Ein Tag im Musée d’Art Moderne et Contemporain de Strasbourg

„Hast du noch die Fotos von Strassburg, als wir unseren Mädelstag ins Museum machten? Meine sind vom PC verschwunden!?“, wurde ich gefragt. Na ja, so ganz spontan fiel mir nicht ein, wo diese bei mir auf dem PC für ein Wiedersehen lagern, das war im August 2012! Es war auch nicht gerade einfach, diese wiederzufinden, zumal meine zwei alten PCs ziemlich lahm sind. Aber ich habe sie natürlich wiedergefunden – und es hat sich gelohnt. Schon beim ersten Foto fiel mir wieder alles ein, als wäre es gestern gewesen. Ein tolles Museum und ein fantastischer Mädelstag in einer der schönsten Städte, die ich kenne: Strassburg ! 🙂

Spass haben an der Kunst war unser Motto. Gut ausgerüstet mit Kameras und einer grossen Portion guter Laune gings los :

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Das Museum! Gross und weitläufig, schönes Ambiente und prall gefüllt mit bemerkenswerten und sonderbaren Werken. Natürlich konnte ich nicht alle fotografieren, aber das, was mich sehr ansprach, habe ich hier zur Erinnerung:

 

Jedes Werk hat seine spannende Geschichte. Hier zwei Beispiele, die mich doch ziemlich erstaunt und besinnlich gemacht haben.

Dieses Kleid – die Robe Barocco! Von Javier Perez aus getrockneten Kuh- und Rinderdärmen gefertigt … und Schnürsenkeln. Harte, spröde, getrocknete Därme! Mein Gott, dachte ich, wer mag denn SOWAS tragen? Und dann vor allem: wer hat schon sooo eine Taille   :

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Ja, und dann war da noch diese Skulptur: Affe und Delphin! Hmmm … was hat sich der Künstler wohl dabei gedacht?

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Das hat mich nun sehr interessiert und ich habe nachgeforscht. Dazu gibt es eine Fabel, die zum Nachdenken auffordern sollte:

„Le Single et le Dauphin“ von Jean-Désiré Ringel d’Illzach (1849–1916)

Diese Skulptur stand ursprünglich draußen in der Orangerie neben dem Pavillon Joséphine in Strassburg. Nachdem ein brutaler Irrer sie mit einem Hammer beschädigt hatte, wurde sie repariert und in Sicherheit gebracht. Heute steht sie nun im lokalen Museum.

Diese Skulptur zeigt die Szene eines Delfins, der einen Passagier eines schiffbrüchigen Bootes rettet.

Die Geschichte dahinter:

Der französische Schriftsteller La Fontaine, der sich u.a. auch mit Plinius beschäftigte, schrieb eine Fabel, die als Hintergrundsgeschichte zu dieser Skulptur diente.

Der Delphin und der Affe

Es war der Griechen Art und Weise,
Wenn uns nicht täuscht die alte Kunde,
Dass sie auf jede Meeresreise
Mitnahmen Affen und Gauklerhunde.
Einst stieß ein so gerüstetes Schiff
Nicht weit von Athen auf ein Felsenriff.
Es wäre alles umgekommen,
Wenn nicht Delphine mitgeschwommen.
Die sind uns Menschen sehr gewogen,
Sofern uns Plinius nicht belogen.
Sie retteten alle nach Möglichkeit.
Selbst einem der Affen, der Hilfe schreit,
Hat ein Delphin, den er betrogen
Durch seine Menschenähnlichkeit,
Den sichern Rücken hingebogen.
Der Affe stieg auf voll Ernst und Würde,
War wie Arion anzusehn.
Wie der Delphin nun seine Bürde
Gen Land trug, fragte er den Affen:
»Ihr seid wohl einer aus Athen?«
»Ja,« sagte der, »man kennt mich gut.
Habt Ihr dort einmal was zu schaffen,
Kommt nur zu mir. In Ansehn stehn
Wir dort, in unsern Händen ruht
Manch hohes Amt seit manchem Jahr,
Mein Vetter ist oberster Richter sogar.«
Da sagte Dank das Tier der Flut.
»So werdet Ihr auch hin und wieder,
Den herrlichen Piräus sehn?«
»Mein bester Freund ist der! So bieder
Wie er ist keiner in Athen.
Der Affe hatte, unwissend genug,
Den Namen, den der Hafen trug,
Für eines Menschen Namen genommen
Und schwatzte, wie es manchen gibt,
Der dreist von allem zu reden liebt,
Was er noch nie zu sehn bekommen.
Doch der Delphin erhob den Kopf,
Betrachtete sich den albernen Tropf
Und sah nun, daß er aus den Wogen
Nichts als ein Vieh herausgezogen.
Schnell warf er’s ab und suchte umher,
Ob nicht noch ein Mensch zu retten wär.

