Mädchen

 

Während ich meine kleine Enkelin malte, erinnerte ich mich an ein allerliebstes Gedicht, das ich mal im Internet gefunden habe. Damals habe ich es mir ausgedruckt und aufbewahrt. Ich unterbrach das Malen, um es noch mal zu lesen.

Dann malte ich mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen weiter:

Darum schuf Gott kleine Mädchen

Gott schuf die Welt mit grünen Bäumen.
mit hohen Bergen, mit Seen, die träumen.

Dann machte er Pause – es fehlte etwas,
zum Lachen, zum Singen, zum Tanzen, zum Spaß.
Wer geht in den Wald, um Blumen zu pflücken?
Wen sollen die Berge, die Seen entzücken?

Und dann schuf Gott die Mädchen, die kleinen,
mit lustigen Locken, mit flinken Beinen.
mit offenen Augen für Wald und Flur,
die liebsten Geschöpfe in seiner Natur.

Und als er dann lächelnd sein Werk besah,
da sprach er zufrieden: „Ich wusste es ja,
die Liebe, das Glück, die Sonne, die scheint,
sind in so einem kleinen Mädchen vereint“.

(im Internet gelesen – Verfasser leider unbekannt)

Mein Start in die vorweihnachtliche Zeit der Ruhe und Besinnung

 

Also ich weiß nicht so recht, ob es anderen auch so geht. Es sind nur noch wenige Wochen bis Weihnachten und mir raucht jetzt schon der Schädel vor lauter Besinnung. Obwohl jedes Jahr das Gleiche stattfindet, muss man sich doch immer wieder etwas Neues einfallen lassen.

Neue Fensterbilder zum Beispiel, gemalt mit mit Window Colors. Dafür bleibt nur noch wenig Zeit. Ach, ich liebe Kerzenschein und Bilderzier während der besinnlichen Stunden. Aber leider ist auch hier aufwendige Arbeit – neben dem Besinnen auf vernünftige Motive und dem damit verbundenen vorweihnachtlichen Fensterputz – vorangestellt. Auf schmutzigen Scheiben leuchten die Bilder nur sehr trübe und die Motive sind höchstens zu erahnen. Und Fensterbilder gehören einfach in diese Zeit.

Oder die Weihnachtsgeschenke für Leute, denen es eigentlich an Nichts fehlt. Das ist jedes Jahr eine Herausforderung für mich. Mein Bruder, vier Enkelkinder, zwei Söhne und eine Schwiegertochter … die andere kriegt nix! Da bleibe ich hart, denn das ginge gegen meine Prinzipien: bei uns wird ausschließlich mit Liebe geschenkt! Die fehlt hier. Aber mich auf die Wünsche der anderen zu besinnen ist ja auch genug Kopfarbeit, neben Fensterbilder malen und Weihnachtsputz.

Ahhh, da kommt gerade mein Mann mit einem Bündel Buchenholzscheiten im Arm, hochgestapelt bis unter´s Kinn, zur Terrassentür herein und marschiert stramm an mir vorbei. Natürlich mit einem Liedchen auf den Lippen: „Tataram – tataram – tataram – tam – tam …“ (ihr wisst schon, der Radetzky-Marsch!). Das singt er immer, wenn er ins Holz geht. Ansonsten ist er aber tief im Herzen pensionierter Rock´n Roller. Viele Menschen haben ja ihre ganz spezielle Begleitmusik bei der Arbeit.

Beim Besinnen singe ich nicht und es ist mir ehrlich gesagt auch immer wieder ein Rätsel, wie ein Mensch überhaupt singen kann, wenn ein Stapel Holz gegen das Kinn drückt. Ach, der Gute, er kümmert sich jetzt darum, dass es in der Hütte brennt … also im Ofen! … und dass bei mir die Funken sprühen, weil er selbst sich nicht so gerne besinnt. Das überlässt er wie jedes Jahr mir.

Selbstverständlich trällert er auch nicht immer den Radetzky-Marsch. Wenn ich ihn zum Beispiel zum Einkaufen schicke (alles was mich anödet, nimmt er mir ab, weil es mir den ganzen Tag versauen würde und das wäre wohl zu übel für ihn) und er dann das Haus verlässt, höre ich seine andere Begleitmusik, nämlich: „Ich bin ja nur ein Troubadour / und ziehe fröhlich durch das Land / laaa – la – la – la – laaaaa – la …“. Dann klappt die Autotür zu und Ruhe kehrt ein. Es kann also mit der Besinnung weitergehen.

Ruhe und Besinnung …. hier möchte ich ausdrücklich betonen, dass mir die eigentliche Bedeutung dieser Begriffe wohl bekannt ist. Diese stellen sich sofort ein, sobald im Kaminofen ein wohliges Feuer lodert (tut es jetzt, dafür hat ja mein Mann gesorgt), auf der Couch die Kuscheldecke bereitliegt und meine Hände nach einem schönen Buch greifen. Meistens läuft dazu noch leise Musik – während der weihnachtlichen Tage höre ich viel klassische Musik. Sie passt einfach besser in diese besinnliche Zeit.

Jetzt tue ich das allerdings nicht, da ich gerade ein Buch lese, in dem es u.a. um Aretha Franklin und ihr „Oh No Not My Baby“ geht (das Buch ist betitelt mit „Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie“). Gut, dass es noch nicht Weihnachten ist, denn da würde ich mir „Oh No Not My Baby“ nicht anhören. Das tun zu dieser Zeit eher Singles, die gerade verlassen worden sind und ich bin ja schon lange kein Single mehr. Ich höre mir den Song an, weil ich die Stimme dieser großartigen Sängerin mag.

Das Buch ist sehr nett geschrieben und solange das vor mir liegende Blatt Papier, auf dem ich die Ergebnisse meiner Besinnung notieren werde, noch unbeschrieben ist, kann ich ja ein bisschen weiterlesen. Schreiben tue ich dann, sobald mir etwas Gescheites eingefallen ist.

Ich stelle mir gerade vor, wie Mascha Kaléko damals vor ihrem weißen Blatt saß und schrieb: “Mein schönstes Gedicht, ich schrieb es noch nicht“ … oder so ähnlich. Jedenfalls ist ihr auch nicht auf Anhieb immer gleich etwas Gescheites eingefallen.

Alles Besinnen braucht eben seine Zeit … und Ruhe. Ich werde jetzt erst mal Aretha Franklin auflegen, bis zum 1.Advent sind es ja noch ein paar Wochen …..

Männer …

 

In Wind und Wetter, nicht bei Tanz und Reigen,
kann sich der Mann in wahrem Lichte zeigen.

Samuel Smiles

 

 

Das ist dein Bruder! – das ist verdolmetscht: Er ist aus eben dem Ofen geschossen, aus dem du geschossen bist – also sei er dir heilig!

Friedrich Schiller

…. stimmt! Und ja, er ist mir heilig   🙂

 

Hmmm … das Malen hat Spaß gemacht, aber mit Tieren tu ich mich etwas leichter   😉