Das Zeitfenster

 

Heute habe ich bei Karin (diesundasundnochvielmehr) ein sehr schönes Gedicht gelesen ( https://wordpress.com/read/feeds/35989744/posts/2159678325 ).

Ich erinnerte mich sofort an das mich tief berührende Buch „Präludium für Josse“ von Snorre Björkson und an eine bestimmte Stelle :

Damit ist der unwiederbringliche Augenblick der Annäherung vorbei und die Zeit des schwermütigen Erinnerns beginnt. Der Protagonist Holtes hängt in melancholischen Erinnerungen den vergangenen Sommertagen nach. Er hatte den Zeitpunkt verpasst und das Zeitfenster hat sich geschlossen.

Danach folgt das schöne Gedicht, das Karin dazu eingestellt hat:

„Wirst du dich an mich erinnern, in zehn Jahren
oder hundert?“ 

Es ist ein sehr romantisches und emotionales Buch – voller Musik und Liebe.

Il-ġurnata it-tajba!

 

Jien ma nitkellimx bil-malti.   ….  noch nicht, aber bald ein bisschen 🙂

(Ich schrieb: Guten Tag! Ich spreche nicht Maltesisch!)

Es kann auf keinen Fall schaden, vor der Einreise ein wenig die Landessprache zu kennen, also lerne ich das Wichtigste (außerdem schadet Lernen nie, egal was … na ja, mit wenigen Ausnahmen!)

Malti ist die Sprache Maltas. Sie ist aus einem arabischen Dialekt (Maghrebinisch) entstanden und gehört somit zu den semitischen Sprachen. Der Wortschatz wurde schon früh zunächst vom Italienischen und seit der Besetzung Maltas durch die Briten zunehmend vom Englischen beeinflusst. Dann kam noch Französisch und Spanisch hinzu. Also, eine sehr interessante Sprache. Durch meine bereits (mehr oder weniger) erlernten  Fremdsprachen Englisch, Französisch, Latein, Italienisch und Spanisch kommt mir vieles bekannt vor. Insofern fällt mir das Vokabellernen nicht allzu schwer. Es macht wirklich Spaß.

Aber ich beschäftige mich nicht nur mit der Landessprache, sondern auch mit der Musik, die in diesem Land gehört wird. Dabei träume ich mich in dieses Land hinein und male dabei   🙂

Zum Beispiel die Blaue Grotte und das wunderschöne bunte Boot, in dem ich dort sitzen werde. Umgeben und sanft gewiegt von blau-türkisenem Wasser. Ich kann es mir schon genau vorstellen …

Und an Musik höre ich unter anderem das Lied von Mellieħa. In der Nähe dieser Stadt werde ich während meines Aufenthaltes wohnen. Beim Zuhören kann ich mich schon mal an den Klang der Sprache gewöhnen – ja, sogar mitsingen, denn ich habe den Text gefunden:

Falls ihr auch mitsingen wollt, bitte schön  😉  – es ist eine Ode an die Schönheit des Ortes Mellieħa :
Il-Bajja tal-Mellieha

Jekk f‘ Malta hawn veduta ferm sabiha,
Bla dubju hija l-bajja tal-Mellieha,
Imzejna kollha gonna, sigar, fjuri,
Jittaxqu kemm l-awturi w il-pitturi

Il-Maltin imkabrin
B’din il-bajja tassew ferhanin
Ghax imzejna b’kull gmiel naturali,
Bahar kahlani, bl-eghlieqi imhadrin

Fis-sajf kulhadd imurlek sa l-Ghadira
Ghax f’Malta l-poplu taghha din jammira
Turisti bhal kull sena izuruha
Ukoll tifhir lilha huma jaghtuha

Il-Maltin imkabrin
B’din il-bajja tassew ferhanin
Ghax imzejna b’kull gmiel naturali,
Bahar kahlani, bl-eghlieqi imhadrin

Hemm tempju fil-quccata fuq il-gholja
Iffakrek f’jum il-festa tal-Vittorja
Santwarju ferm antik,.. bi storja kbira
Dan meta San Pawl gab il-fidi l-gzira

Il-Maltin imkabrin
B’din il-bajja tassew ferhanin
Ghax imzejna b’kull gmiel naturali,
Bahar kahlani, bl-eghlieqi imhadrin

Il-Maltin imkabrin
B’din il-bajja tassew…
Fer–ha–nin!

— New Cuorey

So, jetzt wisst ihr, was ich gerade so treibe. Dies alles gehört zu meiner Vorfreude   🙂

Da wollen wir doch mal besser scharf trennen!

 

Es war spät geworden. Im Zimmer war es ungewöhnlich dunkel. Kein Mond und kein Stern am Himmel milderte heute diese Finsternis. Nur auf dem Tisch leuchtete eine kleine Biedermeierlampe in schwachem Licht. Biedermeier, mit zarter Ziselierung und vielen Schnörkeln. Der Verstand, der am Tisch saß und gelangweilt in einem Gedichtband blätterte, mochte keine Schnörkel. Und er mochte auch die Poesie über das Leben und die Liebe nicht, welche ihm in diesem schmalzigen Gedichtband in rührseligen Phrasen aufgetischt wurde. Gleichgültig legte er das Buch zur Seite und stierte durchs Fenster in die ausdruckslose, farblose Nacht.

Ein tiefer Seufzer unterbrach durchdringend die monotone Stille. „Mein Gott, jetzt geht das schon wieder los“, nuschelte der Verstand.

