Der Übergang vom Leben in den Tod

In paradisum sind die Anfangsworte einer lateinischen Antiphon. Erstmals bezeugt ist sie in Handschriften des 7./8. Jahrhunderts. Sie war im Mittelalter noch Teil der Sterbeliturgie, d. h. sie wurde am Übergang vom Leben zum Tod gesungen.

Gabriel Fauré war es ein Anliegen, ein friedvolles Bild des Todes zu zeichnen. „Sein Requiem ist anders … anders in seiner Musik und seiner inhaltlichen Konzeption und es will anders angehört werden. Faurés Bild vom Jenseits ist eine friedvolle und angenehme Vision, ein wenig französisch parfümierter Himmel, einer der alle Fegfeuerschrecken verloren hat.“
SEIN Requiem: „Es ist so sanftmüfitg wie ich selbst“, sagte er im Jahre 1900 und später erläuterte er, daß er den Tod „nicht als ein schmerzliches Erlebnis, sondern als eine willkommene Befreiung, ein Streben nach dem Jenseits ansehe.“
(Quelle: http://www.musicanera.de/weitere-informationen/einfuehrung-zum-requiem-von-gabriel-faure )

In seinem Sinne höre ich seine Musik. Sie tröstet, während ich an alle die Seelen denke, die nun unterwegs sind … von Paris ins Jenseits.

„Ins Paradies mögen die Engel dich geleiten,
bei deiner Ankunft die Märtyrer dich empfangen
und dich führen in die heilige Stadt Jerusalem.
Der Chor der Engel möge dich empfangen,
und mit Lazarus, dem einst armen,
mögest du ewige Ruhe haben.“

Entsetzlich!

Heute morgen erreichten mich Nachrichten, die ich wieder einmal kaum fassen kann. So viele Tote in Paris … Terror!

In solchen Situationen fühle ich mich wie gelähmt, mein Herz beginnt zu rasen und Worte wirbeln durcheinander in meinen Kopf – „Mist!“, denke ich, „werden die Menschen denn niemals dazulernen? Was soll das schon wieder?“ und ich fühle wieder Verzweiflung, das hatten wir doch schon so oft! Hört das denn nie auf?

Worte, die ich unzählige Male gehört habe, machen sich in mir breit. Erst kürzlich las ich wieder:

„Die Menschen sind eine Lebensform von bestenfalls mittelmässiger Intelligenz, die zu Gewaltätigkeiten neigt und die Angewohnheit hat, sich ständig im Kreis zu bewegen.“  
(aus „Ich und die Menschen“/Matt Haig)

… oder vorgestern ein scheinbar zeitloses Zitat von Herman Hesse:

„Ich sehe die heutige Welt wie ein schlechtes Sensationsstück an, … aber doch so, wie man Besoffene ansieht, mit dem Gefühl: wie werden die sich schämen, wenn sie wieder zu sich kommen.“
Aus einem Brief Hesses 1938

… wie enttäuschend und deprimierend das ist. Und diejenigen, die sich dafür schämen, sind gezwungen, den grössten Teil ihrer wertvollen und begrenzten Lebenszeit damit zu verbringen, sich mit den Gewalttaten ihrer Spezies auseinanderzusetzen. Ohne Aussicht darauf, dass sich das jemals ändert.