Sommernachtsträume

 

Stundenlang könnte ich davon träumen. Atemlos, etwas erschöpft von der langen Autofahrt, stehe ich nun vor einem bezaubernden Barockschloss. An einem romantischen See gelegen, breitet es weit seine Flügel vor mir aus.

Ich drehe mich um und blicke auf eine von unzähligen Lichtern überbogte große Bühne. Mein Begleiter nimmt mich an der Hand und flaniert mit mir den Weg entlang, bis zur zweiten Stuhlreihe direkt vor der Bühne. Überwältigt und erwartungsvoll schaue ich mich um, während leise Töne an mir vorbeihallen – die Mitglieder des großen Orchesters stimmen ihre Instrumente. Die Britin Julia Jones, eine wundervolle Dirigentin, steht an der Seite und lächelt.

(Bildquellen: Pixaby  u. Wikipedia)

Plötzlich braust ein tosender Applaus auf, Begeisterung und Leidenschaft erfasst die große Menschenmenge, die speziell dieses großen Ereignisses wegen angereist ist.

Opern- und Klassik-Liebhaber dürfen sich auf ein ganz besonderes Konzert-Highlight freuen, auf ein hochkarätiges Programm …  auf den Spitzentenor Vittorio Grigòlo und  die ECHO Klassik-Preisträgerin Aida Garifullina , zwei Opernstars der Superlative, welche die schönsten Arien von Verdi, Puccini und Rossini interpretieren werden.

Und dann betritt er die Bühne, dieser hinreißende Tenor, und breitet weit seine Arme aus, um all die Menschen zu begrüßen, die sich nun seiner einzigartigen Stimme und der betörenden Musik großer Komponisten hingeben möchten, darin schwelgen und versinken, im Verlaufe einer zauberhaften Sommernacht unter einem sternenübersäten Firmament:

Bis August werde ich davon träumen und dann wird dieser Traum wahr   🙂  Ich habe mein Geburtstagsgeschenk mal wieder vorzeitig bekommen: ein Ticket ganz vorn in der zweiten Reihe (das Konzert in ziemlich ausverkauft) und da werde ich diesen großen Tenor live hören und erleben … und ich freue mich so!

 

Und dann sang die Sopranistin Sumi Hwang – Solistin an der Oper Bonn – die Hymne der Olympischen Spiele

 

Für mich war es ein Highlight. Bei der Eröffnung der Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang hat gestern eine Sopranistin aus dem Bonner Opernensemble gesungen. Die gebürtige Südkoreanerin Sumi Hwang bezauberte mit der traditionellen olympischen Hymne die vielen Menschen im Stadion wie auch vor den Bildschirmen.  Ein hinreißendes Bild, diese schöne, zauberhafte Frau in dem umwerfenden Kleid – und dann erst ihre hervorragende, raumfüllende Stimme.

Erstmals habe ich sie in einer Arie aus Madame Butterfly gesehen und gehört. Was für eine beeindruckende Stimme, dachte ich, wie talentiert sie ist. Ich war sehr berührt. Das ist schon eine Weile her:

Und nun sah und hörte ich sie bei der Eröffnungsfeier. Leider habe ich noch kein Video gefunden, das sie mit ihrem Auftritt bei der Eröffnungsfeier zeigt, außer dieses kleine Foto – vielleicht kann es euch einen kleinen Eindruck vermitteln:

Aber vielleicht habt ihr dies alles ja selbst gesehen   🙂

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„One of the U.K.’s most technically gifted classical crossover talents …

 

…  award-winning tenor Alfie Boe grew up in Blackpool, England.“

Was  ihn auszeichnet, sind überragende Topplatzierungen in den Klassikcharts – auch in den USA.

Ob Oper, Musical oder Folksongs – er singt mit Leidenschaft … auch in der Küche! 🙂
Wer würde sich von solch einem Tenor nicht gerne bekochen lassen … hier probte er wohl für sein Album „La Passione“, ein Album mit traditionellen italienischen Liedern.

Aber hier nun ein Highlight, das mir sofort unter die Haut ging – was für eine Stimme!

Aber er kann noch mehr:

Der intensivste Ausdruck menschlichen Gefühls

 

… so empfand er die Oper. Wie er sie kennen lernte, hat mich beim Lesen sehr berührt – es war ein liebevolles Opfer des Vaters an seinen Sohn. Was für ein Geschenk!
Beim Lesen fragte ich mich, ob dies heutzutage einen Sohn (auch den eines einfachen Arbeiters) noch in diesem Masse beeindrucken würde …  :