Wie schon so oft lag das Herz müde und erschöpft auf dem alten Sofa und hing seinen aussichtslos verworrenen Gedanken nach.

„Habe ich dir nicht immer wieder gesagt, dass du deine Gefühlsduseleien für dich behalten sollst? Wer will das wissen, frage ich dich? Wer? Nun hast du wieder die Quittung für dein unrealistisches Agieren! Mache endlich deine Augen auf und nimm verstandesmäßig wahr, wie die Menschen wirklich ticken!“

„Die Augen öffnen?“, stammelte das verletzte Herz, „Antoine de Saint-Exupéry lehrte mich: Das Wesentliche ist unsichtbar für die Augen. Man sieht nur mit dem Herzen gut!“

„Ha, Exupéry, dieser Phantast! Dieser Gutmensch … hätte der mal seinen Verstand eingesetzt, dann wäre er nicht abgestürzt! Aber nein, er musste ja die Menschen aufklären mit seinen Aufklärungsflügen, dieser leidenschaftliche Schreiber, der sich sein Leben lang nicht zwischen Fliegen und poetischem Schreiben entscheiden konnte. Das hat er nun von seiner angeblichen Berufung, die Menschen mit seinen nebelhaften Weisheiten das Lieben lehren zu wollen! Ich frage mich wirklich, wann du endlich kapierst, dass man besser mit klarer Sicht und Verstand durch´s Leben geht. Ständig gerätst du an verrohte Menschen. Kronen der Schöpfung, ohne Emotionen, ohne Fantasie, ohne Illusionen, im Innersten völlig poesielos. Hast du es noch nicht oft genug erlebt? Es bereitet ihnen Vergnügen, zu vernebeln, zu blenden und zu täuschen. Und was machst du? Anstatt auf mich, deinen Verstand, zurückzugreifen, suchst du unermüdlich – und, wie unglaublich, mit geschlossenen Augen! – das Wesentliche, sprich, das Menschliche in ihnen. Ich habe es endgültig satt, das Drama, das sich daraus jedes Mal ergibt, mit dir zusammen auszubaden zu müssen. Hast du das verstanden?“

Wieder seufzte das Herz tieftraurig, während ihm große Tränen über die Wangen rollten. „Gib zu, du willst nicht mit mir zusammenarbeiten, verweigerst ein Miteinander – verleugnest dieses „Mit Herz und Verstand“. Ja sind wir denn nicht Eins? Warum sprichst du so mit mir und würdigst meine tiefsten Herzensgefühle herab. Ach, auch du bist verletzend! Sagte Mahatma Gandhi nicht: „Du und ich: Wir sind eins. Ich kann dir nicht wehtun, ohne mich zu verletzen.“ Oder war der etwa auch nur ein Phantast?“.

„Also da wollen wir doch mal ganz scharf trennen! Du bist viel zu emotional, unrealistisch und unvernünftig. Ich spreche dir ja nicht deine Gefühle ab, aber behalte sie gefälligst für dich! Denk dafür lieber mal nach und passe dich an! Die Menschen stehen immer im Konflikt und in Konkurrenz zueinander. Was willst du da mit Herzenswärme, oder gar Liebe, ausrichten? Liebe dich selbst, so wie das heutzutage jeder tut und mit dieser Strategie erstaunlich erfolgreich seinen Weg geht. Da arbeite ich auch gerne mit dir zusammen. Alles andere ist für mich undenkbar!“ Der Verstand verdrehte abgestumpft seine Augen.

„Anpassen?“, schrie das Herz entsetzt, „An wen? Etwa an die Ichsüchtigen, die Coolen, die Geldgierigen, die Besserwisser, die Angeber und Sprücheklopfer, die herzlos über die Gefühle der anderen spötteln? Und was heißt, alles andere ist undenkbar? Sonst hast du nichts dazu zu sagen?“

Der Verstand schüttelte kompromisslos den Kopf und entgegnete: „Ein Miteinander, wie du dir das vorstellst, ist unmöglich machbar! Ich bin Realist und sehe in Visionen und Wunschdenken keinen Sinn.“

Das Herz setzte sich augenblicklich selbstbewusst auf und trocknete die Tränen von den Wangen.
Trotzig wies es auf Worte hin, die es kürzlich gelesen hatte:

„Indem wir aussprechen,
was als undenkbar gilt,
erweitern wir unsere Vorstellung davon,
was machbar ist.“

© Markus Mirwald aus dem Buch „Der vielleicht größte Schatz“

Ja, darüber solltest du dir mal Gedanken machen, mein lieber Verstand!
Ich werde mich jedenfalls an eine gedanken- und gefühllose Welt nicht anpassen, zumal es noch andere Menschen gibt, die genau so denken wie ich.“

Daraufhin erhob sich das Herz und schlenderte hoffnungsfroh vor sich hinsingend zur Tür:

Als es dabei noch mal kurz zum Fenster zurückblickte, vor welchem der Verstand nun fassungslos stand, sah es, dass die Wolken in diesem Moment den Blick hinauf zu den Sternen freigaben. Beglückt dachte es an Charlie Chaplin und seine Worte:

„Wir brauchen uns nicht weiter
vor Auseinandersetzungen,
Konflikten und Problemen
mit uns selbst und anderen fürchten,
denn sogar Sterne knallen
manchmal aufeinander
und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich,
das ist das Leben!“

Zweifellos, dies war wohl wieder solch ein Moment, wo der Verstand fragt: „Was hast du nur gemacht?“ und das Herz lächelnd antwortet: „Einen Neuanfang!“