So ein Kamel!

 

Querulant oder Querdenker? Eines haben sie meistens gemeinsam: sie sind äußerst unbequem für die Gesellschaft. Sie hemmen unseren gewohnten Lebensfluss … kommen uns in die Quere, weil sie eben anders sind. Wer kennt nicht den Spruch, der zu diesen Gelegenheiten oft folgt: „So ein Kamel!“

„So ein Kamel!“, tobte der Kameltreiber und riss seine Arme hoch, als wollte er vom Allmächtigen schon wieder einmal Hilfe erbitten. Als sich jedoch nichts tat und sich der Himmel wie gewöhnlich nicht öffnete, sprang der aufgebrachte Mann von einem Bein auf das andere, dass der Wüstensand um ihn herum nur so staubte.
„Dieses Kamel hält mir mit seinem Querstand die ganze Karawane auf, wo wir ohnehin schon viel zu langsam sind. Wie soll ich da bis zum Morgen auf dem Basar sein? Heee, du Querulant, reihe dich sofort wieder in Laufrichtung ein, wie sich das für ein Kamel gehört!“
Das Kamel jedoch richtete sich augenblicklich noch querer aus, damit der Querwinkel exakt 90 Grad ergab. Dann blickte es den Kameltreiber tiefsinnig und äußerst welterfahren an: “Nicht Querulant, mein Lieber. Queeeeerdenker! Ich bin ein Querdenker! Ich suche und finde neue Wege, die schneller und bequemer zum Ziel führen.“
„Was bist du? Ein Querdenker? Ich habe in gutem Glauben ein Kamel gekauft, das schnurstracks in der Reihe läuft! Schau dir deine Brüder an und lerne von ihnen!“

„Meine Brüder sind sehr erschöpft und durstig. Sie sind so erschöpft, dass sie nicht einmal mehr den Kopf drehen können. Aber wie glücklich können sie sich schätzen, dass sie einen Querdenker in der Familie haben. Einen, der über den Tellerrand … ähm, über den Dünensand hinausschaut. Einen, der sich in der Wüste auskennt und der weiß, dass ein frisch getränktes Kamel bedeutend schneller läuft. Nur darum habe ich „quer“ gedacht und mich auch quer gestellt. Würdest du das auch tun, dann könntest du sehen, dass da drüben eine kleine Oase mit frischen Wasser ist. Wasser ist Leben und nicht nur das. Wir Kamele leben mit Wasser schneller … und laufen auch schneller!“

Der Kameltreiber erhob sofort, nachdem er das gehört hatte, seine Augen gen Himmel und sprach: „O Allmächtiger, wie danke ich dir, dass du mir diesen Querulanten … sorry, ich meinte natürlich Querdenker … mit auf den Weg gegeben hast. So ein kluges Kamel … ein querdenkendes!“

Den anderen Kamelen rief er dann hastig zu: „Aaaaachtung! Alles quergestanden! Wir marschieren zur Quelle. Und das nächste Mal denkt ihr gefälligst quer mit!“

Da blickte der querulante Querdenker sehr zufrieden drein, schüttelte kurz seinen wuschigen Höcker und trabte gemütlich mit seinen Brüdern auf die Oase zu.

„So ein Kamel!“, dachte es bei sich und blickte zum Kameltreiber hinüber, „Und jeden Tag kannst du einem begegnen. Die sterben nie aus … “

Gemälde und Text © chrinolo

Die Kunst kreist in meinen Gedanken und vollführt die tollsten Loopings …

 

Looping – kommt aus dem Englischen und bedeutet: eine Figur des Kunstflugs. Schön, ich steige ein und fliege mit. Da kenne ich keine Angst, denn ich liebe das Fliegen 🙂

„Kunst ist dazu da, den Staub des Alltags wegzuwischen“

Pablo Picasso

Oh ja, das kann die Kunst! Darum gebe ich mich ihr täglich hin, suche sie und freue mich, wenn ich dabei Menschen entdecke, deren Herz ebenso für die Kunst schlägt.

