Kleiner Nachtrag zum Museumsbesuch – Ersilias Lied

 

Das leise Lied von Ersilia – ich hatte im Buch darüber gelesen und im Museum ist mir die Geschichte wieder begegnet. Nun wollte ich es auch hören.

“ „Ich werde doch wieder malen,“ sagte Klingsor, „schon morgen. Aber nicht mehr diese Häuser und Leute und Bäume. Ich male Krokodile und Seesterne, Drachen und Purpurschlangen, und alles im Werden, alles in der Wandlung, voll Sehnsucht, Mensch zu werden, voll Sehnsucht, Stern zu werden, voll Geburt, voll Verwesung, voll Gott und Tod.“

Mitten durch seine leisen Worte und durch die aufgewühlte trunkne Stunde klang tief und klar Ersilias Stimme, still sang sie das Lied vom bel mazzo di fiori vor sich hin, Friede strömte von ihrem Liede aus, Klingsor hörte es wie von einer fernen schwimmenden Insel über Meere von Zeit und Einsamkeit herüber. Er drehte seine leere Weintasse um, er schenkte nimmer ein. Er hörte zu. Ein Kind sang. Eine Mutter sang. War man nun ein verirrter und verruchter Kerl, im Schlamm der Welt gebadet, ein Strolch und Luder, oder war man ein kleines dummes Kind?“ (Textauszug aus „Klingsors letzter Sommer“)

Übrigens, wer das Buch noch nicht kennt, kann es hier lesen:
http://gutenberg.readingroo.ms/4/2/3/3/42338/42338-h/42338-h.htm

Nun aber das Lied. Der kleine Blumenstrauß ist ein italienisches Volkslied , von einem anonymen Autor 1904 komponiert. Dieses Lied, obwohl es keine Beziehung zum Krieg hatte, wurde von den Alpini (italienische Gebirgsjäger) während des Ersten Weltkrieges gesungen und wurde seitdem berühmt. 

Das Lied veröffentlichte  Gigliola Cinquetti im Jahr 1972 in einem Album. 

Ein Tag im Musée d’Art Moderne et Contemporain de Strasbourg

„Hast du noch die Fotos von Strassburg, als wir unseren Mädelstag ins Museum machten? Meine sind vom PC verschwunden!?“, wurde ich gefragt. Na ja, so ganz spontan fiel mir nicht ein, wo diese bei mir auf dem PC für ein Wiedersehen lagern, das war im August 2012! Es war auch nicht gerade einfach, diese wiederzufinden, zumal meine zwei alten PCs ziemlich lahm sind. Aber ich habe sie natürlich wiedergefunden – und es hat sich gelohnt. Schon beim ersten Foto fiel mir wieder alles ein, als wäre es gestern gewesen. Ein tolles Museum und ein fantastischer Mädelstag in einer der schönsten Städte, die ich kenne: Strassburg ! 🙂

Spass haben an der Kunst war unser Motto. Gut ausgerüstet mit Kameras und einer grossen Portion guter Laune gings los :

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Das Museum! Gross und weitläufig, schönes Ambiente und prall gefüllt mit bemerkenswerten und sonderbaren Werken. Natürlich konnte ich nicht alle fotografieren, aber das, was mich sehr ansprach, habe ich hier zur Erinnerung:

 

Jedes Werk hat seine spannende Geschichte. Hier zwei Beispiele, die mich doch ziemlich erstaunt und besinnlich gemacht haben.

Dieses Kleid – die Robe Barocco! Von Javier Perez aus getrockneten Kuh- und Rinderdärmen gefertigt … und Schnürsenkeln. Harte, spröde, getrocknete Därme! Mein Gott, dachte ich, wer mag denn SOWAS tragen? Und dann vor allem: wer hat schon sooo eine Taille   :

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Ja, und dann war da noch diese Skulptur: Affe und Delphin! Hmmm … was hat sich der Künstler wohl dabei gedacht?

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Das hat mich nun sehr interessiert und ich habe nachgeforscht. Dazu gibt es eine Fabel, die zum Nachdenken auffordern sollte:

„Le Single et le Dauphin“ von Jean-Désiré Ringel d’Illzach (1849–1916)

Diese Skulptur stand ursprünglich draußen in der Orangerie neben dem Pavillon Joséphine in Strassburg. Nachdem ein brutaler Irrer sie mit einem Hammer beschädigt hatte, wurde sie repariert und in Sicherheit gebracht. Heute steht sie nun im lokalen Museum.

Diese Skulptur zeigt die Szene eines Delfins, der einen Passagier eines schiffbrüchigen Bootes rettet.

Die Geschichte dahinter:

Der französische Schriftsteller La Fontaine, der sich u.a. auch mit Plinius beschäftigte, schrieb eine Fabel, die als Hintergrundsgeschichte zu dieser Skulptur diente.

