Manche Gläser können schreiben …

 

 

Jetzt habe ich endlich seine Erzählung gelesen: „Das schreibende Glas“. Darunter konnte ich mir so gar nichts vorstellen und war schon sehr gespannt. Nun habe ich das Büchlein mit dieser schönen Erzählung. Interessant war es schon am Anfang. Da las ich:

„Im Haus der Freunde waren nur die Frauen da, der Vater verreist.
Wir ruhten und wurden gespeist, es gab Wein, Kaffee, Zigaretten.“ … hmmm …

… nochmal: „Wir ruhten und wurden gespeist, es gab Wein, Kaffee, Zigaretten.“

Ja gut, aber die Speise zum Speisen? Zum Speisen muss doch etwas zwischen die Zähne, eine Kleinigkeit zum Kauen und Hinunterschlucken. Also solch eine Gastfreundschaft wundert mich jetzt sehr.

Lieber Hermann, dass DU davon satt wirst, will ich ja nicht bestreiten – mit DIR würde ich überhaupt nie streiten, denn gegen deinen Eigensinn komme ich eh‘  nicht an –  aber ICH würde dabei ganz elendiglich verhungern.

Ich habe das Lesen unterbrochen und erst mal nachgedacht. Dabei habe ich gemalt: Hugo, Emmy und Lisa – und natürlich das schreibende Glas, das auf den Kreis mit den Buchstaben wartete.

Dann ging es endlich weiter … im Buch! 😉
Da sind noch mehr schöne Erzählungen drin – genauer gesagt acht!

Doch wenn Sie uns eine Geschichte zur Probe geben wollen …

 

„Doch wenn Sie uns eine Geschichte zur Probe geben wollen, so muss ich Ihnen sagen, welche Art ich nicht liebe. Jene Erzählungen machen mir keine Freude, bei welchen, nach Weise der Tausendundeinen Nacht, eine Begebenheit in die andere eingeschachtelt, ein Interesse durch das andere verdrängt wird, wo sich der Erzähler genötigt sieht, die Neugierde, die er auf eine leichtsinnige Weise erregt hat, durch Unterbrechung zu reizen und die Aufmerksamkeit, anstatt sie durch eine vernünftige Folge zu befriedigen, nur durch seltsame und keineswegs lobenswürdige Kunstgriffe aufzuspannen. Ich tadle das Bestreben, aus Geschichten, die sich der Einheit des Gedichts nähern sollen, rhapsodische Rätsel zu machen und den Geschmack immer tiefer zu verderben.“

 

…  Gedanken an J.W. von Goethe und seine Erzählungen begleiten mich oft beim Lesen so mancher Zeilen.

 

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