Gerade ist mir ein Gedicht begegnet, dessen Schöpfer ich nicht kenne. Sein Name ist Wolf Dietrich und sein Gedicht finde ich sehr schön:

Dich zu malen, klappt nicht mehr.
Dein Gesicht ist nur ein Schatten.
Doch gibt es Stunden, die wir hatten,
die zaubere ich mir manchmal her.
Dann spüre ich es, das Gefühl,
und lass mich wieder davon packen.
Sie bedeutete mir viel,
die kleine Kuhle da im Nacken.
Ich legte meinen Finger drauf.
Oft kam es vor, dass ich sie küsste.
Wieso taucht die Erinnerung auf?
Ach, als wenn ich das nicht wüsste.
– Wolf Dietrich

Er will ihr Gesicht malen!  …. ein Maler?

Mir fällt beim Namen -Wolf Dietrich sogleich ein Maler ein, von dem ich kürzlich gelesen/gehört hatte: Wolf Dietrich Hess aus Steinau. Er malt Märchenbilder zu den Märchen der Gebrüder Grimm (auch sie waren Künstler 🙂 ). Ich erinnere mich noch sehr gut an Steinau, an ihr Haus und den Märchengarten – alles habe ich besucht und bewundert. Und natürlich auch darüber berichtet – es war ein aufregender und geradezu märchenhafter Tag:

https://seelenglimmern.com/2015/11/12/es-war-zwanzig-nach-neun-in-steinau-an-der-strasse/

Den Märchenkalender mit den Bildern von Wolf Dietrich Hess gab es damals noch nicht, sonst könnte ich diesen jetzt auch bewundern. Er muss wunderschön sein – ich habe darüber gelesen – hier:

https://wochen-bote.de/2016/08/18/steinauer-maerchenkalender-vorgestellt/

Nun kreisen meine Gedanken um diesen Kalender … „Der Kalender kostet zehn Euro.  Das Verkehrsbüro bietet den Kalender ab sofort an.“ … hmmm, das Verkehrsbüro hat bis einschließlich 1. Januar 2018 geschlossen. Und wie soll ich jetzt auch dorthin kommen ….

Ah, da gibt es ja noch andere Verkaufsstellen, lese ich:

https://osthessen-news.de/n11545235/kuenstler-wolf-dietrich-hess-hat-steinauer-stadtansichten-als-kulisse-gewaehlt.html

Um Gottes Willen! Da steht noch: „Die Stadt Steinau ist Herausgeberin des Kalenders, der in einer limitierten Erstauflage von 1.000 Stück gedruckt wurde.“  NUR 1000 Stück! 😨

Na diesen wunderschönen Märchenkalender kann ich mir wahrscheinlich abschminken – die sind sicher schon alle weg ….

Das macht mich jetzt traurig – ich brauche dringend Musik! Auch darin finde ich die Kunst!

Schön, gell?   😌   ……

Hmmm …  vielleicht komme ich ja doch noch irgendwie an den Märchenkalender ran … wenn man sich etwas sehr, sehr wünscht, dann geht der Wunsch manchmal in Erfüllung. Ich könnte ja ans Universum schreiben und ein paar Infos mitschicken, wie ich darauf komme und woher ich das alles habe. Das wäre für’s Universum sicher hilfreich und würde Verwechslungen vorbeugen … denke ich mal! Ein bisschen was habe ich ja (manchmal denken Freunde in Sache Kunst an mich und schicken mir Infomaterial   😊 ), so wie hier:

… und da isses – ein Märchenbild von Wolf Dietrich Hess („Hess“ gefällt mir – das erinnert mich an Hesse, der ja auch malte … aussergewöhnlich schön sogar …. aber das ist eine andere Geschichte  😏  )

O.k., jetzt nochmal extra an das Universum zu schreiben wäre doppelt gemoppelt. Meine Gedanken sind eh‘ schon dort angekommen – mal warten, was sich tut. Bis es soweit ist, könnte ich ja ein bisschen malen   🎨   😃

Die Geschichte über die Glückseligkeit eines kleinen Bratapfels

 

Es war einmal ein kleiner Bratapfel, der duftend und sich seiner ganzen Schönheit bewusst, inmitten einer zauberhaften Winterlandschaft stand, die seinen Teller zierte.

