Take it easy

 

Andere zählen Schäfchen oder trinken Milch mit Honig, wenn sie nicht gleich einschlafen können. Das ist nichts für mich. Ich nehme mir ein Buch zur Hand und lese mich in den Schlaf, am liebsten in einen mit schönen Träumen.

Ein ganz bestimmtes Buch schafft das – ich habe es immer in meiner Nähe:

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Take it easy

Tehk it ih-sie, sagen sie dir
Noch dazu auf englisch. „Nimm’s auf die leichte Schulter“

Doch, du hast zwei.
Nimm’s auf die leichte.

Ich folgte diesem populären
humanitären Imperativ.
Und wurde schief.
Weil es die andere Schulter
auch noch gibt.

Man muss sich also leider doch bequemen,
es manchmal auf die schwerere zu nehmen.

Seite 125

… und dann noch dieses: Schöner … 🙂

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Mascha Kaleko war eine ganz ungewöhnliche Dichterin. Dass sie auch heute noch relativ unbekannt ist, ist mir eigentlich unverständlich. Ihre Gedichte über alltägliche Dinge sind so sinnig und so voller Intelligenz, dass sie Jede und Jeden begeistern müssten. Übrigens, über den Sinn schrieb sie auch:

Unsinn und Sinn 

Du suchst und suchst. Und kannst den Sinn nicht finden.
Gib’s auf; denn so wirst du ihn nicht ergründen.
Pfeif dir ein Liedchen, träume vor dich hin,
wie oft enthüllt im Un-Sinn sich der Sinn

(S.153)

Aus gegebenem Anlass …

…. und weil ich aufmerksam dem Wetterbericht gelauscht habe, stelle ich schon mal um:
auf Herbstgedanken!
Auf gemässigte Temperaturen, buntes Laub und lustige Weinfeste.

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Und ich kramte schon mal ein paar schöne Herbstgedichte hervor. Dieses hier mildert den Abschiedsschmerz vom nun vergangenen Sommer – ja, dieser Sommer war sehr groß.

Herbsttag

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg Deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke

Müdes Lied

Müdes Lied

Ich möchte schlafen, denn ich bin so müd,
und so müd und wund ist mein Glück.
Ich bin so allein – selbst mein liebstes Lied
ist fort und will nicht mehr zurück.

Schlaf ich einmal, so träume ich auch,
und Träume sind so wunderschön.
Sie zaubern einen lächelnden Hauch
auch übers schwerste Geschehn.

Träume tragen Vergessen mit sich
und schillernden bunten Tand.
Wer weiß es – vielleicht auch bannen sie mich
für ewig in ihr Land.

Selma Merbaum