„Seit seiner Kindheit war Monsieur Jean von der Oper fasziniert. Einmal hatte ihn sein Vater mitgenommen nach Neapel. Es war das erste Mal gewesen, dass er Pucchini gehört hatte: Il Trittico, drei kurze Opern, Einakter, darunter Gianni Schicchi. Der kleine Giacomo war von der besonderen Atmosphäre, den leuchtenden Gesichtern, den prächtigen Kleidern der Besucherinnen auf den besseren Plätzen, den Herren in Fracks, all dem Goldlack, den samtbezogenen Sitzen und dem glitzernd schimmernden Licht so beeindruckt gewesen, dass er von der Musik kaum etwas bemerkt hatte. Alles das freilich hatte er nur von einem der Stehplätze über den Rängen, ganz oben unter der Decke erhaschen können, denn natürlich waren für einen  einfachen Arbeiter wie seinen Vater Karten einer besseren Kategorie vollkommen unerschwinglich gewesen. Selbst auf den billigen Plätzen (aber das hatte Monsieur Jean erst in sehr viel späteren Jahren erkannt) hatte sich sein Vater zweifellos unwohl gefühlt. Und auch die paar Lire, die er bezahlt hatte, um seinem Sohn einmal das überwältigende Erlebnis eines Opernabends zu bescheren, waren ein Opfer gewesen – ein Opfer an die Kunst im Allgemeinen und die Oper im Besonderen. Giacomo Piccoli senior liebte die Oper genau so sehr wie jeder Italiener. Wie tief sie auch bei ihm wirkte, spürte der Sohn, als er mit seinem Vater auf der Heimfahrt im Zug eng beieinander sass und dieser die ganze Strecke seinen Kopf an die Brust gedrückt hielt und, ihm zärtlich über die Haare streichend, die Melodie des O mio babbino caro ins Ohr summte. Wenige Monate später war sein Vater, ein Mann in kleinen Verhältnissen, jedoch mit einem grossen Herzen und Sinn für die schönen Dinge des Lebens, gestorben.
Seit jenem Abend aber war die Oper auch die grosse Liebe des Monsieur Jean.
Sie war ihm nicht nur Unterhaltung oder kulturelle Erbauung. Sie war ihm der intensivste Ausdruck menschlichen Gefühls. War ein Universum im Schatzkästchen. Die Oper versteht den Menschen besser als er sich selbst …“

(Textauszug aus Monsieur Jean und sein Gespür für Glück/Thomas Montasser)

 

O mein lieber Papa, 
höre, dass ich ihn wahrhaft liebe!
Ich geh zur Porta Rossa und kaufe dort ein Ringlein!
Jawohl, da will ich hingehen!
Doch wenn Ihr mir`s verweigert,
geh ich zum Ponte Vecchio, dort springe ich in den Arno!
Das Herz soll mir zerbrechen! O Himmel, wär ich doch tot!
Vater, erbarm Dich mein!

Die vielen Tränen, die im Spiel wir verhüllen, geknicktes Hoffen, – ein todwundes Herz …

Jonas Kaufmann mit der Lieblingsarie meines Vaters … oh, wie oft hat er sie gesungen und mich mit dieser Arie zum Opernlieben verführt. Damals hörte ich es von einer  alten LP und Beniamino Gigli sang … ich erinnere mich, als ob es erst gestern gewesen wäre. Und nun brilliert er mit diesem Meisterwerk:

Und genau so hörte sich das damals an – mit dem grossen Tenor Beniamino Gigli … ich glaub, jetzt muss ich weinen  – heute, am 30.April hätte mein Papa Geburtstag. Wie seltsam, dass ich gerade jetzt auf diese Arie stosse. Ich wollte doch nur nachschauen, was es bei Jonas Kaufmann Neues gibt ….

 

Deutsche Übersetzung
Bajazzo’s Lied

Jetzt spielen? Wo mich Wahnsinn umkrallet?
Wo kaum ich weiss zu stammeln, noch klar zu sehn!
Und doch: es muss sein –
Das Schicksal will’s.
Bah – bist Du denn ein Mann?
Bist nur Bajazzo!

Hüll’ Dich in Tand und schminke Dein Antlitz:
Man hat bezahlt ja – will lachen für’s Geld.
Und raubt der Arlequino Dir Deine Colombine,
Lache, Bajazzo, und alle werden Dich mit Beifall begrüßen.

Die vielen Tränen, die im Spiel wir verhüllen,
Geknicktes Hoffen, – ein todwundes Herz:
Ah – lach’ doch, Bajazzo, schneid’ tolle Grimassen,
Kennst kein Gefühl, bist ein Spielzeug zum Scherz!

So stelle ich mir Ergänzung vor …

 

… im harmonischen Wechsel. Zwei grosse Stimmen und jede ist einzigartig. Hoch und Tief finden sich und erklingen im Zusammenspiel als wunderschönes Ganzes. Und sie sind so sympathisch, die beiden 🙂

Das Publikum ist hingerissen und geniesst diesen besonderen Moment:
Jonas Kaufmann und Placido Domingo … und ein Lied, das immer noch um die Welt geht.

MANON

Schmerz, Wahrheit, Liebe, Tod … die Geschichte der Manon. Immer wieder aufgegriffen und herzzerreissend interpretiert. Es klingt nach, immer und immer wieder:

Wundervolle Grand Dame Kiri Te Kanawa

Lyrics (  http://www.murashev.com/opera/Manon_Lescaut_libretto_German_Act_2  )

MANON
Ach ja, ach ja! Hab’ ihn verlassen ganz
ohne Gruß und Kuß! Ach!
(sich in dem hocheleganten Salon umsehend)

Ach, in den kalten Spitzen
hier herrscht nur Pracht,
ödes Schweigen; o mich schaudert,
ich erfriere;
will kein Herz sich zärtlich zu mir neigen!
Einst kannt’ ich andre Wonnen,
von seel’ger Liebe war die Seele trunken,
die heißen Lippen suchten seine Küsse,
die Erde schien uns versunken!
Du meine stille Hütte,
dich seh’ im Geist ich wieder, weiß schimmernd,
traulich, zart umblüht von Flieder. In dem engsten
Raum genoß ich von Glück den Traum!