Noch ganz trunken vor Glück, erinnerte er sich an seine Schöpfung, an die zwei liebevollen Hände, die ihm nicht nur äussere, sondern auch innere einzigartige Schönheit gaben. „Wie aussen, so innen und wie innen, so auch aussen“, dachte er zufrieden mit sich selbst. Beglückt schaute er zuerst prüfend an sich herunter und erhob dann seinen Blick nach oben – direkt in ein Paar glänzende, erwartungsvolle Augen hinein.

Diese strahlenden Augen betrachteten ihn gefällig von allen Seiten und er konnte den leichten Lufthauch fühlen, den eine Nase verursachte, die seinen köstlichen Duft einsog. Appetitlich und selbstbewusst dehnte und reckte sich der kleine Bratapfel, damit der faszinierte Betrachter den Anblick seiner Lieblichkeit ausgiebig bewundern und auskosten konnte. Diese Zeit, diese Augenblicke, waren wohl die schönsten in seinem ganzen Leben.

Doch plötzlich bemerkte er, dass er nicht alleine war. Ein riesiger Apfel-Blechkuchen hatte sich herablassend an seine Seite gesellt. Erschrocken blickte der kleine Bratapfel auf den Riesen, der ihm da furchterregend zu Leibe rückte. Der kleine Bratapfel wurde nun aber nicht etwa von Furcht, sondern eher von … ja, von Bedauern und Mitleid erfüllt. Er erinnerte sich nämlich sofort daran, was den erbarmungswürdigen grossen „Bruder“ erwartete. Und mit einer gewissen Trauer nahm der kleine Bratapfel wahr, dass bereits ein enormes Stück in der rechten unteren Ecke des Apfel-Blechkuchens fehlte. Einfach schrecklich war das – er hatte bereits seine Vollkommenheit verloren! Und noch schlimmer, auch der Rest würde nun, ziemlich schnell und kaum vom Verzehrer beachtet, verschwinden – Stück für Stück würde dieser arme Riese brutal einen Rachen hinabstürzen, direkt in einen gierigen Magen hinein!

Nein, mit solch grausigen, wenn auch absolut wirklichkeitsnahen Gedanken, wollte sich der kleine Bratapfel nicht länger beschäftigen. Sein Schicksal sah glücklicherweise etwas anderes für ihn vor …

Der kleine Bratapfel wandte sich klugerweise wieder den Augen zu, die ihn immer noch voller Hingebung und Lust betrachteten. Dies fühlte sich für den kleinen Bratapfel an, wie ein sanftes, abtastendes Streicheln seiner Haut, zart und schmelzend, wie sein Inneres, welches diese Augen jetzt voller Wertschätzung suchten.
Ein wohliger Schauer erfasste den kleinen Bratapfel und er flüsterte leise:

„Koste mich! Nimm mich liebend in dir auf, ich will gerne ein Teil von dir sein und in dir weiterleben.“

Die Augen lächelten ihn wohlwollend an und der kleine Bratapfel dachte glückselig:

„Wahre Schönheit ist, wenn jemandes Lächeln dich fesselt und gefangen nimmt und dessen Blick in dir etwas freisetzt, was urplötzlich ein wohliges Gefühl in dir aufkommen lässt. Dieser Zustand wird unweigerlich deine Seele berühren und deine Gedanken werden nur noch um dieses Lächeln kreisen!“
(Verfasser leider unbekannt, aber sehr schön!)

Nun sagt selbst, was kann einem kleinen Bratapfel an einem wunderschönen Wintertag Besseres passieren … 😉