleicht, ja, da kann es gelingen.
      Ich bin noch nicht soweit, über den Verlust meines Mannes und auch den meiner Mutter, die im April starb, hinwegzukommen. Vielleicht gelingt es irgendwann …

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