Lieben lernen …

„Wenn wir von ´lieben lernen` sprechen, so ist es eigentlich die Aufmerksamkeit auf die Realität des Anderen, die zu lernen ist. “ Dorothee Sölle

Der Andere? Dorothee Sölle schreibt weiterhin:

Der furchtbare Tod der Beziehungslosigkeit

„Wir atmen noch, konsumieren weiter, wir scheiden aus, wir erledigen, wir produzieren, wir reden noch vor uns hin und leben doch nicht. … Alleinsein und dann alleingelassen werden wollen; keine Freunde haben und dann den Menschen misstrauen und sie verachten; die anderen vergessen und dann vergessen werden; für niemanden da sein und von niemandem gebraucht werden; um niemanden Angst haben und nicht wollen, dass einer sich Sorgen um einen macht; nicht mehr lachen und nicht mehr angelacht werden; nicht mehr weinen und nicht mehr beweint werden; der schreckliche Tod am Brot allein. … Das ist der Tod, von dem die Bibel spricht; der Mensch, für den die anderen nicht Reichtum bedeuten, Herausforderung, Glück, sondern Angst, Bedrohung, Konkurrenz, der Mensch, der von Brot allein lebt und daran stirbt, am Brot allein, von dem man nicht leben kann.“

Mir fällt dazu ein Märchen ein, das eigentlich keines ist. Die Realität beweist uns, dass es gerade heutzutage oftmals zutrifft, dass …..

Der alte Großvater und sein Enkel

Es war einmal ein steinalter Mann, dem waren die Augen trüb geworden, die Ohren taub, und die Knie zitterten ihm. Wenn er nun bei Tische saß und den Löffel kaum halten konnte, schüttete er Suppe auf das Tischtuch, und es floss ihm auch etwas wieder aus dem Mund. Sein Sohn und dessen Frau ekelten sich davor, und deswegen musste sich der alte Großvater endlich hinter den Ofen in die Ecke setzen, und sie gaben ihm sein Essen in ein irdenes Schüsselchen …; da sah er betrübt nach dem Tisch und die Augen wurden ihm nass.

Einmal auch konnten seine zitterigen Hände das Schüsselchen nicht fest halten, es fiel zur Erde und zerbrach. Die junge Frau schalt, er sagte aber nichts und seufzte nur. Da kauften sie ihm ein hölzernes Schüsselchen für ein paar Heller, daraus musste er nun essen.

Wie sie da so sitzen, trägt der kleine Enkel von vier Jahren auf der Erde kleine Brettlein zusammen. ‚Was machst du da?‘ fragte der Vater. ‚Ich mache ein Tröglein,‘ antwortete das Kind, ‚daraus sollen Vater und Mutter essen, wenn ich groß bin.‘

Da sahen sich Mann und Frau eine Weile an, fingen endlich an zu weinen, holten sofort den alten Großvater an den Tisch und ließen ihn von nun an immer mitessen, sagten auch nichts, wenn er ein wenig verschüttete.

Gebrüder Grimm (Grimms Märchenbuch)

Dieses Märchen berührt doch sehr, findet ihr nicht? Doch es hat ein Happy End.

Der Sozialphilosoph Jürgen Habermas jedoch ist der Meinung:

Wir verfügen noch nicht über eine „semantische Differenz“ zwischen dem, „was moralisch falsch, und dem, was zutiefst böse ist.“

Ich hoffe, er hat wenigstens in diesem Punkt Unrecht. Zumindest haben doch die meisten von uns schon früh gelernt : Du sollst Vater und Mutter ehren!

All dies waren spontan aufkommende Gedanken und Zwischenbetrachtungen, während ich das Buch „Mystik und Widerstand“ von Dorothee Sölle las. Ich bin damit immer noch nicht zu Ende, weil … ja, darum vielleicht:

„Ich glaube, man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, warum lesen wir dann das Buch?“ (Franz Kafka)

Und ich weiß auch noch …

Damals, als ich wieder einmal bei meiner Oma geschlafen habe, d.h. im „Gräbele“ zwischen Oma und Opa, habe ich mitbekommen (sie glaubten wohl, ich schlafe schon fest 🙂 ), wie mein Opa aus dem Bett stieg und um´s Doppelbett herum leise zu Oma schlich. Oma hatte an diesem Tag sehr viel gearbeitet. Sie hatte die Trauben von den Reben geschnitten und später in die Weinpresse geschichtet. Opa trank am liebsten seinen eigenen Wein und Oma sorgte dafür, dass er immer welchen hatte.

Natürlich wusste er, wie müde sie nun war und setzte sich zu ihr auf den Bettrand. Er strich ihr über´s Haar und flüsterte: „Keiner liebt dich so wie ich!“

Ich habe seine Worte genau gehört und das werde ich niemals vergessen. Obwohl ich noch ein Kind war und mir die Bedeutung noch nicht bewusst war, hat sich dies tief in mir eingeprägt. Heute weiß ich, es war die Wahrheit, die mein Opa sprach. Meine Großeltern haben sich sehr geliebt.

50-jähriges Jubiläum des „Abbey Road“-Covers … Erinnerungen

 

„I’ll never do you no harm, believe me darlin'“ …   ein Versprechen von meinem ersten „wahren Freund“, das er nie gebrochen hat. Wir besuchten damals zusammen die Realschule und er sang diesen Song auf dem Pausenhof. Ich höre noch immer seine Stimme, als wäre es erst gestern gewesen. Und wie süß er aussah mit seiner Beatles-Frisur und den schwarzen Schlag-Hosen. Mit einem unglaublich bezaubernden Lächeln stand er lässig vor mir, bewegte seinen Körper wiegend im Rhythmus und sah mich verliebt an. Ein bisschen ähnelte er Paul McCartney.

Am Wochenende war er Drummer in einer Rockband und liebte die Musik dieser für uns so wunderschönen Zeit – und er bewunderte die Beatles. Nur kurze Zeit später starb er … völlig unerwartet und noch so jung. Seine Worte von damals aber klingen in mir weiter, besonders diese: