Vagabundenleben

Ja, so ein Vagabundenleben finde ich auch gut und was bietet sich da besser an, als ein paar Urlaubstage im Herbst 😀

Das fiel mir natürlich gleich ein, als ich so vor mich hinlas – bei Freund Hesse bzw. in ihrem Buch: Sex mit Hermann Hesse/Felicitas Andresen, bei wem denn sonst? 😉

Ooooh, für ein gepflegtes  Vagabundenleben war er Spezialist und natürlich auch für Wein – und das nicht nur im Herbst. Ich lese:

„Wollt ihr mal wissen, was er über’s Weintrinken schreibt? Über den Wein, genau gesagt?

>>Wer ist so mächtig wie er? Wer ist so schön, so phantastisch, schwärmerisch, fröhlich und schwermütig? Er ist ein Held und Zauberer. Er ist ein Verführer und Bruder des Eros. Er vermag Unmögliches; arme Menschenherzen füllt er mit schönen und wunderlichen Dichtungen. Er hat mich zum Einsiedler und Bauern zum König, Dichter und Weisen gemacht.<<
und so geht’s noch lange fort.“

Eine inspirierende Stelle im Buch – dazu fallen mir doch gleich zwei Begebenheiten aus meiner Erlebniskiste ein. „Knulp“ … da schreibt er darüber und den treffe ich auch öfters, wenn ich in Calw bin

mit Knulp

Und natürlich das Literaturcafé in Montagnola, wo ich ihn und seinen schönen Spruch auf der Karte bewundert habe:

P1090271

Dann treffe ich noch auf eine Stelle im Buch, die mich besonders zum Schmunzeln bringt – als es Hesse mal wieder gepackt hat, das Vagabundenleben:

„dass H.H. eines Abends zu Fuss aufbrach, um der häuslichen Enge zu entkommen und auf Wanderschaft zu gehen, weit fort, wenigstens nach Amerika, um nie mehr heimzukehren. Er traf einen Zechbruder aus dem Nachbarort und sie kamen über Gundholzen nach Iznang, von uns aus gesehen also das über-übernächste Dorf. Dort begaben sie sich ins Wirtshaus Adler und leerten einen Schoppen auf die Daheimgebliebenen. Und dann noch einen Schoppen und noch einen. Es wurde lustig, es wurde spät und schliesslich liess sich H.H. eine Postkarte bringen und schrieb nach Gaienhofen an seine Frau:

„Auf meiner Reise durch die europäischen Kulturländer bin ich hier gelandet und schicke dir diesen Gruss. Leb wohl!“

Gegen Morgen machte er sich auf den Heimweg und als er später wieder ausgeschlafen am Schreibtisch sass, kam der Briefträger und brachte seiner Frau die Postkarte. Diese heitere Geschichte soll die Vagabundenseele von H.H. zeigen.

Ich kenne eine zweite Postkartengeschichte, die zeigt sie noch besser. Mias Mutter ist in Basel schwer an Krebs erkrankt, Mia wird von einem Kind entbunden, Mia hat zwei weitere kleine Kinder zu versorgen, Haus und Riesengarten, es ist Erntezeit, Mia muss zum Sterbebett der Mutter – H.H. fährt nach Indien und schickt aus Genua ebenfalls eine Postkarte (an Reinhold Geheeb):

„Still verlass ich dieses Hafens Becken, nun kann Europa mich am …“

Immer  wenn ich was Kritisches über ihn oder seine Bücher denke, folgt er mir mit den Augen, wo ich stehe, wohin ich gehe.“

Dieses Gefühl habe ich auch immer wieder, sobald ich mich mit ihm beschäftige … was er da oben wohl so denkt, wenn er auf uns herunterblickt?

Jedenfalls hätte er Verständnis für mein Bedürfnis nach wenigstens ein bisschen Vagabundenleben …

z.B. für eine kleine Tour in die Pfalz um diese Zeit – mmmhh, Weinlese! Und ins Wolfsgehege nach Worms wollte ich ohnehin. 😀

Also dann: „O du, der du beim vollen Becher sitzest und nicht trinkst, o sage mir, auf wen wartest du noch?“  ……

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