Jean de La Fontaine

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So ein Museumsbesuch fördert viele Geschichten zutage und ich liebe es, diesen dann nachzuspüren. Da gab es noch so einige, doch machten wir natürlich auch zwischendurch mehrere Päuschen, denn so viel Wissen muss sich zwischendurch setzen. Also ging es immer mal wieder raus aus dem Museum und rein ins wunderschöne Städchen …

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Also DIESER Tag war ein echtes Perlchen für mein Glücksschatzkästchen – ich möchte ihn nicht missen! 🙂

Schon wieder so ein Kopfloser …

… oh je !

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Kopflosigkeit ist, wenn du dich an den Kopf fassen willst,
aber ins Leere greifst.

© Fritz-J. Schaarschuh (*1935) deutscher Philologe und Aphoristiker

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… ich glaube, jetzt hat er ein Problem, denn es ist ja tatsächlich so,

wie © Stefan Schütz sagt:

Es ist nicht möglich, sich kopflos zu behaupten.

… und wie © Hermann Lahm dazu meint:

Kopflos verliert man am schnellsten sein Gesicht.

Daraus schliesse ich, © Manfred Hinrich hat recht !

Das ist eine ganz logische Folgerung …

Kopflos, tragisches Los.

Vagabundenleben

Ja, so ein Vagabundenleben finde ich auch gut und was bietet sich da besser an, als ein paar Urlaubstage im Herbst 😀

Das fiel mir natürlich gleich ein, als ich so vor mich hinlas – bei Freund Hesse bzw. in ihrem Buch: Sex mit Hermann Hesse/Felicitas Andresen, bei wem denn sonst? 😉

Ooooh, für ein gepflegtes  Vagabundenleben war er Spezialist und natürlich auch für Wein – und das nicht nur im Herbst. Ich lese:

„Wollt ihr mal wissen, was er über’s Weintrinken schreibt? Über den Wein, genau gesagt?

>>Wer ist so mächtig wie er? Wer ist so schön, so phantastisch, schwärmerisch, fröhlich und schwermütig? Er ist ein Held und Zauberer. Er ist ein Verführer und Bruder des Eros. Er vermag Unmögliches; arme Menschenherzen füllt er mit schönen und wunderlichen Dichtungen. Er hat mich zum Einsiedler und Bauern zum König, Dichter und Weisen gemacht.<<
und so geht’s noch lange fort.“

Eine inspirierende Stelle im Buch – dazu fallen mir doch gleich zwei Begebenheiten aus meiner Erlebniskiste ein. „Knulp“ … da schreibt er darüber und den treffe ich auch öfters, wenn ich in Calw bin

mit Knulp

Und natürlich das Literaturcafé in Montagnola, wo ich ihn und seinen schönen Spruch auf der Karte bewundert habe:

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Dann treffe ich noch auf eine Stelle im Buch, die mich besonders zum Schmunzeln bringt – als es Hesse mal wieder gepackt hat, das Vagabundenleben:

„dass H.H. eines Abends zu Fuss aufbrach, um der häuslichen Enge zu entkommen und auf Wanderschaft zu gehen, weit fort, wenigstens nach Amerika, um nie mehr heimzukehren. Er traf einen Zechbruder aus dem Nachbarort und sie kamen über Gundholzen nach Iznang, von uns aus gesehen also das über-übernächste Dorf. Dort begaben sie sich ins Wirtshaus Adler und leerten einen Schoppen auf die Daheimgebliebenen. Und dann noch einen Schoppen und noch einen. Es wurde lustig, es wurde spät und schliesslich liess sich H.H. eine Postkarte bringen und schrieb nach Gaienhofen an seine Frau:

„Auf meiner Reise durch die europäischen Kulturländer bin ich hier gelandet und schicke dir diesen Gruss. Leb wohl!“

Gegen Morgen machte er sich auf den Heimweg und als er später wieder ausgeschlafen am Schreibtisch sass, kam der Briefträger und brachte seiner Frau die Postkarte. Diese heitere Geschichte soll die Vagabundenseele von H.H. zeigen.

Ich kenne eine zweite Postkartengeschichte, die zeigt sie noch besser. Mias Mutter ist in Basel schwer an Krebs erkrankt, Mia wird von einem Kind entbunden, Mia hat zwei weitere kleine Kinder zu versorgen, Haus und Riesengarten, es ist Erntezeit, Mia muss zum Sterbebett der Mutter – H.H. fährt nach Indien und schickt aus Genua ebenfalls eine Postkarte (an Reinhold Geheeb):

„Still verlass ich dieses Hafens Becken, nun kann Europa mich am …“

Immer  wenn ich was Kritisches über ihn oder seine Bücher denke, folgt er mir mit den Augen, wo ich stehe, wohin ich gehe.“

Dieses Gefühl habe ich auch immer wieder, sobald ich mich mit ihm beschäftige … was er da oben wohl so denkt, wenn er auf uns herunterblickt?

Jedenfalls hätte er Verständnis für mein Bedürfnis nach wenigstens ein bisschen Vagabundenleben …

z.B. für eine kleine Tour in die Pfalz um diese Zeit – mmmhh, Weinlese! Und ins Wolfsgehege nach Worms wollte ich ohnehin. 😀

Also dann: „O du, der du beim vollen Becher sitzest und nicht trinkst, o sage mir, auf wen wartest du noch?“  ……