Manche Gläser können schreiben …

 

 

Jetzt habe ich endlich seine Erzählung gelesen: „Das schreibende Glas“. Darunter konnte ich mir so gar nichts vorstellen und war schon sehr gespannt. Nun habe ich das Büchlein mit dieser schönen Erzählung. Interessant war es schon am Anfang. Da las ich:

„Im Haus der Freunde waren nur die Frauen da, der Vater verreist.
Wir ruhten und wurden gespeist, es gab Wein, Kaffee, Zigaretten.“ … hmmm …

… nochmal: „Wir ruhten und wurden gespeist, es gab Wein, Kaffee, Zigaretten.“

Ja gut, aber die Speise zum Speisen? Zum Speisen muss doch etwas zwischen die Zähne, eine Kleinigkeit zum Kauen und Hinunterschlucken. Also solch eine Gastfreundschaft wundert mich jetzt sehr.

Lieber Hermann, dass DU davon satt wirst, will ich ja nicht bestreiten – mit DIR würde ich überhaupt nie streiten, denn gegen deinen Eigensinn komme ich eh‘  nicht an –  aber ICH würde dabei ganz elendiglich verhungern.

Ich habe das Lesen unterbrochen und erst mal nachgedacht. Dabei habe ich gemalt: Hugo, Emmy und Lisa – und natürlich das schreibende Glas, das auf den Kreis mit den Buchstaben wartete.

Dann ging es endlich weiter … im Buch! 😉
Da sind noch mehr schöne Erzählungen drin – genauer gesagt acht!

Ein bisschen Luxus braucht der Mensch …

 

Der Garten ist der letzte Luxus unserer Tage,
denn er erfordert das,
was in unserer Gesellschaft am kostbarsten ist,
Zeit, Zuwendung und Raum.

(Prof. Dr. Ing. Dieter Kienast 1945 – 1998)

Ich habe Salat und Kohlrabi gepflanzt und andere Gemüse eingesät, das brauchte Zeit.  Meinem Garten habe ich auf dem Grundstück genügend Raum gegeben. Dann habe ich wieder die prächtigen Blüten bewundert, ihnen meine ganze Zuwendung geschenkt. Den Veilchen und Vergissmeinnicht … und lies meine Gedanken fliessen:
„Das gute Veilchen schätz ich sehr:
Es ist so gar bescheiden
Und duftet so schön; doch brauch ich mehr
In meinen herben Leiden. […]

Wenn sie ein blaues Blümchen bricht
Und immer sagt: Vergiß mein nicht!
So fühl ichs in der Ferne.“   (aus Johann Wolfgang Goethe: Gedichte – Das Blümlein Wunderschön)

…  ich laufe weiter durch meinen Garten, blicke auf zu den zarten, weissen Kirschblüten und mir fällt weiter ein:

„Wir ebnen den gegrabenen Boden, ziehen schöne glatte Reihen nach der Schnur, worein die Samen kommen sollen, und in den Blumenrabatten verteilen wir voraussehend die Farben und Formen, häufen Blau und Weiß, schmettern ein lachendes Rot dazwischen, säumen die Pracht hier mit Vergißmeinnicht und dort mit Reseden … “  (Hermann Hesse)

„schmettern ein lachendes Rot dazwischen“  … ich muss lachen, wenn ich an ihn denke und schaue mich nach Rot um. Ja, dort sind sie – knallrote Tulpen! Sie nicken mir zu und verneigen sich artig …

„Und mit der fortschreitenden Arbeit legen sich die törichten Freudewogen und werden ruhig, und wunderlich ergreift uns dies kleine, harmlose Gartenwesen mit Anklängen und Gedanken anderer Art. Es ist ja etwas von Schöpferlust und Schöpfer- übermut beim Gartenbau; man kann ein Stückchen Erde nach seinem Kopf und Willen gestalten, man kann sich für den Sommer Lieblingsfrüchte, Lieblingsfarben, Lieblingsdüfte schaffen. Man kann ein kleines Beet, ein paar Quadratmeter nackten Bodens zu einem Gewoge von Farben, zu einem Augentrost und Paradiesgärtlein machen. “  … er hat ja so Recht, dieser wundervolle Dichter, Maler und Gärtner 🙂

Ich habe dann die Kamera geholt und ein paar Bildchen gemacht 🙂 :

Ach ja,  „Ist es nicht ein Elend: fünf lange dunkle Monate ohne Garten, ohne Duft, ohne Blumen, ohne grünes Laub! Aber nun beginnt das alles wieder, und wenn auch heute der Garten noch öde liegt, so ist für den, der darin arbeitet, doch alles im Keim und in der Vorstellung schon da. Die Beete haben Leben, hier wird lichtgrüner Lattich stehen, da die lustigen Erbsen, dort die Erdbeeren. Wir ebnen den gegrabenen Boden, ziehen schöne glatte Reihen nach der Schnur, worein die Samen kommen sollen … “ , sagte dann noch Freund Hermann und arbeitete voller schöpferischer Lust und Freude weiter 🙂

 

Kleiner Nachtrag zum Museumsbesuch – Ersilias Lied

 

Das leise Lied von Ersilia – ich hatte im Buch darüber gelesen und im Museum ist mir die Geschichte wieder begegnet. Nun wollte ich es auch hören.

“ „Ich werde doch wieder malen,“ sagte Klingsor, „schon morgen. Aber nicht mehr diese Häuser und Leute und Bäume. Ich male Krokodile und Seesterne, Drachen und Purpurschlangen, und alles im Werden, alles in der Wandlung, voll Sehnsucht, Mensch zu werden, voll Sehnsucht, Stern zu werden, voll Geburt, voll Verwesung, voll Gott und Tod.“

Mitten durch seine leisen Worte und durch die aufgewühlte trunkne Stunde klang tief und klar Ersilias Stimme, still sang sie das Lied vom bel mazzo di fiori vor sich hin, Friede strömte von ihrem Liede aus, Klingsor hörte es wie von einer fernen schwimmenden Insel über Meere von Zeit und Einsamkeit herüber. Er drehte seine leere Weintasse um, er schenkte nimmer ein. Er hörte zu. Ein Kind sang. Eine Mutter sang. War man nun ein verirrter und verruchter Kerl, im Schlamm der Welt gebadet, ein Strolch und Luder, oder war man ein kleines dummes Kind?“ (Textauszug aus „Klingsors letzter Sommer“)

Übrigens, wer das Buch noch nicht kennt, kann es hier lesen:
http://gutenberg.readingroo.ms/4/2/3/3/42338/42338-h/42338-h.htm

Nun aber das Lied. Der kleine Blumenstrauß ist ein italienisches Volkslied , von einem anonymen Autor 1904 komponiert. Dieses Lied, obwohl es keine Beziehung zum Krieg hatte, wurde von den Alpini (italienische Gebirgsjäger) während des Ersten Weltkrieges gesungen und wurde seitdem berühmt. 

Das Lied veröffentlichte  Gigliola Cinquetti im Jahr 1972 in einem Album.