Bei Ortheil denke ich an Schumann

 

Er schreibt Bücher, die mich beim Lesen immer „aufhorchen“ lassen. Bei seinem Buch „Die Erfindung des Lebens“, eines der berührendsten und schönsten Bücher, die ich von ihm gelesen habe,  hörte ich Bachs Italienisches Konzert und Schumanns C-Dur-Fantasie.

Die Musik führte ihn zur Sprache. Und daraus entstanden seine wundervollen Romane, die ich kennen- und lieben gelernt habe.

Nun lese ich „Musikmomente“, Ulrike Sokul hatte es kürzlich vorgestellt:

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/02/13/musikmomente/

und schon beim Lesen ihrer Buchbeschreibung ahnte ich, was dieses Buch mit mir tun würde: schon nach den ersten Seiten bin ich wieder in sein „Die Erfindung des Lebens“ versunken. In die Geschichte des kleinen Jungen, dessen Mutter „erstummt“ war und ihn auch stumm machte. Bis …

(Textauszug aus „Die Erfindung des Lebens“ Seite 69 und 75 von Hanns-Josef Ortheil)

Ich denke, während ich nun „Musikmomente“ weiterlese, werde ich oft das Buch zur Seite legen müssen, weil sich Szenen, Emotionen und Musik aus seinen anderen Romanen in mir auftun. Jedesmal wird die passende Musik dazu in mir erklingen.

Rachmaninov komponierte Bilder … Fantasie!

Das erste Stück dieser Bilderfolge, Barcarolle, bezieht seine Inspiration aus Lermontows Gondellied; es suggeriert das Geräusch der Wellen in der Abenddämmerung und den vergänglichen Charakter der Liebe. Das g-Moll-Stück beschreibt in den Arpeggien des Beginns die Wellenbewegungen, über denen im zweiten Klavier Fragmente einer Melodie aufklingen. Trillerfiguren leiten zu einem zentralen G-Dur-Abschnitt über; eine Melodie steigt wiederum über dem sich kräuselnden Wasser empor, bevor mit der Ausgangstonart die Stimmung des Beginns wiederkehrt.

Das zweite Bild, La nuit … l’amour (Nacht … Liebe), trägt als Motto ein Gedicht aus Lord Byrons Parisina, die Geschichte vom Schicksal der Titelheldin nach dem Bekanntwerden ihrer Liebesbeziehung zu dem unehelichen Sohn ihres Mannes.

Es ist die Stunde, da von den Zweigen

Der helle Klang der Nachtigall erschallt;

Die Stunde der süßen Schwüre der Liebenden

In jedem geflüsterten Wort;

Wenn sanfte Winde und nahe Quellen

Wie Musik im einsamen Ohr klingen.

In dieser Nachtmusik erhebt sich über gebrochenen Akkorden und intrikaten Figurationen, die das Geräusch von Wind und Wellen suggerieren, einsam der Gesang der Nachtigall. Nach einem dramatischen Höhepunkt sinkt die Musik in die Stille zurück.  (Quelle: http://www.piz.nmz.de/naxos/N_Texte/b557062gr.htm )

Hier die beiden ersten Bilder, hervorragend interpretiert von

Martha Argerich und Lilya Zilberstein-Rachmaninov, Suite No.1, op.5, I+II