Nicht gepinselt, sondern gerollt …

 

… habe ich die Farben auf die Leinwand – mit einer kleinen Schaumstoffrolle. Und die Farbe zum Rollen habe ich mit den Fingern aufgetragen. Ich finde, das Bild kann sich sehen lassen …  meine Finger jetzt weniger.

Der Gedanke, der mich zum Motiv führte, war wie so oft ein Zitat:

„Durch Körper und Geist können wir Form und Klang der Dinge verstehen.
Sie wirken zusammen als eins.
Jedoch ist es nicht wie das Reflektieren eines Schattens in einem Spiegel,
oder wie der Mond, der sich im Wasser spiegelt.
Wenn Du nur auf eine Seite schaust, ist die andere dunkel.“

Dogen Zenji

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Ach, immer diese Belehrungen!

 

Zuerst sagte Ovid:

Ich ermahne dich, Ikarus,
dich auf mittlerer Bahn zu halten,
damit nicht, wenn du zu tief gehst,
die Wellen die Federn beschweren,
und wenn du zu hoch fliegst,
das Feuer sie versengt.
Zwischen beiden fliege.

… dann sagte Anke Maggauer-Kirsche :

wer hoch fliegt
sieht weiter

… und Joseph Victor von Scheffel meinte:

Ich wollt, mir wüchsen Flügel.

Also Ovid hatte ja recht, aber wie sollte dieser Ikarus auch mit diesem Federgestell fliegen – klarer Fall von Materialfehler! Das konnte ja nicht gut gehen und ich habe grosses Mitgefühl für ihn. Zumal ich mir immer wieder vorstelle, wie schön das Fliegen ist 🙂

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Entzündet …

 

Heute habe ich mal wieder meinen Pinsel spazieren geführt. Von einem bestimmten Punkt aus schlenderte er zunächst zur gegenüberliegenden Ecke, um sich von dort aus einen  Überblick zu verschaffen. Als er dann sah, was für eine weite, weisse Fläche sich vor ihm ausbreitete, hüpfte er vor lauter Freude kreuz und quer und rauf und runter, dass es nur so Funken sprühte. Unterwegs bekam er immer grösseren Durst und flehte mich andauernd um Wasser an. Dann meldete sich auch noch sein Hunger … nach fetter, sättigender Farbe. Er hatte Appetit auf warmes Orange und danach auf kühles Blau. Vom Weiss wollte er auch probieren und etwas Schwarz als Beilage dazu. Er rannte dabei von einem Napf zum anderen und konnte nicht genug bekommen. Überall hinterliess er dabei seine Spuren.

Ständig musste ich ihn darauf hinweisen, dass man mit vollem Mund nicht spricht, denn das tat er unaufhörlich und kleckerte natürlich dabei. Er erzählte alles, was er sah – unglaublich viel erblickte er mit seinem grossen blauen Auge.

Der Blick ins Universum zum Beispiel bezauberte ihn immer wieder –  entzündete ihn dermassen, dass die Flammen nur so hochloderten. Tausende kleine Staubteilchen stoben glühend in die Nacht hinein. Dieses Feuerwerk berauschte ihn und sein Auge folgte ruhelos jedem leuchtenden Pünktchen.

Gesättigt und erschöpft von diesem langen Spaziergang, liess er sich nach Stunden in ein entspannendes Wasserbad gleiten und schloss zufrieden sein Auge … zu mir sagte er noch:

„Wenn man die Natur wahrhaft liebt, so findet man es überall schön.“ und tauchte unter …. um gleich darauf nochmals aufzutauchen und hinzuzufügen:

„Bleib ja da! Ich hab dich im Auge!“

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