Ein Engel für den Held

 

“ Fühl dich herzlich eingeladen … dazu … also dir ein eigenes Bild zu machen … „,  las ich hier: https://andre37komma5.wordpress.com/2019/04/19/engelheld-eine-ganz-andere-geschichte/

Vielleicht hat der eine oder andere auch Lust, diese Geschichte zu lesen   🙂

Also, ich habe mir ein eigenes Bild zu der Geschichte (einer Fortsetzungs-Story) gemacht. Und zu meinem Kommentar schrieb er: „einen ENGEL möchte ich auch mal geschenkt bekommen …“.

Gut, dachte ich und malte. Gesso für die Struktur, Liquitex  Professional Acrylic Ink (eine wundervolle Tusche bester Künstlerqualität) für den Hintergrund und Acrylfarbe für die Figuren. Das alles auf Leinwand 20 x 30 cm.

Diese Frau war schon eine Legende … bevor SIE zum ersten mal auftauchte … im Petit Café … wo der Held mit einigen anderen gerade den folgenden SONG feierte … als gäbe es kein morgen …
Bis auf den „Freund des Helden“ … der SIE aus dem Hut zauberte … wusste niemand ihren richtigen Namen …
SIE war einfach ENGEL … und als ich SIE reinkommen sah … wusste ich sofort … WARUM …“ (Textauszug)

Naja, keine Ahnung, wie sie aussah und schon gar nicht, wie der Held eigentlich aussieht, habe ihn ja noch nie gesehen. Aber vielleicht war es damals etwa so:

Jedenfalls hat es Spaß gemacht, die Geschichte zu lesen und dann zu malen    

Ikarus – eine andere kleine Geschichte

 

Wenn die Sonne erlischt

Lange Zeit stand sie jeden Morgen am Himmel, rollte ihr flimmerndes Goldorange über die Wiesen vor dem Haus aus. Es war wunderschön anzusehen, wie sie dann später hoch am Himmel stand und die große Weite umspannte, wie sie Energie, Wärme und Lebensfreude spendete. Staunend suchte Ikarus ihre überwältigende Anziehungskraft zu ergründen.

Aber er musste sich vorsehen, ihr nicht zu nahe zu kommen. Bewundernd spürte er ihre enorme Kraft und sah immer wieder zu ihrer leuchtenden Glut hinauf. Fasziniert weidete er dabei seine oftmals schmerzenden, geblendeten Augen an ihrem wechselnden Lichtspiel, das die Welt verzauberte. Natürlich war ihm bewusst, dass sie nicht nur für ihn allein schien, sondern dass sie ihre Energie über die ganze Welt ergoß und auch vielmals mit gigantischen Lichtblitzen vergeudete.

Ihre Energie war nicht unendlich, verbrauchte sich zusehends und nahm unaufhaltsam mit der Zeit ab. Langsam begann sie zu schrumpfen, zog sich todmüde, wund und erschöpft in den Abendhimmel zurück. Eines Tages dann, am Ende ihrer Zeit, hüllte sie sich zum letzten Mal in ihr glutrotes Kleid und erstrahlte im letzten Aufblühen in unglaublicher Schönheit.  Letztlich ergab sie sich entkräftet ihrer Natur, verkümmerte zunächst zum weißen Zwerg, dann zum schwarzen und schließlich erlosch sie ganz.

Ikarus nahm dies alles mit Bestürzung wahr.
Er vermisste darauffolgend ihre strahlende Wärme und ihren goldenen Schein, der seinen Tag erhellte.
Doch nun hatte er auch nichts mehr zu befürchten, weder ihre Nähe noch den Absturz, der ihm in ihrer Nähe drohte.

Von diesem Zeitpunkt an stand keine Sonne mehr über ihm am Himmel, sondern nur noch ein erloschener, kalter Geröllhaufen im weiten Universum … lebensfern und der Welt entrückt.

Text und Gemälde © chrinolo

p.s.  Die Gestalt des Ikarus hat immer wieder viele Künstler inspiriert.

Ich habe ihn in meiner kleinen Geschichte da oben nicht abstürzen lassen !  😉

2017 habe ich ihn gemalt und mir meine Gedanken gemacht – hier  🙂  :
https://seelenglimmern.com/2017/02/26/ach-immer-diese-belehrungen/

Wie ich nun wieder einmal auf dieses Thema komme? Nun, es gibt auch einen weiblichen Ikarus.
„Die Wachsflügelfrau – Geschichte der Emily Kempin-Spyri“ – ein Roman von Eveline Hasler, eine wahre und bewundernswerte Lebensgeschichte. Ich lese sie gerade  🙂

 

Entzündet …

 

Heute habe ich mal wieder meinen Pinsel spazieren geführt. Von einem bestimmten Punkt aus schlenderte er zunächst zur gegenüberliegenden Ecke, um sich von dort aus einen  Überblick zu verschaffen. Als er dann sah, was für eine weite, weisse Fläche sich vor ihm ausbreitete, hüpfte er vor lauter Freude kreuz und quer und rauf und runter, dass es nur so Funken sprühte. Unterwegs bekam er immer grösseren Durst und flehte mich andauernd um Wasser an. Dann meldete sich auch noch sein Hunger … nach fetter, sättigender Farbe. Er hatte Appetit auf warmes Orange und danach auf kühles Blau. Vom Weiss wollte er auch probieren und etwas Schwarz als Beilage dazu. Er rannte dabei von einem Napf zum anderen und konnte nicht genug bekommen. Überall hinterliess er dabei seine Spuren.

Ständig musste ich ihn darauf hinweisen, dass man mit vollem Mund nicht spricht, denn das tat er unaufhörlich und kleckerte natürlich dabei. Er erzählte alles, was er sah – unglaublich viel erblickte er mit seinem grossen blauen Auge.

Der Blick ins Universum zum Beispiel bezauberte ihn immer wieder –  entzündete ihn dermassen, dass die Flammen nur so hochloderten. Tausende kleine Staubteilchen stoben glühend in die Nacht hinein. Dieses Feuerwerk berauschte ihn und sein Auge folgte ruhelos jedem leuchtenden Pünktchen.

Gesättigt und erschöpft von diesem langen Spaziergang, liess er sich nach Stunden in ein entspannendes Wasserbad gleiten und schloss zufrieden sein Auge … zu mir sagte er noch:

„Wenn man die Natur wahrhaft liebt, so findet man es überall schön.“ und tauchte unter …. um gleich darauf nochmals aufzutauchen und hinzuzufügen:

„Bleib ja da! Ich hab dich im Auge!“

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