Über Hamster und ihre Räder, Sinnverlust und Suche

Zwei Einträge von Paula haben mich gerade zurückgeführt zu einem Buch und zu Menschen, die sich nicht erst seit heute, auch nicht erst seit ein paar Monaten, mit diesem Thema beschäftigen. Darum möchte ich hier nochmals einen Textauszug einstellen. Worte, die es Wert sind, gehört und überdacht zu werden:

„Die Menschen wissen nicht mehr, was der Sinn ihres Lebens ist. Sie haben den Sinn für den Sinn verloren. Oft haben sie alles, was man zu einem angenehmen Leben braucht, die wenigsten (hierzulande, wohlgemerkt) leiden materielle Not, und doch hat sich in ihren Seelen ein Gefühl des Ungenügens eingenistet. Sie sind nicht glücklich.

Wie in einem Hamsterrad rennen sie unaufhaltsam durch ihr Leben, ohne dabei je von der Stelle zu kommen. Sie konsumieren und kaufen, suchen Zerstreuung und Unterhaltung und klagen doch über Stress, fehlende Zeit, innere Erschöpfung.   […]

Schon in den fünfziger Jahren spürten wache Zeitgeist-Analysten, welches Stündlein geschlagen hatte. Paul Tillich, der grosse Theologe, war einer von Ihnen. In einem denkwürdigen Essay von 1958 (!) schrieb er, was an uns Heutige adressiert sein könnte:

„Das entscheidende Element in der gegenwärtigen Situation des westlichen Menschen ist der Verlust der Dimension der Tiefe“, und er erläutert, „Tiefe ist eine räumliche Metapher – was bedeutet sie, wenn man sie auf das Leben des Menschen anwendet und sagt, dass sie ihm verloren gegangen sei?“ Und jetzt kommt’s:

„Es bedeutet, dass der Mensch die Frage nach dem Sinn seines Lebens verloren hat, die Frage danach, woher er kommt, wohin er geht, was er tun und was er aus sich machen soll  [….]   Diese Fragen finden keine Antwort mehr, ja, sie werden nicht einmal mehr gestellt, wenn die Dimension der Tiefe verloren gegangen ist. Und genau das hat sich in unserer Zeit ereignet.“

Weiter schreibt er: „Wenn das stimmt, dann könnte es eine dringende Aufgabe unserer Zeit sein, den Sinn für den Sinn neu zu wecken, wachzukitzeln und auszubilden; den Blick neu zu schärfen für das, was dem Leben Orientierung und Halt gibt. Denn ohne das wird sich nichts ändern. Ohne das wird es so weitergehen wie bisher. Wir werden ziel- und planlos durch die Zeit segeln – auf einem Schiff, das von Leuten gelenkt wird, die nicht zu navigieren verstehen.

Weil wir verlernt haben, zu den Sternen aufzublicken. Geschweige denn, nach ihnen zu greifen.

(Textauszug aus „Das grosse Ja“/Christoph Quarch)

Es geht noch sehr interessant im Buch weiter … jedenfalls für Leute, die ihr Hamsterrad verlassen möchten 🙂

Ich habe das Zitat von dem Musiker Edo Zanki bei Paula gelesen und frage mich nun, ob und welche Erkenntnisse er selbst aus seiner Beobachtung gewinnt. Wird er noch schneller werden dank der Ratschläge von fb  ?
https://paulaausdenbergen.wordpress.com/2015/12/04/hamster/

… und was so alles gesucht wird, kommt hier zu Sprache – Worte, die auch überdacht werden sollten! :

https://paulaausdenbergen.wordpress.com/2015/12/04/abgeliebt/

 

5 Gedanken zu “Über Hamster und ihre Räder, Sinnverlust und Suche

  1. Ich hatte die beiden Bloggbeiträge zwar hintereinander , aber eigentlich völlig unabhängig voneinander gesetzt…. Du hast sie logisch geordnet und sinnig eingebunden…. Ich glaube, ich brauche das Buch ! 😊

    Danke !

    Und um auf Edo zu kommen: das F..k off an FB war sehr eindeutig 😉

    • Danke für deinen Kommi 🙂
      Und ja, das Buch wird dir viel geben, es wird dir gefallen! Da bin ich fast sicher und müsste mich sehr in dir irren, wenn es nicht so wäre.

      Bei Edo habe ich natürlich sein F…k off an fb beachtet und hoffnungsvoll gedacht: hoffentlich meint er das ernst!

      Liebe Grüsse zu dir und schönen Tag. Ich werde mich jetzt fertig machen und ins Elsass fahren, um mich mit weihnachtlicher Schönheit zu umgeben 🙂

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