Der Delphin und der Affe

Es war der Griechen Art und Weise,
Wenn uns nicht täuscht die alte Kunde,
Dass sie auf jede Meeresreise
Mitnahmen Affen und Gauklerhunde.
Einst stieß ein so gerüstetes Schiff
Nicht weit von Athen auf ein Felsenriff.
Es wäre alles umgekommen,
Wenn nicht Delphine mitgeschwommen.
Die sind uns Menschen sehr gewogen,
Sofern uns Plinius nicht belogen.
Sie retteten alle nach Möglichkeit.
Selbst einem der Affen, der Hilfe schreit,
Hat ein Delphin, den er betrogen
Durch seine Menschenähnlichkeit,
Den sichern Rücken hingebogen.
Der Affe stieg auf voll Ernst und Würde,
War wie Arion anzusehn.
Wie der Delphin nun seine Bürde
Gen Land trug, fragte er den Affen:
»Ihr seid wohl einer aus Athen?«
»Ja,« sagte der, »man kennt mich gut.
Habt Ihr dort einmal was zu schaffen,
Kommt nur zu mir. In Ansehn stehn
Wir dort, in unsern Händen ruht
Manch hohes Amt seit manchem Jahr,
Mein Vetter ist oberster Richter sogar.«
Da sagte Dank das Tier der Flut.
»So werdet Ihr auch hin und wieder,
Den herrlichen Piräus sehn?«
»Mein bester Freund ist der! So bieder
Wie er ist keiner in Athen.
Der Affe hatte, unwissend genug,
Den Namen, den der Hafen trug,
Für eines Menschen Namen genommen
Und schwatzte, wie es manchen gibt,
Der dreist von allem zu reden liebt,
Was er noch nie zu sehn bekommen.
Doch der Delphin erhob den Kopf,
Betrachtete sich den albernen Tropf
Und sah nun, daß er aus den Wogen
Nichts als ein Vieh herausgezogen.
Schnell warf er’s ab und suchte umher,
Ob nicht noch ein Mensch zu retten wär.

Jean de La Fontaine

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So ein Museumsbesuch fördert viele Geschichten zutage und ich liebe es, diesen dann nachzuspüren. Da gab es noch so einige, doch machten wir natürlich auch zwischendurch mehrere Päuschen, denn so viel Wissen muss sich zwischendurch setzen. Also ging es immer mal wieder raus aus dem Museum und rein ins wunderschöne Städchen …

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Also DIESER Tag war ein echtes Perlchen für mein Glücksschatzkästchen – ich möchte ihn nicht missen! 🙂

Ein Dichter als Maler, ein Maler als Dichter

Magie der Farben
Gottes Atem hin und wieder,
Himmel oben, Himmel unten,
Licht singt tausendfache Lieder,
Gott wird Welt im farbig Bunten,
Weiss zu Schwarz, und Warm zum Kühlen
Fühlt sich immer neu gezogen,
Ewig aus chaotischem Wühlen,
Klärt sich neu der Regenbogen.
So durch unsre Seele wandelt
Tausendfach in Qual und Wonne
Gottes Licht, erschafft und handelt,
Und wir preisen Ihn als Sonne.
Hermann Hesse
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Dieser Teil der Ausstellung hat mich ganz besonders berührt und Emotionen ausgelöst. Er malte den Luganer See und das Casa Camuzzi, das ich besucht habe – sein wunderschönes Tessin, das er in strahlenden Farben darstellte. Er hat es so geliebt. Ich schaue mir oft meine Fotos an, auch seine Gemälde in Büchern. Aber es ist um ein vielfaches bezaubernder, seine Originale vor Augen zu haben … vollkommen zugetan und entflammt stand ich da und staunte:

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… mir gingen die Worte eines Vortrages durch den Kopf, während ich die Gemälde betrachtete. Es war ein Vortrag anlässlich des 9. Hermann Hesse Colloquiums im Mai 1997, der mich sehr beeindruckt hat – ich habe ihn nachträglich im Internet gelesen:

http://www.gss.ucsb.edu/projects/hesse/papers/limberg-r.html

Ich lese viel über die Gründe, die diese starke Wirkung des Malens auf ihn hatten.

Nicht nur das Bilder betrachten selbst bereitet mir grosse Freude, sondern ich male auch gerne selbst. Und natürlich habe ich den Luganer See gemalt, nachdem ich wieder zuhause war … nicht so meisterhaft wie er, aber darauf kommt es bei mir auch gar nicht an. Seine rote Bank war mir wichtig, auf der er sass und auf der dann ich sass und alles mögliche „ersann“:

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Und weil Bilder mehr sagen als Worte, habe ich auch alles fotografiert, das mir heute erzählen kann, wie schön sein Tessin doch ist. Und das Casa Camuzzi und das Grotto, in dem er so gerne „gezecht“ hat … und in das auch ich eingekehrt bin 🙂

Seine Gemälde üben jetzt einen ganz besonderen Zauber auf mich aus. Ich versinke darin, habe wieder alles vor Augen, was ich dort gesehen habe – blühende Landschaften, seine Literatur, in die ich mich dort unglaublich vertieft habe:

… und mir wird wieder meine Traurigkeit bewusst, als ich seine letzte Station besuchte, wo er zur ewigen Ruhe gebettet wurde. Ein sehr schöner Ort, den er sich ausgesucht hat, ganz in der Nähe seiner liebsten Freunde Emmy und Hugo Ball …

Beeindruckend, wie viel mir dieser Teil der Ausstellung gegeben hat. Ich habe so viel gesehen, das mich wieder in seine Welt eintauchen liess. Doch er sagte ja selbst: „… nie habe ich so schön gewohnt wie im Tessin!“

Ja, es war wunder-wunderschön   🙂

Im nächsten Eintrag werde ich über seine handschriftliche Literatur berichten … seine Handschrift. Schade, dass alles unter Glas war, ich hätte sie so gerne mal berührt …