„Na und, dann habe ich mich eben geirrt.“, höre ich oft, oder „Rege dich doch nicht auf, irren ist menschlich und wer will schon ein Unmensch sein?“.
Stimmt! Aber so lässig kann ich mit meinem Irrtum dann doch nicht umgehen. Die Erkenntnis eines Irrtums trifft mich, gewaltig wie Schlag, unter dem ich mich ducken will, um der Erkenntnis zu entgehen, welche mir die Folgen dieses Irrtums vor Augen führt.
Mir wird bewusst, dass dieser Irrtum das Fundament für ein gewaltiges Fehlerbauwerk war, das schliesslich einstürzen musste. Mit dem Erkennen des Irrtums kommt das Fehlergebäude ins Schwanken und bricht in sich zusammen. Da hilft alles Ausbessern und Reparieren nichts … meine Annahme, obwohl sie gute Gedanken enthielt und gute Absichten, war ein Irrtum, ein instabiles Fundament, auf das ich gebaut hatte.
Irrtum … Fehler … was ist eigentlich der Unterschied, denke ich. Diese Begriffe kreisen in meinen Gedanken, lassen mir keine Ruhe. Wie überhaupt konnte es dazu kommen?
Fakt ist, wenn mir am Anfang dieser Irrtum nicht unterlaufen wäre, dann hätte ich niemals diese Fehler gemacht.
Aber jetzt bloss keine Ausreden. Nicht ducken, sondern diesen Irrtum ergründen, um zukünftige Fehler zu vermeiden, geht es mir durch den Kopf.
„Der Irrtum bezeichnet im engeren Sinne eine falsche Annahme, Meinung oder einen falschen Glauben, wobei der Meinende oder Glaubende jeweils von der Wahrheit seiner Aussage(n) überzeugt ist.“, lese ich und
„In der Erkenntnistheorie untersucht man von jeher Ursachen und Bedingungen für das Entstehen von Irrtümern. Die antiken Philosophen sahen die Quelle des Irrtums in der Unvollkommenheit der sinnlichen Wahrnehmungsstufe, in der Unvollkommenheit der Erkenntnisfähigkeit des Menschen.“, und
„In der Dialektik betrachtet man Wahrheit und Irrtum als wechselseitigen Zusammenhang. Eine Stufe der Wahrheit ist in der Regel nur eine relative Wahrheit und wird mit zunehmenden Wissen zum Irrtum, sobald eine tiefergehende Wahrheit gefunden wurde.“
Klar, denke ich, mein Wissen um den Irrtum hat dann urplötzlich mit einem Schlag gewaltig zugenommen, als sich eine tiefere Wahrheit endlich gezeigt hat.
Aber das hat gedauert und es war viel Zeit, inzwischen Fehler zu produzieren … in der irrtümlichen Annahme, jedoch durchweg im guten Glauben.
Fehler! Die Definition: „ ein „Merkmalswert, der die vorgegebenen Forderungen nicht erfüllt“ und als „Nichterfüllung einer Anforderung“; dabei wird die Anforderung definiert als „Erfordernis oder Erwartung, das oder die festgelegt, üblicherweise vorausgesetzt oder verpflichtend ist“. Hmm … jedenfalls,
„Es wird generell zwischen zwei Typen von Fehlern unterschieden, dem erwarteten Fehler und dem unerwarteten Fehler. Das Auftreten eines Fehlers kann von bestimmten Bedingungen, sogenannten Fehlervoraussetzungen abhängig sein und damit systematisch sein. Sind die Bedingungen bekannt, unter denen ein Fehler auftritt, kann er reproduziert werden. Vermeiden kann man nur Fehler mit bekannter Ursache. Die Folgen eines Fehlers sind in der Regel unerwünscht.“ (Wiki)
Richtig! UNERWÜNSCHT !! Sehfehler, Hörfehler, Lesefehler … eine ganze Fehlerkette! Denk-, Planungs- und Handlungsfehler … ja, alle diese hätte ich vermeiden können, nicht aber den Irrtum, der mir am Anfang unterlief.
Und deshalb machen mir Irrtümer so zu schaffen – ich kann sie nicht vermeiden, kann oft nur im guten Glauben eine Annahme treffen und hoffen, dass es dann die Richtige ist. Wenn nicht, bleibt mir nichts anderes übrig, als den Irrtum zu akzeptieren, die Folgen zu bewerten und aus den dadurch entstandenen Fehlern zu lernen.
Fazit: so ein Irrtum kann eine ganz fiese, hinterlistige Sache sein! Fehler kann ich vermeiden, Irrtümer nicht!
