Als ich heute morgen aus dem Fenster schaute, sah es nach einem wunderschönen Sonnentag aus. Also holte ich ein dünnes, ärmelloses Top zu meinen Jeans aus dem Schrank. Das Top trug ich übrigens, als ich auf dem Katamaran segelte und so etwas weckt natürlich schöne Gefühle und Erinnerungen, denen man am Murgufer nachhängen kann 😀 … damals war das auch ein heisser Sonnentag.
Kurz vor Feierabend dann wurde es plötzlich ganz dunkel im Büro, grosse Blitze zuckten zwischen dunklen Wolken und ein ziemlicher Sturm kam auf. Der Regen liess dann auch nicht lange auf sich warten und ich kam gut durchgefeuchtet am Auto an. Meine gerade begonnene gute Wochenendlaune begann zu sinken.
Um 17 Uhr hatte ich noch einen Termin beim Versicherungsmann, um die Autoversicherung zu aktualisieren und danach hatte ich vor, noch im Biergarten vorbeizuschauen. Der Jockers-Biergarten in Gernsbach liegt direkt an der Murg und man sitzt dort sehr schön … bei schönem Wetter!
Als ich aus dem Haus des Versicherungsmannes trat, hatte es aufgehört zu regnen und ich dachte mir, dass ich mir mein Feierabendvorhaben nicht durch so ein kleines Unwetter vermiesen lassen sollte – ausserdem, was man sich vorgenommen hat, soll man auch ausführen!
Vor dem Jockers fand ich gleich einen Parkplatz und am Biergarten stand eine Tafel mit der Aufschrift: „Biergarten geöffnet!“. Ich ging also die paar Stufen runter zum Murgufer, wo eine Menge nasser Stühle und Tische standen – Menschen waren dort keine und ich dachte: „Was für eine himmlische Ruhe!“ B)
Die Sonnenschirme waren vorsorglich aufgespannt, damit man nicht nass wird und einen ziemlich trockenen Stuhl fand ich auch. Ich setzte mich also und wartete auf die Bedienung, die sich nicht blicken lies.
Nach einer kurzen Weile entschloss ich mich, über die Strasse ins Lokal zu gehen und auf mich aufmerksam zu machen. Im Lokal fand ich dann eine Kellnerin und fragte, ob die Tafel mit der Aufschrift: „Biergarten geöffnet!“ Gültigkeit hätte.
Sie sagte: „Ja, aber da ist alles nass, da können Sie nicht sitzen.“
Ich antwortete ihr:“Ein Stuhl war trocken und darauf habe ich eine ganze Weile gesessen und gewartet, dass jemand nach meinen Wünschen fragt, wie das in einem Lokal üblicherweise Brauch ist.“.
Sie entgegnete:“Aber da ist doch alles nass und der Biergarten war zu!“
Ich wurde nun leicht ungeduldig (mein charakterlicher Schwachpunkt!) und meinte: „Wenn der Biergarten zu gewesen wäre, dann hätte ich da nicht sitzen können und die Tafel mit der Aufschrift: „Biergarten geöffnet!“ wäre arglistige Täuschung! So etwas mag ich gar nicht. Und schon gar nicht, wenn ich müde, gestresst, hungrig und durstig von der Arbeit komme. Kann ich hier jetzt etwas bestellen oder kommen Sie rüber?“
Sie seufzte, zog die Schultern hoch und sagte: „Ich komme sofort.“
Als ich wieder im Biergarten meinen Platz eingenommen hatte, trafen drei Männer ein und fragten mich: „Wird hier bedient?“
Ich antwortete: „Ja gleich, aber nicht von mir!“
Ihr schallendes Gelächter hob dann auch ein wenig meine Stimmung. Die Männer besorgten sich ein Tuch und rieben ein paar Stühle trocken. So nach und nach kamen dann noch ein paar Leute in den Biergarten und das Tuch, mit dem die Stühle trockengerieben wurden machte die Runde und wurde zwischendurch fleissig ausgewrungen.
Von da an lief nun alles zu meiner vollsten Zufriedenheit, nur mein dünnes Top war nicht gerade wind- und wetterfest. Aber nach dem Affentaler Spätburgunder wurde mir ein bisschen wärmer. Dort gibt es übrigens handgemachte, wundervolle Spätzle! 😀
Für morgen ist hier auch Unwetter angesagt und ich werde dann froh sein, heute die Gelegenheit wahrgenommen zu haben. In’s Jockers gehe ich erst wieder, wenn die Sonne scheint und mein Top wieder trocken ist.
Und das ist das Jockers:
http://www.gasthof-jockers.de/
So, jetzt bin ich satt und zufrieden (auch wieder friedlich) und das Wochenende kann beginnen! 😀