Ich stehe vor ihrer gerade voll entfalteten Schönheit, atme ihren betörenden, süsslich – angenehmen Duft
… und denke an „ihre“ Worte:
„Ich weiß, dein Gang ist sinnlos, doch die Lieben liebst du recht.“
Ismene, die Schwester von Antigone in Sophokles Drama „Antigone“, ist hilflos, schwach und der gesetzlichen Obrigkeit hörig, während Antigone den Gesetzen der Götter folgt – den Gesetzen der Liebe!
Im Drama geht es um den Konflikt zwischen Familie und Staat, um Sitte und Moral und um die Stellung der Frau (die nichts zu sagen hat und verpflichtet ist, sich dem Mann zu unterwerfen). Nach wie vor ein aktuelles Thema 😉
Ich blicke auf die Schönheit von „Ismene“, auf „meine“ Ismene, die so viele Gedanken in mir auslöst … an die grausamen Taten eines Tyrannen (sogenannte „Lebenspartner“, wie es sie auch heute noch gibt), der sein Unrecht erst zu spät einsieht und an die mutige, selbstbewusste Antigone, für die die Liebe das Allerhöchste ist. So wertvoll, um dafür zu sterben.
In der Blumensprache bedeutet „Ismene“: Erfolg verbotener Liebe. (am Ende ist es die Liebe, die siegt)
Man nennt die Ismene auch „Peruanische Narzisse“ und für die weisse Narzisse steht die Bedeutung:
„Bewunderung – Meine Liebe zu dir ist aussichtslos. Meine Unvergängliche Sehnsucht nach dir.“
Bernard Mandeville – ein lesenswerter und im besten Sinne „moderner“ Autor, las ich.
„Hätte es im London des Jahres 1714 schon Bestsellerlisten gegeben, dann wäre der oberste Platz mit Sicherheit monatelang von einem Büchlein besetzt worden, dessen Titel auf eine hübsche kleine Tiergeschichte schließen ließ. „Die Bienenfabel“ stand harmlos auf dem Umschlag dieser Broschüre. Doch der Stachel steckte im Untertitel … „
Damit begann dann wieder das Assoziieren … etwas gedanklich miteinander in Verbindung bringen. Giotto, Montaigne, Hume, Voltaire – und Bernard Mandeville!
Die Gesellschaft … Tugend, Anstand, Sitte und Moral, ja in was für einer Welt lebe ich denn?
Von ihm stammen die Worte: „Wer wünscht, dass eine goldene Zeit zurückehrt,
sollte nicht vergessen: Man musste damals Eicheln essen.“
Ich schaute wieder dieses Foto an und erinnerte mich, dass sie ziemlich lange auf der Blüte sass – ja, manche können nicht genug kriegen, beladen sich mit so viel Last, dass sie kaum noch fliegen können – und hatte das Bedürfnis, nochmals die „Bienenfabel“ zu lesen:
Es ist nach wie vor aktuell, was ich da lese. Und die Moral von der Geschicht: Menschen lernen aus ihren Lektionen nicht! Die Worte alter Meister, verscheuchen sie wie unerwünschte Geister.
(das sind Worte von mir!)
Viele Antworten stecken in Mandeville’s Bienenfabel. Vielleicht für den einen oder anderen ein Anreiz, mal wieder darüber nachzudenken? Im Bezug auf das menschlichen Miteinander?
In einem interessanten Artikel las ich gerade:
„Es gibt nichts so allgemein Unverfälschtes auf Erden wie die Liebe, die jedes Geschöpf, das ihrer fähig ist, zu sich selbst hegt. Da es ferner keine Liebe ohne gleichzeitiges Streben nach Erhaltung des geliebten Gegenstandes gibt, so wird man in keinem lebenden Wesen etwas finden, was aufrichtiger gemeint wäre als sein Wille, Wunsch und Bemühen, das eigene Selbst zu erhalten. Dies ist ein Naturgesetz.“ Der Selbsterhaltungstrieb, der die Konkurrenz zu anderen Menschen einschließt, klammert damit aber nicht die Neigung zur Geselligkeit aus. Allerdings erkennt Mandeville beim zwischenmenschlichen Umgang weder einen allgemeinen Trieb zur Geselligkeit noch zu altruistischen Handlungen. Zwar sei der Mensch ein Lebewesen, das sich mit seinesgleichen zu großen Gesellschaften vereinen könne; dies aber, meint Mandeville, geschehe keinesfalls aus persönlicher Zuneigung. Das wahre Motiv für eine Zusammenkunft mit anderen sei das Eigeninteresse – das Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit in einer Gruppe und das Unbehagen in der Isolation. Mandevilles Zeitgenosse Immanuel Kant spricht in seiner Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht in diesem Zusammenhang vom Zwang zur „ungeselligen Geselligkeit“. Und:
„Mandeville, der Arzt und Philosoph, hatte große Mühe, seine Thesen und Vorschläge unter die Leute zu bringen. Er stieß gegen Mauern. „Die kurzsichtige Menge kann in der Kette der Ursachen selten weiter sehen als ein Glied“, schrieb er. „Die aber ihren Blick darüber hinaus zu richten vermögen und sich die Muße gönnen, das ganze Schauspiel zusammenhängender Ereignisse aufmerksam zu betrachten, können immer und immer wieder finden, wie Gutes aus Üblem entspringt und sich entwickelt wie das Hühnchen aus dem Ei.“
( http://www.zeit.de/2014/25/bernard-mandeville-bienenfabel-wirtschaftsliteratur/seite-2 )
“ sich die Muße gönnen, das ganze Schauspiel zusammenhängender Ereignisse aufmerksam zu betrachten, können immer und immer wieder finden, wie Gutes aus Üblem entspringt und sich entwickelt wie das Hühnchen aus dem Ei.“ … keine schlechte Idee, nicht wahr? 🙂
Jeder hat sie, seine lichte und seine dunkle Seele, seinen Schatten. Und das ist keineswegs krank. Manchmal rede ich mit mir selbst, sozusagen mit meiner anderen Persönlichkeit. Zum Beispiel während ich male. Für diese Unterhaltung brauche und will ich keinen anderen Gesprächspartner, nur mich selbst.
Ich griff also zu Pinsel und Farben, noch sehr inspiriert vom Gemälde „Die zwei Fridas„, das ich letzte Woche während der Frida-Kahlo-Ausstellung sah. Mit diesem Gemälde erzählt sie über ihre zwei Persönlichkeiten. Andere wiederum erzählen darüber in ihren Büchern, wie zum Beispiel Hermann Hesse in seiner Biographie „Der Wanderer und sein Schatten“. Er erzählt überhaupt viel über seine zwei Perönlichkeiten. Jedenfalls, das Thema Hell und Dunkel, Licht und Schatten, Yin und Yang etc. interessiert mich sehr, philosophisch gesehen.
Man sagt zum Beispiel: „Dieser Mensch zeigt nicht sein wahres Gesicht“ oder „Dieser Mensch hat zwei Gesichter“.
Ich habe jetzt auch zwei … in Acryl auf Leinwand 🙂 . Es hat mir Freude gemacht, sie zu malen und dabei meine Gedanken zum Thema fliessen zu lassen. Und das ist dabei herausgekommen: